Unterirdisches Arbeitszeugnis - was tun?

  • Zitat

    Original geschrieben von Kuh127
    aber "Arbeitsbescheinigung" hört sich für mich eher nach einer nicht qualifizierenden Bestätigung an, in die der Personalchef dann doch noch ein paar Kommentare reingepackt hat.


    Aber wird es denn nicht durch Aussagen dieser Art zu einem Zeugnis? Ich meine - rechtlich hin oder her - allein wenn man sich diesen Thread ansieht begreift jeder den Text als Zeugnis, auch wenn etwas anderes drüber steht.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Charlie_D
    Es ist sehr selten, dass man auf eine Stellenausschreibung für eine spezielle Fachkraft soooo viele Bewerbungen erhält, die alle die gleichen Qualifikationen vorweisen und sich nicht schon im Vorfeld ins aus bugsieren.


    Kannst du mir da ein paar Tipps geben, wie ich mich auch ohne super gutes Abschlusszeugnis "gut" bewerben kann? Da wäre ich echt dankbar. Und ja, das Abschlusszeugnis (Studium) ist nicht so gut, weil ich zu faul war UND während des gesamten Studiums immer Nebenjobs hatte.


    Zum Thema Arbeitszeugnis:
    Ich habe das von vielen Leuten vor Gericht erlebt, dass bei Kündigungsschutzklagen ein Zeugnis der Note 1 oder 2 gegeben wird, völlig unbeachtlich, wie die Leute wirklich waren.
    Dennoch würde ich nie (!) auf ein gutes Zeugnis verzichten.

  • Das hab ich jetzt überlesen!


    Nein, es MUSS Arbeitszeugnis drüberstehen. Du musst z.B. auch, so gewünscht, von Deinem Arbeitgeber ein "qualifizierendes Arbeitszeugnis" einfordern. Von sich aus muss er Dir kein Arbeitszeugnis ausstellen.



    Aber, so Seite, wie die, deren Link Du anführst finde ich immer nett! Doch, wirklich!
    Könnte glatt von ATAC oder ähnlichen Schwachmaten gemacht sein. Wir sind gegen alles. Die bösen, bösen Firmen. Lieber mal auf die Firmen schimpfen als den Blick nach vorn zu richten.


    Im Ernst, es gibt viele unschöne Schicksale, aber solche Bemittleidungsseiten bringen doch ausser an kräftigen Frustaufbau doch gar nix!


    Charlie

    --
    Die 5 Sinne des Menschen:
    Unsinn, Irrsinn, Stumpfsinn, Blödsinn und mein persönlicher Liebling, der Wahnsinn.
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  • Zitat

    Original geschrieben von Charlie_D
    Kommt dann ein Kandidat in die nähere Auswahl, ruf ich bei seinem Ex-Arbeitgeber an und hole mir persönliche Auskünfte.
    Charlie


    Ist das rechtlich zulässig? :confused:

  • Zitat

    Original geschrieben von Cocho
    Ist das rechtlich zulässig? :confused:


    Wieso sollte es nicht?

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  • Die Sache mit dem Anrufen hat für mich so zwei Haken:
    Einmal geht es im Bewerbungsgespräch ja darum, sich in möglichst gutem Licht darzustellen. Was u.a. bedeutet, dass man seinen derzeitigen bzw. alten Arbeitgeber nicht schlecht macht, egal wie beschissen dort das Arbeitsklima war und egal wie objektiv stümperhaft die Führungsriege den Laden geschmissen hat. Der Nr. 1 Grund warum Leute ihren Arbeitsplatz wechseln ist ein "suboptimales" Verhältnis zum Chef, um nicht zu sagen, ein unfähiger Chef. Sprich: hier kann ich als Bewerber nicht bei der Wahrheit bleiben, denn das wird mir sofort als persönlichen Mangel angekreidet, Motto: "na, wenn Sie sich richtig eingesetzt hätten..." Der typische Attributionsfehler: Personen in der Situation machen mehr die Situation für ihr Verhalten verantwortlich, Beobachter der selben Situation die Personen selbst.


