[URL=http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/kultur/artikel/452/137177/]Hier[/URL] der Kommentar der SZ.
Das eigentlich Traurige ist, daß Eva Herman Ideen auf den Tisch gebracht hat, die familienpolitisch zumindest diskussionswürdig wären, weil in ihnen viel Potential steckt.
Sich dann allerdings von den Medien auf ein Niveau ziehen zu lassen, von wo aus es einfach irgendwann mal nicht mehr weiter geht, das ist geradezu fahrlässig.
Frau Herman muß doch irgendwann mal gemerkt haben, in welche Ecke man sie da drücken möchte. Und spätestens da muß einem doch, als normal denkendem Menschen, klar werden, daß es Zeit wird, zurückzurudern und die Diskussion umzubiegen. Stattdessen reitet sie sich immer weiter da rein und wird inzwischen von den rechten Parteien im Land als Märtyrer verehrt.
Dann auch noch die berühmten Hitler-Autobahnen aus dem Keller der politischen Witzelei zu holen, war vermutlich der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat. Auch wenn sie offenbar etwas ganz anderes ausdrücken wollte: Der Terminus "Hitler = Autobahnen = Verharmlosung des 3.Reiches" steckt in uns Deutschen viel zu sehr drin und wird noch in hundert Jahren zu einem Abwehrreflex führen.
Das Thema Nationalsozialismus ist nun mal heikel - nicht, weil wir als Nachkriegsgeneration nicht damit umgehen könnten (auch ich empfinde persönlich keine Schuld für das, was mein Großvater getan haben mag), sondern weil die Medien auf das geringste Anzeichen und den kleinsten "Nazi-Terminus" sofort anspringen. Vor allem britische und französische Medienanstalten haben 24/7 die große deutsche Moralkeule neben ihren Schreibtischen stehen, mit der sie sofort ungebremst zuschlagen, wenn es mal wieder ein Deutscher wagt, sich, zum Beispiel, zum Thema Menschenrechte oder zur Palästinenserfrage zu äußern.
Damit müssen wir wahrscheinlich auch noch eine ganze Zeit leben. Mir persönlich fällt das nicht so schwer. Ich kann mich noch an Zeiten in meiner Kindheit erinnern, als "die Amis" im Nachbarort Übungen mit riesigen Panzerverbänden und Fallschirmspringern abgehalten haben. Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, daß "wir" etwas ganz Schlimmes getan haben müssen, sonst wäre unser Land nicht 30 Jahre später noch besetzt gewesen.
Und die Wenigsten werden mir glauben, wenn ich - subjektiv - das Gefühl äußere, daß die ganze Adolf-Thematik während der letzten zwei Jahrzehnte um Vieles lockerer geworden ist. Moers' Adolf in der Badewanne zum Beispiel wäre vor zwanzig Jahren noch undenkbar gewesen.
Was ich Frau Herman anlaste, ist nicht das Gedankengut, das sie transportiert (ich kann mir nicht vorstellen, daß sie so sehr neben der Spur ist), sondern die Unfähigkeit, die eigene Person rechtzeitig abzugrenzen und eine klare Ansage zu treffen gegenüber einer Medienlandschaft, die sich - zwangsläufig - reflexartig am Adolf-Thema festgebissen hat.
cu
NoTeen