Beiträge von Carsten

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    Original geschrieben von ElChefe
    Das mag sicherlich so sein, ich denke aber nicht dass man dies auf die Mehrzahl der Demonstranten projizieren kann. Die "Grundpfeiler" des Protestes haben sich sicherlich ausgiebig informiert und haben auch mit Sicherheit weitaus mehr Detailkenntnis als ich, aber wenn ich mir so die Schlagworte der Demonstranten oder auch einige Videos und Reportagen ansehe in welchen Demonstranten zu Wort kommen dann zweifel ich schon ob die überhaupt eine Ahnung worum es geht. Sie wissen sicherlich "warum" sie auf der Straße stehen, aber ihre Motive sind nicht unbedingt konform mit der Faktenlage.


    Vollkommen richtig. Nicht vergessen sollte man dabei aber, dass die Medien je nachdem, in welche Richtung die Berichterstattung verlaufen sollte, bei einer solchen Masse von Gegnern die freie Auswahl unter den vielen haben, die den Protest mit einer absurden Argumentation ad absurdum führen. Ich will damit sagen: Es ist Sache der Medien, ob man nun einen sehr gut informierten Befürworter oder einen völlig verblendeten S21-Gegner in welcher Form man zu Wort kommen lässt. Die Zwischenstufen zwischen den beiden Extremen sind unendlich, darum auch mein Hinweis im vorigen Beitrag, dass die Medien allesamt die Stimmung hier in S nicht korrekt wiedergeben können. Was ich übrigens natürlich auch nicht kann - aber ich kann auf die Diskrepanz hinweisen, damit sich jeder eigene Gedanken darüber machen kann.
    Im Gegenteil aber können die klassischen Medien durch diese Auswahl die Stimmung zu S21 im Rest des Landes durchaus manipulieren, wenn sie das denn wollen.


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    Original geschrieben von ElChefe
    Ist "man" wirklich gegen das Projekt? Bzw. kann "man" wirklich gegen ein Projekt sein, welches man nicht (komplett) versteht? Ich habe den Eindruck, dass viele Personen(gruppen) hier aus unterschiedlichsten Gründen (ob diese rational sind, sei mal dahingestellt) auf einer Protestwelle mitschwimmen und kaum einer die ganzen Zusammenhänge versteht.


    Keiner von uns kann bei Projekten wie S21 alle Zusammenhänge komplett verstehen, aber man kann sich bemühen, durch Eigeninitiative an möglichst viele Fakten zu gelangen. Das wird den wenigsten gelingen, aber eine Meinungsbildung wird dadurch IMHO durchaus möglich. Auch wenn die nicht immer sinnvoll oder zielführend sein muss.
    Ich behaupte übrigens auch, dass die wenigstens Politiker, die über S21 oder ähnliche Projekte abstimmen, alle Fakten kennen. Gerade bei S21 nicht, da vieles im Bereich "Top secret" angesiedelt ist; was aber nicht gerade Vertrauen schafft.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Die ganzen "Fakten", oder eben auch "nicht Fakten" waren doch schon länger bekannt, aber inzwischen hat sich alles hochgeschaukelt und es geht kaum noch um Fakten, sondern Emotionen. Das hilft keinem, am wenigstem der Bevölkerung.


    Nein. Es werden eben so langsam immer mehr Fakten bekannt, die vorher unter den Tisch gekehrt wurden.


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    Original geschrieben von ElChefe
    Das kann schon sein. Die Frage ist aber auch, woher nimmt man sich das Recht einen Konzern oder eine Regierung "anzugreifen" wenn formaljuristisch alles korrekt ist. Ich bin auch dagegen, dass ich jeden Monat an die 40% meines Gehaltes abgeben muss (auch wenn es formaljuristisch korrekt ist), aber wenn ich deswegen mein Finanzamt belagere werd ich eingesperrt...


    Ich hatte bewusst den Begriff "formaljuristisch" gewählt. Entsprechende Links wurden hier im Thread schon mehrfach genannt, wie das durch juristische Kniffe herbeigeführt wurde.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Man kann gerne für eine Sache sein, und seine Meinung durch Demonstrationen kund tun, dieses Recht will ich keinem streitig machen, aber hat schon einen faden Beigeschmack dass in all den Jahren der Planung kaum etwas von S21 zu hören ist und jetzt, wo es eigentlich zu spät ist, kommen alle medienwirksam "aus ihren Löchern". Wenn man etwas hätte ändern wollen, wäre der richtige Zeitpunkt in den letzten Jahren gewesen, aber da hat sich kaum jemand damit auseinandergesetzt und jetzt kochen die Emotionen hoch.


