Zitat
Original geschrieben von pallmall
Nur, das Problem an der Sache ist, die meisten Dinge, die in der öffentlichen Diskussion beklagt werden, sind real! Da kann man nix positives dran finden, deshalb finde ich es falsch, daß (wenn auch leicht) in die "Beklopptenecke" zu drücken.
Und da es für viele (und zunehmend immer mehr-> normale Folge der technischen Entwicklung) nunmal die Situation, daß sie nicht selber aus ihrer Situation kommen. Es gibt nicht nur blonde Übermenschen, sondern nunmal auch etliche Millionen, die es eben nicht alleine oder aus sich heraus schaffen. Das kann man schlecht finden, aber es ist so. Und dem muss man sich anders stellen als mit solchen Kampagnen.
Und "die da Oben" immer aus jeder Verantwortung zu nehmen, ist falsch. Denn die machen die Gesetze, nicht du und auch nicht ich. Es gibt viele, die etwas tun, aber denen bleibt da meist nur die Schwarzarbeit. Es liegt eben oftmals doch an "denen da Oben", denn Unten geht der Ausgang meist nur in die Kriminalität oder Resignation.
Was mich am Meisten stört, ist der perfide Geist dieser "Du bist..." Kampagne. In meiner Generation hieß es immer "Hilf den Schwachen"-diese Kampagne sagt eigentlich das Gegenteil "Hilf dir Selbst-Ignoriere alles andere". Das wir (also dieses Land) zu Zeiten von "Hilf den Schwachen" besser dagestanden haben, als heute in den "Ackermannjahren", das weiß doch jeder selbst.
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Wo sagt denn diese Kampagne bitte "Hilf Dir selbst-ignoriere alles andere?" Interpretierst Du das nicht da hinein? Ich denke, es ist eher so gemeint, dass man den Schlüssel zu Veränderungen selbst in der Hand hat. Jeder - ja und wirklich jeder - ist in der Lage, zu Veränderungen in Deutschland beizutragen. Nicht im Großen, nicht an der von Dir ja angesprochenen Lage am Arbeitsmarkt z.B. Aber im Kleinen, in der Nachbarschaft, da wo Hilfe nötig ist. Da liegt es an "Dir", etwas zu tun, das ist auch "Dein Deutschland". Ist jetzt nur ein Beispiel, aber das ist ein Teil, wo ich denke, dass auch ein Abzielen in diese Richtung beabsichtigt ist. Denn das "jeder-für-sich-mir-am-meisten" Denken ist doch schon extrem ausgeprägt. Dafür muss ich keinen Spot mehr machen. Sondern genau da muss ich gegensteuern. Und wenn ich das mit so einem Spot teilweise erreichen kann, finde ich das gut.
Dass man an der Arbeitslosigkeit z.B. nix positives finden kann, kann ich nachvollziehen. Aber es hilft auch nichts, von morgens bis abends darüber zu jammern, wie beschissen die Lage ist. Dadurch ändert sich nämlich auch nichts. "Die da oben" Wer ist das? Regierung? Politik allgemein? Die schaffen nicht einen einzigen Arbeitsplatz. Ausser vielleicht in den eigenen Behörden... Arbeitsplätze schafft die Wirtschaft. Und wenn man durch eine Kampagne den ein oder anderen dazu bewegen kann, vielleicht etwas weniger Profit zu machen und dafür einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen oder einen Ausbildungsplatz dann ist auch schon viel gewonnen. Ja, sicher, Politik muss die passenden Rahmenbedingungen gestalten und kann nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Aber für alles ist Politik auch nicht verantwortlich.
Und man kann sehr wohl auch von selbst aus der Lage herauskommen. Ich habe einen arbeitslosen Bruder (Schauspieler), dem es beschissen genug geht. Der hat natürlich auch die Möglichkeit, zu warten, dass ihm jemand aus seiner Situation hilft. Der kann aber auch selbst etwas tun. Auch ohne Schwarzarbeit. Ja, es gibt Möglichkeiten. Der verdient durch seine Gelegenheitsjobs keine Reichtümer, kommt aber irgendwie auch über die Runden. Mehr schlecht als Recht, ab und an motzt er auch (zurecht), aber es hilft nix, wenn man sich nur alles immer negativ einredet. Ein blonder Übermensch ist er jedenfalls nicht.
Sicher ist auch nicht jeder dazu in der Lage, etwas selbst an seiner Situation zu ändern, aber an seiner Einstellung dazu, mit der Situation umzugehen, da kann jeder etwas ändern. Und das finde ich wichtig. Natürlich ist Arbeitslosigkeit nicht schön. Aber muss ich deswegen aufhören, auch positive Dinge zu sehen und die sagen zu können? Oder muss man es als normal betrachten, wenn man dann alles negativ sieht?
Ich denke auch, man kann und sollte nicht alles nur auf das Thema Arbeitslosigkeit reduzieren. Es gibt so viele andere Dinge in Deutschland, über die permanent gejammert wird. Nimm die Rentenproblematik. Die jetzigen Rentner jammern bereits über Belastungen aus Pflegeversicherung und Co. Nachfolgende Generationen werden froh sein können, wenn sie überhaupt noch Rente bekommen vom Staat. Soll ich deswegen jetzt aufhören zu leben, weil ich eh nix bekomme im Alter oder versuchen, das beste aus der Situation zu machen?
Oder oder oder...