Beiträge von <registered>

    schmidt3
    Leider fehlt mir die Zeit, eine gute Biologismuskritik zu entfalten.
    Ich habe aber einen recht guten und nicht zu langen wissenschaftlichen Aufsatz auf meiner Platte gefunden, der sich genau mit diesem Thema befasst und der auch schöne Literaturhinweise enthält.


    Wenn du mir eine PN mit Mailadresse schickst, lass' ich ihn dir gerne zukommen.

    Naja, das "Mindest-" ist der kulturellen Vielfalt aber auch den verschiedenen wirtschaftlichen Situationen in den Ländern geschuldet.
    Das kann man nicht einfach übergehen. Mindeststandards bei den Menschenrechten sind zum Glück in der Rechtstheorie weniger umstritten...


    Ich bin jedenfalls nicht so pessimistisch, dass ich denke, wir lebten in der bestmöglichen Welt. Diese Haltung ist mir zu fatalistisch. Schaut euch mal an, wie weit es Deutschland seit dem 2. Weltkrieg gebracht hat. Welches andere Land hat sich so ehrlich und so konsequent seiner eigenen Vergangenheit gestellt? Wir sind doch trotz aller Ärgerlichkeiten ein Musterbeispiel für kulturelle Weiterentwicklung!


    Man muss nicht, wie die Kommunisten, den neuen Menschen fordern. Es wäre aber sicher ein Anfang, aus jedem das Beste rausholen zu wollen und Menschen nicht wegen einmaligen Scheiterns ein Leben lang in eine Schublade zu stecken (Schulsystem)


    Die Leute schreien momentan nicht nach dem Staat, weil sie ihn so toll finden.
    Das ist lediglich der Mangel an Alternativen.

    Ich weiß nicht, wäre ich im Kalten Krieg oder gar in Mitten der MC-Carthy-Ära in den USA sozialisiert worden, sähe ich wahrscheinlich auch hinter jedem Baum einen Kommunisten. Da wurde mir die Gnade der späten Geburt zu Teil.


    Was man sich aber wirklich mal klar machen sollte, ist, dass weder das Wachstumsparadigma, noch der unbegrenzte Wettbewerb in der Praxis ohne Regulierung tragfähig ist.


    Nur Wachstum würde uns auf lange Sicht wegen der Externalisierungseffekte einer lebenswerten Natur berauben. Das liefe einfach auf die Ausbeutung öffentlicher Güter 'raus.


    Wettbewerb ist auch sehr voraussetzungsreich. Kein Unternehmen strebt nach Wettbewerb. Das Ziel einer Unternehmung muss vielmehr das Monopol sein, am besten ohne dass der Staat das merkt.
    Natürlich ist der Staat oft eine paternalistische Krake, die gerade Wettbewerb verhindert. Aber so wie sich die Welt momentan darstellt, ist es am wahrscheinlichsten, dass es die Nationalstaaten sind, die sich auf supranationaler Ebene auf bestimmte Mindeststandards, auf faire Wettbewerbsregeln verständigen werden. Wettbewerb ist ja kein Selbstzweck. Wettbewerb ist ein Entdeckungsverfahren, es zerstört oft Strukturen, um effizienteren Platz zu machen (Schumpeter). Es produziert viele Verlierer. Aber auch Innovationen und Wohlstand, wodurch es seine Attraktivität gewinnt. Und das ohne planwirtschaftliche Vorgaben.
    Wenn man nun davon ausgeht, dass eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auf Dauer nicht ohne die Legitimation ihrer Bürger auskommt, muss man auch dafür sorgen, dass das Scheitern nicht weiter stigmatisiert wird (das ist in den USA ja besser), dass es ein soziales Netz gibt (John Rawls) und gleichzeitig auch, dass die Menschen überhaupt erst befähigt werden, ihre Begabungen zu entwickeln und in den Wettbewerb einzubringen (Amartya Sen).


    Grundsätzlich bin ich ja dafür, dass alle Belange so freiheitlich wir möglich organisiert sein sollen. Das setzt allerdings Vertrauen voraus.


    Bewährt sich dieses Vertrauen stellenweise nicht, muss irgendein Akteur, der Sanktionsmacht besitzt, flankierend eingreifen.
    Und da ist es mir unter dem Strich noch am liebsten, wenn das ein demokratisch wenigstens mittelbar legitimierter Akteur ist. Und das ist heutzutage immer noch der Staat. Das ist also kein Ausdruck etatistischer Gesinnung, sondern Ergebnis praktischer Logik.

    Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Hilft ihm auch nicht viel, wenn sein Arzt ebenfalls auf der Liste gestanden hat...


