Zitat
Original geschrieben von ElChefe
Beim derzeitigen Zinsniveau würde ich eher weniger als mehr EK investieren... Man bekommt durchaus 1,8 oder weniger für Vollfinanzierungen und 15 Jahre Zinsbindung.
Eigentlich steckt in Deiner Aussage schon die Grundlage meiner Antwort:
DERZEIT
Nach 15 Jahren Zinsbindung gelten neue Konditionen.
Und die Zinsen, die Du dann bezahlst, orientieren sich am Zinsniveau und an der Restschuld als Rechengröße.
Dabei stellen die günstigen Baufinanzierungszinsen heute die möglichen Zinsrisiken in der Zukunft dar. Deswegen ein kurzer Blick zurück - was runter geht, kann auch wieder steigen:
http://www.interhyp.de/interhy…=121&green1=121&blue1=121 (rechts daneben in der Tabelle bitte eine Laufzeit anklicken, damit der Chart kommt)
Anhand Deines Beispiels mit 15 Jahren Zinsbindung stellen wir fest: Vor 15 Jahren war die Differenz der 10y-Pfandbriefrendite zu heute (am Chart-Bild abgelesen: 5,75%-0,50%) 5,25%, bedeutet, so viel weniger muss man heute für ein Annuitätendarlehen etwa zahlen.
Mal angenommen, diese Differenz kehrt sich nun vollständig ins Gegenteil um, wenn Deine Zinsbindung in 15 Jahren abläuft. Du nennst 1,8% -die Zahl nehme ich mal frech wie ich bin- plus 5,25% = 7,05%, so lautet dann der neue Zinssatz für die folgenden 15 Jahre (sofern das gleich bleibt; an der Stelle wird man kürzere Ablauffristen wählen) nach Deinem aktuellen Zinsablauf. Es ist doch dann für Dich besser, die Rechnungsgrundlage für Deine neue Zinszahlung (=die Restschuld) wäre zu dem Zeitpunkt niedriger. Das erreichst Du nur durch eine starke Tilgung in der Anfangsphase. Ich meine 5,25% teurer bedeutet bei einer Restschuld von 300 TEUR, dass die monatliche Belastung bei gleicher Tilgung (für das nachfolgende Beispiel mal angenommen 0%) um 1.312,50 EUR (bisher bei 1,8% 450 EUR, dann bei 7,05% auf einmal 1.762,5 EUR Zinsanteil, der zusätzlich zur Tilgung zu entrichten ist) verteuert. Berücksichtigt habe ich keine sich reduzierende Rechnungsgröße, um das Beispiel der Zinswirkung plastischer zu machen, die Folgen eines sich verändernden Zinsniveaus soll schließlich dramaturgisch wirken. Aber dennoch: Huch. Für wie viele würde das den knallharten Knock-Out für das Eigenheim bedeuten, Game over?
Fazit: Tilgst Du Deine Schulden also in der Anfangsphase stärker, reduziert Du damit Deine Zinslast der späteren Jahren (gerade auch für die Zeit nach der Zinsbindung). Je mehr Du also anfänglich tilgst, desto weniger kostet Dich das Ganze in Summe und desto weniger 'Zinsänderungsrisiken' hast du im Zeitablauf.
Zwar kann man sich Zinsniveaus durchaus sichern, etwa durch Forward-Darlehen zum nächsten Zinsablauf oder durch die Besparung eines Bausparkontos, dessen dann erworbener Darlehensanteil Teile Deines Annuitätendarlehens ablöst. Aber auch hier muss man bedenken, dass die Besparung eines Bausparkontos Gelder und damit 'akute' Tilgungsmöglichkeiten zunächst flankiert. Auch muss man beim Bausparen im Vergleich zum Annuitätendarlehen in der Regel schneller tilgen, d. h. die monatlichen Belastungen steigen ggfs. bei Start der Bauspartilgung (wie stark, hängt vom jeweiligen Tarif ab).
Der wohl richtige Weg liegt in der gesunden Kombination der Finanzierungsbestandteile- und fristigkeiten. Auch hier zeigt sich der Unterschied zwischen einer guten und einer 08/15-Beratung.
Und dass 08/15 in der Regel in der 'Produktion' preiswerter und daher auch in der Kondition billiger ist, dürfte an der Stelle auch sehr schnell klar sein. 'Billiger' ist aber nicht mit 'günstiger' zu verwechseln.
