Kriegsberichterstattung im TV
Ich halte es für richtig, dass auch grausame Bilder tagsüber gezeigt werden, obwohl da zweifellos der Jugendschutz Einwände hat. Aus meiner Sicht darf aber Jugendlichen oder Kindern erst recht nicht vorgegaukelt werden, Krieg sei eine saubere Sache - solche Bilder werden ja auch gezeigt. Der Vergleich mit dem Schneiden von Spielfilmen ist m.E. nicht zulässig, weil es dabei (zumindest sehr oft) um die Vermeidung gewaltverherrlichender Darstellung geht, was bei den gezeigten Kriegsbildern wohl keiner vorwerfen wird. Dass Bilder toter Soldaten keinen Informationsinhalt haben sollen, kann ich auch nicht nachvollziehen. Es gibt m.E. weniger aussagekräftige Bilder, etwa schießende Artillerie oder auch die angeblichen Reste irakischer Scud-Raketen in Kuwait. (Gestern hat die ARD übrigens eine amerikanische Militär-Quelle zitiert, wonach keine einzige Scud-Rakete in Kuwait eingeschlagen oder abgefangen worden sein soll, es habe sich ausschließlich um andere Typen gehandelt. Ob das jetzt die Wahrheit ist, weiß ich auch nicht...)
ZitatOriginal geschrieben von CoolNokia7650
Was glaubt ihr warum sich Saddam fast wehrlos geschlagen gibt?
Ich teile die Auffassung nicht! Der Widerstand ist erheblich größer als bei der Bodenoffensive 1991 und das trotz größerer technischer Überlegenheit der "Koalition der Willigen" und einer kleineren Armee Iraks.
ZitatOriginal geschrieben von CoolNokia7650
Was meint Ihr, wie lange der Krieg noch dauert?
Abgesehen davon, dass eine solche Schätzung (immer) äußerst schwierig ist, was ja auch die Schätzungen des amerikanischen Militärs über die Kosten dieses Kriegs zeigen, glaube ich, dass das besser beantwortbar ist, wenn um Bagdad gekämpft wird. Alles andere ist aus Sicht Husseins vermutlich weitgehend unbedeutend, weshalb in und um Bagdad nach Vermutungen aller Militärexperten, die ich dazu gehört habe, das irakische Militär nahezu ihr gesamtes (ernst zunehmendes) Potential konzentrieren.
ZitatOriginal geschrieben von Thomas Dee
[...] Und dann tote wie Trophäen vorzuführen zeigt welches kranke Denken die Machthaber im Irak haben.
Diese Auffassung kann man sicherlich haben, gleichzeitig verweise auch ich auf die Behandlung von mutmaßlichen Terroristen durch die US-Regierung. Wenn ein Staat sich als Vorbildfunktion für die Welt sieht und weltweite Führung beansprucht, dann muss ich an diesen Staat auch höhere Maßstäbe stellen als an jede Diktatur. Leider werden die USA diesen 'moralische Führungsanspruch' immer weniger glaubhaft machen können. Gründe liegen m.E. besonders in der Politik der Bush-Regierung seit Amtsantritt, dann der Behandlung Andersdenkender seit dem 11. September 2001 und jetzt auch in der (nicht gelungenen diplomatischen) Vorbereitung des Kriegs gegen den Irak.
ZitatOriginal geschrieben von Thomas Dee
Ich bin der Meinung, Hussein ist das größte Schwein der Neuzeit, und er könnte den Kreig ganz rasch beenden, das ist wohl jedem klar oder?
Jetzt weiß ich nicht, wie Du Neuzeit definierst - egal: Ich trau mir so ein Urteil nicht zu. Dennoch wäre auch mir recht, er wäre weg - der Weg dazu ist m.E. aber leider völlig falsch. Theoretisch hat Hussein sicherlich die Möglichkeit den Krieg zu beenden, praktisch schätze ich das ähnlich ein, wie die Möglichkeit der Bush-Regierung ihren Aufmarsch nicht in einen Krieg münden zu lassen.
ZitatOriginal geschrieben von Jochen
Wenn man wenigstens guten Gewissens sagen könnte: "Ich habe etwas gegen den Krieg getan!"! Aber das können selbst die Kriegsgegner Chirac und Schröder nicht. Warum ist keiner von denen zur Bush Administration und hat alles Menschenmögliche getan? Weil sie sich nicht getraut haben! Stattdessen war nur passiver Widerstand zu spüren. "Nein, wir machen nicht mit!" reicht eben nicht, um einen Krieg zu verhindern.
Man kann Schröder vorwerfen, sich zu früh festgelegt zu haben, ich weiß es nicht, allerdings war ich mir damals - schon vor Schröders Äußerungen - (fast) sicher, dass die US-Regierung diesen Krieg 'auf Teufel komm raus' will. Ich glaube Schröders Äußerungen waren letztlich das - vielleicht zu frühe - Eingeständnis mangelnden Einflusses auf die US-Regierung. Natürlich hat auch der Wahlkampf eine Rolle gespielt bei der Deutlichkeit der geäußerten Ablehnung. Es gibt zahlreiche Belege für geringen sogar gesamteuropäischen Einfluss auf die Bush-Regierung (vor der Irak-Frage). Schröder hat so aber weltweit den Anstoß gegeben, das Thema überhaupt in der öffentlichen Politik zu diskutieren. Ich bezweifle, dass die Zahl der Regierungen, die heute diesen Krieg ablehnen, so groß gewesen wäre, hätte Schröder damals nicht diese Position so klar eingenommen.
Diesen Vorwurf der frühzeitigen Festlegung kann man aber den Franzosen nicht machen! Es gab durchaus massive diplomatische Bemühungen der Franzosen, deren politischer Einfluss durch den ständigen Sitz im Sicherheitsrat weit größer ist als der deutsche. Als Beleg führe ich das Ringen um die VN-SR-Resolution 1441 an, bei der Frankreich darauf beharrte, dass die Resolution keine 'Kriegsautomatik' enthält.
Vielleicht kamen alternative Vorschläge zu spät auf den Tisch, aber auch da ist die US-Regierung nicht unschuldig, weil sie selbst keine klaren Ziele geäußert hat. Für eine Entwaffnung gab es m.E. bis zuletzt eine alternative Möglichkeit, deren Scheitern wie Du auch selbst sagst, auch zu einem Krieg hätte führen können, aber - da stimme ich Dir voll zu - mit anderen, (m.E. weit) geringeren Folgeschäden.
Es hätte einer wirklich einheitlichen europäischen Haltung bedurft für eine realistische Chance einer Alternative, aber das war leider nicht möglich (was auch schon im Herbst offensichtlich war) - so weit ist Europa noch nicht.
Letztlich glaube ich, trotz einiger Fehler der "Kriegsgegner", dass dieser Krieg (fast) nicht zu verhindern war - wie gering letztlich sogar der Einfluß der Briten ist, kann man an den letzten Bemühungen um eine UN-Resolution sehen: Die USA waren nicht bereit, den von UK eingebrachten Vorschlag einer Inspektionsverlängerung um wenige Tage zu unterstützen.