Beiträge von Printus

    Das Problem der Parteien und der Politik insgesamt ist, dass sie entweder die Zeichen der Zeit nicht erkennen - oder sie nicht ansprechen (während die Bürger sie aber spüren).


    Ich hatte schon mal in einem anderen Thread auf die sog. "80/20-Gesellschaft" und "Tittytainment" hingewiesen. Ökonomen gehen davon aus, dass in Zukunft weltweit 20% der Erwerbsfähigen reichen um alle Dienstleistungen und Wertschöpfungen erwirtschaften zu können. 80% der Erwerbsfähigen werden nicht gebraucht. Wovon sollen die mit ihren Familien nun aber leben?


    Im Augenblick tut die Politik so als hätten wir Arbeitslosigkeit wegen des bösen Outsourcens in Niedriglohnländer, wegen nicht ausreichend qualifizierter Bewerber und wegen der hohen Lohnnebenkosten in Deutschland. In Wirklichkeit hat der Trend, dass auch gute Leute oft schlicht nicht mehr gebraucht werden weil Industrialisierung und Globalisierung sie wegrationalisieren, längst eingesetzt, aber keine Partei sagt es den Menschen ehrlich.
    Die Bürger allerdings spüren, was da vor sich geht. Sie haben vielleicht nicht die genauen ökonomischen Kenntnisse, merken aber am eigenen Leib und in ihrem Umfeld, wie sich die (Arbeits)Welt und die Finanzen entwickeln.


    Mehr und mehr reden Politiker und Parteien nur noch so, dass sie nicht anecken, jeder Bevölkerungsgruppe etwas bieten wollen, sich keine Chancen bei Wahlen oder der persönlichen Karriere verbauen wollen. Es wird aber nicht ehrlich Tacheles geredet - und das war mal anders. Immer weniger Menschen gehen wählen weil sie sich von den etablierten Parteien kaum noch vertreten fühlen und auch die Grundausrichtungen (CDU - bürgerlich, SPD - Arbeiter und kleinere Angestellte, FDP - oberer Mittelstand, Grüne - "Alternative") heute nicht mehr stimmen.


    Die SPD hat 7 Jahre Regierung mit Schröder und 4 Jahre Regierungsbeteiligung in der großen Koalition hinter sich. Sie hat in diesen 11 Jahren mehrfach Spurwechsel vollzogen. Sie vertritt seit Jahren ihr klassisches Klientel nicht mehr und macht es jetzt so übertrieben, dass die Leute das zu Recht unglaubwürdig finden. Kein Wunder, dass man so bei 20% landet.


    Die CDU muss ebenfalls begreifen, dass man mit Stammwählern im Rentenalter keine Wahlen gewinnt. Meine Oma als sehr religiöse Frau hat die CDU über Jahrzehnte hinweg wegen des C's im Namen gewählt, aber wenn man sich alleine auf derartige Stammwähler verlässt, reicht das heute nicht mehr. Das klappte in Zeiten, in denen es noch kein Fünfparteiensystem gab - aber die Zeiten ändern sich.


    Der ehrliche Weg wäre den Menschen zu sagen, dass es überhaupt nicht funktionieren kann wenn auf dem Arbeits- und den Finanzmärkten alles beim Alten bleibt und der Staat in riesigen Summen nicht vorhandenes Geld ausgibt um marode oder schlecht wirtschaftende Unternehmen mit Überkapazitäten oder nicht marktgerechten Produkten zu stützen. Man müsste den Leute sagen, dass ihre Arbeitskraft immer weniger gefragt sein wird und wir ganz neue Ideen brauchen, wie sich die Menschen in Zukunft finanzieren, denn über Lohn für eine Erwerbstätigkeit wird das langfristig nicht mehr gehen.


    Die Parteien schachern jetzt nur um gute Platzierungen bei der Bundestagswahl und geben das Geld der Steuerzahler aus, als gäbe es kein Morgen... All das frustriert die Bürger, denn jeder merkt, dass niemand wirklich Kante zeigt und die Finanzprobleme sowie die Lehren daraus grundsätzlich anpackt. Keiner traut sich die großen Firmen in die Insolvenz zu schicken, weil man glaubt Arbeitsplätze sichern zu müssen - die Bürger merken aber, dass sie selber all das bezahlen müssen und fragen sich, wieso eigentlich.


    Da werden jetzt Steuersenkungen versprochen während jedes Kind kapiert, dass ein Staat, der nahezu pleite ist und weitere Milliarden in Banken, Konjunkturprogramme und Firmenrettungen steckt, unmöglich Steuern senken kann. Dennoch halten manche Parteien uns für so blöd, uns genau das weis machen zu wollen.


    Kein Wunder wenn viele dann gar nicht mehr wählen gehen, verarschen kann man sich selber. In einem anderen Thread hier feiert man zu Guttenberg, weil er etwas absolut Selbstverständliches getan hat: zu sagen, dass Opel eigentlich in die Insolvenz hätte gehen müssen. Wir sind schon so verzogen, dass wie es als besondere Leistung betrachten, wenn ein Politiker etwas Selbstverständliches ausspricht.


