Früherkennung erfolgt bei der Musterung
Bei sechs bis acht von 100 000 Männern lautet die Diagnose "Hodenkrebs". Obwohl der Hodenkrebs ein seltener Tumor ist, bleibt er unter jungen Männern zwischen 18 und 35 Jahren die häufigste bösartige Erkrankung. Das Tückische an ihm ist: Er bereitet meist keine Schmerzen. "Ein harter und knotiger Hoden kann jedoch auf einen Tumor hinweisen. Weil der Hoden an Masse zunimmt, entsteht oft ein Schweregefühl, das ein Ziehen in der Leiste bewirken kann", erläutert Dr. Michael Hartmann, Flottenarzt und Leiter der Abteilung für Urologie am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, die Anzeichen dieser Krankheit.
Mittels einer Ultraschalluntersuchung lassen sich schon winzige Tumoren mit einem Durchmesser von nur drei bis fünf Millimeter nachweisen. Zudem können bestimmte Blutwerte bei der Diagnostik behilflich sein. "Besteht kein Zweifel mehr, muss der betroffene Hoden in den meisten Fällen geopfert werden", erklärt Hartmann.
Das heißt: Über einen Schnitt in der Leiste wird der Hoden vollständig operativ entfernt. "Die Fruchtbarkeit oder die Sexualität müssen aber nicht darunter leiden - der gesunde Hoden produziert dann allein die benötigten Hormone und Keimzellen", beruhigt der Urologe. Manche Patienten haben auch Glück: Ist der Tumor sehr klein, kann der Hoden erhalten werden. Dann entfernt man lediglich das entartete Gewebe. Für andere wiederum ist es mit der Hodenentfernung noch nicht getan: Haben sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in den nächstgelegenen Lymphknoten gebildet, folgt eine Chemotherapie. Dank großer Fortschritte in der Medizin können etwa 94 Prozent aller erkrankter Männer dauerhaft geheilt werden.
Der Hodentumor entwickelt sich aus den Keimzellen des Hodens. Warum, wissen die Wissenschaftler noch nicht genau. Als Risikofaktor gilt ein Hodenhochstand im Kindesalter - ein verzögerter Abstieg der Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack. In manchen Familien kommt der Hodenkrebs gehäuft vor, so dass eine genetische Veranlagung nicht auszuschließen ist.
Bei Männern, die schon einmal daran erkrankt waren, kann sich auch im anderen Hoden ein Tumor entwickeln. Da Hodenkrebs selten vorkommt, gibt es keine Reihenuntersuchungen. Die einzige Möglichkeit zur Früherkennung bieten die Musterungs- und Einstellungsuntersuchungen bei der Bundeswehr. "Dann muss die Aufklärungsarbeit fruchten", betont Hartmann. "Wir müssen junge Männer für diese Erkrankung sensibilisieren. Der Hoden lässt sich gut selbst abtasten; Veränderungen kann jeder Mann frühzeitig feststellen." hpds
erschienen am 21. Nov 2002 in Hamburg