ach herrje, da schreibe ich den ultimativen guide für start-ups in der Krise, und zack schlägt die Konjunktur zu und der Thread ist weg vom Fenster! Nachdem die Zeilen mit so viel Liebe verfasst wurden & ich der Meinung bin, daß sich das arme scheue Kapital viel zu sehr versteckt in dieser oberflächlichen Neidgesellschaft, poste ich sie doch noch, die Anleitung für den kleinen Ackermann oder den kleinen Wiedeking (je nach präferierter Branchenzugehörigkeit - eiskalte Finanzmärkte oder ökologisch vertretbare 25 Liter Autos) in uns allen:
ZitatOriginal geschrieben von baba_akber
Vorraussetzung:
Es steht nur diese 50 Cent zur Verfügung.
Kauf' Dir für 50 Cent eine Nylonschnur und einen Nagel, warte auf Regen, schnapp Dir einen Regenwurm, setz Dich an einen Fluß, verbiege den Nagel, knote ihn an der Nylonschnur fest, wickel' den armen Wurm drum und fang an zu angeln. Wenn Du einen richtig dicken Brocken gefangen hast, verkauf ihn, kauf Dir vom Gewinn einen Holzstock, knote die Nylonschnur dran und angele weiter. Mit dem Gewinn des nächsten Fisches investierst Du in einen richtigen Haken und eventuell bessere Köder (arme Regenwürmer!). Beim nächsten mal kaufst Du Dir engmaschigen Draht, steckst im Gewässer Deines Vertrauens ein kleines Viereck ab und lässt Deine nächsten Fänge laichen (Achtung: wir werden professioneller, also ab sofort Schmiergeld-Rücklagen für eventuelle Ordnungsamtbesuche bilden!) Trägt Deine Fischzucht erste Früchte, wird es Zeit, über den nächsten Karriereschritt nachzudenken: weiter auf den Fischhändler-Pfaden wandeln oder neue Gewässer (Achtung, hübsche Metapher an der Stelle eingebaut! Amazing, wie weit man die dehnen kann..). Solltest Du der Fischerei treu bleiben wollen, ist es Zeit, den Betrieb zu mechanisieren; kauf Dir Reusen und überleg' in der freien Zeit geeignete Guerilla/Viral/sonstige Marketingmaßnahmen, um Dein künftiges Fischimperium auf glänzende Füße zu stellen; keine Sorge, wenn Du der Meinung sein solltest, Du würdest nun ja de facto viel weniger arbeiten, aber mehr einnehmen: Du bist jetzt Management (noch dazu Marketing!), die niederen Tage sind vorbei, Du denkst jetzt das big picture, während an der blue collar Schiene gearbeitet wird (so ist das nunmal in den guten alten vote-yourself-rich-Systemen wie Demokratie - willkommen auf der Sonnenseite!). Steht die Fisch-supply-chain, solltest Du beginnen über Deine Marktpositioinierung nachzudenken; im Massen-Matjes-Markt ist die Marge viel zu niedrig - da muss Exklusivität her! Also werden die banalen Flußfischlein ab sofort gegen hochwertige Störe getauscht - Kaviar, baby, that's the future! Brot für die Welt, glibbrige Masse für die Kö, das soll das Motto sein! Da das Störabschlachten zur Eientnahme allerdings a) nichts für zartbesaitete ist und b) eine ganz schöne Sauerei ist aber vor allem c) wertvolle Betriebsmittel vernichtet, investieren wir die nächste Gewinnrunde in unseren ersten Angestellten: einen Chirurgen (kommen grad alle von der 38-Stunden-Schicht aus der Klinik, leichte Verhandlungsopfer!). der verbringt ab sofort jede freie Minute mit Störe aufschnippeln, Glibber abstauben und per Klammernaht wieder zunähen - ethisch ein wenig bedenklich, aber hey, niemand hat gesagt, daß der Weg nach oben nicht den ein oder anderen Konflikt mit Kleingeistern hervorbringt. Doesn't say fair on the box! So langsam läuft die Sache mit der Expansion, es wird Zeit, über den ultimativen Exit nachzudenken; wo lauert sie denn in diesen harten Zeiten, die gute Kohle! Genau, die Regierung bläst die Kapitalmärkte mit Liquidität zu, da müssen wir hin. Klare Sache, ein IPO ist der einzig wahre Weg! Und wenn Du dann endlich gelistet bist, alle Abzüge für Schmiergeld, schwarze Kassen, gelegentliche Entertainment-Abende (ja so ein management-Dasein ist nicht ohne, für eine Beziehung bleibt da keine Zeit!), das ein oder andere guten-Abend-Näßchen, das Häußchen auf Marbella und den Learjet getätigt sind, kannst Du die vier Euro Restguthaben mit gutem Gewissen spenden: Chrarity give me that good warm feeling!