Beiträge von oecher

    Kriegsberichterstattung im TV
    Ich halte es für richtig, dass auch grausame Bilder tagsüber gezeigt werden, obwohl da zweifellos der Jugendschutz Einwände hat. Aus meiner Sicht darf aber Jugendlichen oder Kindern erst recht nicht vorgegaukelt werden, Krieg sei eine saubere Sache - solche Bilder werden ja auch gezeigt. Der Vergleich mit dem Schneiden von Spielfilmen ist m.E. nicht zulässig, weil es dabei (zumindest sehr oft) um die Vermeidung gewaltverherrlichender Darstellung geht, was bei den gezeigten Kriegsbildern wohl keiner vorwerfen wird. Dass Bilder toter Soldaten keinen Informationsinhalt haben sollen, kann ich auch nicht nachvollziehen. Es gibt m.E. weniger aussagekräftige Bilder, etwa schießende Artillerie oder auch die angeblichen Reste irakischer Scud-Raketen in Kuwait. (Gestern hat die ARD übrigens eine amerikanische Militär-Quelle zitiert, wonach keine einzige Scud-Rakete in Kuwait eingeschlagen oder abgefangen worden sein soll, es habe sich ausschließlich um andere Typen gehandelt. Ob das jetzt die Wahrheit ist, weiß ich auch nicht...)

    Zitat

    Original geschrieben von CoolNokia7650
    Was glaubt ihr warum sich Saddam fast wehrlos geschlagen gibt?


    Ich teile die Auffassung nicht! Der Widerstand ist erheblich größer als bei der Bodenoffensive 1991 und das trotz größerer technischer Überlegenheit der "Koalition der Willigen" und einer kleineren Armee Iraks.

    Zitat

    Original geschrieben von CoolNokia7650
    Was meint Ihr, wie lange der Krieg noch dauert?


    Abgesehen davon, dass eine solche Schätzung (immer) äußerst schwierig ist, was ja auch die Schätzungen des amerikanischen Militärs über die Kosten dieses Kriegs zeigen, glaube ich, dass das besser beantwortbar ist, wenn um Bagdad gekämpft wird. Alles andere ist aus Sicht Husseins vermutlich weitgehend unbedeutend, weshalb in und um Bagdad nach Vermutungen aller Militärexperten, die ich dazu gehört habe, das irakische Militär nahezu ihr gesamtes (ernst zunehmendes) Potential konzentrieren.

    Zitat

    Original geschrieben von Thomas Dee
    [...] Und dann tote wie Trophäen vorzuführen zeigt welches kranke Denken die Machthaber im Irak haben.

    Diese Auffassung kann man sicherlich haben, gleichzeitig verweise auch ich auf die Behandlung von mutmaßlichen Terroristen durch die US-Regierung. Wenn ein Staat sich als Vorbildfunktion für die Welt sieht und weltweite Führung beansprucht, dann muss ich an diesen Staat auch höhere Maßstäbe stellen als an jede Diktatur. Leider werden die USA diesen 'moralische Führungsanspruch' immer weniger glaubhaft machen können. Gründe liegen m.E. besonders in der Politik der Bush-Regierung seit Amtsantritt, dann der Behandlung Andersdenkender seit dem 11. September 2001 und jetzt auch in der (nicht gelungenen diplomatischen) Vorbereitung des Kriegs gegen den Irak.

    Zitat

    Original geschrieben von Thomas Dee
    Ich bin der Meinung, Hussein ist das größte Schwein der Neuzeit, und er könnte den Kreig ganz rasch beenden, das ist wohl jedem klar oder?

    Jetzt weiß ich nicht, wie Du Neuzeit definierst - egal: Ich trau mir so ein Urteil nicht zu. Dennoch wäre auch mir recht, er wäre weg - der Weg dazu ist m.E. aber leider völlig falsch. Theoretisch hat Hussein sicherlich die Möglichkeit den Krieg zu beenden, praktisch schätze ich das ähnlich ein, wie die Möglichkeit der Bush-Regierung ihren Aufmarsch nicht in einen Krieg münden zu lassen.

    Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Wenn man wenigstens guten Gewissens sagen könnte: "Ich habe etwas gegen den Krieg getan!"! Aber das können selbst die Kriegsgegner Chirac und Schröder nicht. Warum ist keiner von denen zur Bush Administration und hat alles Menschenmögliche getan? Weil sie sich nicht getraut haben! Stattdessen war nur passiver Widerstand zu spüren. "Nein, wir machen nicht mit!" reicht eben nicht, um einen Krieg zu verhindern.


    Man kann Schröder vorwerfen, sich zu früh festgelegt zu haben, ich weiß es nicht, allerdings war ich mir damals - schon vor Schröders Äußerungen - (fast) sicher, dass die US-Regierung diesen Krieg 'auf Teufel komm raus' will. Ich glaube Schröders Äußerungen waren letztlich das - vielleicht zu frühe - Eingeständnis mangelnden Einflusses auf die US-Regierung. Natürlich hat auch der Wahlkampf eine Rolle gespielt bei der Deutlichkeit der geäußerten Ablehnung. Es gibt zahlreiche Belege für geringen sogar gesamteuropäischen Einfluss auf die Bush-Regierung (vor der Irak-Frage). Schröder hat so aber weltweit den Anstoß gegeben, das Thema überhaupt in der öffentlichen Politik zu diskutieren. Ich bezweifle, dass die Zahl der Regierungen, die heute diesen Krieg ablehnen, so groß gewesen wäre, hätte Schröder damals nicht diese Position so klar eingenommen.
    Diesen Vorwurf der frühzeitigen Festlegung kann man aber den Franzosen nicht machen! Es gab durchaus massive diplomatische Bemühungen der Franzosen, deren politischer Einfluss durch den ständigen Sitz im Sicherheitsrat weit größer ist als der deutsche. Als Beleg führe ich das Ringen um die VN-SR-Resolution 1441 an, bei der Frankreich darauf beharrte, dass die Resolution keine 'Kriegsautomatik' enthält.
    Vielleicht kamen alternative Vorschläge zu spät auf den Tisch, aber auch da ist die US-Regierung nicht unschuldig, weil sie selbst keine klaren Ziele geäußert hat. Für eine Entwaffnung gab es m.E. bis zuletzt eine alternative Möglichkeit, deren Scheitern wie Du auch selbst sagst, auch zu einem Krieg hätte führen können, aber - da stimme ich Dir voll zu - mit anderen, (m.E. weit) geringeren Folgeschäden.
    Es hätte einer wirklich einheitlichen europäischen Haltung bedurft für eine realistische Chance einer Alternative, aber das war leider nicht möglich (was auch schon im Herbst offensichtlich war) - so weit ist Europa noch nicht.
    Letztlich glaube ich, trotz einiger Fehler der "Kriegsgegner", dass dieser Krieg (fast) nicht zu verhindern war - wie gering letztlich sogar der Einfluß der Briten ist, kann man an den letzten Bemühungen um eine UN-Resolution sehen: Die USA waren nicht bereit, den von UK eingebrachten Vorschlag einer Inspektionsverlängerung um wenige Tage zu unterstützen.

    IMTT
    Zwar hast du m.W. damit recht, dass weite Teile des saudi-arabischen Volkes inzwischen eine vernünftige (wirtschaftliche!) Lebensbasis haben, aber wieso dies wegen "westlicher Öffnung" und "guter diplomatischer Beziehungen" geschehen sein soll, bleibt unklar. Wie Du selbst schreibst, ist dafür das Öl verantwortlich, wobei hier sicherlich die OPEC (als Preisgarant) einen wesentlichen Beitrag geleistet hat.
    Die von Dir genannte "westliche Öffnung" hat doch praktisch ausschließlich außenpolitisch stattgefunden (und liegt m.E. an der Abhängigkeit von den USA und wohl kaum dem freien Willen des Regimes).

