Beiträge von derAL

    Ich habe vor 10 Jahren das Rauchen aufgegeben. Vorher habe ich eine Schachtel am Tag geraucht. Mehrere Versuche des Aufhörens scheiterten. Das hat nachhaltig geholfen:


    Das Entscheidende für mich waren die ersten Wochen. Das Grundproblem: Das Rauchen hat sich bei bestimmten Tätigkeiten/Atmosphären unterbewusst verankert:


    - Kaffeetrinken
    - beim Bier trinken
    - (früher) im Restaurant etc.


    Diese Anker müssen gesprengt werden. Daneben hatte ich einen metallischen Geschmack in den ersten Wochen im Mund (der wohl durch die Entwöhnung entstand).


    In den ersten Wochen habe ich also alles nicht getan, was ich sonst getan hatte, als ich noch rauchte:


    - keinen Kaffee
    - kein Bier oder sonstigen Alkohol
    - etc.


    Daneben habe ich viel Früchte gegessen, um den metallischen Geschmack zu neutralisieren (Orangen, Pfirsiche, Äpfel).


    Aus Trotz bin ich quasi die erste Zeit passiv mit den noch rauchenden Kollegen bei Pausen in den Raucheraufenthaltraum gegangen. Ich dachte mir, wenn es Dir gelingt, dennoch nicht wieder anzufangen, dann bist Du mental durch. Nach drei/vier Monaten -nachdem ich immer noch nicht wieder damit angefangen habe, zu rauchen- habe ich dann die Seite zum Nichtraucherraum gewechselt.


    Fazit: Die Anker müssen weg, dann schaffst Du es auch.


    Edit: Auch heute bin ich noch kein militanter Nichtraucher (die fand ich früher total bescheuert). So paffe ich im Jahr auch mal 1-2 Zigarren mit Freunden oder drehe mir auf Festen auch mal eine zum Paffen. Inhalieren werde ich jedoch nicht mehr. Rückfällig bin ich bis jetzt nicht geworden und bin ebenso überzeugt, dass ich nie mehr wieder Raucher werde ...

    Zitat

    Original geschrieben von Ex-Nokia (gekürzt)
    Also ich verstehe nicht warum derAL ...


    Vielen Dank für Dein Posting :)


    Das bin ich in gewisser Hinsicht ja schon gewöhnt. Ist aber im Sinne des menschlichen Handelns auch ganz normal.


    Es ist in etwas so, als würdest Du einen Raum im Rahmen einer Abendveranstaltung betreten. Alle bereits versammelten 1.000 Gäste haben sich extra für diesen Abend eine neue Abendkleidung gekauft und haben sich dabei an der seit längerer Zeit gängigen Trendfarbe 'Weiß' orientiert. Die Abendgarderobe hat deshalb einen Weiß-Anteil von 95%. Jetzt kommst Du da rein, gehst an das Rednerpult und eröffnest den Abend mit den Worten 'meine sehr verehrten Damen und Herren, die Farbe Weiß wird langweilig. Black dagegen ist beautiful; sie ist die neue Trendfarbe ... '?


    Was glaubst Du, was passieren wird ... ? :D


    Vielleicht ein Erklärungsansatz:


    'Der größte Fehler von 99 % der aktiven Anleger und Händler ist, dass sie bei hohen Kursen optimistisch und bei niedrigen Kursen pessimistisch sind.' (G.C. Seldon - Psychology of the Stock Market)


    In der Börsenpsychologie (und nicht nur dort) gibt es einige Aspekte, ein paar nachstehend aufgeführt, die menschliches Handeln/Denken stark beeinflussen:


    - Besitztums-Effekt: Man schätzt den Wert dessen, was man besitzt, höher ein.
    - overconfidence: Fehleinschätzung der Fähigkeiten von Mitbewerbern; Überschätzung der eigenen Kenntnisse/des Verständnisses
    - Gelernte Sorglosigkeit: wenn jemand eine Serie von Erfolgen hat und das Gefühl 'verlernt', wie es ist, Verluste zu erleiden, dann unterschätzt er bestehende Risiken und geht in Folge höhere ein
    - Über-Optimismus (Gegenseite zum Über-Pessimismus): Übermut tut selten gut
    - Ambiguitätsaversion: Aversion gegen andere (Anlage-)Alternativen
    - massenpsychologische Phänomene: Die Massen(meinung) lenkt das eigene Denken/eigene Überzeugung. In der Masse fühlt man sich pudelwohl ...
    - Selektives Wahrnehmen/Entscheiden: Man sucht sich das aus, was das eigene Handeln stützt. Gegenteilige Meinungen tilgt man dagegen.