    Wenn jetzt wer bei meinem derzeitigen bzw. ehemaligen Arbeitgeber anruft, um dort Auskünfte über mich zu erhalten (Motto: "na, kommen'se, unter uns Pfarrerstöchtern, wie ist/war Herr/Frau XY denn nu wirklich?"), wird derjenige wohl mit meiner direkten Führungskraft (von Vorgesetzen wird ja nicht mehr gesprochen, um die Hierarchien zu kaschieren) verbunden. Nun, die hat zwei Möglichkeiten: entweder sie tut mir den Gefallen und "lobt mich über den grünen Klee", um mir möglichst wenig Steine in den Weg zu legen. Zumindest hält sie sich mit Kritik zurück und stellt mich auch in ein so positives Licht wie es nur geht, ohne das es nach "der lügt wie gedruckt" riecht. Oder aber sie "plaudert aus dem Nähkästchen" und gibt ihre subjektive Sicht der Dinge wieder, die - je nachdem - sowohl positives als auch negatives enthält. Und da sind wir wieder beim Mangel aller Beurteilungen: um etwas beurteilen zu können, muss ich als Führungskraft erstmal genügend Zeit mit Mitarbeiterführung überhaupt verbracht haben, um ausreichend Beurteilungsmaterial zu haben. Je größer die Führungsspanne, desto wackeliger wird dieses Datenmaterial. Und wenn ich jetzt noch divese Studien, wie sie regelmäßig in der FAZ und in anderen großen Wirtschaftszeitungen nachzulesen sind, angucke wie schlecht die Führung in deutschen Unternehmen wirklich ist, na dann... ist das alles andere als ein objektives Bild.


    Worauf ich hinaus will: während der Angerufene relativ frei und offen über mich und mein Verhalten am Arbeitsplatz erzählen darf, kann ich als Bewerber noch lange nicht so offen über meinen (alten) Arbeitgeber im Gespräch erzählen. Als Bewerber habe ich also keine Möglichkeit, genauso offen meine Meinung zum selben Sachverhalt darzulegen. Am Ende steht sozusagen Aussage gegen Aussage, wobei die des Bewerbers in dem Sinne abgewertet wird, als er ja unter dem Druck steht, sich möglichst positiv darzustellen.

    Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
    Bond: And the second?
    Q: Always have an escape plan...

  • Zitat

    Original geschrieben von DUSA-2772 Worauf ich hinaus will: während der Angerufene relativ frei und offen über mich und mein Verhalten am Arbeitsplatz erzählen darf, kann ich als Bewerber noch lange nicht so offen über meinen (alten) Arbeitgeber im Gespräch erzählen. Als Bewerber habe ich also keine Möglichkeit, genauso offen meine Meinung zum selben Sachverhalt darzulegen. Am Ende steht sozusagen Aussage gegen Aussage, wobei die des Bewerbers in dem Sinne abgewertet wird, als er ja unter dem Druck steht, sich möglichst positiv darzustellen.


    Jain.
    Wenn der ExChef ordentlich vom Leder zieht, ist das genauso unglaubwürdig, wie wenn er den exAngestellten hochleben lässt.
    Genauso wie ein Bewerber unglaubwürdig ist, der seinen ExBetrieb über alles Lobt. Gesunde, objektive Kritik ist durchaus erlaubt.
    Ein wirklich guter Personaler hat auch immer was von Deinem Berufsstand. Er muss sozusagen hinter die Fassade blicken können.
    Das die meisten Leute im Bewerbungsgespräch top Gekleidet, hoch Motiviert und mit dem Siegerlächeln auf den Lippen sitzen, ist klar. Mich interessiert jedoch eher wies dahinter aussieht.