    :D


    Zitat


    Das alte Dilemma: Was nützt mir ein Haufen Kohle, wenn ich mich jeden Tag fragen muss ob heute einer vor mir stehen wird der mir eins über die Rübe ziehen will.


    Wenn man das mal verallgemeinert könnte es auch ein guter Erklärungsansatz sein. Vielleicht war es nicht nur die Gier, die die Leute in die europäischen Steueroasen getrieben hat, sondern auch ein diffuses Misstrauen in die Zukunft Deutschlands.
    So als Notgroschen im Ausland...
    Immerhin gibt es doch den Ausspruch, die Bundesrepublik Deutschland sei womöglich nur eine "Schönwetterdemokratie", die ihre Feuerprobe noch nicht hinter sich habe, weil es bisher noch keine richtig große Krise, wie z.B. eine lang anhaltende Rezession gab.

    Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Selbstjustiz am Informaten zu üben kann man sicher in keiner Form gutheißen, dass der Herr aber nicht einfach seine 5 Mio. nehmen und sich einen schönen Lebensabend machen kann, dass hätte er sich auch vorher denken können.
    Schließlich sind da wohl auch ein paar Kollegen auf der Liechtensteiner Liste die alles andere als zimperlich sind.


    Ob er bei der Forderung nach 5 Millionen Euro die Gesichts-OP schon mit eingerechnet hatte?

    schmidt3
    Ich könnte weite Teile deiner Argumentation aus den Angeln heben, indem ich auf den naturalistischen Fehlschluss hinweise, den du begehst, wenn du vom Tier direkt auf die notwendige Lebensweise von Menschen schließt.
    Das wäre aber langweilig, weil auch Deine Beispiele nicht wirklich tragen. Darum im Einzelnen:
    Es ist nicht besonders sinnvoll, auf die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier hinzuweisen. Schon ein winziger Unterschied am Genom kann gewaltige Auswirkungen auf den Phänotyp haben. Das sieht man z.B. bei Erbkrankheiten. Außerdem ist ein Großteil unserer Erbmasse ünberhaupt nicht aktiv.
    Ein weiteres, wichtiges Argument in diesem Zusammenhang sind spontane Mutationen in der Natur. Sie führen auch zu Evolution, sehr oft sogar und völlig ohne Konkurrenzdruck.
    Du übergehst auch, wie stark der Einfluss der Umwelt einen Menschen prägt. Gene allein taugen da einfach nicht als einziger Erklärungsansatz.


    Deinen Überlegungen zum "reinen" Altruismus stimme ich zu. Amitai Etzioni hat diese Unterscheidung glaube ich in der Philosophie verwendet.


    Falls du wirklich alles so biologistisch siehst, wie das hier rüberkommt, müsstest du dich eigentlich auch für weltweit faire Wettbewerbsregeln und eine möglichst gute Befähigung der Individuen aussprechen, so dass sie überhaupt erst am Wettbewerb teilnehmen können.

    Also heiligt der Zweck für dich hier doch die Mittel. ;)
    Was sagst du denn zu dem, was ich einige Beiträge zuvor dazu geschrieben habe?


    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    An anderer Stelle werden auch Belohnungen zur Aufklärung von Straftaten gezahlt, regelmäßig geht Geld auch dort an Leute aus bestimmten Szenen und Millieus. Da regt sich dann auch keiner auf.


    Im aktuellen Fall wird aber eine Straftat an sich belohnt.
    Und man kann nicht mal ausschließen, dass der BND den Täter angestiftet hat.
    Das ist für mich ein slippery slope zum Willkürstaat.


    Ich will eigentlich keine Haare spalten, aber was du hier konstruierst, eine "illegale Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch den Staat Liechtenstein", kann es gar nicht geben.


    Es ist unmoralisch, möglicherweise illegitim, sicher etwas schmarotzerhaft. Aber nicht illegal. Eine Straftat wird erst daraus, wenn die Deutschen das angelegte Geld dann vor dem dt. Finanzamt verschweigen. *Rein* rechtlich gesehen kann Liechtenstein dafür aber nichts.


    Edit:
    Das gibt's nicht. Die haben anscheinend wirklich gezielt Bankmitarbeiter angestiftet:
    http://de.news.yahoo.com/afp/2…teuern-kri-c1b2fc3_3.html
    Aber, wie gesagt, wer kann das beweisen?


    Vielleicht sollte man dem BND-Ausschuss des Bundestages doch viel weit reichenderen Einblick geben. Dann könnte die Regierung nicht mehr behaupten, sie habe über die genauen Methoden des Dienstes nichts gewusst.
    http://www.faz.net/s/Rub594835…Tpl~ecommon~scontent.html