Hallo!
Ich als GLS Fahrer muss nun mal meinen Senf dazugeben. GLS ist ein seltsamer Konzern. GLS beschäftigt Unternehmer, die widerum die Fahrer einstellen. Der Vertrag zw. dem sog. Unternehmer und GLS berut auf der Zustellungsquote. Diese Zustellungsquote widerum bedeutet nichts anderes, als das ca. 98% aller tgl. Pakete zugestellt werden müssen. Kurz: bei 100 Lieferadressen pro Tag dürfen also max. 2 Pakete mit zurück ins Depot. Ansonsten kündigt GLS den Vertrag mit dem sog. Unternehmer. Der Unternehmer kündigt folglich den Arbeitsvertrag also lieber recht schnell mit dem Fahrer.
So beginnt der Teufelskreis. Der GLS Fahrer wird nun widerum auf Teufel-Komm-Raus versuchen, das Paket loszuwerden, wenn es sein muss mit einer alternativen Zustellung (AZ), z.B. beim Nachbarn. Sollte ein Paket beim Nachbarn, bei der Apotheke neben an oder irgendwo anders sein; bekommt Ihr einen Durchschlag einer AZ Karte in den Briefkasten oder an die Tür. Auf dieser AZ Karte steht, wo das Paket ist. Das Original muss im Depot abegeben werden! Diese bitte bei Missverständnissen immer anfordern!!! Das alternative Zustellen klappt aber nicht immer da Nachbarn entweder a) nicht zu Hause sind oder b) das Paket nicht annehmen wollen. Ok, also bekommt der Kunde eine Info über den missglückten Zustellungsversuch und das Paket geht mit ins Depot. Sehr zum Ärger der Fahrer, da nun der bestehende Arbeitsvertrag in Gefahr gerät und arbeitslos wollen wir auch nicht sein.
Einfach so vor die Tür dürfen wir das Paket nicht legen (wollen wir ehrlichen Fahrer auch nicht), da nun dem Fahrer eine a) fristlose Kündigung eingereicht wird, b) zudem müssen 700 Euro von dem Fahrer als Strafe an GLS entrichtet werden und verständlicherweise folgen c) zwei Anzeigen von GLS an den Fahrer (Unterschriftsfälschung, Urkundenfälschung). Ok, damit hätte das Arbeitsleben eines "Paketboten" ein Ende - auf ewig in jeder Branche.
Nochmals zurück zu der Zustellungszeit, denn ein normaler arbeitender Bürger ist mittags nicht zu Hause. Ok, die Problemlösung wäre eine spätere Zustellung, z.B., 19 Uhr. Das wird ein Fahrer von GLS nicht machen. Ein GLS Fahrer muss um 5.30 Uhr morgens im Depot sein. Dann stehen wir bis 8.00-8.30 am Fliessband und müssen unsere - entschuldige eure Pakete - sortieren. Ab 9.00 bekommen wir unsere Rollkarten und dürfen los. Im Klartext soll das heissen, wenn wir mittags-nachmittags an eurer Tür klingen, haben wir bereits mehr als 8,5 Stunden gearbeitet. Und Du warst bestimmt noch nicht der letzte Kunde an diesem Tag. Wir versuchen natürlich alles um dein Paket abzuliefern (auch für die die Quote von 98%), aber ohne 12-13 Stunden am Tag bekommen wir das nicht hin.
Ich bitte Euch daher uns geistig dummen Fahren unsere Naivität zu entschuldigen. Wir wissen auch, das bei uns nicht alles in Ordnung ist. Und wenn Ihr das nächstemal ein GLS Fahrer um 18 Uhr auf der Strasse seht, dann dankt Ihm dochmal dafür das er bis jetzt durchgehalten hat, denn er war bereits mehr als 12 Stunden für Eure Pakete unterwegs. Und er wird auch morgen wieder unterwegs sein, um die Pakete eures Nachbarn abzuliefern.
Leider gibt es aber immer wieder "schwache" Fahrer, die aufgrund des Quotendrucks und der langen Arbeitszeit Paket einfach ablegen o.ä. Das ist nicht im Sinne von dem Empfänger (Kunde), des Fahrers, Unternehmers und GLS. Sowas darf einfach nicht passieren. Aber leider passiert sowas, da der Druck enorm ist und manche Fahrer sonst die Menge der Auslieferungen pro Tag nicht bewältigen und körperlich, sowie geistig "kaputt" gehen. Man müsste die Menge der Zustellungen einschränken, aber ich denke dann kann GLS seine Dienstleistung nicht mehr so günstig anbieten. Wie dem auch sei....
Ich habe tgl. mehr als 200 Pakete und ca. 120 Zustelladressen. Bei 10 min pro Kunde sind das 1200 Minuten (20 Stunden) arbeiten. Ich kann mir also nicht viel Zeit nehmen...