    Diese Aspekte kann man natürlich 1:1 auch an mich zurückspiegeln ;). Darum geht es mir jedoch nicht in diesem Posting. Die Aspekte sollen nur darauf aufmerksam machen, weshalb gerade bei Nokia/Apple-Diskussionen manchmal derartige Emotionen hochkochen.


    In Bezug auf die Börse ist es hochinteressant, Massendenken ausfindig zu machen. Siehe hierzu z. B. die Definition eines Contrarian Investors. Oftmals ist die Meinungsmitte/die Massenmeinung bzw. Mehrheitsmeinung gerade in der Rückschau falsch oder die schlechtere Wahl gewesen.


    Dieses Massendenken gibt es natürlich auch außerhalb der Börse. In unserem Fall zu den Unternehmen Nokia/Apple. Deshalb sind die Threads zu den gute/schlechte Nachrichten wahnsinnig interessant, gerade auch, was die unterschiedlichen Standpunkte anbelangt. Diese erzeugen naturgemäß für Reibungen, weil wir uns gegenseitig quasi die aus der selektiven Wahrnehmung heraus verloren gegangenen Contra-Argumente auf dem Silbertablett servieren. Und da kommt beim Gegenüber natürlich stets Freude auf :D.


    Timba hat es richtig formuliert: Wir diskutieren leidenschaftlich und geben uns dabei auch manchmal die eine Spitze oder die andere Salbe; dies aber im Rahmen eines aufrichtigen Diskussionsstils im Sinne des gegenseitigen themenübergeordneten Respekts bzw. Wertschätzung. Dies gilt insbesondere für die Personen, welche Timba explizit genannt hat. Für viele weitere aber auch. Letztlich wissen wir doch alle nicht, ob die eigenen Erwartungen eintreten werden. Wir haben unterschiedliche Positionen/Erwartungshaltungen. Na und. Deshalb können wir trotzdem gut miteinander.


    Natürlich, und da bin ich leider bei Dir, Ex-Nokia, gibt es auch andere, die diesen Stil missdeuten und stören. Sind jedoch Einzelfälle. Sie versuchen Flüchtigkeitsfehler als Argument dafür zu nutzen, dass man etwa einen geringen Intelligenzquotienten hat (so nach dem Motto 'der hat ein 'i' vergessen, jenes sagt doch alles'), belegen alles mit dem Wort 'lächerlich', unterstellen einem das nachträgliche Abändern eines Arguments (im Sinne einer Verschwörungstheorie) oder kommen mit persönlichen Angriffen oder anderen Dingen daher, bei denen man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Das darf man jedoch geflissentlich ignorieren, da solche Aktivitäten nicht für die jeweilige Person sprechen und deshalb auch nicht ernst zu nehmen sind. Darüber darf man also gerne stehen.


    Timba: Das geht ja runter wie Öl ;)
    harlekyn: Bei den vielen Strategieänderungen dürften allmählich positive Skaleneffekte entstehen :p
    @all: BTT und viel Freude dabei :top:

    Zitat

    Original geschrieben von Merlin
    Ich bewundere deinen grenzenlosen Optimismus. Wie kommst du eigentlich zu dieser, doch etwas verklärten, Einschätzung?


    Ob die Einschätzung verklärt ist, sei zunächst einmal dahingestellt. Als 'verklärt' betrachtest Du sie möglicherweise, weil sie nicht Deiner Erwartung entspricht.