    Wenn sich in der politischen Landschaft nicht gewaltig etwas ändert, wenn Parteien sich weiter so kurzfristig, dümmlich und wechselhaft verhalten wie im Moment, wenn Leute, die in so jungem Alter schon so glitschig sind wie Missfelder oder so sprunghaft wie die aktuelle SPD-Riege, die Zukunft sind, dann gute Nacht. Dann geht demnächst keiner mehr wählen - weil es ja auch wirklich sinnlos wird.


    Ich fürchte nur, dass die Krisen und die Verdrossenheit dann weiter zunehmen und irgendwann können wir beginnen, wieder den rechten Arm zu trainieren. Es gab da schon mal einen gebürtigen Österreicher, der Arbeit schaffen, die jüdischen Finanzbösewichter ausrotten und die ganze Welt beglücken wollte...

    Viele Bürger haben nicht verstanden, dass viele der Gesetze, die sie jeden Tag um die Ohren gehauen kriegen, in Brüssel bei der EU beschlossen werden. Dort werden nicht die Richtlinien der deutschen Politik bestimmt, aber viele unserer tagtäglichen Regeln. Wer nicht gewählt hat aber sagt "Ich gehe natürlich zur Bundestagswahl", hat das offenbar nicht verstanden.


    Ein Test für die Bundestagswahl war die Europawahl nicht, denn da werden im Herbst viel mehr Bürger an die Urnen gehen. Man kann die Ergebnisse nicht einfach hochrechnen und daraus schließen, wie es im Herbst ausgehen wird. Dass es dennoch von denen gemacht wird, die gestern gut abgeschnitten haben, während die Verlierer das Gegenteil betonen, ist irgendwie auch klar. Jeder legt sich das gestrige Ergebnis für sich aus.


    Was die FDP angeht: auf den ersten Blick verwundert es, dass sie profitiert während z. B. "Die Linke" das Geschehen nicht für sich nutzen kann. Man erklärt sich das so:
    Die beiden großen Lager, CDU/CSU und SPD/Grüne leiden daran, dass sie als Regierungsparteien der letzten Jahre relativ unglaubwürdig Kritik an Verhältnissen üben können, die sie selber geschaffen - oder nicht verbessert - haben.


    Unter rot/grün wurden die Hartz-Reformen gemacht, die Zeitarbeit gepuscht, war Schröder "der Genosse der Bosse", Steinmeier sein Adjudant, Müntefering auch mehrfach in der Regierung, Clement fast unanständig wirtschaftsnah. Diese SPD ist mit Kapitalismuskritik kaum glaubwürdig. Die Grünen waren damals mit ihm Boot und bieten jetzt auch keine klaren Konzepte zur Lösung der Krise.


    Das andere Lager, CDU/CSU, wird in der großen Koalition gedeckelt und die Vorsitzende Merkel fällt auch mehr dadurch auf, dass sie nicht auffällt. Dazu ein rühriger Horst Seehofer - da haben die Wähler ebenso nicht gerade den Eindruck, dass sie hier auf das richtige Pferd setzen.


    Die Linken sind für Viele aufgrund der SED/PDS-Vergangenheit unwählbar, außerdem haben sie zwar - wie sich jetzt herausstellt zu Recht - immer schon kritisch zu ausufernden Finanzmärkten, Neoliberalismus und Sozialabbau gestanden, bieten aber keine Konzepte für die Zukunft. Kritisieren kann jeder, aber der Bürger möchte natürlich auch hören wie es nun weiter geht, was nun unternommen werden kann. Antworten gibt es hier eher wenige...
    Im Übrigen hat die Linkspartei ihr Alleinstellungsmerkmal verloren; Kritik an den Verhältnissen und am Kapital schreibt sich inzwischen so ziemlich jede Partei auf die Fahne.


    Bleibt die FDP. Dorthin wandern insbesondere enttäuschte Unions-Wähler, die zwar gerne eine CDU-geführte Regierung wollen, zugleich aber der Meinung sind, dass die aktuelle Wischiwaschi-CDU einen liberalen Aufpasser braucht. Man kann in den Umfragen klar sehen, dass die Gewinne der FDP in starkem Maße Verluste der CDU/CSU sind (nicht speziell bezogen auf die Europawahl, sondern als Stimmungsbarometer der letzten Wochen in Deutschland).


    Nebenbei sagt die FDP nach wie vor das, was sie seit Jahren predigt, nämlich Steuern senken, Bürokratie abbauen, Märkte liberalisieren. In einem bürokratisch überregulierten Land mit hoher Abgabenbelastung und bürokratischer Gängelung der Bürger Forderungen, die nicht wenige Menschen ansprechen. Insbesondere der auskömmlich verdienende Mittelstand und leistungsfähige Bürger befürchten, dass die Milliarden-Ausgabenpakete des Staates am Ende zu ihren Lasten gehen werden: Geringverdiener zahlen sowieso keine Lohn-, Erbschafts- oder Vermögenssteuer, die "richtig Großen" verziehen sich ins Ausland - und am gutsituierten Mittelstand bleibt es finanziell hängen. Dessen Interessen sind bei der FDP scheinbar in guten Händen, der Spruch von der "Partei der Besserverdienenden" ist ja nicht ganz neu.