    Man hat als Personaler die nicht immer angenehme Aufgabe, Menschen zu beurteilen. An diese Sache muss man so rationell und unemotional wie möglich rangehen. Hinter jedem Menschen stehen allerdings Geschichten, Persönlichkeiten, Schiksale. Es ist auch für den Personaler nicht immer leicht, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Wenn ich z.B. einer wirklich arbeitswilligen, alleinerziehenden Mutter von 2 Kindern, die auf jeden cent angewiesen ist erklären muss, dass sie ab Ende des Monats auf der Straße stehen wird, und genau weiss, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass sie so schnell wieder nen Job findet, dann fühl ich mich danach ungefährs so, als ob ich mit nem Auto überfahren worden wäre..


    Aber, das hat nix mit dem Topic zu tun, ich schweife ab...

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    Unsinn, Irrsinn, Stumpfsinn, Blödsinn und mein persönlicher Liebling, der Wahnsinn.
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  • Nachdem ihr bisher schon so gute Ratschläge hattet habe ich nochmal eine Nachfrage.
    Ich habe jetzt einen Text aufgesetzt in dem ich den Arbeitgeber mit Fristsetzung um eine Ausstellung eines neuen Zeugnisses auffordere und das alte unsägliche Zeugnis dabei geradezu "in der Luft zerreisse".


    Lange Rede, wenig Sinn - ich möchte gerne zumindest ein durchschnittliches Zeugnis haben. Ich denke daß mein Sozialverhalten überdurchschnittlich war und die Arbeitsleistung auch nicht sooo schlecht. OK, da wird der AG sagen daß die Schulung verrissen wurde, aber objektiv denke ich kann man auch bei einer firmeninternen Vorgabe von 85% jemandem, der zwischen 70 und 80% erreicht, nicht ohne weiteres eine so schlechte Bewertung reinwügen, denn objektiv ist auch das noch ein ganz gutes Ergebnis. Die Arbeitsleistung in der Abteilung war sicherlich wirklich durchschnittlich - "normal" eben.


    Insofern würde ich gerne einen Formulierungsvorschlag einreichen. Auch wenn man dem wahrscheinlich nicht entsprechen wird - Versuch macht kluch... Ich denke daß ein durchschnittliches Zeugnis als Gesamtbewertung drin sein sollte (gerade weil ich das vor Gericht eh erstreiten könnte, wie Mephisto schrieb).


    Was haltet ihr von der folgenden Formulierung? Ist das "durchschnittlich genug"? Wo sollte ich dicker oder dünner auftragen?


    "[Stellenbeschreibung unverändert]


    Herr Printus erledigte die vorgenannten Aufgaben selbstständig, effizient und sorgfältig. Er zeigte Einsatzbereitschaft und war stets motiviert.


    Seine Leistungen fanden unsere volle Zufriedenheit. Er war ein stets pünktlicher, ehrlicher und zuverlässiger Mitarbeiter.


    Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war immer einwandfrei. Kunden gegenüber trat er jederzeit höflich, sicher und gewandt auf. Er ist ein guter Teamworker und erarbeitete sich in seiner Arbeitsgruppe sehr schnell seinen Platz.


    Das Arbeitsverhältnis endet in beiderseitigem besten Einvernehmen. Wir danken Herrn Printus für seine guten Leistungen und die angenehme Zusammenarbeit. Für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg wünschen wir ihm viel Erfolg und alles Gute."

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Herr Printus erledigte die vorgenannten Aufgaben selbstständig, effizient und


    effizient sehe ich persönlich hier negativ.


    Warum?


    Effizienz hat eine mittelbezogene Wirksamkeit. D.h. mit möglichst wenig eingesetzten Mitteln ein Ziel zu erreichen. Das könnte man so auslegen als "tat nicht mehr als unbedingt nötig".


    Effektivität hat eine zielbezogene Wirksamkeit, und wäre hier IMHO passender...

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