    Zitat

    Quelle: Auswärtiges Amt


    Saudi-Arabien [...] ist der konservativste islamische Staat der Gegenwart.
    [...] Jede öffentliche nicht-islamische Religionsausübung wird streng verfolgt.
    [...] Besonders auffällig sind die strengen Bekleidungsvorschriften. Noch immer gilt für die Frauen ein Autofahrverbot.
    [...] strenge Kontrolle des öffentlichen Lebens im Sinne einer strikten Durchsetzung wahhabitisch-islamischer Wertvorstellungen, deren Einhaltung von einer „Behörde für das Gebot der guten Taten und für das Verbot der verwerflichen Taten", der sog. Religionspolizei "Mutawa´in", kontrolliert und durchgesetzt wird.

    Das entspricht nicht meiner Vorstellung einer "vernünftigen Lebensbasis", gar von einer Vorbildfunktion zu sprechen zeigt entwender, dass wir völlig unterschiedliche Auffassungen über die Rolle des Staates haben, oder dass Dein Informationsstand m.E. unzureichend ist, um derartige Urteile abzugeben, wie Du es machst.
    Warum hat Saudi-Arabien "gute diplomatische Beziehungen"? Nicht weil es ein verantwortungsvolles Regime ist, sondern insbesondere weil dort die größten Ölvorkommen der Erde sind. Die politische Bedeutung des Landes ergibt sich aus dem gleichen Punkt und aus der Bedeutung der OPEC. Gäbe es keine OPEC (oder etwas ähnliches) wäre die Rivalität unter den Ölförderländern so groß, dass zwar der Ölpreis deutlich fallen würde, was zumindest kurz- bis mittelfristig der Weltwirtschaft helfen würde, die Bedeutung des Landes wäre aber wesentlich geringer: Damit würde sich 'der Westen' noch weniger um die innenpolitischen Zustände kümmern, als es der Fall ist und auch die brauchbare wirtschaftliche Lebensgrundlage der Bevölkerung wäre schlechter.
    Daher kann man von mir aus argumentieren, eine Schwächung der OPEC wäre im Interesse der Weltwirtschaft und nahezu aller Länder; ich behaupte aber, dass dies für Länder, die verhältnismäßig viel Öl fördern und relativ wenig Industrie haben (also alle Länder der Golfregion), nicht gilt. (Abgesehen davon würden sich m.E. mittel- bis langfristig Folgen ergeben, die auch für die Industieländer nicht positiv sind.)

    Zitat

    Original geschrieben von IMTT
    Wenn Kuwait ähnlich gute Entwicklungen hinlegt,
    hat sich das doch schon gelohnt!

    Hm? Verwechselst Du hier Kuwait mit Irak oder wie? Kuwait ist nach meinen Kenntnissen eigentlich in allen Bereichen (nach europäischen Maßstäben) weiterentwickelt als Saudi-Arabien. :confused:
    Falls Du tatsächlich den Irak mit Saudi-Arabien vergleichen willst noch ein Hinweis: Beim Irak handelt es sich um einen säkularen Staat, bei Saudi-Arabien um den konservativsten islamischen Staat der Gegenwart (s.o.).


    Chevygnon
    Sehr guter Beitrag. Ich hab das Gefühl, ich versteh Dich immer besser. Ich bin inzwischen auch überrascht, teils regelrecht entsetzt, wie dumm teilweise auf beiden Seiten argumentiert wird - falls davon überhaupt noch die Rede sein kann.
    Denjenigen, denen es ähnlich geht, möchte ich die Wochenzeitung "Die Zeit" ans Herz legen. Eigentlich gilt das noch viel mehr für diejenigen, die sich von meiner Kritik angesprochen fühlen (sollten). Es gibt auch eine Internetseite, auf der die aktuelle Ausgabe zumindest in Teilen zu lesen ist. Ich verdiene keinen Cent daran, ganz im Gegenteil muss ich für mein Abonnement zahlen, aber ich möchte die Zeitung mittlerweile nicht mehr missen, weil dort keine ernst zunehmende Meinung ausgeklammert wird - dort wird also gezeigt, wie kompliziert die Welt ist.