    Sehr viele Leute haben aber schlicht nicht kapiert, was die Konzepte der FDP tatsächlich bedeuten. Erstmal klingt ja alles sehr gut - wenn man nicht begreift, dass es ein Markt nach dem Geschmack der FDP war, der das ganze Finanzschlamassel ausgelöst hat...


    Allerdings wird die FDP im Augenblick als einzige Partei gesehen, die Kurs hält und nicht heute das Gegenteil dessen erzählt, was sie noch vor 1, 2 Jahren postuliert hat. Sobald eine der anderen Parteien sich äußert, schwingt immer die Frage mit, woher man denn die schlauen Erkenntnisse jetzt habe, wo doch vor nicht langer Zeit noch ganz anders getönt - und regiert! - wurde. Solche Sprunghaftigkeit wird vom Wähler nicht belohnt, der honoriert lieber "Beständigkeit", die er bei der FDP entdeckt - auch wenn es Beständigkeit im Glauben an einen falschen, völlig entfesselten Markt ist, der weltweit das Finanzsystem ruiniert.


    Wenn aber alle anderen Parteien ins gleiche Horn tuten, hebt sich die FDP eben besonders ab. 85% der Wähler können nur den Kopf über die Unverbesserlichkeit dieser Partei schütteln - es bleiben aber immer noch 15%, denen allein schon das Abweichen vom Einheitsbrei aller anderen Parteien gut taugt (ich kenne die aktuellen Umfragen nicht, deswegen nicht auf die Zahlen festnageln. Mir geht es auch weniger um die gestrige Wahl, sondern den langfristigen Trend).
    Für eine Partei, die sonst bei 7% dümpelt, sind Umfragewerte von 15% natürlich eine Riesensache...


    Was man allerdings nicht verkennen darf: bis zur Bundestagswahl sind es noch ein paar Monate hin. Bis dahin kann viel passieren. Ob die Menschen in Deutschland dann immer noch keine Krise spüren und die FDP immer noch auf Höhenflug ist? Man muss es abwarten...

    "Das schlechteste Ergebnis" wäre dann egal, wenn man immer noch die Mehrheit hätte... :cool:


    Wenn man aber eine "große Volkspartei" ist war und es inzwischen nur noch auf schlappe 20% bringt, sollte der Denkapparat allmählich mal einen Gang höher geschaltet werden, verbunden mit der Frage, was man falsch macht. Wenn es so weiter geht ist die FDP bald womöglich stärker als die SPD.:rolleyes:


    Sich auf mangelnde Wahlbeteiligung herauszureden ist mehr als billig, denn unter diesem Faktor litten alle anderen Parteien genauso.


    Ich sah Steinmeier bei Anne Will und weiß nicht ob ich zu subjektiv urteile, aber in meinen Augen ist er ein paar Mal sehr heftig in Fettnäpfchen getreten. Immer wieder fiel er den Gesprächspartnern ins Wort und er versuchte die Moderatorin und andere Gäste mehrfach sehr blöd anzugehen. Nur ließen die sich das nicht gefallen - zu Recht. Frank-Walter war zu offensichtlich nur auf Wahlkampf ausgerichtet und stand nicht souverän gegenüber Anwürfen, sondern wurde jedes Mal bissig - nicht souverän. In der Sendung hat er keine glückliche Figur gemacht, was aber dem Ergebnis seiner Partei nahe kommt.

    Es ist ein Trauerspiel hier live und in Farbe zu erleben, dass eine einfache Aufgabenstellung, nämlich zu errechnen wie viel Geld man unter bestimmten Bedingungen im Monat zur Verfügung hat, kaum zu lösen ist. Das ist wieder mal soooo typisch für unsere überbürokratisierte Bananenrepublik.


    Dass man die Höhe der staatlichen Zuschüsse begrenzen muss und sie nicht so hoch sein dürfen, dass Arbeit sich nicht mehr lohnt, ist schon klar. Das Problem liegt aber weniger an der Höhe der Transferleistungen, sondern an den zu niedrigen Gehältern.



    Chicken Hawk, ich weiß ja nicht wo du lebst, aber es kann nicht in meiner Nähe und meinem Jahrhundert sein.


    Eine simple Telefon- und Internet-Flat liegt bei 25-30 EUR. Dürfen Papa und Mama der Musterfamilie ein preiswertes Prepaid-Handy haben oder ist das schon verboten? Dürfen ihre heranwachsenden Kinder auch eins haben? Dann reichen die 50 EUR schon nicht mehr.


