Radkäppchen und der böse Golf (1995)
Es war einmal im großen, dunklen Schilderwald ein verstecktes Wurzelholz. Dort wohnte in einer alten Rostlaube das kleine Radkäppchen.
Radkäppchen wunderte sich, denn sie hatte seit über sechs Stunden ein paar Schweinswürschtel auf dem Rost liegen, die immer noch nicht fertig waren: „Mensch, das ist aber ein kühler Grill!“
Plötzlich klopfte es an der Tür: „Wer ist da?“
„Ich bin es: Kater Lysator.“
„Oh, Kater Lysator!“
„Tacho, Radkäppchen, das ist Heizung: mein Hundai. Sitz Heizung!“
"Oh was für ein schöner Huny... ich kanns nicht richtig aussprechen, weil Datsun schwieriges Wort ist. Was führt Dich zu mir, Kater Lysator?"
„Nun ich war heute früh schon auf dem Überrollhügel und genoß den wunderschönen Blick, der sich über das Tal bot, da höre ich etwas aufheulen. Und stell Dir vor, es waren Toyoten.“
„Tja, nix is unmöglich!“
„Zuerst dachte ich: Schnell ford, die tun was. Aber dann war mir klar: Der böse Golf war wieder im Wald. Pass also auf Radkäppchen, er hat schon zwei Abschleppseile gerissen.“
„Danke für den Tipo!“
„Gut, dann werde ich mich jetzt wieder ins Gelände wagen.“
Zwei Tage später hatte Radkäppchen fettige Haare. Das lag daran, daß sie immer sehr nahe am Öl stand. Sie wollte sich eh mal wieder richtig auffrisieren lassen und machte einen Termin in der Waschstraße:
„Und dann lass ich mir au‘ die oben liegenden Locken wellen“, machte sich auf den Weg und kam kurz darauf an die Zylinderkopflichtung.
Sie hörte ein Geräusch: „Kikeriki, Super bleifrei eins neunundsechzig, kikeriki, Super bleifrei, kikeriki!“
Aber das war nur der Benzinhahn. Oben auf der Wiese standen 300 Esel und eine japanische Kuh, names Plung: die Kuh Plung.
Die Kuh Plung hatte zusammen mit den 300 SLn einen gesetzlichen Kauvertrag. Und einmal im Monat kam es zu einer Abgrasuntersuchung. Radkäppchen trank eine Tasse schwarzen Tee mit Citroen‘ und plauderte mit zwei Bremsen.
„Warum riecht denn Ihr so komisch?“
„Wir schliefen gerade in einem BMW, einem bayerischen Mistwagen, und jetzt haben wir Kotflügel...“
In dem Moment kam plötzlich der böse Golf Volvo-n der Seite.
„Hallo gehn‘, hallo gehn‘, hallo gehn‘ se doch mal her. Junges Käppchen, darf ich fragen wohin der Weg Sie fiat?“
„Ich muß in die Waschstraße.“
„Dai hat Su aber noch einen langen Weg vor Dir! Schau mal, ich honda zur Stärkung ein Ferrari-Rocher.“
„Nein danke, ich muß auf Ferrari-Rocher immer nissan. Hey!“, sagte Radkäppchen, „ich kenn‘ Dich doch woher! Freilich, genau, ich kenn‘ Dich aus einer Zeitschrift. Genau, ich kenn‘ Dich aussen Spiegel.“
Der böse Golf wurde nun richtig wütend: „Du bist mir vielleicht eine Maz da! Bete schon mal und zünd‘ Kerzen an! Ich werde Dich nämlich in den Schnee ketten!“
Radkäppchen lachte nur. Denn es war Sommer (und sie einunddreißig...)
In dem Moment kam, gerade zufällig, Prinz Borgward zu Calibra – auch genannt der Rote Corsa. Das Radkäppchen schrie: „Esso-S!“
„Keine Angst Radkäppchen. Ich merz`eh des aus.“ Der Golf bekam Angst, denn der Rote Corsa war Opel-Preisträger. Es kam zum Kampf: dodge... puch... dodge, puch, puch... dodge.
„Hau bloß ab!“, sprach der Rote Corsa, „sonst schieß ich Dich mit meinem G’wehr nieder, und dann kannst Du im Himmel Reifen schnitzen!“
„Verstehe: Nieder-G’wehr-schnitz-Reifen.“
„Du kannst von mir aus auch nach Straßen graben. Aber ich schwöre Dir peu Geott: Laß mir das Radkäppchen in Ruh! Und nun zu Dir mein Schatz: Darf ich Dich tiefer legen?“
„Was bildest du dir ein, glaubst vielleicht, du wärst Smart? Du kannst froh sein, wenn ich Dir Deinen Cadillac!“
„Ach, Radkäppchen, nur ein Spritzer!“
„Ein Spritzer? Und in welcher Position?“
„Ei, Du wirst doch jetzt nicht erwarten, daß ich Dir meine Nummern schilder‘! Aber glaube mir: Ich habe den Vorsprung durch Technik.“
„Spinnst Du, ich spiel‘ doch hier nicht Deinen Stoßfänger. Woher kommst denn Du überhaupt?“
„Aus Puff.“
„Naja, Du kannst höchstens meine Achsschenkel vermessen. Mehr geht nicht, weil ich eh gerade auslauf.“
„Verstehe: Geradeauslauf. Macht nix, mir is er eh gerade abg'storbn.“
Trotzdem wurden die beiden noch ein Paar, wie Romeo und ... Alfa. Zur Vermählung spielte ein polnischer Hochzeitslada. Sie konnten sich jetzt jede Menge Chrom leisten und genossen ein Leben voller Lexus in einem 2CV: Ente gut, alles gut.
<by Willy Astor>