@Krähe:
Du nimmst mir die Worte aus dem Mund; BigBlue007s Utopie von der 'besseren' Welt, in der wegen des Mangels an Mängeln jede(r) zufrieden ist, wird und kann nie Realität werden. Dafür sind die Menschen zu sehr Individuen, die zunächst auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Sicherlich gibt es rühmliche Ausnahmen, aber die Masse macht's.
Und genau deshalb und an dieser Stelle komme ich wieder auf die Politik und die anstehenden Wahlen zurück. Die Masse entscheidet, wer an die Regierung kommt, nicht die oben angesprochene rühmliche Ausnahme. Und genau das dürfte auch der Grund sein, warum sich so viele der 'Mitdenker, Aufpasser und Sich-Gedanken-Macher' durch die derzeitige Informationspolitik und Wahlkampfstrategie der (großen) Parteien veräppelt fühlen: sie ist eben auf diejenigen potentiellen Wähler zugeschnitten, die mit möglichst simplen Parolen, einfachen, emotionalen Veranstaltungen und haarklein ausgesuchten Diskussionsthemen zum perfekten Zeitpunkt vom richtigen Kreuz auf dem Wahlzettel überzeugt - Verzeihung: dazu überredet - werden sollen. Die Medien sind doch inzwischen die eigentliche Schaltzentrale für die fast schon propagandaartigen Schachzüge der Wahlkampfzentralen. Was da im Hintergrund bewegt, gemauschelt, zurückgehalten, behauptet, verleumdet und dementiert wird, ist doch inzwischen nicht mehr normal. Der personalisierte Wahlkampf geht mir schon eine gewaltige Zeit lang auf den Wecker. Dass die Presse das genüsslich für ihre Sendezeit (und lukrative Werbeunterbrechungen) ausnutzt, ist völlig logisch, legitim und betriebswirtschaftlich sinnvoll. Aber was bedeutet das für uns Wähler? Wir sehen nur die Spitze eines Eisberges, der wunderbar weiß vom vielen Schnee und Eis ist - so weiß wie eben die Westen der Kandidaten sein sollten; aber darunter verbergen sich Intrigen, Bestechungen, Schmiergeldskandale, Verleumdungen und Machtgier. Da bekanntlich ein Eisberg unter der Oberfläche wesentlich größer ist, als er von oben erscheint, will ich mir gar nicht ausmalen, was ich durch mein Kreuz eigentlich letztlich fördere. So viel wollte ich zur Motivation meines Politik-Frustes mal loswerden.
Ich bin froh über jede(n) Politiker(in), die den Mut besitzt, gegen die Lobbyisten aus Landwirtschaft, Finanzwesen und Diplomatie einen eigenen Weg zu gehen, dabei Kopf, Kragen und Job zu riskieren, und so wenigstens einen Teil dessen zu erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. Ich denke da speziell an unsere Verbraucherschutz(!)-Ministerin Künast; dieses gesunde Selbstvertrauen wünschte ich mir öfter. Denn wer wie bis unmittelbar vor ihr tätige Minister allein der Ökonomie huldigt, hat sich nur eine andere Religion geschaffen (um bei BB007s und Krähes Bild des 'nötigen Atheismus' zu bleiben), die neue Konflikte durch Gesundsheitsrisiken und vor allem soziale Brennpunkte durch Arbeitsplatzverlust oder Neid hervorruft. Das idealisierte Gesellschaftsprofil, das in den letzten Postings proklamiert wurde, ist zwar ein weltfremdes Idyll, aber sich daran zu orientieren und gewissen Idealen treu zu bleiben, hat noch nie geschadet - und das sollte jemand einigen, der großen Masse nachlaufenden Politikern mal stecken.
Gruß vom Schwob 