    Meine Erwartung habe ich sowohl im 'schlechte...' als auch im 'guten Nachrichten'-Thread mehrfach erläutert. Sie basiert auf folgenden zentralen Gedanken:


    1. Wir befinden uns im mittlerweile im 6ten Jahr des iPhones - es wird langsam 'boring'


    Die negativen Nachrichten zu Apple häufen sich und das Unternehmen wird auch auf Medien- und Investorenseite immer stärker angegangen. Zudem kommt, dass sich viele Mitbewerber neu aufgestellt haben und Apple mittlerweile Paroli bieten können. Der Mitbewerber Samsung wächst z. B. seit einiger Zeit wesentlich stärker im Smartphonesegment als Apple. Medien machen letztlich Meinungen. Sollte die negative Berichterstattung zu Apple weiter anhalten, wird das letztlich Auswirkungen und auch Absatzauswirkungen (im Mobilfunkbereich) für das Unternehmen haben. Dagegen hat sich die negative Berichterstattung zu Nokia seit einiger Zeit gedreht. Diese Entwicklung kann man durchaus in der Mobilfunkfachpresse als auch in der Wirtschaftspresse (Analysen, Börsenbriefen, Unternehmensporträts etc.) nachvollziehen.


    2. Der Markt ist stark trendgetrieben; Trendwechsel entfalten ein starkes Momentum


    Ein wesentlicher Grund für den Erfolg des iPhones war, dass das Produkt lange zeit ein Trendprodukt war und zum Teil immer noch ist (gerade unter Jugendlichen). Trends laufen aber auch mal aus (Beispiel Clamshells). Wenn ein Trend ausläuft, gibt es Wanderungsbewegungen zu anderen Produkten. Kann sich noch jemand daran erinnern, wie damals ausgerufene Nr.-1-Firmen (z. B. Palm, Motorola) schnell Opfer eines Trendablaufs wurden? Weshalb wird diese Möglichkeit bei Apple für unmöglich gehalten (bei Palm und Motorola damals übrigens auch)? Beim Auslaufen eines Trends/Jugendtrends entsteht ein starkes Momentum. Ich glaube tatsächlich, dass diese Bewegungen im Mobilfunkbereich nicht nur in Richtung Android gehen werden, sondern auch in Richtung eines weiteren starken Ökosystems. Hier räume ich dem Windows-Ökosystem eine gute Ausgangslage ein.


    3. Die Marke Nokia wird stark verklärt bzw. unterbewertet/unterschätzt


    Trotz aller Kritik der letzten Jahre: Nokia ist eine starke Marke. Das wird oft ausgeblendet. Das Unternehmen ist im Mobilfunkbereich technologisch nach wie vor sehr innovativ und führend. Es hält interessante Dinge in der Pipeline. Ein Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist PureView. Ein neues (noch Zukunftsmusik) Graphen. Es dürfte aber nicht das einzige sein, an dem Nokia seit Jahren arbeitet. Zudem steht die Marke für Qualität und Erfahrung. Ein Nokia-Produkt ist hochwertig, auch in dieser schwierigen Phase. Man betrachte nur mal das Lumia 920. Betrachtet man Nokia in Bezug auf WP8, dann ist das Unternehmen erste Wahl unter den WP8-Geräteherstellern. Wer kauft sich z. B. ein HTC mit WP8, wenn er auf ein Nokia-Gerät mit Mehrwert zurückgreifen kann? Von allen WP8-Geräten werden im Moment 85% Nokia-Geräte verkauft, was meine Einschätzung stützt, das Nokia bei WP die erste Wahl ist. Nokia wird zunehmends mehr WP-Geräte für verschiedene Zielgruppen herausbringen. Und die Kampfansage im High-End-Segment steht und wirde von Seiten Nokia angnommen. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten haben sie reduziert und werden sie lösen (Finanzen, Verfügbarkeit von Produkten). Das Unternehmen ist kein Start-Up. Deswegen glaube ich, dass Nokia im Moment etwas verklärt wird, weil man dem Unternehmen zu wenig zutraut. Das halte ich für eine falsche Einschätzung.


    Fazit: Wenn die Punkte 1-3 zusammenkommen (iPhone-Trend läuft stärker aus; Momentum zu anderen Herstellern entsteht und Nokia liefert zeitgleich Innovation, Qualität und eine gute Presse), dann hat Nokia eine sehr gute Ausgangslage für einen nachhaltigen Turnaround.


    Edit: P.S.: Einen schönen (frühen) Abend noch ...