Zitat
Original geschrieben von Butterfly
Ich habe den Eindruck, dass diese "Schaukämpfe" in diesem Wahlkampf noch nie so augeprägt gewesen sind. Wer sich anhand dieser Schaukämpfe eine Meinung für die Wahl bildet, bildet sich meiner Meinung nach eine Meinung auf der falschen Basis. [...]
Einen einigermassen objektiven Eindruck hätte man sich vermutlich vor ca. einem Jahr machen sollen, als der Wahlkampf moch nicht so ausgeprägt gewesen ist. [...]
Leider ist unsere Demokratie mittlerweile viel zu materialistisch veranlagt.
Wie wahr. Das trifft den Nagel auf den Kopf und die Unentschlossenen im Kern ihrer Zweifel. Gerade die Entwicklungen der letzten Tage (Scharpings Rausschmiss, Özdemirs Sonderkredit) zeigen doch, wie sehr solche Fehltritte der Politiker, die ja per se privatwirtschaftlich neutral statt von Lobbyisten abhängig sein sollten, von den Medien und den politischen Gegnern ausgeschlachtet werden. Der Grad dieses Ausschlachtens interessiert mich schon lange nicht mehr; mir reicht die kurze Tatsache; wie oft und weitreichend sie täglich wiederholt wird, macht diese Tatsache (wenn sie denn überhaupt eine ist) auch nicht anders. Außerdem ist in ganz besonderen Fällen - wenn auch nicht gerade bei Scharping
- ein kleiner Fehler gegenüber sonst hervorragender Arbeit auch mal verzeihbar. Abwägen ist bei Wahlen nun mal angesagt, wobei das Abwägen der Wahlprogramme dabei im Vordergrund steht.
Die Wahlkampfzentralen (vermutlich) jeder Partei, aber insbesondere der großen, haben bestimmt schon belastendes Material der 'Gegenseite' in den letzten Monaten gesammelt, das im richtigen Moment in die Presse gestreut wird, um es dem Gegner schwer zu machen, in gutem Licht dazustehen. Feindbilder scheinen auch in Friedenzeiten nötig zu sein, um Stimmung/Stimmen zu machen. Ist das der gute Stil und rechtschaffene Weg, um seine eigenen Reihen im Ansehen und Tatendrang positiv darzustellen? Das Denunzieren, Intrigieren und polemische Provozieren löst bei mir persönlich das genaue Gegenteil aus. Mit jedem solchen imho niveaulosen Schachzug verliert die Partei, die das nötig hat, meinen Respekt und letztlich meine Stimme. Ich hoffe, dass dies auch andere tun werden, damit solche Spielereien keine Schule machen.
Oder wird ein mir nur mäßig sympatischer Mensch zu meinem Freund, nur weil der einen Dritten schlechter macht, als er selbst ist?
Um die Frage nach der Wahlpräferenz doch mal ein bisschen mit einer persönlichen Antwort zu füttern, möchte ich nur sagen, dass ich eindeutige Nein-Stimmen an die unbescheidenen, scheinbar kompromisslosen, selbsternannten Stimmensammler der FDP verteilen, deren Kurs sich nach der Wahl ohnehin wieder in einen an dem großen Koalitionspartner anpassenden Schmusekurs ändern wird. Deren Rückgrat möchte ich daher als das bezeichnen, was das genaue Gegenteil verdient: Wirbellose.
Ebenso darf sich die CDU/CSU über mein Veto freuen, da diese Partei(en) in jede Entscheidung der Regierungskoalition ganz genau das hinein interpretieren, was ihnen gerade opportun erscheint, um den 'Gegner' als unfähig, dumm oder weltfremd aussehen zu lassen [Siehe in diesem Zusammenhang meinen obigen kursiven Satz]. Ob eine mehrheitlich getroffene Entscheidung der Regierung dem Land etwas gebracht hat oder bringen wird, wird von CSU/CDU einfach ausgeblendet; mit anderen Worten: sie betreiben das Gegenteil von Sachpolitik, nämlich prinzipielle Ablenkung vom drängenden Thema und unbedingte Diffamierung des 'Gegners', dessen Stelle sie in der nächsten Legislaturperiode gerne einnehmen möchten. Mit dieser Strategie ernten jene von mir ein müdes, unverständnisvolles Lächeln, aber keine Stimme.
Um auch mal etwas Positives und nicht nur Ablehnendes in dieses Posting zu packen: Ich kaufe ein S oder ein G - wenn auch nicht aus völliger Überzeugung, aber zumindest aus innerer Nähe. 
Dabei hoffe in jedem der beiden Fälle, dass meine 'Auserwählten' auch gefälligst das tun werden, womit sie mich überzeugt haben - sonst muss ich halt selbst in die Politik gehen. 
Gruß vom Schwob 