Beiträge von Mooney

    Irgendwie geht die Diskussion immer mehr in Richtung "Die Ausstellung - ja oder nein?", dabei sollte es doch primär um die öffentliche Obduktion gehen...


    Ich finde dieses kontroverse Thema höchst interessant und würde mich über mehr Meinungen sehr freuen! :)



    Gruß, Mooney :)

    Ja, chico, da magst Du recht haben: ein großer Teil meiner Abneigung richtet sich gegen die Person v. Hagens, wobei ich seine Leistung sowohl als Präparator, als auch als Entwickler des Plastinationsverfahrens in keinster Weise schmälern will. In Fachkreisen hatte er sich damit einen Namen gemacht und es wurde auch in den Medien über ihn berichtet.
    Ich missbillige es, dass er dieses für die meisten fremde, aber doch faszinierende Fachgebiet meiner Meinung nach primär zur Selbstdarstellung benutzt.


    Ich kann niggos Aussage, die von Nebelfelsen zitiert wurde, zu 100% unterschreiben. Bei einer öffentlichen angebotenen Sektion einer Anatomie-Leiche an einer Uni, stünde die Aufklärung und das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund und es würde nicht ein einzelner seinen Berufsstand missbrauchen, um damit Kasse zu machen und seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.
    Hier wäre eine Möglichkeit, dies beispielsweise alle drei Monate eintrittsfrei in einem Hörsaal an der Uni anzubieten, wobei ich die Sektion einer bereits fixierten (konservierten) Anatomie-Leiche nicht nur für angenehmer, sondern auch für anschaulicher halte, als die rechtsmedizinische oder pathologische Obduktion eines gerade erst Verstorbenen.


    Es ist natürlich nicht durchführbar, allen interessierten fachfremden Personen Zugang zu den Instituten während des normalen Arbeitsbetriebes zu gewähren, da das oft auch einfach ein Platzproblem oder eine Arbeitsbehinderung darstellt. In den Präpariersälen der anatomischen Institute ist einfach kein Platz für Besucher, da alleine sie Studenten oftmals schon dicht an dicht stehen. Als Pathologe oder Rechtsmediziner hätte ich übrigens auch keine besonders große Lust, während meiner Arbeit dauernd von gaffenden Besuchern gestört zu werden.
    Ich schätze, dass es auch auf legalem Wege die Möglichkeit gäbe, sich als Nicht-Mediziner einmal eine anatomische Sammlung oder auch eine bereits Präparierte Leiche anzuschauen. Wenn man mit einem befreundeten Mediziner einmal höflich bei einem der Professoren nachfragt, stünden die Chancen bei vielen meiner Meinung nach gar nicht so schlecht.
    Außerdem gibt es die Möglichkeit, die prinzipiell völlig öffentlichen Anatomie-Vorlesungen zu besuchen, in denen manches auch an der Leiche demonstriert wird.


    Gruß, Mooney :)

    Zitat

    Original geschrieben von chico
    Es ist in der Tat erst mal sehr schwierig den Mann einer Kategorie zuzuordnen.
    Mediziner, Künstler - wohl beides. Aber auf jeden sehr außergewöhnlich.
    Die Ähnlichkeit mit Beuys ist kein Zufall, das wird jeder Beuys Kenner bestätigen.
    Für mich ist er einfach ein Akionskünstler, der Happenings veranstaltet.
    Publicity hat er, braucht er und genießt er natürlich. Das ist einfach eine Bestätigung.



    Naja, die Geschmäcker mögen verschieden sein, aber mein persönliches Verständnis von medizinischer Ethik schließt die Vereinigung von bildender Kunst und Medizin einfach aus, erst recht, wenn Körper von Menschen "verarbeitet" werden.
    Jedes anatomische Institut hat eine Sammlung von Dauerpräparaten und bei einigen ist ein Teil dieser Sammlung auch öffentlich - dies finde ich völlig okay, da sich der Interessierte so wissenschaftlich informieren kann.
    Wenn ein Arzt jedoch zum Beuys-Verschnitt mutiert und überlegt, was er denn noch so alles Spektakuläres mit seinen Leichen anstellen kann, hört's für mich irgendwann auf. Was soll als nächstes kommen? Werden Leichen demnächst öffentlich von Hochhäusern fallen lasen, damit sich jeder ein Bild machen kann, wie ein Selbstmörder aussieht, wenn er unten angekommen ist?


    Zitat

    Die Sensationsgier ist sicherlich da, weil das Thema Tod einfach bei uns noch irgendwo tabu ist.
    Seine Versuche, den Tod wieder in die Normalität zu bringen, finde ich völlig ok.


    Prinzipiell habe ich dagegen ja gar nichts einzuwenden, mich stört nur die Art, wie es teilweise aufgezogen ist und die primäre Intention des Herrn v. Hagens: seine eigene Publicity-Geilheit. Es ist einfach das Gesamtbild, das sich aus vielen Mosaik-Steinen zusammensetzt.



