ZitatOriginal geschrieben von HappyDay989
Bitte definiere "Ausbeutung". Bei wie viel Euro / Dollar / Yen pro Stunde / Tag /Woche / Monat hört "Ausbeutung" auf, eben genau das zu sein?
Da gibt es zwei Definitionen:
Wer weniger als 2/3 des mittleren Einkommens zur Verfuegung hat, der ist arm.
Wer Vollzeit arbeitet und trotzdem arm ist, der wird ausgebeutet.
ZitatOriginal geschrieben von HappyDay989
Ich habe weder Schulden bei einer Bank noch bei sonst wem und ich überziehe auch mein Konto nicht. Ich kaufe mir nur etwas, wenn ich das Geld dafür (gespart!) habe, und ich verstehe Leute nicht, die meinen, ständig "auf Pump" leben zu müssen.
Man kauft Dinge, die man nicht braucht, bezahlt sie mit Geld, das man nicht hat, und das alles, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann! Das fand ich schon immer schwachsinnig und das hat sich bisher nicht geändert. Übrigens war es in den 1950er und 1960er Jahren in der BRD völlig normal, Dinge nur mit dem Geld zu kaufen, das man tatsächlich bereits verdient hatte. Wahrscheinlich ist es nur Zufall, dass diese beiden Jahrzehnte genau die mit dem größten und gesündesten Wirtschaftswachstum der deutschen Geschichte waren, nicht wahr?
Das was du machst ist durchaus erstrebenswert, aber damit das klappt muss das Einkommen stimmen.
In Deutschland wird man dafuer schon etwa mindestens 1.500 Euro im Monat netto verdienen muessen, damit man ohne in Askese leben zu muessen, soviel Ruecklagen bilden kann, das man notwendige Reperaturen aber auch Wuensche damit bedienen kann.
Bei der Mittelschicht zwischen 1.200 und 1.500 Euro netto ist meist so das man mal kurzfristig einen Kredit braucht, denn dann aber innerhalb einiger Monate, oder spaetestens innerhalb 2-3 Jahre zurueckzahlen kann.
Aber so unter 1.200 Euro netto ist das Risiko der Verschuldung sehr gross. Ob es dazu kommt oder gut geht haengt dann sehr vom Glueck ab.
ZitatOriginal geschrieben von HappyDay989
Also, wie gesagt: objektiv kann man sich dem Kreditbedarf durchaus entziehen. Wer natürlich nicht die Disziplin aufbringen kann oder will, seinen Lebensstandard nach dem auszurichten, was das selbst verdiente Geld zulässt und statt dessen ständig auf Pump lebt und auf "Ratata" kauft, der empfindet das Schuldenmachen und Schuldenhaben wohl irgendwann als etwas völlig Normales und sucht die Verantwortung dafür nicht mehr bei sich selbst und seinem eigenen Mangel an Disziplin, sondern schiebt "dem bösen System" die Schuld zu. Na klar, das ist ja auch soviel einfacher und bequemer, wenn man für alles einen Sündenbock hat. "Systeme" sind für diese Rolle übrigens ganz besonders gut geeignet, denn die geben nicht einmal Widerworte, wenn man sagt: "Das System ist schuld."
Also gibst Du mir im Grunde doch recht: es ist die Disziplinlosigkeit, Kurzsichtigkeit, das Geltungsbedürfnis, die Großmannssucht, es "denen da oben" in Sachen Luxus gleichzutun oder ihnen wenigstens mal gefühlsmäßig nahe zu kommen, dass die Leute zum Schuldenmachen animiert und dazu bringt, über ihre Verhältnisse zu leben.
Nun, ich verdiene sicherlich nicht schlecht, aber dass ich es nicht ohne massiv Schulden zu machen, mit dem "Lifestyle" der oberen Zehntausend (oder auch Hunderttausend) aufnehmen könnte, weiß ich doch selbst, ich bin ja schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Deshalb bin ich weder auf diese Leute neidisch noch meine ich, ihnen unbedingt nacheifern zu müssen, bloß um irgendwann dann auch mal soviel Geld zu haben (oder in der Illusion vor mich hin zu schuften, dass ich vielleicht mal irgendwann so reich sein könnte).
Ich leiste mir halt das, was ich mir leisten kann, ohne mich dabei zu verausgaben oder zu verschulden. Was innerhalb dieser Grenzen geht, das mache ich, wenn ich der Ansicht bin, dass es mich weiterbringt, und was nicht geht, das unterbleibt eben. Ich weiß, dass ich mir nicht alle paar Jahre ein neues Auto, neue Möbel, zwei oder drei Mal im Jahr in den Fernurlaub usw. leisten kann. Aber ganz ehrlich: damit kann ich leben, und zwar sehr gut.
Ich denke niemand erwartet das er sich einen Lamborghini leisten kann oder das er jedes Jahr einen Fernurlaub machen kann.
Aber ein bisschen individuelle Entfaltung und ein bisschen Luxus braucht jeder. Der eine investiert es eben gerne in Klamotten, der andere in Gutes Essen, der andere in neue Technik, einige wollen moeglichst viel von der Welt sehen - niemand kann alles haben - aber ein bisschen was davon will und brauch auch jeder.
Denn Askese funktioniert nur im Kloster, wo es niemanden besser geht.