    Zu den Scud-Raketen:
    Der Irak durfte keine Scud-Raketen besitzen, da sie m.W. eine Reichweite von ca. 300 km haben. Die umgebauten al-Hussein-Raketen, die i.d.R. hier auch als Scud-Raketen deklariert werden, haben etwa die doppelte Reichweite.
    Aus dem Einsatz von Waffen, die er aufgrund von Verträgen oder Resolutionen nicht haben dürfte, ist im nachhinein keine Legitimation eines Krieges möglich. Wer anderer Auffassung ist, soll sich mal mit dem B-Waffen-Programm der USA beschäftigen, das offiziell rein defensiver Natur sein soll. Die USA besitzen große Bestände an biologischen Waffen, das ist weitestgehend unbestritten, die sie nach internationalen Abkommen nicht besitzen dürften. Da aber der Einsatz von Scud-Raketen mit dem Kriegsrecht zu vereinbaren ist und mit Kriegsbeginn auch sämtliche Resolutionen an Bedeutung verlieren, kann der Einsatz m.E. dem Irak nicht vorgeworfen werden.


    Zu Opfern des Kriegs:
    Wenn man jeden Krieg vorbehaltlos ablehnt, also pazifistisch denkt, ist jedes Opfer ein Grund gegen den Krieg.
    Die Gründe, warum ich diesen Krieg für falsch halte, sind weitergehend. Solange sich das amerikanische Militär ernsthaft bemüht (also wesentlich mehr als in Afghanistan), zivile Verluste zu minimieren, werde ich diesen Punkt nur am Rande berücksichtigen. Wer allerdings meint, es träfe nur ein paar einzelne Zivilisten im Irak, der unterschätzt m.E. v.a. die Nachrichten aus den umkämpften Städten im Süden.


    IMTT
    Geh doch mal bitte auf die Vorbildfunktion Saudi-Arabiens für die Region ein, das würd mich ernsthaft interessieren. Der Einwand von mir war für Dich doch neu, oder nicht?
    Vielleicht erklärst Du mir auch, was das irakische Volk für ein Interesse an einer Schwächung der OPEC haben soll.

    Vorher ein paar Bemerkungen:
    Ich bin erfreut, dass das Niveau inzwischen angestiegen ist (auch wenn da m.E. noch Potential ist) und würde gerne zahlreiche Beiträge kommentieren. Ich halte vieles, was behauptet wird für nicht haltbar, kann aber aus Zeitmangel nicht auf alles eingehen.
    Leute, die bis vorgestern nicht wußten, was die Türkei für Gründe haben könnte, in den Nordirak einzudringen, sollten sich m.E. überlegen, ob sie ihre - hier teils vehement vertretene Haltung - auf einer ausreichenden Informationsgrundlage getroffen haben.
    Ich kann mich hier nur Jochen anschließen: Diese Sache ist äußerst komplex und mit Sicherheit kenne ich nicht alle Einflüsse und Auswirkungen; und die, die ich kenne, bewerte ich mit Sicherheit nicht alle richtig. Aber ich fordere insbesondere diejenigen, die den Krieg als nicht vermeidbar ansehen, auf, die Tragweite zu beachten. Es wird mit Sicherheit nicht so sein, dass, wenn Bagdad gefallen ist, Frieden einkehren wird und damit ein Schlußpunkt gesetzt wird. Die amerikanische Theorie, die ich auch nur für vorgeschoben halte, wonach die Demokratie sich im Nahen Osten wie Dominosteine ausbreitet, halte ich für extremst optimistisch - geradezu naiv. Neben der angeschnittenen Kurden-Thematik (wobei auch der Iran hierbei noch eine Rolle spielt), sehe ich eine ganze Reihe Gefahrenpotentiale bei diesem Vorgehen (u.a. im Thread "Old Europe strikes back").