    Wenn ich bei Aldi und Lidl kaufen gehe, bin ich schnell 20 EUR los, das reicht für eine Person für 2-3 Tage. Zugegeben, viel tendentiell teures Tiefkühlzeugs. Aber wenn 4 Leute einen Monat vernünftig ernährt werden sollen, finde ich 350 EUR mehr als knapp. Oder bist du der Meinung, dass es an jedem 2. Tag Nudeln mit Tomatensoße geben sollte?


    Was ist wenn jemand mal neue Klamotten braucht, wenn einer Geburtstag hat und ein kleines Geschenk bekommen soll (in der Famile und meistens hat man auch einen Freundeskreis), was ist mit Weihnachten?


    Was ist wenn man einfach mal Lust auf ein Eis hat oder gar auf einen Hamburger?


    Wir reden jetzt nicht darüber, dass der Staat den Leuten all dieses explizit bezahlen soll, das geht natürlich nicht. Zu einer fairen Betrachtung gehört aber, dass all dieses die Lebensrealität ist, denn ein Mensch ist keine Maschine, in die man genormte Esswaren füllt, 1x in der Woche drüber wäscht und dann ist er zufrieden.
    Zur sozialen Teilhabe gehört weit mehr als Nahrung und ein Dach über dem Kopf.


    An der unteren Einkommensgrenze zu leben ist extrem hart und ein ständiger Kampf. Das wird in vielen Betrachtungen aber einfach ignoriert und nur mit ein paar Zahlen herumgerechnet, die aber nicht zur Lebensrealität passen.


    Es ist zwangsläufig, dass die Menschen sehen müssen wie sie klar kommen können und der Handyfreak sich ausrechnen muss, wie er über die Runden kommt. Ich kann das absolut verstehen und finde daran nichts verwerflich.


    Ich finde eher peinlich, dass man den Banken und Opel Milliarden nachschmeißt, während der Bürger größte Schwierigkeiten hat sein Leben zu organisieren wenn er wissen will, wie viel lumpige Euros er in seiner Lage erwarten kann.


    Jeder normale Mensch hat Verbindlichkeiten am Hals, sei es ein Handyvertrag, ein Zeitschriftenabo, eine Finanzierung von normalen Alltagsgegenständen wie dem PC, der Waschmaschine etc. ... All dieses kann auch mal kaputt gehen und es muss repariert oder neu angeschafft werden. Was dann?

    Zitat

    Original geschrieben von zufaul
    Angenommen, ich finde im Net eine Digicam für 99,-€ und diese sagt mir so sehr zu, dass ich nur diese und absolut keine andere haben möchte, fahre dann in die Stadt und dort gibts das Modell für 129,-€, worin siehst du dann den Vorteil? Eine Beratung fällt ja weg. 30€ "Verkaufsgebühr"?


    Die Frage ist ja schon, ob ich die Digicam alleine finde. Ich habe von Objektiven und ihren Werten keine Ahnung, also kann ich entweder eine Kamera kaufen, die mir äußerlich zusagt - oder ich lasse mich vom Fachmann beraten und komme so zu einer Kamera, bei der die Qualität stimmt und mit der ich gute Bilder machen kann.
    Wenn ich mich mit Kameras auskenne, brauche ich die Beratung zwar beim Kamerakauf nicht. Dafür brauche ich sie aber beim Kauf eines Druckers, von diversen PC-Komponenten, eines Küchen-, Garten oder sonstigen Geräts oder irgendwelcher Anschaffungen. Niemand kennt sich überall aus und es ist immer gut, wenn man eine ordentliche Beratung bekommt.


    Ich kann mir die Dinge vor Ort anschauen und manche Sachen erfasse ich nur, wenn ich die Ware live sehe und anfassen kann. Ist es dir noch nie passiert, dass die Bilder und Berichte gut ausschauten - und dann kommt die Ware und du bist enttäuscht?


    Wenn die Ware defekt ist, kann ich sie beim Händler reklamieren und er kümmert sich darum. Ich gehe entweder sofort mit einem neuen Gerät aus dem Laden oder bekomme ein Leihgerät gestellt - je nachdem, worum es geht.
    Ich schlage mich nicht 2 Stunden lang mit inkompetenten, radebrechend deutsch sprechenden Hotlinern in Bulgarien herum, zu denen der Anbieter seine Hotline aus Kostengründen ausgelagert hat (Beispiel: HP).
    Ich ärgere mich nicht mit Email-Support, der 4 Tage lang gar nicht antwortet und dann eine nichtssagende Standardmail schickt, die überhaupt nicht mein Problem betrifft.
    Ich werde von Hotlines nach 20 Minuten Endlos-Gedudel auch nicht mit dümmlichen Aussagen abgewimmelt und habe keine Kosten dafür, auch nicht für die Rücksendung - die theoretisch der Onlinehändler für mich übernehmen müsste, in der Praxis sieht es oft anders aus - was auch fast wieder verständlich ist: irgendwo muss der Onlinehändler sparen, denn sonst kann er den guten Preis nicht machen. Also spart er am Service. Der kostet nämlich nur viel Geld und bringt einem nichts ein, dazu die Versandkosten - da wäre jeder Billigheimer blöd und schnell pleite, wenn er hier großzügig Geld verpulvert.


