Meine Herausforderung mit der Contra-Einschätzung so mancher zu Elop ist, dass hierbei sämtliche negativen Vorgeschichten, Rahmenbedingungen wie jahrelangen strategischen Fehleinschätzungen Nokias auf eben diese eine Person konzentriert werden.
Dabei haben Ollila in der späteren Periode (CEO von 1992-2006, in der ersten Hälfte führte er Nokia zum Global Player und Marktführer) und Kallasvuo (CEO von 2006-2010) die strukturellen Probleme Nokias zu verantworten gehabt. Sie waren es, welche es zu vertreten haben, dass Symbian (welches bereits jahrelang vor Elop erodierte) kein rechtzeitig marktreifes und starkes Nachfolger-OS parat hatte. Sie ließen es zu, dass die MeeGo-Entwicklungsabteilung intern jahrelang isoliert wurde, auf Sparflamme zu Gunsten der Symbian-Truppe gehalten und wenig wertgeschätzt wurde. Sie schätzen den Mitbewerber Apple mit seinem iPhone aus der Perspektive der Arroganz und mit Attitüden spätrömischer Dekadenz falsch ein. Auch behandelten sie sich die Kostenseite nicht mit dem nötigen Respekt. Sie blähten den Wasserkopf Nokias auf und verstärkten das strukturelle Problem noch, indem sie den Wasserkopf im wesentlichen unverändert fortführten, als die Marktanteile bereits im Sinkflug waren. Jedes Quartal kam dann die Botschaft: 'Die Anteile sinken zwar, aber das ist nur vorübergehend; es wird schon wieder demnächst.' Vogel-Strauß-Strategie kann man das nennen.
Die Bewertung Elop gleicht mir in etwa so: Jemand wird während eines Fußballspiels in der 75 Minute eingewechselt. Die Mannschaft steht mit 2:10 im Rückstand. Das Spiel geht 6:12 aus. Dieser wird nun am Ende des Spiels für die Niederlage verantwortlich gemacht.
18 Jahre standen Ollila und Kallasvuo in der strategischen Verantwortung.
3 Jahre Elop.
Und genau diese vergleichbare Sichtweise ist mir zu einseitig.
Wenn ein strategisches Risiko einer auf viele Jahre ausgerichteten strategischen Planung schlagend wird, dann dauert es eben viele Kalender-Jahre, um sich davon wieder zu erholen. In der Technologiebranche, wo ein IT-Jahr gefühlt nur drei Monate dauert, erst recht. Beispiele gibt es viele (HP, Motorola).
Elop hatte (um das noch einmal provokant an der Stelle deutlich zu machen) nur einen 14%igen CEO-Anteil an 21 Jahren 'jüngster' (Ironie) Nokia-CEO-Geschichte, wenn wir die obigen Jahre gewichten.
Elop hat das Unternehmen Nokia aus der Krise geführt. Es saniert. Den Turnaround geschafft. Trotz aufziehender Insolvenz und Cash-Burn-To-Kill-Gerüchten. Heute steht das Unternehmen wieder gut da. Bei allen Sentimentalitäten und diversen Gefühlslagen der Nostalgiker sind das die belastbaren Fakten, welche am Ende der Amtszeit übrig bleiben. Genau das tilgen manche bei ihrer Einwertung.
Das ist meine unverrückbare Position. Wenn wir damit nicht zusammenkommen, dann ist das halt so. Das machen wir dann an anderer Stelle wieder. :p 