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etzt kommt die E-Mail ins Handy
Das neue Siemens S45i zum Lesen der elektronischen Post
Das Siemens S45 ist mittlerweile ein Jahr alt und in technischer Hinsicht noch immer das beste Handy aus München. Das zeitlos schöne Gerät mit silberfarbener Einfassung kommt jetzt in einer neuen "i"-Version für 330 Euro auf den Markt. An der Hardware und am Äußeren ändert sich wenig: Zwei frische Farben stehen zur Auswahl, das früher mitgelieferte Datenkabel fehlt in der Verpackung, die Sende- und Empfangseigenschaften sind leider etwas schlechter geworden.
Verbessert wurden aber viele Kleinigkeiten bei der Software. So ist jetzt die Handhabung der SMS-Kurznachrichten einfacher, weil das lästige Kopieren in den 400 Kilobyte großen Speicher entfällt. Hinsichtlich der Ausstattung hat das S45i mit Profilen und Anrufergruppen, Kalender und erweitertem Telefonbuch alle wichtigen Funktionen fürs Büro eingebaut. Als Tempomacher ist GPRS vorhanden, der Konkurrent HSCSD fehlt ebenso wie der Kurzstreckenfunk Bluetooth. Spielerische Naturen werden ein Farbdisplay und MMS vermissen. Im Unterschied zu den SL-Modellen der Bayern sucht man auch einen MP3-Player oder eine Speicherkarte vergebens.
Hingegen unterstützt das neue S45i als erstes Siemens-Gerät das Senden und Empfangen von E-Mails nach dem POP3- Protokoll, wahlweise leitungsvermittelt oder mit GPRS. Fünf verschiedene Konten für E-Mail-Adressen lassen sich einrichten, ferner auch fünf Provider-Konten für den Zugang zum Netz. So kann man also beispielsweise die E-Mail von GMX mit T-Online abrufen. Es läßt sich ein Größenlimit für den Abruf der Nachrichten vorgeben. Post mit Anhängseln bleibt dann außen vor. Schöner wäre eine Einstellung wie bei Imode, so daß die ersten 1000 oder 2000 Zeichen geladen werden. Dann hätte man von jeder E-Mail wenigstens den Anfang, in dem meistens das Wichtigste steht.
Der Nachrichtenabruf funktionierte bei uns mit verschiedenen Providern und Konten in mehr als 85 Prozent aller Versuche einwandfrei. Hier kann ein Update sicherlich noch mehr Stabilität bringen. Das Lesen neuer Post auf dem Handy hat trotz der kleinen Anzeige durchaus Sinn. So ist man unterwegs stets informiert. Bis zu 100 E-Mails passen in den Speicher, und man kann mit der neuen XTND-Connect- Software für Windows sogar die Post mit Outlook oder Lotus Notes abgleichen. Die neue E-Mail-Funktion ist ein deutlicher Gewinn und für den Profi sicherlich viel wichtiger als ein Farbdisplay oder anderer Schnickschnack. Wir würden in jedem Fall die neue "i"-Version dem älteren S45 vorziehen. Wer aber ein Multimedia-Gerät von Siemens sucht, muß sich noch ein wenig gedulden: Erst im Herbst kommt das nächste Topmodell.
MICHAEL SPEHR
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2002, Nr. 186 / Seite T2