FAZ: BlackBerry 5820 im Test

  • Die E-Mail landet automatisch im mobilen Gerät

    Der Blackberry ist mehr als nur ein Organizer mit Telefon / Neuer Push-Dienst mit hohem Nutzwert



    Elektronische Post spielt überall eine immer größere Rolle. Wer unterwegs die E-Mail liest, ist schneller informiert, nutzt lästige Wartezeiten besser aus und kann eher auf zeitkritische Nachrichten reagieren. Bisher fehlte aber ein passendes Werkzeug für den modernen E-Mail-Nomaden. Mit einem Palm-Organizer und dem Handy ist die Datenübertragung eine zwar funktionierende, aber fummelige Angelegenheit, weil man beide Geräte via Infrarot miteinander koppeln muß. Besser ist da schon der MDA von T-Mobile, ein Pocket PC mit eingebautem Mobiltelefon. Jedoch erfährt man nicht automatisch, wenn eine dringende Nachricht eingetroffen ist.


    Amerika hatte es besser: Hier gibt es seit Jahren den Blackberry, das Statussymbol des erfolgreichen Geschäftsmanns schlechthin - die E-Post läuft von selbst ein. Dieses Gerät ist nun auch in Deutschland erhältlich, und zwar im Vertrieb der beiden Mobilfunknetzbetreiber T-Mobile und O2. Wir haben den Blackberry 5820 im D1-Netz einige Zeit ausprobiert: Auf den ersten Blick erinnert er mit Maßen von 78 × 115 × 15 Millimeter, einem Gewicht von 130 Gramm und dem gestochen scharfen Graustufen-Display an einen Palm-Organizer. Allerdings gibt es keinen Stift und keine Handschrifterkennung, sondern eine kleine Tastatur. Aber die Bedienung - überwiegend mit einem Rädchen und einem Escape-Knopf an der rechten Seite - ist so pfiffig und ausgereift wie bei Palm. Man fährt zum Beispiel auf eine Adresse, drückt das Rädchen kurz und sieht ein Menü mit allen Diensten, die jetzt zur Verfügung stehen: die Person anrufen, ihr eine E-Mail oder SMS schreiben oder sämtliche Daten anzeigen. Solche kontextabhängigen Menüs findet man nicht nur in der Kontaktdatenbank, sondern auch im Kalender, in der Aufgabenliste oder in dem Notiz-Menü. Kurzum: Schon als reiner Organizer für die Verwaltung von Adressen und Terminen ist der Blackberry ein ausgereiftes und alltagstaugliches Gerät. In der mitgelieferten Docking-Station synchronisiert er sämtliche Daten problemlos mit Microsoft Outlook oder Lotus Notes, der eingebaute Speicher von 8 Megabyte ist hinreichend groß, und der Akku hält fast eine Woche.


    Der größte Vorzug des Blackberry ist jedoch der Push-Service für E-Mails, den es sonst nur bei Imode von E-Plus gibt: Der kleine schwarze Begleiter hat ein vollwertiges Dualband-Telefon eingebaut und bleibt dank GPRS "always on". So empfängt er automatisch jede E-Mail, die auf dem heimischen Server eingeht, ohne manuelle Einwahlprozedur. Auf die gleiche wundersame Weise synchronisiert das Gerät künftig auch den Outlook- oder Lotus-Kalender mit dem Unternehmensserver. Trägt die Sekretärin einen neuen Termin ein, ist er wenige Sekunden später auf dem Blackberry zu sehen: Man hat unterwegs immer das aktuelle Outlook oder Lotus Notes in der Hemdentasche.


    Wo liegt der Haken? Der Blackberry funktioniert derzeit nur im Zusammenspiel mit einem Unternehmensserver und einer Spezialsoftware des Herstellers Research in Motion. Die kostet bei T-Mobile für die ersten 20 Lizenzen 5100 Euro oder neuerdings als Small Business Edition 1000 Euro für fünf Lizenzen. Dazu kommen der Handheld für 830 Euro (ohne Kartenvertrag) und eine D1-Karte für die E-Mail-Datenübertragung, die von 50 Euro an im Monat zu haben ist. Wenn man mit dem Blackberry auch telefonieren will, wird der Spaß noch ein bißchen teurer. Kurzum: Dieser Organizer mit seinen vielen Möglichkeiten ist verflixt praktisch und gut, aber gewiß kein Sonderangebot. Skeptische Interessenten haben bei T-Mobile ein Kündigungsrecht in den ersten zwei Monaten nach Vertragsabschluß, wenn sie mit dem Blackberry nicht zufrieden sind.


    Drei Euro am Tag koste der Blackberry, sagt der Hersteller. Dafür spare der typische Besitzer täglich 53 Minuten, weil sich Wartezeiten viel besser nutzen ließen. Auch sinken die Kosten für die IT-Betreuung. Rundum zufrieden ist deshalb Reinhard Adomeit mit dem Blackberry. Er leitet die IT-Dienste der Douglas-Gruppe, zu der nicht nur die bekannte Parfümeriekette gehört, sondern auch Christ-Juweliergeschäfte, Thalia-Buchhandlungen und Hussel-Süßwaren. Die Spitzen-Manager der Douglas-Gruppe nutzen seit einiger Zeit den Blackberry, nachdem es mit anderen Systemen Schwierigkeiten bei der Datenkonsistenz gab: Da stimmten die Einträge auf dem Desktop-PC nicht mit denen des mobilen Geräts überein, Termine waren plötzlich verschwunden oder doppelt eingetragen. "Erst mit dem Blackberry entfiel die ständige Fehlersuche. Wer die Ausgaben für ein mobiles Gerät berechnet, übersieht meist die hohen Betriebskosten unausgereifter Lösungen, die viel Betreuungsaufwand erfordern", meint Adomeit.


    Auch uns hat der Blackberry 5820 im Einsatz über mehrere Wochen hinweg sehr gut gefallen. In Amerika wurde unlängst ein neues Modell mit eingebautem Mikrofon und Lautsprecher vorgestellt, so daß man auf den Ohrenstöpsel beim Telefonieren verzichten kann. Eigentlich bleibt dann nur noch ein Wunsch offen: ein Blackberry für den Privatmann.


    MICHAEL SPEHR


    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2002, Nr. 287 / Seite T2


    Wie immer: Alle Rechte bei der FAZ Deutschland GmbH

    Die großen LKWs des Gartenamts fahren frühmorgens durch die Fußgängerzone und verteilen Schnee. Es wird Winter.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!