Ich habe nach langer Zeit mal wieder die politischen Threads wie diesen bei TT durchforstet und stelle fest, dass bei den meisten Wählern - hier und auch im persönlichen Umfeld - fast ausschließlich finanzielle und persönliche Gründe (Sympathie mit Parteiköpfen) den Ausschlag geben, welche Partei denn nun ihr/sein Kreuzchen erhält. Ist denn wirklich die Leitfigur einer Partei wichtig, die nun überall auf Wahlplakaten zu sehen ist? Müsste man nicht viel mehr auf Parteiprogramme und angestrebte Gesellschaftsformen achten und seine Wahlentscheidung danach richten? Kurzfristige Überredungskunst ist das, was wir potentiellen Wähler momentan über uns hereinbrechen sehen: "Wir Politiker zeigen dir, was wir gerade Tolles machen, und wir werden das fortsetzen." Es gibt auch die schlimmere Variante: "Wir von der Partei XYZ zeigen dir, was die anderen falsch gemacht haben, und wir werden es besser machen." Ich hatte vor einigen Wochen in diesem Thread mal geschrieben, dass meine Wahlentscheidung schon lange vor Beginn der heißen Wahlkampfphase stand - und das ist auch gut so! 
Die jetzigen Schlagzeilen sind von Diskussionen um Finanzen, Zuschüsse, Hilfen, Spenden und Steuern geprägt. Ist ein Staat wirklich nur ein Verwalter von Geldern? Muss ich diese Thematik wirklich als wichtigste aller Themen ansehen? Wenn ich das tun würde, wäre meine Wahl ja eine rein egoistische: "Ich will viel Geld in meinem Portemonnaie, also ist die Partei, die mir am meisten lässt/verspricht, die richtige." Prima! Individual-Wirtschaft vor Volkswirtschaft: das brauchen wir unbedingt.

Es gibt auch so etwas wie einen finanziell ausgeglichenen Weg, der die Tüchtigen belohnt, die Faulen auch mal im Regen stehen lässt, also die Arbeitsunfähigen auffängt, die Arbeitsunwilligen aber unter Druck setzt, und zwar finanziell und moralisch. Mein vorgestelltes Idealbild ist natürlich hypotetisch, aber das wäre meine Art von Gerechtigkeit. Und da kommt man am ehesten hin, wenn man möglichst viel in Eigenverantwortung jedes einzelnen Bürgers geschehen und ihn seine eigene Lebensplanung inkl. Rente planen lässt, damit Staatsverantwortung nicht zur unbedingten Zahlungspflicht an alle Bedürftigen wird. Also auch die, die sich ihre Bedürftigkeit komplett alleine eingehandelt haben, indem sie sich ins soziale Netz wissentlich fallen ließen und sich dort ausruhten. Wenn in diesen Menschen freiwillig kein Umdenken erfolgt, was nun mal eine gewisse Flexibilität und gesellschaftliche Fairness voraussetzt, dann sind meine gezahlten Steuern bei diesen Menschen als Arbeitslosengeld/-hilfe bzw. Rente einfach falsch aufgehoben. Wenn ich einfach mal sagen würde, mir könnte es es auch ohne Arbeit(slohn) gut gehen, dann will ich aber auch bitte keine staatlichen Almosen dafür haben - dann wird ein Sozialstaat wieder zum Unsozialstaat, der nur die Schwächsten und Unangepassten finanziell fördert. Aus solchen Ungerechtigkeiten wachsen doch heut zu Tage gesellschaftliche Spannungen.
Aber eigentlich wollte ich ja gar nicht von Finanzen reden. 
Die Gesellschaftsform ist viel entscheidender als die bloße Verwaltung. Also brauchen wir letztlich eine Ausgewogenheit von drei Ansprüchen:
- Was muss ich unbedingt für mich tun?
- Was kann ich notwendigerweise für den Staat tun?
- Was darf der Staat fairerweise für mich tun?
Gruß vom Schwob 