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Original geschrieben von Olzge
1.) Seid Ihr kompetente Sprecher eines deutschen Dialekts?
Kompetenter Sprecher: nein (auch wenn man das bei meinem Nick vermuten sollte). Man hört es aber auf jeden Fall heraus, wenn ich mich in einer Runde aus lauter Schwaben befinde. Mir fällt das Schwäbeln zwar dann kaum auf, aber es scheint wohl unvermeidlich zu sein, wenn ich nicht darauf achte. In Gruppen mit anderen Dialekten wurde mir schon gesagt, man höre meine Herkunft: ich habe 5 Jahre in tiefstem Schwabenland gewohnt, die nächsten 13 Jahre in Rheinhessen verbracht und wohne nun seit 10 Jahren wieder in Schwaben. Meine Klassenkameraden (Rheinhessen) meinen, ich hätte "ihren" Dialekt deutlich gegen Schwäbisch eingetauscht.
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2.) Welche(n) Dialekt(e) sprecht Ihr?
Schwäbisch halt - so lala. Ich halte es für noch weniger als eine Mundart, einen leichten Slang - nicht vergleichbar mit einem Original-Schwaben. Auf TT-Treffen wäre mir von Schwaben sogar fast eine Ironie meines Nicks vorgeworfen worden. [edit] Zum Spaß habe ich mir durchs häufige und längere Anhören in anderen Regionen Deutschlands Sächsisch, Rheinhessisch und Fränkisch ein wenig zu Eigen gemacht: halt so, dass es sich für nicht Originale einigermaßen echt anhört. Jedenfalls habe ich das Gefühl, wenigstens da ein Sprachchamäleon zu sein und mich auch beim Umzug innerhalb Deutschlands recht schnell einfühlen zu können, aber eben hoffentlich eher passiv als im aktiven Wortschatz. ('tschuldigung, aber Sächsisch lässt sich so fantastisch karikieren und ist einfach zum Totlachen. Ich könnte mit einem sächsisch redenden Orbeytgäbor keinen Vertrag aushandeln, ohne dauernd zu schmunzeln)[/edit]
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3.) Wohnt Ihr eher in einer städtischen oder eher in einer ländlichen Gegend?
Kleinstädtisch in Richtung ländlich.
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4.) Welches Verhältnis habt Ihr zu Eurem Dialekt? Ist es Euch unangenehm Euch mit Leuten, die nur Hochdeutsch verstehen zu unterhalten und diese merken, dass Ihr Dialektsprecher seid? Seid Ihr "stolz" auf Eueren Dialekt?
Stolz bin ich darauf nicht. Ich bin froh, wenn andere sich anstrengen, ihren Dialekt zu verbergen. Ich versuche es ebenso. 's rutscht halt manchmol raus, abor des isch et schlimm. (<- So würde ich das nie sagen.
) Ich weiß halt ungefähr, wie Schwäbisch sich anhört, aber ich kultiviere es keineswegs. Es ist meiner Meinung nach schön und (unt-)erhaltenswert, dass es diesen und andere Dialekte gibt, aber jeder Deutsche (und vor allem jeder Zugezogene) sollte Hochdeutsch lernen, können und pflegen: jedenfalls in nicht-Stammtisch-artigen Runden (und das sind wohl >90% der Fälle). Ich finde es bedenklich, wenn Dialekt-Sprecher mit einem gerade Deutsch Lernenden Mitbürger dicksten Dialekt reden und ihm so eine sprachliche Integration außerhalb seiner jetzigen Wohnregion erschweren. Als Beispiel bringe ich mal den Nigerianer, der nur Bayrisch redet/kann(!) oder den Russen, dessen Wortschatz auf dem Sächsischen aufbaut. Dass seine Umgebung sich dann nicht sichtlich bemüht, Hochdeutsch zu sprechen, halte ich für eine Überbewertung von Dialekten.
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5.) Wenn Ihr Dialektsprecher seid, verwendet Ihr auch hin und wieder das Hochdeutsche in der mündlichen Kommunikation? Wenn ja, in welchen Situationen verwendet Ihr den Dialekt und in welchen Hochdeutsch?
Fast immer Hochdeutsch. Auf jeden Fall Hochdeutsch in beruflicher Hinsicht, im Privaten, wenn die "Masse" der Runde aus Nicht-Schwaben besteht und bei mir neuen Gesichtern auch grundsätzlich (egal welches Alter, aber insbesondere Jugendliche und ältere Erwachsene, Gleichaltrige können auch mal ein wenig Dialekt von mir mitkriegen). Wie heißt es so schön: es kommt auf das Register an. Ich bemühe mich inzwischen, komplett auf Hochdeutsch umzusatteln. Ich sehe keinen Grund (mehr), meine Herkunft als akustische Visitenkarte mit mir herumzutragen. Früher mag (unbewusst) ein Dialekt ein Gruppenphänomen gewesen sein, über das man sich keine Gedanken gemacht hat. Man hatte eher das Gefühl, "anders" zu sein, wenn man den Dialekt vermieden hätte. Jedenfalls kam mir das in der Schule so vor. Als Steppke im Kindergarten muss ich laut Cassettenaufzeichnungen geschwäbelt haben wie der Älbler im Hinterland, und zwar so, dass ich mich kaum noch verstehe. In der Schule musste ich mich umstellen, damit Kommunikation in beiden Richtungen überhaupt möglich war.
Zum Drüber-lustig-Machen und für einen gewissen Bundesland- oder Lokal-Patriotismus sind Dialekte in meinen Augen gleichermaßen geeignet und nötig. Einen großen Stellenwert haben aber sicherlich auch interessante Wortschöpfungen, die verloren gingen, würde ein Dialekt allmählich aussterben. Das fände ich sehr schade, aber ein Dialekt sollte immer nur ein Zusatzqualifikation
zum uns alle verbindenen Hochdeutsch sein.
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6.) Wie alt seid Ihr? Ihr dürft Euer Alter auch nur so ungefähr angeben, wenn Ihr Euer genaues Alter nicht verraten wollt. (Bsp. Mitte 20)
31.
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[Dialekte] ... verlieren immer mehr an Boden zugunsten des Hochdeutschen, was ich eigentlich sehr schade finde.
Es kommt darauf an, in welchen Bereichen und vor allem in welchen Alters- und sozialen Schichten die Dialekte allmählich zurückgedrängt oder ungern geduldet werden. Es gibt einfach berufliche Bereiche, die fehlendes Hochdeutsch zu Recht als Manko auslegen: Ich würde nie einen Vertreter, Presseprecher oder Repräsentanten einstellen, der nicht mindestens "zweisprachig" ist: Englisch und Hochdeutsch. Ein Dialekt wäre eine mit Französisch oder Italienisch nicht gleichberechtigte Sprache, deren Fehlen eher ein Pluspunkt wäre.
[/Plädoyer für die hochdeutsche Sprache] 
Gruß vom Schwob 