ZitatOriginal geschrieben von oecher
Da ist etwas dran. Allerdings halte ich die Schlußfolgerung für falsch. Menschen müssen lernen, bei Dingen, mit denen sie (noch) nicht richtig umgehen können, sich besonders der Risiken bewußt zu werden und nicht alles naiv einsetzen.
Vielleicht sollte man das nicht jedem einzelnen Menschen vorwerfen, aber das ist eine Sache, die die Menschheit langsam begreifen muss.
Da sind wir uns einig, das hat aber sicherlich mit der "Schnelligkeit" der heutigen Zeit zu tun, weshalb ich nicht sicher bin, ob man der Menschheit deshalb einen Vorwurf machen kann (das ist eher ein Fehler der Gesellschaft).
ZitatOriginal geschrieben von oecher
Ich glaub schon.
Aber ein Kühlschrank, der auf's Dach fällt ist doch eindeutig höhere Gewalt(!?) - beim Computer fällt mir jetzt nichts vergleichbares ein. Das thematisierte Problem fällt m.E. da aber nicht drunter.
Ich weiß nicht. Klar, der Vergleich hinkt ein wenig, aber wenn man sich mal ein Ereignis ansieht, das als "höhere Gewalt" definiert wird, sehe ich von der Grundbeschaffenheit da keinen sooo großen Unterschied. Ich würde "höher Gewalt" als ein Ereignis definieren, auf das der Mensch schlicht und ergreifend keinen Einfluß hat. Häufig wird "höhere Gewalt" mit Naturkatastrophen gleichgesetzt, aber ich denke, daß durchaus auch vom Menschen verursachte Ereignisse als höhere Gewalt angesehen werden können (ein extrem drastisches Beispiel wären hier meiner Ansicht nach die Anschläge vom 11. 9. 2001). Ein unbeabsichtigter Download eines solchen Filmes fällt nach meinem Verständnis schon auch zumindest etwas unter den Begriff "höhere Gewalt", denn man hat letztlich auch keinen Einfluß darauf, ob die Datei, die man sich saugt, tatsächlich auch das enthält, was man sucht - man kann seinem virtuellen Gegenüber letztlich nur vertrauen (obwohl das im Internet ohnehin keine ungefährliche Sache ist).
Aber der Vergleich an sich ist schon nicht unbedingt der beste, das ist klar... ![]()
ZitatOriginal geschrieben von oecher
Ok, aber daraus leitest Du doch auch nicht ab, eine entsprechende Person nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn Autofahrer nur auf Autos achten und nicht auf Fußgänger?! (- Ist in Aachen ein großes Problem.)
Keineswegs - ich wollte damit nur sagen, daß Menschen eben ihre Zeit brauchen, bis sie sich an neue Gegebenheiten gewöhnt haben.
ZitatOriginal geschrieben von oecher
Ich bring doch noch mal ein Beispiel: In Fernsehkrimis kommt häufig genug ein Familienmitglied des Ermordeten unter Verdacht. Darf man dem nicht nachgehen, weil die Person evtl. überhaupt nichts damit zu tun hat, zusätzlich emotional aufgewühlt wird und in der Nachbarschaft dann schief angeschaut wird? Es ist die Sache der Kriminalpolizei herauszufinden, ob der Verdacht begründet ist oder nicht, bei Kinderpornographie offenbar Sache der LKAs und ggf. dann der Justiz. - Der Anzeigende hat also nichts zu entscheiden. (Wenn dem so wäre, dann bräuchten wir weder Justiz noch Polizei.)
Das ist natürlich wahr, aber mir geht es eben darum, daß nahezu keine Anschuldigung so großen Schaden anrichten kann, wie es ein Vorwurf tut, der in Zusammenhang mit Kindesmißbrauch steht. Während des Höhepunktes der "Zartbitter" / "Wildwasser"-Skandale gab es mal im SPIEGEL eine Reihe Berichte darüber, was aus den Menschen wurde, denen ungerechtfertigterweise Kindesmißbrauch vorgeworfen wurde: Für diese Menschen war nichts mehr so wie vorher. Viele hatten ihre Arbeit verloren, hatten kaum noch Freunde, und teilweise hat sich sogar die eigene Familie von ihnen distanziert - das zu lesen war echt erschreckend.
Ein Vorwurf aus diesem Bereich entwickelt extrem häufig eine Art Eigendynamik, die nicht mehr aufgehalten werden kann - auch nicht durch einen Freispruch des Angeklagten. Bei kleineren Verbrechen wie z. B. Diebstahl ist das meiner Ansicht nach nicht so schlimm, denn solche Vorwürfe lassen sich ohne größere Probleme in einem Gerichtsverfahren entkräften, bei Kindesmißbrauch sieht das aber anders aus. Bei diesen Prozessen bleibt nach dem Ende häufig ein unangenemer Beigeschmack, weil die Wahrheitsfindung hier extrem kompliziert ist. Da sich Kinder (leider) relativ leicht manipulieren lassen und daher praktisch immer Gutachter eingesetzt werden, die wirderum nicht selten falsche Diagnosen stellen, bleibt nicht selten ein letzter kleiner Verdacht gegen den Angeklagten zurück, und diesen Verdacht wird er nie mehr los, selbst wenn er unschuldig ist. Bei vielen Menschen im Umfeld dieses Angeklagten bleibt dann stets die kleine, bohrende Frage "und was ist, wenn er's doch war?" im Hinterkopf, und dieser Zweifel kann auch die engsten Bindungen zerstören.
Ich schreibe das nicht, um auszudrücken, daß man die Sache auf sich beruhen lassen sollte, ich bin nur der Meinung, daß wenige Dinge eine solch enorme Vorsicht und einen solch besonnenen Umgang erfordern, wie es ein solcher Vorwurf tut.
ZitatOriginal geschrieben von oecher
Ich kann mir Deine Argumentation eigentlich nur mit einem sehr geringen Vertrauen in die genannten Behörden erklären.
Da liegst Du richtig, allerdings ist dieses fehlende Vertrauen dadurch entstanden, daß ich im Laufe der Jahre immer wieder von nicht wenigen absurden (und folgenreichen) Fehlurteilen aus diesem Bereich gelesen habe.