    Obendrein ist der lokale Anbieter - nehmen wir den von dir genannten Fotohändler - auch vielfach Kunde: der braucht selber PC's, Briefpapier, Wartung seiner Heizung und Sanitäranlagen, Verbrauchsmaterial aller Art usw. usw.


    Das Geld, was er an meiner Kamera verdient, bringt er mir wieder wenn er sein Briefpapier in meiner Druckerei im Ort anfertigen lässt anstatt es im Netz zu bestellen. Als Heizungsbauer, Fliesenleger, Fernsehtechniker verdiene ich an ihm wenn er mich fair bezahlt und nicht den My-Hammer-lohngedumpten Schwarzarbeiter engagiert.


    Wenn ich einrechne, dass ich beim lokalen Händler keine Versandkosten zahle (Nachnahmesendungen liegen schnell bei 13, 14 EUR Zusatzkosten!) ist der Preisunterschied oft nicht mehr groß. Teure Hotlinekosten fallen mir nicht an - und bei der heutigen Gerätequalität ist nicht unwahrscheinlich, dass man immer wieder den technischen Support braucht. Der Service - im Falle eines Falles - ist bei meinem lokalen Anbieter gegeben und wenn ich selber ein kleiner Anbieter bin, freue ich mich wie er, wenn andere auch bei mir kaufen.


    Das alles setzt natürlich voraus, dass ich einen wirklich fähigen und bemühten Händler vor Ort habe. Davon gehe ich in dieser Betrachtung aber aus, weil sonst würde ich einen Kauf in seinem Laden erst gar nicht als Alternative in Betracht ziehen.
    Ich bin auch nicht bereit, jeden Mondpreis zu bezahlen, es muss schon in einem vertretbaren Rahmen sein. Dann aber gilt "leben und leben lassen":


    "Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden gerechte Beute solcher Machenschaften.


    Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles.
    Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.


    Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.


    Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen."


    John Ruskin, engl. Sozialreformer (1819-1900)

    Ich finde sehr interessant wie einfach und schnell viele bereit sind, einem Politiker wegen einer einzelnen für sinnvoll gehaltenen Einstellung ihr Vertrauen auszusprechen.


    Seid ihr alle Kumpels vom Karl-Theodor, Schul- und Studienfreunde, Saufkumpane oder so?


    Der Mann ist vor seiner Ernennung zum Minister völlig unbekannt gewesen und hat jetzt ein einziges Mal etwas Bemerkenswertes gemacht, nämlich von einer politischen Mainstream-Meinung abzuweichen. Ich stimme seiner Meinung in diesem Fall auch zu, das ist mir aber viel zu dünn um gleich Lobeshymnen auf ihn anzustimmen.


    Es gibt genauso Schwachpunkte, in denen der Mann Dinge gesagt oder getan hat, die ich überhaupt nicht gut finde. Die weiter oben geposteten Links belegen ja sehr deutlich, dass es mit seiner Wirtschaftskompetenz so weit nicht her sein kann - von wegen Familienunternehmen usw.
    Nicht, dass es schlimm wäre als Minister ein Ressort zu übernehmen, in dem man bisher kein Fachmann ist - das kommt oft vor. Aber es so darzustellen als hätte man schon viele Meriten verdient - naja...
    Mit seiner Einstellung zur Bundeswehr in Afghanistan kann ich auch nichts anfangen - und bin nicht der Einzige. Die allermeisten Bürger lehnen dieses Engagement ab weil nicht nachvollziehbar ist, wie unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung dort verteidigt wird. Karl-Theodor ist allerdings ein großer Befürworter des Bundeswehreinsatzes.


    Selbst wenn man seine Meinungen in allen Beispielen bisher teilt: reicht das, um Lobeshymnen auf ihn loszutreten?


    BTW, bemerkenswert wie hier immer wieder vom Thema abgewichen wird. Geht's hier noch um Guttenberg, oder nur noch um Opel?

    Der wird gewählt weil es immer interessant ist seine Frauengeschichten zu verfolgen... :D


    Dass Opel-Fahrzeuge so unbeliebt wären, stimmt einfach nicht. Man muss doch nur mal auf die Straße gehen und sieht, dass davon sehr viele herumfahren. Für viele Menschen ist ein Opel die Alternative zu der Apotheke VW, wenn man einen preiswerten Wagen eines deutschen Herstellers kaufen möchte und keine generelle Abneigung gegen Opel hat.


    Ich würde mir keinen kaufen weil Opel noch nie meine Marke war, aber nur weil das so auf mich und einen Teil der Bevölkerung zutrifft, kann man Opel nicht generell als unbeliebt hinstellen.


    Dass Opel ein Teil der deutschen Geschichte ist, stimmt auch zweifellos und wenn man sich mal anschaut, was seinerzeit mit dem allerersten Kadett, dem Kapitän, dem Admiral oder den ersten Mantas geschaffen wurde - das waren supergeile Autos!
    Dann kamen die fürchterlichen 1990er Jahren mit schnell rostenden, klapprigen, schlechten Wagen.
    Aber inzwischen geht es wieder aufwärts und auch hier bei TT wurde nicht mit Lob und Anerkennung für den Insignia gespart. Sooooo schlimm können die Wagen nicht sein.


