Hi CK-187 und Jochen,
ich weiss ehrlich nicht ganz recht, worüber ihr euch aufregt. Vielleicht habe ich was übersehen, und Jochen kennt den Ck-187 schon länger als den grossen Vereinfacher, der alle Diskussionen unfruchtbar polarisiert.
Das Plakat zeigt in naiver Malerei den osm. Sultan Mehmet II. der 1453 Konstantinopel eroberte. darunter die Worte "Kill for you", Worte, die sich mir in diesem Zusammenhang nicht erschliessen - bin wohl schon müde...
Wahrscheinlich sind sie ein Zitat von New Yorker Gangsta Rappern, die sich grosser Beliebtheit bei türkischen Fussballfans erfreuen und auch hierzulande regen Zulauf in die CD-Abteilungen wegen ihrer lyrischen Texte erfreuen...

Naja, sollten es eben Hooligans sein? Gibts hier auch, nicht wenige... Davon ne Entscheidung gegen den EU-Beitritt der Türkei zu machen?? HAbe ich kein Verständnis für, angesichts der vielen handfesteren Fakten: Wirtschaftlicher Rückstand, demokratische Defizite, Zypern, Kurden, usw. Was ist da schon ein Plakat?
Nochmal für die erdkundlich nicht bewanderten, die Türkei IST geografisch ein Teil Europas (Ost-Thrakien), auch wenn die meiste Türkei asiatisch ist. Eben eine Brücke zwischen Europa und Asien. Mit den Wurzeln in Asien, mit dem Antlitz gen Europa, wie es einer mal formulierte.
Und repräsentative Umfragen in der Türkei haben immer wieder ergeben, dass sich die Türken selber zu ca. 90 % als Europäer sehen. Falls jemand in einem früheren Post das nicht glauben wollte.
Was spricht denn für eine Aufnahme in die EU, und zwar im Interesse Europas, gibt es das auch?
1. Die Grenze zu Irak, usw.? Ist das ein Problem? Wenn ja, warum? Die ist jetzt auch durch die zweitgrösste Armee der NATO gesichert, und die Türkei hat auch in der EU den grössten Wirtschaftspartner (Stichwort: Zollunion, Mitglied im Europarat, assoziertes Mitglied der EU, ...). Die Äusseren Staaten haben eben die Aufgabe die Grenzen der EU zu sichern, genauso wie Spanien und Italien nach Süden ihre Küsten immer stärker werden schützen müssen, um den "Flüchtlingsdruck standzuhalten".
2. Wenn Europa einen Clash of Civilizations (Huntington) verhindern wollte, wenn er denn eintreten sollte (wovon ich überhaupt nicht ausgehe!), dann sollte die Türkei lieber auf unserer Seite sein, nicht auf der anderen, denn mit den drei "muslimischen" Staaten in Europa (Bosnien-Herzegowina, Albanien, Türkei) könnte man viel besser vermittelnd agieren. (Ich gehe davon aus, dass irgendwann auch der Balkan komplett in der EU ist, damit auch "muslimische Staaten", was die Diskussion um die Religion obsolet macht...)
3. Europas Öl fließt durch die Türkei (nachfolgend ein Zitat von Günter Seufert, er leitete bis 2001 das Institut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Istanbul; arbeitet heute als freier Publizist aus der "Zeit")
Der Wert der Türkei für die EU liegt primär im Bereich der Außenpolitik. Die Stichworte sind Energiepolitik und Sicherheit. Ende der ersten Augustwoche wurde in London jenes Konsortium gegründet, das die lange geplante Erdölpipeline vom aserbaidschanischen Baku nach Tiflis und von dort zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan bauen wird. Damit haben sich Ankara und Washington nach achtjährigem Ringen um die Erdöl- und Erdgasvorräte in der kaukasischen Senke gegen Teheran und Moskau durchgesetzt. Bereits jetzt durchziehen Röhren mit turkmenischem, iranischem und sibirischem Gas die türkische Erde. Mittelfristig wird die Türkei zur wichtigsten Verteilerstelle der Öl- und Gasvorräte einer Region, deren Reserven Kuwait den Rang ablaufen. Pläne für den Weitertransport der Brennstoffe über den Balkan oder durch die Adria nach Europa liegen in der Schublade. Europa ist - stärker noch als die USA - einseitig von nahöstlichem Erdöl abhängig und hat ein vitales Interesse an sicheren Transportwegen. Und damit an der Türkei.
Die Transportwege müssen geschützt werden. Ankaras große Armee gründet sich nicht allein auf die Begeisterung der Türken für alles Militärische. Das Land ist von potenziellen Krisenregionen umgeben: Balkan, Kaukasus und Naher Osten, alles Gebiete, die für die Stabilität Europas eine Schlüsselrolle spielen. Sosehr die EU-Beamten die starke innenpolitische Stellung des Militärs kritisieren, so sehr loben die Soldaten der europäischen Armeen den kompetenten, überlegten und zuverlässigen Beitrag der Türkei bei der Eindämmung der Krisen auf dem Balkan. Gegen die Türkei ist eine effiziente europäische Außen- und Sicherheitspolitik weder in Südosteuropa noch im Nahen Osten möglich, wo unter anderem die Existenz Israels durch die Türkei mit gesichert wird. Auch der Ausbau der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsinitiative ist nicht ohne die Türkei zu haben. Sie ist ein Schlüsselmitglied der Nato, das sich aus verständlichen Gründen jedem Alleingang der EU in dieser Region widersetzt.
Vom Fluss des kaukasischen Öls wird die Türkei direkt und indirekt profitieren. Schon jetzt sind türkische Firmen im Bereich Bau, Telekommunikation und Lebensmittel in Zentralasien aktiv. Der Ausbau der Transportwege für Öl und Gas wird aus den 240 Millionen Einwohnern der gesamten Region mittelfristig Konsumenten machen, die aus der Türkei als Ausgangspunkt leicht zu erreichen sind. Wer die 67 Millionen Türken nur als Einwanderungsmasse und nicht als einen viel versprechenden Markt betrachtet, wird seine eindimensionale Sicht in 10 bis 15 Jahren gründlich revidieren müssen.
4. Und nicht zuletzt ist die Demografische Entwicklung unseres Landes so, dass schon jetzt die Zuwanderung besprochen wird, auch wenn die Menschen in Deutschland noch nicht ganz reif für das Thema sind, dass wir zuwenige werden, um ein wie bisher funktionierendes Gesellschaftssystem zu bleiben. leerstehende Häuser, Mieteinbrüche, mangeldes Personal in allen Bereichen, besonders im Niedriglohnsektor, Notstand bei Pflegeberufen/Krankenhäusern, keine Arbeitnehmer in der Infrastruktur, Verfall der Infrastruktur, usw. wenn nix passiert, wenn es keine Zuwanderung, zur Abdämpfung und Hinauszögerung der Symptome, gibt... (<-- vereinfacht...
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Dazu brauchen wir junge Steuerzahler, schon jetzt sucht Bayern auf seiner Internetseite nach polnischen Krankenschwestern...
Habt ihr noch mehr Gründe, die im Interesse Europas an der Türkei sind?