    Zur völkerrechtlichen Legitimation:
    Mir ist kein Völkerrechtler bekannt, der den Angriff nur durch die VN-SR-Resolution 1441 abgedeckt sieht. Nach meinem Wissen sieht sich die US-Regierung durch die Verletzung des Waffenstillstands-Abkommens von 1991 (ich glaube VN-SR-Resolution 687) und die Verletzung weiterer Resolutionen legitimiert. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie jemand allein aus der Resolution 1441 die Berechtigung ableiten soll. Die Androhung "ernster Konsequenzen" kann keinesfalls ausreichend sein, da zur Bewertung der Verletzung von Sicherheitsratsresolutionen ausschließlich der Sicherheitsrat befugt ist. Außerdem hat die US-Regierung zumindest zeitweise - ich weiß nicht, ob das noch gemacht wird - argumentiert, sie nehme ihr Recht auf Selbstverteidigung (Art. 7, UN-Charta) war (Begründung: 11.09.2001).
    Nahezu alle europäischen Verfassungsrechtler teilen o.g. Auffassungen nicht. In den USA ist die Meinung m.W. gespalten.
    Noch etwas: Es ist wenig umstritten, dass die US-Regierung eine weitere Resolution zwar gerne gehabt hätte, dies aber nicht unbedingt aus völkerrechtlichem Interesse, sondern weil ihre Alliierten sie wollten und um weltweit (nicht unbedingt bei Regierungen) an Reputation zu gewinnen oder zumindest nicht weiter zu verlieren. Außerdem spielen die Kosten des Krieges eine Rolle, die dann verteilt worden wären und die gesamtpolitische Verantwortung - sei es bei der Bewältigung diverser Folgen oder auch einem militärischen Desaster.


    Zu Thema Völkerrecht und Demokratie:
    m.E. sollten beide Punkte nicht vermischt werden. Zwar sind beides Errungenschaften der Menschheitsgeschichte, es gibt aber Unterschiede: Das Völkerrecht ist bis heute nicht demokratisch (Veto-Recht im VN-SR) und dient dem Zusammenleben von Völkern, deren Strukturen von völlig unterschiedlichen Leitideen gekennzeichnet sein können. Daher kann man eigentlich zu dem Schluß kommen, dass das Völkerrecht elementarer ist, weil ganz bewußt keine demokratischen Maßstäbe an die einzelnen Länder gestellt werden. Deswegen ist es nach bisherigem Völkerrecht auch nicht möglich eine Demokratisierung oder auch nur ein Regimewechsel als Kriegsgrund darzustellen. (Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, kann man m.E. in solchen Fragen das Völkerrecht durchaus weiterentwickeln, dazu hätte es aber einer breiten Diskussion bedurft.) Bisher gültige Gründe sind: Selbstverteidigung, "Bedrohung für den Weltfrieden" durch Beschluß und ausdrückliche Ermächtigung durch VN-SR und nach modernderer Auslegung auch die Verhinderung von Völkermord (fällt im wesentlichen auch unter "Bedrohung des Weltfriedens").


    Zur Bedrohung des Irak
    Die militärische Bedrohung des Irak seit mehr als 20 Jahren nicht mehr so gering, wie zum Zeitpunkt des Angriffs.
    Der Irak war das bestkontrollierte Land der Welt.
    Die Unterstützung des Terrorismus durch den Irak läßt sich mit Ausnahme der Palästinenser nicht belegen; diese werden durch viele Regierungen der Region unterstützt. Die massiven Versuche der USA und von GB sind fehlgeschlagen, anderslautende Propaganda haben die eigenen Geheimdienste auf ungewöhnliche Art und Weise dementiert.


    Zum Druck auf Irak
    Der Druck auf Hussein war immens groß, die Umfragen ergaben schon vor Monaten, dass ein Zustandekommen des Krieges für überwältigend wahrscheinlich gehalten wurde. Meine Auffassung ist, dass Bush bereits im vergangenen Frühjahr die Entscheidung für den Krieg getroffen hat, der Aufmarsch hatte längst begonnen, als Bush sich an die UNO wandte; zu dem Zeitpunkt war eigentlich schon fast alles zu spät. Es wurden sicherlich Fehler auf deutscher oder auch französischer Seite gemacht, für ausschlaggebend halte ich aber die amerikanische Grundsatzentscheidung, die längst gefallen war und zu der keine Konsultationen stattfanden.


    Zur Kooperation Husseins:
    Niemand bestreitet, dass der Irak schlecht kooperiert hat. Gleichzeitig bestreitet niemand, dass der Irak noch nie so gut kooperiert hat, wie zum Zeitpunkt der Entscheidung für den Angriff.


