T39 hat mit seiner Analyse schon vollkommen Recht: die beiden Kandidaten haben ihr persönliches Profil inzwischen sehr stark präzisiert und gegeneinander abgegrenzt. Edmund Stoiber bringt viele Zahlen, Angriffslust und Emotionen ins Spiel (z.B. Deutschland ist ein großartiges Land), während Gerhard Schröder eher das Gegenteil versucht: er wirkt beschwichtigend, ruhig, gelassen, eben staatsmännisch. Dass er dabei die deutlich bessere Rhetorik als sein Herausforderer an den Tag legt, liegt sicherlich nicht nur an den Fähigkeiten der beiden, sondern auch daran, welche Zielgruppen beide durch ihre Worte erreichen wollen. Ich sag's mal provokativ:
- Stoiber richtet sich eher an die "einfachen Leute", die Stammtische (=Multiplikatoren), Schwarzseher
und dort speziell Männer (-> Mittelstand, Wirtschaft). - Schröder spricht durch seine Art und ausgefeiltere Redetechnik eher die ruhigen, Sicherheit suchenden Menschen, die Intellektuellen, auffälligerweise in Sachthemen auch gerade Frauen an. Einige seiner Nebensätze waren gut gesetzt, sie waren für manche aber kaum verständlich, wenn man "Plattitüden" gewohnt ist.
Krähe brachte es auch den Punkt: jeder Zuschauer wird nach dem Duell seinen Favoriten als Sieger sehen. Schließlich haben beide ihr Profil, das ja genau das ist, was einem schon vorher gefallen haben muss, nur bestätigt und gefestigt. Da neue Sachfragen kaum beantwortet wurden (bis auf Kindergeld vielleicht), kann man sich bei der Auswertung dieses Duells auch ruhigen Gewissens auf die Präsentation der beiden Kandidaten beschränken. 
Die Duelle hatten allein schon dadurch ihre Daseinsberechtigung, dass so mehr Menschen über Politik reden - wenn auch nur im Zusammenhang mit Persönlichkeiten zweier Parteien, aber immerhin. Ich bin sicher, dass durch solche Veranstaltungen die Wahlbeteiligung dieses Mal steigen wird.
Gruß vom Schwob 