Das Problem der Parteien und der Politik insgesamt ist, dass sie entweder die Zeichen der Zeit nicht erkennen - oder sie nicht ansprechen (während die Bürger sie aber spüren).
Ich hatte schon mal in einem anderen Thread auf die sog. "80/20-Gesellschaft" und "Tittytainment" hingewiesen. Ökonomen gehen davon aus, dass in Zukunft weltweit 20% der Erwerbsfähigen reichen um alle Dienstleistungen und Wertschöpfungen erwirtschaften zu können. 80% der Erwerbsfähigen werden nicht gebraucht. Wovon sollen die mit ihren Familien nun aber leben?
Im Augenblick tut die Politik so als hätten wir Arbeitslosigkeit wegen des bösen Outsourcens in Niedriglohnländer, wegen nicht ausreichend qualifizierter Bewerber und wegen der hohen Lohnnebenkosten in Deutschland. In Wirklichkeit hat der Trend, dass auch gute Leute oft schlicht nicht mehr gebraucht werden weil Industrialisierung und Globalisierung sie wegrationalisieren, längst eingesetzt, aber keine Partei sagt es den Menschen ehrlich.
Die Bürger allerdings spüren, was da vor sich geht. Sie haben vielleicht nicht die genauen ökonomischen Kenntnisse, merken aber am eigenen Leib und in ihrem Umfeld, wie sich die (Arbeits)Welt und die Finanzen entwickeln.
Mehr und mehr reden Politiker und Parteien nur noch so, dass sie nicht anecken, jeder Bevölkerungsgruppe etwas bieten wollen, sich keine Chancen bei Wahlen oder der persönlichen Karriere verbauen wollen. Es wird aber nicht ehrlich Tacheles geredet - und das war mal anders. Immer weniger Menschen gehen wählen weil sie sich von den etablierten Parteien kaum noch vertreten fühlen und auch die Grundausrichtungen (CDU - bürgerlich, SPD - Arbeiter und kleinere Angestellte, FDP - oberer Mittelstand, Grüne - "Alternative") heute nicht mehr stimmen.
Die SPD hat 7 Jahre Regierung mit Schröder und 4 Jahre Regierungsbeteiligung in der großen Koalition hinter sich. Sie hat in diesen 11 Jahren mehrfach Spurwechsel vollzogen. Sie vertritt seit Jahren ihr klassisches Klientel nicht mehr und macht es jetzt so übertrieben, dass die Leute das zu Recht unglaubwürdig finden. Kein Wunder, dass man so bei 20% landet.
Die CDU muss ebenfalls begreifen, dass man mit Stammwählern im Rentenalter keine Wahlen gewinnt. Meine Oma als sehr religiöse Frau hat die CDU über Jahrzehnte hinweg wegen des C's im Namen gewählt, aber wenn man sich alleine auf derartige Stammwähler verlässt, reicht das heute nicht mehr. Das klappte in Zeiten, in denen es noch kein Fünfparteiensystem gab - aber die Zeiten ändern sich.
Der ehrliche Weg wäre den Menschen zu sagen, dass es überhaupt nicht funktionieren kann wenn auf dem Arbeits- und den Finanzmärkten alles beim Alten bleibt und der Staat in riesigen Summen nicht vorhandenes Geld ausgibt um marode oder schlecht wirtschaftende Unternehmen mit Überkapazitäten oder nicht marktgerechten Produkten zu stützen. Man müsste den Leute sagen, dass ihre Arbeitskraft immer weniger gefragt sein wird und wir ganz neue Ideen brauchen, wie sich die Menschen in Zukunft finanzieren, denn über Lohn für eine Erwerbstätigkeit wird das langfristig nicht mehr gehen.
Die Parteien schachern jetzt nur um gute Platzierungen bei der Bundestagswahl und geben das Geld der Steuerzahler aus, als gäbe es kein Morgen... All das frustriert die Bürger, denn jeder merkt, dass niemand wirklich Kante zeigt und die Finanzprobleme sowie die Lehren daraus grundsätzlich anpackt. Keiner traut sich die großen Firmen in die Insolvenz zu schicken, weil man glaubt Arbeitsplätze sichern zu müssen - die Bürger merken aber, dass sie selber all das bezahlen müssen und fragen sich, wieso eigentlich.
Da werden jetzt Steuersenkungen versprochen während jedes Kind kapiert, dass ein Staat, der nahezu pleite ist und weitere Milliarden in Banken, Konjunkturprogramme und Firmenrettungen steckt, unmöglich Steuern senken kann. Dennoch halten manche Parteien uns für so blöd, uns genau das weis machen zu wollen.
Kein Wunder wenn viele dann gar nicht mehr wählen gehen, verarschen kann man sich selber. In einem anderen Thread hier feiert man zu Guttenberg, weil er etwas absolut Selbstverständliches getan hat: zu sagen, dass Opel eigentlich in die Insolvenz hätte gehen müssen. Wir sind schon so verzogen, dass wie es als besondere Leistung betrachten, wenn ein Politiker etwas Selbstverständliches ausspricht.
Wenn sich in der politischen Landschaft nicht gewaltig etwas ändert, wenn Parteien sich weiter so kurzfristig, dümmlich und wechselhaft verhalten wie im Moment, wenn Leute, die in so jungem Alter schon so glitschig sind wie Missfelder oder so sprunghaft wie die aktuelle SPD-Riege, die Zukunft sind, dann gute Nacht. Dann geht demnächst keiner mehr wählen - weil es ja auch wirklich sinnlos wird.
Ich fürchte nur, dass die Krisen und die Verdrossenheit dann weiter zunehmen und irgendwann können wir beginnen, wieder den rechten Arm zu trainieren. Es gab da schon mal einen gebürtigen Österreicher, der Arbeit schaffen, die jüdischen Finanzbösewichter ausrotten und die ganze Welt beglücken wollte...