    Siehe oben, ausserdem wurde das ja auch schon mehrfach hier im Thread erwähnt. S21 geht zurück auf Planungen aus 1988, ist somit quasi 22 Jahre alt (wenn auch zwischenzeitlich natürlich teilweise überarbeitet), wurde 1994 der Bevölkerung ohne Details vorgestellt, zwischenzeitlich mal komplett beerdigt und dann wieder exhumiert. Und seitdem kommen immer mehr Fragen auf.
    Emotionen haben hier übrigens nichts zu suchen, finde ich. Sachlichkeit steht der Diskussion in jeder Beziehung besser.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Die Mehrheit hat doch überhaupt keinen Bock sich mit etwas (wichtigem) zu beschäftigen und kommt erst in die Gänge sobald es einen persönlich betrifft oder akut wird - und dann wird meist nicht mehr rational sondern emotional gehandelt.


    Richtig.
    Aber warum dann diese breite parteienübergreifende Front gegen S21, das doch eigentlich die wenigsten persönlich betrifft?


    Ich selbst bin übrigens keineswegs grundsätzlich gegen S21, auch wenn sich das hier so anhören mag. ;)
    Ich bemühe mich vielmehr, die Argumente beider Seiten wahrzunehmen und damit relativ neutral umzugehen.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Das wissen (sehr) viele davon doch selbst nicht. Es ist einfach nur ein Protest, weil die Bevölkerung in Zeiten der Krise nicht verstehen kann wie man 5+ Milliarden Euro für einen Bahnhof ausgeben kann. Was die Bevölkerung doch überhaupt nicht kapiert hat ist, dass fast das komplette Geld für überhaupt nichts anderes hätte ausgegeben werden können. Es stand nicht Bahnhof oder Bildung zur Debatte, sondern Bahnhof (in Stuttgart) oder Verkehrsprojekte (irgendwo anders).


    Das mag sicherlich auf einige zutreffen, aber ganz bestimmt nicht auf alle. Zumindest haben sich alle, mit denen ich in letzter Zeit über das Thema gesprochen habe, auch ernsthaft darüber informiert und sind eben nicht nur dagegen, weil es grade "in" ist.
    Ich weiß nicht, ob Du aus S oder Umgebung kommst. Falls nicht: Die Stimmung hier in Stuttgart ist eine andere als das, was in den Medien seit Wochen breitgetreten wird. Man ist nicht dagegen, um "die Demokratie zu stürzen" oder was sonst noch an Bullshit geschrieben wurde. Man ist überwiegend gegen das Projekt an sich, unabhängig von parteipolitischen Farben.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Davon abgesehen zielte meine Frage auch auf Dinge ab, die einen selbst betreffen. Weniger Sozialleistungen, mehr Steuern, längere Arbeitszeit, höheres Rentenalte - alles Dinge, die einem selbst nur Nachteile bringen.


    Was aber mit S21 nichts mehr zu tun hat und hier auch deutlich zu weit führen würde.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Um es mal auf den Punkt zu bringen, ich bin der Meinung - auch wenn es überheblich klingt - das mindestens 3/4 der Bevölkerung zu "dumm" (mir fällt kein passenderes Wort ein) sind um sinnvoll über unser Wohlergehen abzustimmen.


    Da bin ich durchaus einer Meinung mit Dir - aber, wie gesagt, das passt hier nicht rein. Wobei "zu dumm" wirklich eine sehr schlechte Formulierung ist, ich würde eher sagen "zu uninformiert und zu egozentrisch" oder auch "nicht altruistisch genug" (wobei gerade unsere Politiker letzteres in den seltensten Fällen sind). ;) Aber lassen wir dieses Thema ruhen.

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    Original geschrieben von ElChefe
    Ganz ehrlich, wenn Du jetzt eine Volksabstimmung tätigst ob der Islam in Deutschland verboten werden soll oder, wirst Du ein Ergebnis erhalten welches die Grünen bestimmt nicht sehen wollen. Politik sollte nicht von Emotionen geleitet werden.


    Die Grünen haben vermutlich grade am meisten Angst vor der Stimmung in Stuttgart, weil sie IMHO selbst nach einem Wahlsieg S21 nicht mehr aufhalten werden können, und dann könnte es mal richtig Zunder geben. Denn rein formaljuristisch scheint S21 ja durchaus ordentlich legitimiert zu sein, nur hilft das hinterher weder den Befürwörtern noch den Gegnern.