    Zitat

    Original geschrieben von IMTT
    wer zweifelt noch daran, das aus dem Irak ein zweites Saudie-Ariabien werden kann?


    Ohne Dir zu nahe treten zu wollen: Das ist die Art von Kommentaren, die in dem Thread noch öfter zu finden sind, bei denen es mir die Sprache verschlägt. :rolleyes:
    Saudi-Arabien wird bereits als nächstes mögliches Ziel im "Anti-Terror-Kampf" von Bush diskutiert, obwohl es nicht zur "Achse des Bösen" gehört.
    Warum gehört es offiziell nicht zu den "Bösen" und wird dennoch als Ziel diskutiert?
    Saudi-Arabien war lange Zeit der vielleicht engste Verbündete der Golfregion (daher wohl auch Dein Eindruck der Vorbildfunktion), unterstützt jedoch die palästinensischen Terror-Organisationen in einem ähnlichen Ausmaß wie Hussein. Außerdem stammten etwa 3/4 der Terroristen vom 11.09.2001 aus Saudi-Arabien. Es gibt weitere Gründe, aber da meine Kenntnisse hier nicht detailliert genug sind, um hier aus dem Kopf heraus mehr zu behaupten, belasse ich es vorerst dabei.


    IMTT
    Ich bezweifle, dass eine Zerschlagung/Schwächung der OPEC - ich nehm an, dass hast Du gemeint - im Interesse des irakischen Volkes ist.


    Historische Vergleiche simplifizieren und sind hier auf beiden Seiten m.E. unangebracht.

    Zitat

    Original geschrieben von Stefan
    12 Jahre Diplomatie haben nichts gebracht, ausser, dass Saddam genug Zeit hatte auf zu rüsten.


    Du scheinst das ernst zu meinen. :confused:
    Ich zweifel langsam daran, dass Du auch nur halbwegs informiert bist.

    Zitat

    Original geschrieben von Stefan
    Der Besitz von Scud-Raketen, welche auf Kuwait abgefeuert wurden, war ein klarer Verstoß gegen UN-Resulutionen - Ein Krieg hätte somit wohl ein UN-Mandat bekommen.


    Es gibt bisher keine Bestätigung von neutraler Seite, dass es sich um Scud-Raketen gehandelt hat. Es gibt auch von amerikanischer Seite Berichte, die von al Samud-Raketen sprechen.

    Zitat

    Original geschrieben von Stefan
    Daran sieht man doch, dass die UN die letzten Jahre nur verarscht wurde - und ihr nehmt diesen Verbrecher noch in Schutz. Unglaublich.


    Ich hab das Gefühl, dass Du ganz schön von amerikanischer Propaganda verarscht wurdest. Eine derart einseitige Sicht (Bush ist gut, Hussein böse) halte ich für völlig daneben.
    Natürlich ist es das Recht von Hussein, seine Soldaten zu motivieren. Bush verwendet zwar andere Mittel, letztlich ist sein Ziel genau das gleiche.
    Und natürlich hat Hussein das Recht Waffen gegen Kuweit einzusetzen - das ist völkerrechtlich völlig unstrittig. Und solange er nicht auf ABC-Waffen dabei setzt, oder gezielt zivile Ziele angreift, wird das auch so bleiben.


    Egal ob Pro oder Contra: Ich kann nur jeden waren, zu einseitig zu beurteilen.
    Ich habe selbst eine klare Position; es gibt andere Positionen, die ich respektieren kann; Deine aber ehrlich gesagt nicht.

    Zitat

    Original geschrieben von Stefan
    Bei allem Anti- und Pro-Kriegs-Gerede müssen wir uns allerdings bewusst sein, wer in diesem "Spiel" der "Böse" ist. Hussein oder Bush? Die Antwort sollte jedem mit halbwegs intaktem Menschenverstand sehr leicht fallen.


