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Quelle: http://www.netzeitung.de/internet/277180.html
Handy wird zum Tagebuch
12. Mär 09:59
Nokia will Handys in elektronische Tagebücher verwandeln. Diese «Lifeblogs» lassen sich ganz einfach im Internet veröffentlichen.
Weblogs, private Tagebücher im Internet, erfreuen sich großer Beliebtheit. Vergangenes Jahr wurden «Photoblogs» populär, mit denen der Alltag durch Schnappschüsse mit Digitalkamera und Fotohandys auch von unterwegs dokumentiert werden kann. Nokia will jetzt noch einen Schritt weiter gehen: Eine vom finnischen Handy-Hersteller entwickelte PC- und Handy-Software soll ab Sommer aus Mobiltelefonen automatisierte elektronische Tagebücher erstellen, in denen durch die Sammlung von gelesenen Nachrichten, SMS, geknipsten und erhaltenen Fotos oder auch Gesprächmitschnitten, das Leben des Telefonbesitzers dokumentiert wird.
Eindruck vom Alltag
Die «Lifeblog»-Software soll Handybesitzern helfen, die Informationen, die auf ihrem Mobiltelefon gespeichert sind, so zu organisieren, das daraus ein authentischer Eindruck vom Tagesablauf des Users entsteht. Schließlich kommt einiges zusammen, wenn das Handy als Allzweckkommunikations-, Unterhaltungs- und Geschäftsinstrument benutzt wird, wenn man mit Mobiltelefonen Fotos und kurze Filme aufzeichnen kann, Töne aufnimmt, SMS-, E-Mail-, Text- und Multimedianachrichten verschickt und empfängt.
Lifelogging in den Genen
«Das Mobiltelefon wird praktisch zum Protokollanten des Lebens seines Halters», sagt Christian Lindholm, Leiter des «Lifeblog»-Projekts gegenüber BBC News. Handys mit immer mehr Funktionen und größeren Speicherkapazitäten führten automatisch dazu, dass die Leute durch den Gebrauch der Geräte quasi nebenbei eine Menge Informationen über sich und ihr Leben ansammeln. «Die Menschen sind Sammler, es muss in unseren Genen angelegt sein, Dinge aufzuheben», so Lindholm. Für ihn hat sich durch das Fotografieren und Nachrichtenschreiben mit einer Hand eine eigene Kultur entwickelt, die sogenannte Snapping-Kultur. «Man dokumentiert praktisch so nebenbei, mit einer Hand, sein Leben.»
Die Lifeblog-Software läuft auf PCs und zieht nach Anschluss des Handys alle Daten wie Bilder, Texte und Multimedia-Nachrichten, die auf dem Gerät gespeichert waren, auf den Computer. Danach werden die Informationen chronologisch geordnet und mit weiteren Informationen über das Wann und Wo, die im Telefon gespeichert sind, angereichert. Anschließend kann der Halter entscheiden, welche Daten er behalten möchte, welche nicht und welche im Web veröffentlicht werden sollen. Eine eingeschränkte «Lifeblog»-Version läuft auch auf dem Handy selbst, damit erkennbar ist, wie die Inhalte von dem Programm angeordnet werden.
Konkurrenz zu Ilife
Laut Lindholm ist Nokias «Lifeblog»-Software eine Reaktion auf den wachsenden Personal-Content-Management-Markt und ein Konkurrenzprodukt zu Apples Ilife und anderen Produkten wie beispielsweise der automatisierten Fotoverwaltung Picasa.
«Lifeblog» Version 1.0 soll nächste Woche auf der Cebit vorgestellt werden und Ende Juni auf den Markt kommen. Das erste mit der Software ausgestattete Telefon, das mit der Nokia PC Suite kompatibel sein wird, soll das kürzlich angekündigte Modell 6620 sein. Allerdings wird nur eine Test-Version mit begrenztem Speicherplatz enthalten sein. Ist dieser belegt, wird der User aufgefordert, für 30 Euro die Vollversion zu kaufen. Auf den älteren Modellen der Serie 60- wird die Software nicht laufen. (nz)