Dann will ich auch mal...
@ wub:
So - ich habe mich jetzt mal durch diesen ganzen Thread gekämpft (was bei aktiviertem "ignore" gar nicht so leicht ist) und habe lange überlegt, ob ich etwas dazu schreiben soll, aber dieses Thema juckt mich einfach dermaßen in den Fingern, daß es einfach nicht anders geht. Daher will jetzt einfach mal so tun, als stünde ich Dir neutral gegenüber und würde Dich nicht kennen.
Das meiner Ansicht nach große Problem an Deinem Standpunkt ist, daß Deine Sichtweise schlicht und ergreifend herzzerreißend naiv ist.
Du legitimierst einen Angriff der Amerikaner dadurch, daß im Irak die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Das stimmt, ist jedoch weiß Gott nicht der Grund, weshalb die Amerikaner so scharf auf diesen Krieg sind (die wahren Gründe sind wirtschaftlicher und persönlicher Natur, wie bereits hier richtig geschrieben wurde).
Wenn Du das aber als Argument verwenden möchtest, müßtest Du gleichzeitig fordern, daß ebenfalls amerikanische Truppen z. B. Nordkorea oder China (siehe hier vor allem die Situation in Tibet!) einmarschieren - dort sind die Menschenrechtssituationen nicht wesentlich besser.
Du schreibst, der Irak bedrohe die restliche Welt. das ist Quatsch, denn das Waffenarsenal des Irak ist zu "minderwertig", um für die Staaten außerhalb der Golf-Region eine Gefahr darzustellen. Das soll nicht heißen, daß eine Anwendung des Arsenals weniger schlimm wäre, weil es auf einer räumlich eher begrenzten Basis geschehen würde - nur wenn die USA verlauten lassen, daß sie sich vom Irak bedroht fühlen würde, kann ich einfach nur lachen. Das einzige, was bei den Amerikanern durch den Irak bedroht wird, ist das Selbstbewußtsein von George W. Bush, und vielleicht der Nachschub an billigem Öl.
Du schreibst, ein Krieg gegen den Irak mit anschließender Absetzung (oder vielleicht gleich Erschießung?) Husseins würde die Menschenrechtssituation im Irak wesentlich verbessern. Das mag kurzfristig sogar stimmen, allerdings hat der Irak hat keinerlei handlungsfähige Opposition, so daß nach einer "Entfernung" Husseins ein gefährliches Machtvakuum entstehen würde. Hierdurch hätte das irakische Volk dann das Problem, daß es ohne politische Führung dasteht, und ein solcher Zustand führt meist nur zu einem: Einem großen, langen und blutigen Bürgerkrieg, dem man wiederum nur mit einer gigantischen dauerhaft installierten militärischen Schutzmacht begegnen könnte. Und wie das gelegentlich enden kann, konnte man in Somalia auf schreckliche Weise sehen. Was also kommt nach Hussein, und wie willst Du die Opfer eines Bürgerkrieges verhindern?
Denn genau das ist das Problem der meisten Menschen, die diesem Krieg (und der wird kommen, da bin ich mir absolut sicher) positiv gegenüber stehen: Niemand denkt darüber nach, wie die langfristigen Folgen einer solchen Handlung aussehen.
Ein generelles Problem ist auch die Tatsache, daß die USA sich ebenfalls nicht im klaren darüber sind, daß ihr Verhalten dazu führen wird, daß zukünftige Weltmächte (mein Tipp ist hier zunächst mal China) dazu erzogen werden, Verträge nur dann einzuhalten, wenn die dem eigenen Land dienlich sind und sonst jederzeit einseitig gekündigt werden können (siehe ABM-Vertrag), daß Verbündete nur dann Verbündete sind, wenn sie keine abweichende Meinung haben (siehe Konflikt mit Deutschland), daß keine Rücksicht auf die Belange anderer Staaten genommen werden muß, wenn die eigenen Interessen davon negativ betroffen sind (siehe Klimaschutz), daß die Verletzung der Menschenrechte ein Kriegsgrund ist (wenn noch andere Interessen dazu kommen), selbst wenn ihrer Einhaltung im eigenen Land auch teilweise eher schlampig nachgekommen wird (siehe Situation der Gefangenen Afghanen in Guantanamo Bay oder z. B. die Tatsache, daß deutlich mehr Schwarze Kapitalverbrecher hingerichtet werden als weiße) - mit anderen Worten: Eine Befürwortung des Irak-Kriegs wie er bevorsteht (nämlich als rein amerikanische Rache- und Wirtschaftsfeldzug) bedeutet IMHO gleichzeitig eine Befürwortung der immer massiver auftretenden amerikanischen Allmachts- und Weltpolizei-Fantasien, ohne aber deren zukünftige Folgen (nämlich massiver Werteverfall bei anderen Ländern mit wachsendem Egoismus) zu bedenken.