    Ja, ich gebe zu, dass ich als Mediziner in gewisser Weise vorbelastet war.
    Wenn Du sagst, dass es so weniger gruselig für Dich war, scheint die v. Hagens'sche Argumentation zumindest nicht völlig abwegig zu sein.
    Für mich persönlich war es so sogar etwas gruseliger - als jemand, der bisher nur die nüchterne Atmosphäre in der Anatomie bzw. der Rechtsmedizin kennengelernt hat, fand ich es ziemlich befremdlich, die Präparate in doch sehr merkwürdigen Posen vorzufinden. Mein spontaner Gedanke z.B. bei dem Schachspieler war der, das der Kontrast zwischen Alltäglichkeit (Schachbrett) und Tod (Präparat) einfach nur schocken soll.


    Zitat

    Zudem ist das Argument bezüglich der Würde der Toten völliger Schwachsinn, da sie a) dies freiwillig machen und b) verewigt werden.


    Der Stein des Anstoßes liegt hierbei für mich darin, dass v. Hagens die Körper nur als Rohmaterial sieht, aus denen er etwas Hübsches basteln kann. Ich mache dies auch nich primär an der Ausstellung fest, sondern an einigen anderen Punkten, die man so über Herrn v. Hagens erfährt.
    Er will für sein eigenes Ego der "große Aufklärer und Revolutionär der Anatomie" sein, und damit ordentlich Geld verdienen. Ist jemandem von euch bekannt, dass von den nicht unbeträchtlichen Eintrittsgeldern mal eine schöne Spende an die AIDS- oder Krebshilfe gegangen ist? Mir nicht.
    Ich würde meinen Körper durchaus einem anatomischen Institut zur Medizinerausbildung zur Verfügung stellen, nicht aber, um v. Hagens' Taschen zu füllen.


    Zitat

    Allerdings finde ich es auch nicht verkehrt,
    daß interessierte Leute es sehen dürfen. Was spricht dagegen?


    Nichts. Es gibt aber "seriöse" Filme zu diesem Thema und außerdem diverse Fachbücher der Rechtsmedizin und photographische anatomische Atlanten. Eine groß mit Werbeplakaten angekündigte öffentliche Obduktion in Funk und Fernsehen ist eine Aufmache, die für meinen Geschmack einfach pervers ist.


    Zitat

    Die Obduktion hingegen verläuft absolut sachlich.
    Wie bei der Ausstellung haben auch hier die Angehörigen und der
    Verstorbene vor seinem Tod einer öffentlichen Obduktion zugestimmt.


    Die britischen Behörden jedoch nicht. Ich bin wirklich nicht obrigkeitshörig, finde aber, dass sie dennoch ein Wörtchen mitzureden haben.


    Ich bin gespannt, was sich v. Hagens als nächste Sensation einfallen lässt und ob er es schafft, bis an sein Lebensende am Knast vorbeizukommen...


    Just my 2 cents. :)



    Gruß, Mooney

    Na toll, wieder mal ein publicityträchtiges "Meisterwerk" des Herrn v. Hagens. :flop:


    Als Menschen "vom Fach" stört mich am meisten der vorgeschobene Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit und Aufklärung", der die persönliche Publicity-Geilheit von G.v.H. (der übrigens eigentlich Gunther Liebchen heißt) kaschieren soll.


    Im Rahmen meines Studiums habe ich den Anatomie-Kurs absolviert und war auch schon bei mehreren Obduktionen zugegen - das alles hat mit den Aktionen des Herrn v. Hagens nicht allzuviel zu tun.
    Wer sich einmal genauer mit der Thematik beschäftigt, wird schnell erkennen, worum es diesem Zeitgenossen wirklich geht: um Selbstdarstellung!


    Nehmen wir beispielsweise den Hut, der auch von einem Zuschauer, der Live-Sektion kritisiert worden war. Hätte jemand bei uns im Präp-Saal der Anantomie oder im Sektionssaal der Rechtsmedizin einen Hut oder eine Mütze aufgehabt, wäre er hochkant rausgeflogen. Von Hagens meint, er trage ihn als Verehrung für seine Vorgänger (und wollte dies mit einem alten Bild belegen) - in Wirklichkeit soll er jedoch seine Unverwechselbarkeit unterstrichen. In einem anderen Spiegel-Artikel wurde auf Joseph Beuys hingewiesen und die Ähnlichkeit ist in der Tat frappierend. Aber v. Hagens sieht sich ja auch als Künstler... :confused:


    Dies wird auch in der Ausstellung Körperwelten deutlich. Ohne Zweifel mag sie interessant sein, mich stören aber beispielsweise die Posen vieler Präparate. Würde es v. Hagens rein darum gehen, Einblicke in die menschliche Anatomie zu geben, warum stehen oder liegen die Präparate nicht schlicht da, um nicht von der Substanz abzulenken? Nein, die schwangere Tote muss kokett posieren, der Schachspieler mit eröffnetem Schädel und freipräpariertem Rückenmark in Denkerhaltung vor dem Schachbrett sitzen, der "Läufer" seine "fliegenden", weggeklappten Muskeln präsentieren etc. Ein toter Mensch in der Haltung eines Toten wäre ja auch zu langweilig und nicht extrem genug - so kann man viel besser schockieren. Wie schon erwähnt, sieht sich v. Hagens ja auch als Künstler - ich persönlich finde es ziemlich pervers, wenn menschliche Leichen zu verformbaren Kunstobjekten degradiert werden und hätte mir für die Ausstellung eine würdevollere Präsentation gewünscht.


    Nun ist es ja so, dass "Körperwelten" schon rund um den Globus zu sehen waren, sich der Effekt langsam abnutzt und es etwas stiller um Gunther v. Hagens wurde. Ergo musste die nächste Sensation her und das nächste Tabu gebrochen werden - was eignet sich besser dazu als eine Live-Sektion? Reality-TV in dieser Form hat es bisher noch nicht gegeben und somit kann sich v. Hagens auch in dieser Disziplin als Vorreiter präsentieren. Wohlgemerkt: ich bin gar nicht prinzipiell gegen die filmische Darstellung dieses Themas und mir hat z.B. die wissenschaftliche, dokumentarische Haltung des Films "Der Weg nach Eden", der die Arbeit eines ungarischen Prosektors beschreibt ziemlich gut gefallen - bei v. Hagens hingegen sinkt das Niveau leider auf das einer Talkshow.
    G.v.H. Größenwahnsinn und seine Skrupellosigkeit zeigen sich übrigens auch darin, dass er die Sektion im stilvollen Ambiente einer Brauerei trotz behördlicher Verbote durchgeführt hat - für was bitteschön hält sich dieser Mensch, dass er meint, sich darüber einfach hinwegsetzen zu können?
    V. Hagens' Argument, dass Leichenöffnungen früher auch öffentlich waren, ist meiner Meinung nach übrigens ebenso vorgeschoben, wie daneben - früher waren Hinrichtungen auch öffentlich. An dem Tag, an dem der Einschaltquoten wegen eine Sendung a la "Execution-TV" gestartet wird, werde ich meinen Fernseher aus dem Fenster werfen.


    Möglicherweise liegt es an zuvielen Dämpfen von Formalin oder seinem Acrylgemisch, aber in meinen Augen hat der gute Mann schlicht und einfach einen Dachschaden und leidet unter krankhafter Profilierungssucht, Zwang zur Selbstdarstellung und Größenwahn. Das für viele fremde, aber faszinierende Thema der menschlichen Leiche und ihres Innenlebens wird von ihm meiner Meinung nach nur benutzt, um einerseits seinen Bekanntheitsgrad zu steigern und andererseits (siehe seine "Fabriken" in China und Kirgisien) einen ganzen Haufen Geld in seine Tasche fließen zu lassen.


    Wäre ich dazu in der Lage, würde ich ihm seine Approbation entziehen - mit ärztlichem Handeln hat das für meinen Geschmack nämlich nichts mehr zu tun.



    Gruß, Mooney

    Zitat

    Original geschrieben von händiemän
    OT:
    @ Mooney:
    Was war da beim BAUR-Versand? Hab ich da was verpasst?


    händiemän



    Auch OT:


    Ja, da war mal was: es wurde beschrieben, wozu man eine bestimmte Bluse perfekt tragen könne. Leider verbietet es meine gute Erziehung, das hier zu zitieren und außerdem kriege ich den genauen Wortlauf nicht mehr zusammen. ;) Ich habe jedenfalls vor Lachen heulend vor dem Rechner gehangen... :D



    Gruß, Mooney




    Edit: Das war ja noch "drüben" - Kinder, wie die Zeit vergeht.
    Habe jedenfalls nochmal kurz geschaut und diesen Screenshot von 3dc gefunden. Nu aber wieder BOT. ;)

    Zitat

    Original geschrieben von DagBO
    Habe diese Tastatur nicht im Einsatz, da das Klicken für Karen
    zu laut ist...:D


    Danke, Dag, für das Stichwort - ich klinke mich hier mal ein. ;)


    Meine olle HP-Tastatur macht auch einen ordentlichen Lärm, weswegen meine Dame auch schon ein paarmal nudelholzschwingend hinter mir stand. :rolleyes:
    Hat jemand von euch eine Empfehlung für eine gute ruhige Tastatur? Muss nicht die teuerste sein, sollte aber auch nicht zum absoluten Billig-Schrott zählen...



    Gruß & Dank,


    Mooney :)