Zitat
Original geschrieben von Shani Ace
Denn es ist nicht etwa so, dass die iranische Bevölkerung hinter dem steht, was die Mullahs und de Präsident (die Wahlen waren eh getürkt) predigen! Im Gegenteil, den meisten geht's am Ar*** vorbei.
Ich habe das Gefühl, daß unser Eindruck des Nahen Ostens generell oft völlig falsch ist.
Nach meinem Syrien-Urlaub und diversen Erzählungen und Gesprächen mit jungen Syrern und Freunden, die länger in Damaskus leb(t)en habe ich den Eindruck gewonnen, daß das Radikalisierungspotential weit (!!) geringer ist, als es hier stets vermutet und propagiert wird, auch von einem "immensen Hass" auf die Amerikaner ist zumindest in Syriens Alltag wenig zu bemerken (die wöchentlichen öffentlichen Partys der Marines gelten als sehr angesagt
). Sehr viel explosiver ist die demographische und wirtschaftliche Situation in der Region, die viel eher zu diversen Krisen-Szenarien und Radikalisierungen führen werden als ein etwaiger Militärschlag.
Die Isolation und das Embargo Syriens stärken den Präsidenten nicht - es kursieren Witze und man lebt halt mit ihm.
Deine - also calliphos - These der bis zum Tode kämpfenden und wild entschlossenen Araber (bzw. in dem Fall Perser) klingt super und liest sich schön und ist ja auch in einer Linie mit der gängigen westlichen Berichterstattung - hat aber nach meiner Erfahrung aus dem direkten Kontakt und dem direkten Erleben rein gar nichts mit der Realität gemein. Die syrischen Freunde haben große Angst vor dem obligatorischen und langen Militärdienst, keiner würde freiwillig für sein Land in den Krieg ziehen. Natürlich würde es wohl (der gemässigte Konjunktiv scheint mir übrigens angebrachter) in fanatisch-religiösen Teilen der Bevölkerung eine Radikalisierung geben, auch in den benachbarten Staaten - aber das Potential ist begrenzt, solange man sich keine totale Invasion und Neuordnung des Nahen Ostens vorstellt - und diese Vorstellung wäre auf absehbare Zeit wirklich sehr weit hergeholt.
Dazu schreibst du in einer Form (dieses und jenes wird passieren) bei der ich mich frage: woher zum Teufel weisst du das alles? Ist das (d)eine Fiktion oder kennst du die Region genauer? Es wäre sehr interessant, ob sich meine Eindrücke aus Syrien in einem anderen arabischen Land anders darstellen und wenn jemand darüber aus erster Hand berichten kann, denn gerade in diesem Fall bin ich der westlichen Berichterstattung etwas überdrüssig und mißtrauisch, nachdem ich die Diskrepanz zwischen dem Erwarteten und dem Erlebten sah und daß die meisten Analysen eben aus einer rein theoretischen Betrachtung aus der Ferne und ohne eigene Erfahrung vor Ort entstehen.
Ich möchte mich da auch gar nicht zum dezidierten Islam- und Nahost-Experten aufschwingen, nur weil ich Freunde habe die als Islamwissenschaftler länger vor Ort waren oder sind und weil ich selbst einen Urlaub dort verbracht habe, aber aufgrund meiner eigenen Erfahrung und Eindrücke, ist es doch nochmal ein Unterschied, ob man sich seine Meinung nur aufgrund theoretischer Beschäftigung mit der Sache bildet.
Im übrigen ist es auch keinesfalls so, daß die arabische Welt geschlossen hinter dem Iran steht. Zwar hält man sich mit Kritik zurück, da man sich nicht offen auf die Seite Washingtons schlagen kann und will, aber gerade die Golfstaaten und Saudi-Arabien haben überhaupt kein Interesse an einer Atommacht Iran. Die Idee eines "arabischen Flächenbrandes" ist m.E. weit hergeholt.
Aber als Diskussionsgrundlage ist dein Text sehr gut geeignet und interessant zu lesen.