Hallo,
ich glaube, daß Diskussionen um die Vorteile von mechanischen und von Quartzuhren nichts bringen. Ich gönne jedem seinen Spaß an der jeweiligen Technik. Sachliche Argumente pro mechanische Uhren fallen mir allerdings nicht ein. Der Artikel des mir nicht weiter bekannten Herrn Reschke (ist das eine Größe in der Uhren-Szene?) bekräftigt mich in dieser Meinung. Der Autor versucht seinen Standpunkt mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten zu untermauern. Wo ist denn das Problem einfach zuzugeben, daß der Umgang mit den mechanischen Uhren und die Auseinandersetzung mit der Technik und der Historie der Laufwerke bzw. der Hersteller einfach nur Spaß macht? Es ist doch bei vielen Hobbies so, daß man mit rationellen Argumenten nicht begründen kann, warum man einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand betreibt, um ein an sich banales Ziel zu erreichen. Mir drängt sich der Vergleich mit der Audio-Szene auf: Da gibt es auch Grabenkriege zwischen den Anhängern der analogen Technik und denen der digitalen. Mit richtigem Equipment kommt man zu ähnlichen Ergebnissen. Ich selbst nutze beides und kann auf Harddisc aufnehmen, verwende mit großer Freude aber noch sündhaft teure Spulentonbänder einfach, weil es Spaß macht mit den großen Spulen zu hantieren. Auch kaufe ich LPs statt CDs einfach, weil ich es schön finde zu sehen, wie die Musik entsteht (man hat was zu sehen, wen sich Bänder oder Scheiben drehen). Der Umgang mit den Medien braucht Zeit und Muße im Handling und die Medien sowie die Abspielgeräte sind sehr teuer, wenn sie mit Digitaltechnik mithalten können sollen. Das mag genauso unsinnig sein, wie die Auseinandersetzung mit mechanischen Uhren. Warum muß es denn immer zu Glaubenskriegen kommen, wenn man aus Spaß an einer Technik festhält, seine Freude daran hat und hierfür im Laufe der Zeit immer mehr Geld ausgibt, weil die Technik aus Sicht des Massenmarkts überholt ist und dieser in eine andere Richtung tendiert: Sei es digital audio oder eben Quartzuhren?
Ich bewerte Uhren einfach nach Designgesichtspunkten und hätte für mich gerne ein Modell, um das ich mich nicht kümmern muß. Daß es spaß macht sich mit der Uhr auseinanderzusetzen und sie wie Herr Reschke schreibt bewußt und mit Hochachtung der Technik gegenüber zu stellen bestreite ich nicht. Es könnte mir sogar Spaß machen. Mir macht es ja auch Spaß umständlich eine Tonbandspule aus der Archivhülle zu nehmen, die auf die Maschine zu packen, die Spule zu sichern, das Band per Hand umständlich einzufädeln und andächtig auf "Play" zu drücken. Allerdings habe ich an anderen technischen Dingen mehr Spaß als an Uhren und kann auch rein finanziell nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Wenn man es bequem und preiswert haben will, greift man halt zur Quartzuhr. Unter optischen Gesichtspunkten sagen mir die mechanischen Modelle allerdings eher zu. Das ist ja das Problem! Seit dem heutigen Mittag bin ich von einer mechanischen Seiko ganz angetan. Die Optik ist klasse, was mich stört ist, daß sie sich nicht selbst via Funk stellt.
Grüße, garnixan