    Es geht aber um einen anderen Punkt - und deswegen bin ich gegen die Opel-Rettung: keines der zur Zeit im Gespräch befindlichen Unternehmen kam durch die Krise in Schwierigkeiten. Bei Opel war es die unselige Verstrickung mit GM, die das Unternehmen in Schieflage brachte. Bei Arcandor Missmanagement übelster Sorte. Porsche hat sich an VW verhoben und Schaeffler an Continental. In allen Fällen ist es nur schlechtes Management und Gier, aber kein einziges Mal liegt es an der Krise.


    Warum meint der Staat, da einspringen zu müssen? Ich halte das ordnungspolitisch für absolut falsch und gefährlich, denn er mischt sich hier aus reinem Wahlkampfpopulismus in die Wirtschaft ein, von der er besser die Finger ließe.


    Viel wichtiger wären Gesetze, die verhindern, dass es so weiter geht wie bisher und dass gierige, unverantwortliche Konzernbosse weiterhin ungehemmt Geld verzocken, für das später die Allgemeinheit haften soll. An die steinreichen Eigentümer, Schickedanz, Schaeffler und Porsche ist bisher niemand herangetreten, um von denen die Milliarden zur Rettung ihrer Unternehmen zu verlangen...


    Die Schulden, die der Staat gerade macht und die wir Steuerzahler über Jahrzehnte bezahlen müssen, die ungeregelten Verhältnisse in der Finanzwelt, die Ignoranz gegenüber dem Unverständnis der normalen Bürger - all das bricht der Politik irgendwann den Hals. Die Glaubwürdigkeit geht hier absolut verloren.


    Dass man einen Minister Guttenberg speziell loben muss weil er das einzig Richtige geäußert hat, einen Insolvenz von Opel, spricht Bände. Egal ob man sich politisch mehr oder weniger interessiert, die Stimmung im Volk wird immer kritischer und immer weniger fühlen sich die Leute von den Schwätzern in der Berliner Luftblase vertreten. Das bekannteste politische Zitat ist Münteferings "Es ist unfair, Politiker an dem zu messen, was sie vor der Wahl gesagt haben."


    Wenn sich dieser Eindruck flächendeckend immer mehr verbreitet, rutschen wir irgendwann in extreme politische Verhältnisse. Schon jetzt ist die große Koalition doch ein Alarmsignal: das ist kein Zufall weil das Wahlergebnis nichts anderes zuließ, sondern ein Ergebnis dessen, dass die großen Parteien CDU und SPD es nicht mehr schaffen, genügend Bürger für sich zu mobilisieren. Allein mit seinen Stammwählern gewinnt man eben keine Wahl.
    Obwohl die FDP die "Partei der Besserverdienenden" ist und immer noch für genau die fatalen neoliberalen Thesen spricht, die die ganze Finanzmisere ausgelöst haben, steht sie in den letzten Wochen mit besten Werten da. Die Bürger scheinen nicht zu verstehen, dass populistische Forderungen wie z. B. "Steuersenkungen!" absoluter Nonsens sind, denn es müsste doch jedem klar sein, dass es bei den Ausgaben, die der Staat gerade in Milliardenhöhe macht, nie im Leben Steuersenkungen geben wird!


    Man hat das Gefühl, die Politik verplempert im Augenblick Milliarden, die die Steuerzahler und deren Kinder bezahlen müssen, nur um für die Wahl in gutem Licht dazustehen.


    Ich kann das alles nur mit Kopfschütteln ansehen...

    Aussagen eines lokalen PC-Fachhändlers: in seiner Branche sind die Margen so klein, dass große Preisnachlässe gar nicht machbar sind. Dennoch fragen inzwischen sehr viele Kunden nach ("Im Internetz gibbet datt abba für X Eurohhh") und viel kann er meistens nicht machen, aber es scheint den Kunden oft allein um das Gefühl zu gehen, etwas "herausgeholt" zu haben, auch wenn es nur ein kleiner Betrag ist.


    Ansonsten scheint es 2 Kundengruppen zu geben: die einen kaufen sowieso fast immer online und denen kann er es sowieso nie Recht machen (zu teuer, man kriegt ja eh dieselbe Ware wie im Netz, die quälen sich bei Problemen selbst mit Händlerhotlines herum).
    Die andere - sein - Klientel sind Leute, denen es nicht unbedingt auf den Mehrpreis von 1,50 EUR ankommt, sondern denen ist wichtig einen lokalen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Gerade viele ältere Kunden schätzen es wenn sie beraten werden und er setzt auf fundierte Beratung und Fachwissen. Man kann bei Schwierigkeiten ggf. auch nach dem Kauf noch hingehen und sich mal einen Rat holen, man kann sich manche lästige Installation etc. sparen, muss als Kunde also nicht irgendwelche Aufgaben erledigen, sondern bekommt ein fertiges Produkt.
    Er kann natürlich nicht immer den Preis aus den Preisvergleichen halten, kalkuliert aber fair, so dass er leben kann, aber auch der Kunde nicht allzu viel draufzahlt - schließlich spart man sich Versandkosten.