    Nach meiner Überzeugung ist eine Aufteilung der Welt in "Gut" und "Böse" nicht machbar. Selbst wenn Hussein der "bösen" Seite zugeordnet wird - so abgeneigt bin ich da gar nicht - heißt das 1. nicht, dass die andere Seite automatisch "gut" ist und 2. die "gute" Seite alles richtig machen muss und damit die Welt in die richtige Richtung lenkt. Bush ist m.E. genau davon aber überzeugt. Ich halte diese Einstellung für völlig falsch und höchstgefährlich.


    Johann Grabner
    Deine Aufstellung an Opfern, die Du dem "bösen" Hussein zurechnest, ist doch ein wenig arg einseitig. Die Argumentation der US-Regierung, dass dies einen Angriff rechtfertigen soll ist noch sehr neu, überlagert andere Interessen und dient als moralistische (v.a. innenpolitische) Begründung. Man kann nicht einfach alle Opfer der Region ihm alleine anlasten, man muss dabei auch den Anteil anderer bedenken.


    Zur Berichterstattung:
    ARD und ZDF bemühen sich m.E. sehr eine kritische Berichterstattung zu machen, auch bei RTL und SAT1 gibt es eine ganze Reihe kritischer Untertöne (allerdings hab ich die beiden Sender eher weniger geschaut). Bei CNN scheint man sich aber in erschreckendem Maße von amerikanischer Regierungs-/Militär-Seite instrumentalisieren zu lassen.
    Ich geb jedem den Tipp, alle Nachrichten mit Fragezeichen zu versehen - ich möchte daran erinnern, dass vor 12 Jahren im letzten Golfkrieg die Berichterstattung fast ausschliesslich propagandistisch war: Der Wahrheitsgehalt war sehr gering.

    Zitat

    Original geschrieben von Krähe
    Ich befürchte, da gibt es nichts zu hoffen - meiner Ansicht nach stand der Krieg schon vor Wochen fest... :(


    Ich muss mich dem anschließen, glaube aber, dass es sogar schon seit Monaten eindeutig darauf hinauslief. Alles andere wäre eine historische Sensation gewesen, die die gegenwärtige US-Regierung als historische Schwäche der USA angesehen hätte...

    Zitat

    Original geschrieben von HandyGamer
    - Beim ersten Golfkrieg sind 3600 irakische Bürger umgekommen.


    - Während des Saddam-Regimes sind 1,5 Millionen Regime-Gegner, Kurden und Shiiten unter anderem mit Giftgas ermordet worden.


    Nachdem mir die erste Zahl sehr niedrig vorkam, hab ich ein wenig recherchiert. Leider ist es mir nicht gelungen, die direkten Quellen der Schätzungen zu finden.
    Ich nehm mal an, dass mit "Bürger" ausschließlich Zivilisten gemeint sind.


    Bei Amnesty International habe ich folgendes gefunden:

    Zitat


    Dies betrifft also den direkten Beschuss.
    Die gleiche Quelle schätzt die Anzahl der verstorbenen Flüchtlinge auf 15.000 bis 30.000. Langzeitschäden durch zerstörte Trinkwasserversorgung oder radioaktiv belastete Gebiete (panzerbrechende Uran-Munition) sind auch hier nicht berücksichtigt.
    Andere Quellen schätzen die Gesamtzahl der zivilen Opfer insgesamt (also mit Folgeschäden) auf bis zu 200.000.
    Für die Anzahl der der gefallenen Soldaten sind die Schätzungen in ähnlicher Größenordnung. (Ich verzichte hier auf Quellenangaben, weil ich nichts wirklich fundiertes dazu gefunden habe.)


    Zu den direkten Opfern Husseins habe ich mehrere Schätzungen gefunden, die "über 1 Million" angaben - das deckt sich auch mit dem, was ich dazu wusste. Andere Schätzungen sind im Bereich von Hunderttausenden, die Größenordung ist hier also nicht so sehr umstritten.


    Das mit dem Aufrechnen ist generell so ne Sache, wie Du ja auch selbst feststellst.


    Unberücksichtigt sind hier auch noch die Opfer durch die UN-Sanktionen. Ob diese aber Hussein oder den Alliierten zugerechnet werden sollten, ist fraglich.