    Was ich an der ganzen Geschichte noch immer vermisse, sind eben Statements, die die Aussagen der S21-Gegner widerlegen. Nur: Da kommt seit Wochen und Monaten nichts, gar nichts. Schon komisch.


    Einige der Argumente der S21-Gegner, die ich gerne seitens der Bauleitung widerlegt sehen würde, sind unter anderem (alle ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit, ebenso kann ich spontan keine Quellen nennen, da das eine Art Gedächtnisprotokoll ist):

    • bei S21 wurde der Tunneldurchmesser aus Kostengründen derart vermindert, dass bestehende Sicherheitsmerkmale für Tunnelstrecken per Sondererlass des Verkehrsministers Ramsauer genehmigt werden mussten. So sollen z.B. die vorgeschriebenenen Fluchtstrecken so angelegt werden, dass diese sich mit den Fahrstrecken überschneiden.
    • Zudem sollen die Intervalle für Notausgänge ebenso per Sondergenehmigung von 500 m auf 1000 m ausgedehnt worden sein, um Geld zu sparen, während gleichzeitig die potentiellen Rettungskräfte im Notfall (sprich: die Stuttgarter Feuerwehr) personell noch weiter ausgedünnt werden soll, dass sich diese nicht in der Lage sieht, bei einem Notfall schnell und umfassend Hilfe zu leisten.
    • Im Bereich des Flughafens soll der ICE dasselbe einspurige Gleis nutzen wie die dortige S-Bahn. Sprich: Im Zweifelsfall kriecht der schnelle ICE brav hinter der S-Bahn her. Und sollte es in diesem Bereich mal zu einem Ausfall oder einer Panne im S-Bahn-Bereich kommen, ist unweigerlich der ICE-Verkehr in Stuttgart und damit im gesamten (?) süddeutschen Raum gestört.
    • Der Ausbau der ICE-Verbindung Stuttgart HBF - Flughafen mag mit einer Fahrtzeit von 8 Minuten ein riesiger Gewinn sein im Vergleich zum jetzigen Status, wo man mit der S-Bahn etwa 28 Minuten benötigt. Aber lassen wir doch die Kirche im Dorf: Der Flughafen Stuttgart ist im Vergleich mit Frankfurt, München und Düsseldorf ein Provinzflughafen. Und wer von hier in die Ferien fliegt, wird sicherlich nicht mit einem teuren ICE-Ticket vom HBF zum Flughafen fahren, um 20 Minuten einzusparen, sondern weiterhin auf die sehr viel günstigere S-Bahn setzen.
    • Die Argumentation der S21-Befürworter, ein Kopfbahnhof wäre nicht leistungsfähig, und der Stuttgarter Kopfbahnhof soll deswegen nicht auf dem Stand der Zeit sein, mag im letzten Jahrhundert bzw. Jahrtausend noch richtig gewesen sein. Inzwischen gibt es kaum noch richtungsgebunde Züge, vielmehr sind nahezu noch nur richtungsungebundene Züge mit Triebköpfen am Start. Ich kann mich noch daran erinnern, dass vor 25-30 Jahren im Stuttgarter Hauptbahnhof bei nahezu jedem Zug vorne die Lok abgekoppelt und hinten eine neue angekoppelt werden musste. Aber das ist lange her. Und in der Kopfbahnhöfen Frankfurt, München, Leipzig usw. funktioniert das doch auch.


    Was auf jeden Fall mehr als überfällig ist: Die NBS S-Ulm. Ich bin erst heute wieder mit dem Hochgeschwindigkeitszug ICE mit Tempo 70 in Richtung München gerumpelt, Spaß macht das keinen. Und ohne die NBS ist auch S21 an sich eigentlich hinfällig.


    Ich sehe den Diskurs entgegen wohl vielen anderen hier im Forum nicht als parteipolitisches Geplänkel, sondern das Problem liegt nach wie vor in schlechter PR und Kommunikation seitens der DB.

    Re: Schuld der Medien an der Politikverdrossenheit


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    Original geschrieben von telefon22222
    Eine ordentliche Arbeitsweise, These aufstellen, Beweise anführen und diese zu verifizieren um eine sinnvolle Diskussionsgrundlage zu haben fehlt immer mehr.


    Passt exakt auch auf diesen Thread. ;)