    Aber äh, lange Rede, wenig Sinn: viele verhandeln wohl alleine deswegen, weil sie das Gefühl haben wollen, "etwas herausgeholt" zu haben. Es ist dann weniger wichtig ob es nur ein kleiner Betrag ist - Hauptsache, man hat etwas herausgeschlagen.


    Meine Sache ist es nicht. In Deutschland ist "Handel wie auf dem Basar" eher unüblich, wenn es nicht um ein Auto, ein Haus oder ein Grundstück geht. Ich finde es auch ganz angenehm, man zahlt den Preis, der geschrieben steht, und wenn ich vorher einen Preisvergleich gemacht habe weiß ich ja auch, dass meine Quelle entweder die günstigste ist oder, wenn es nicht der beste Preis ist, dennoch irgendeinen Vorteil bietet, der mir den Aufpreis wert ist.

    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    Nein, ich vergesse nämlich gerade nicht die Technisierung. Denn gerade die macht den Fortschritt und damit unser Wohlstandswachstum möglich. Beispiele siehe unten.


    Ich glaube du wirfst hier Dinge durcheinander. Wir schauen heute zwar auf Flachbildfernseher, benötigen davon aber nicht mehr als früher große Flimmerkisten. Ein Auto ist heute sicherer und komfortabler als vor 20 Jahren - wir brauchen deswegen aber nicht mehr Autos. Wirklich "neu" in dem Sinne, dass wir Waren anschaffen, die es früher nicht gab, sind heute wenige Dinge.
    Die Industrialisierung und die Einführung moderner EDV bis hinein in den Privathaushalt hat uns tatsächlich ein "Mehr" an Waren beschert. Wir sind da aber auf einem Plateau angekommen, zukünftige Entwicklungen finden eher in der Mikrobiologie, Gentechnik etc. statt, es wird aber kein direktes Wachstum in dem Sinne geben, dass alle Haushalte plötzlich revolutionär neue Techniken anschaffen werden. Das war in vergangenen Jahrzehnten durch Nutzung der Elektrizität und des Verbrennungsmotors etwas anderes.


    Wohlstandswachstum in deinem Sinne heißt Verbesserung von Produkten. Das geht aber nicht zwangsläufig einher mit zusätzlichem Bedarf an Waren und Arbeitskräften. Da erleben wir nämlich genau das Gegenteil, einen Rückfall um 6%.


    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    Die einzige Grenze, die mir einfällt, ist, dass natürliche Rohstoffe natürlich nicht unbegrenzt vorhanden sind.


    Wir reden gerade über unser Wirtschaftssystem...



    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    Auch hier liegt ein Denkfehler vor. Denn nicht nur die manuelle Arbeit wie das Zusammenschrauben von Maschinenteilen ist Arbeit. Auch die geistige Arbeit ("Dienstleistung") schafft Wohlstand. Wenn ich ein Produkt erfinde (und die Maschine, die das Produkt herstellt), das den Menschen einen Mehrwert bringt wie z.B. eine kürzere Reisezeit von A nach B, dann habe ich damit ein neues reales Gut erschaffen, dass den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand mehrt und mir steht natürlich eine monetäre Entlohnung für meine Mühen zu.


    Der Nutzer dieser Verbesserung muss ihn aber bezahlen und dazu muss er ihn bezahlen können. Das schönste neue Auto nützt nichts, wenn es keiner mehr bezahlen kann. "Autos kaufen keine Autos", wie es so schön heißt.


    Der Trend auf dem Arbeitsmarkt war, dass man in den vergangenen Jahren Stellen vor allem im Niedriglohnsektor und der Zeitarbeit geschaffen hat. Man erfand Hartz IV und wollte "fördern und fordern", es wurde aber vor allem gefordert. Gefördert wurde wenig - und wenn, dann sinnlos. Umschulung in unnsinnige Branchen und Druck auf Leute, die manchmal nicht mehr leisten können. Es wird immer mittelmäßig Begabte und einfache Menschen geben, die man nicht in hochkomplexe Jobs stecken kann. Diesen zu drohen weil sie nicht mehr leisten können, ist Unsinn. Die Gesellschaft muss damit leben, dass es auch die einfachen Leute gibt.


    Wenn die Einfachen alle aus dem System katapultiert werden und auch die gut Qualifizierten erstmal als unbezahlte Praktikanten Vollzeitjobs erfüllen anstatt gutes Geld zu verdienen, kann das so nicht dauerhaft funktionieren. Es kann auch nicht funktionieren wenn der Mittelstand ausblutet, weil die Armen von Transferleistungen leben müssen und die "happy few" ihr Vermögen in Steueroasen auslagern oder in Länder gehen, in denen sie wenig abgeben müssen. Für die gesamte Gesellschaft funktioniert sowas nicht.


    Und das ist etwas, das Sinn einfach nicht kapieren will. Dass uns die Schere zwischen arm und reich ruiniert und eben NICHT dazu führt, dass die Armen durch den Wohlstand der Reichen ebenso profitieren, weil immer etwas vom Tisch fällt...
    Gerade die aktuelle Weltwirtschaftskrise lehrt uns doch, dass es eben nicht so ist und war, dass die ungeheuerlichen Gewinne der Reichen zugleich Wohlstand für alle brachte. Im Gegenteil: Die Zeche zahlten und zahlen auch weiter, auf viele Jahre hinaus, die Normalverdiener, die aber sowieso auch schon durch Reallohnverluste und Arbeitsplatzabbau in die Enge getrieben wurden.


    Sinn ist ein Geisterfahrer, der auf die Erkenntnis, dass man auf der falschen Spur fährt, sinngemäß damit reagiert dass man noch mehr Gas geben und noch schneller noch weiter fahren soll. Unbegreiflich...


    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    Das Problem dabei sind natürlich die, die an diesem kreativen Dienstleistungsgewerbe wegen mangelnder Bildung oder anderer Gründe nicht teilhaben können. Die Aufgabe der Gesellschaft muss es sein möglichst viele dazu zu befähigen an diesem Prozess teilzunehmen. Wenn dies nicht gelingt, passiert das was du vorhersagst, dass es eine große Zahl Arbeitsloser gibt, die auf dem modernen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben.


    Siehe oben. Wir sind eine der führenden Industrienationen der Welt, aber auch wir haben einfache Menschen. Nicht jeder kann Ingenieur oder Erfinder werden.

    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    ABER wir werden immer versuchen unseren Lebensstandard zu erhöhen und ihn nicht konstant lassen.


    In den vergangenen Jahrzehnten war es tatsächlich so. Zum einen bedingte der 2. Weltkrieg einen immensen Bedarf an wirtschaftlicher Kraft um die Folgen der Zerstörung aufzuarbeiten und zum anderen schritt die Technisierung rasant fort. In vorindustrieller Zeit arbeiteten 80 von 100 Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, heute sind es noch 2,5. Diese statistischen 2,5 Landwirte erwirtschaften aber den gleichen bzw. noch mehr Ertrag als damals 80 Leute. Wenn man sich anschaut, dass wir im Überfluss leben und wie sich z. B. die Milchpreise darstellen, sind es vielleicht sogar 2 Landwirte, also wiederum eine Ersparnis um eine halbe Arbeitskraft.


    Im industriellen Sektor kann man das genauso durchkaspern. Auch da produzieren, dank moderner Techniken und Maschinen, wesentlich weniger Menschen als früher weit mehr Produkte.


    Die frühere Logik, nach der im kapitalistischen System der Wegfall eines Marktteilnehmers zum Vorteil und zum Wachstum eines anderen führe, in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung also der gleiche Level erhalten bleibt, kommt inzwischen nicht mehr hin.


    Tatsächlich wird der Bedarf an Menschen, die Arbeit leisten, heute geringer weil die verbleibenden Mitarbeiter auch bei fortschrittlicheren Produkten immer rationeller arbeiten.


    Wenn früher 5 Konstrukteure an Reißbrettern konstruiert und gezeichnet haben, macht das heute 1 mit seinem PC oder CAD-Programm. Auf einer Lokomotive führen früher Heizer und Lokführer, heute reicht der Lokführer. Im Flugzeug gab es früher einen Fligingenieur, heute erledigt sein Job ein Computersystem, dessen Daten die Piloten bedienen.


    In der Gesamtheit ist es nicht so, dass die Anzahl der Arbeitenden gleich bleibt, weil einfach nur umgeschichtet wird (z. B.: wer früher Telefonhäuschen baute, ist jetzt im Handysektor tätig), sondern heute braucht man trotz komplexerer Welt weniger Leute für die gleiche oder gar höhere Bruttowertschöpfung.


    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    Das heißt der absolute Output wird steigen, aber auch der Output pro Arbeitskraft. Dadurch braucht man doch wieder mehr als nur 20% der verfügbaren Arbeitskraft.


    Diese Argumentation verstehe ich nicht... Wieso braucht man doch mehr Arbeitskraft?


    Zitat

    Original geschrieben von coolergg
    Vergleich doch nur mal den heutigen Lebensstandard mit dem von vor 150 Jahren in Deutschland (keine Autos, Elektrizität, Computer usw.). Natürlich wirft der ständige Fortschritt dennoch das Problem auf, dass wir weniger niedrig qualifizierte Arbeiter brauchen. Aber wenn wir es schaffen sollten mehr Ingenieure und Co. auszubilden, werden wir sie auch garantiert brauchen.


    Eben nicht! In den Denkmodellen ist natürlich einkalkuliert, dass es Fortschritt gibt und wir nicht ewig auf dem Status Quo verharren.