Ein halbes Jahrzehnt nach dem 11.09.01 - hat es die Welt verändert?

  • Zitat

    Kommt immer darauf an wie man ein Ereignis präsentiert.


    Das sehe ich genauso.Wenn die Medien darüber berichten,dann denkt man am Ende,dass die Terroristen schuldig sind.Wenn man jedoch die berühmte Kritik gegen Bush ansieht,dann ist wieder Bush der Schuldige.


    Ich habe mittlerweile aufgehört irgendjemandem zu glauben.Ich bleibe einfach neutral.Egal ist mir die Angelegenheit jedoch nicht.

  • Zitat

    Original geschrieben von MaDMaNiaC
    Sorry, das ist mal richtig Quatsch.
    Was hat denn so ein versuchtes "Kindergarten-Attentat" mit den restlichen genannten Anschlägen zu tun?
    In diesem Fall waren ja wohl ganz klar einfach nur ein paar dumme Typen am Werk.


    Bei diesem Kindergarten-Attentat, so wie du es nennst, hätten ca. 100-200 Menschen direkt gestorben und weitere hundert wären verletzt. Das ganze hab ich den Nachrichten entnommen. Und von wegen "dumme Typen". Solche Typen sind die Terroristen von morgen. Die brauchen nicht ins Camp nach Afghanistan sondern dank dem tollen Internet kann man weltweit geschult werden. So einfach ist das.


    virus-k
    Ich gebe dir recht. Aber es geht um die Menschen die dort gestorben sind, unbeteiligte die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Es geht nicht um die Politik die dazu führte. Davon kann sich eine Witwe nämlich auch nix kaufen. Es geht sich nur um dieses Ereignis, das man live überall auf der Welt verfolgt hat.

  • Zitat

    Original geschrieben von AdministratorDr
    Bei diesem Kindergarten-Attentat, so wie du es nennst, hätten ca. 100-200 Menschen direkt gestorben und weitere hundert wären verletzt. Das ganze hab ich den Nachrichten entnommen.


    Welchen Nachrichten hast du das denn entnommen? Die Züge fuhren weder zur Rushhour (und die Bomben sollten dann auch nicht explodieren), noch war ein sonstiges besonderes Ereignis, das besonders viele Fahrgäste voraussetzte. Ausserdem wurden unbedeutende Zugverbindungen gewählt. Gib mir doch mal ne Quelle für deine 100-200 Toten. Bitte keine Bild-Schlagzeile :)


    Danke & Gruß
    Veit

    <Telefonmann> meine tochter neulich im zoo in der arktisabteilung: guck mal papi - da sind linuxe :D | Suche HCH-21

  • Respekt, MTT, genau meine Meinung.


    Diese Vergleiche zu anderen Krisenherden oder ein Aufrechnen von Toten ist, mal abgesehen davon daß es der Sache nie gerecht wird, auch insofern nicht möglich als es die Bedeutung der Sache nicht spiegelt.


    Sicher sterben und starben durch andere Konflike mehr Menschen als am 11.09.2001, das ist ja unbestritten.


    Aber die Symbolik, die Auswirkungen sind ganz anders.


    Bei den Anschlägen in New York waren wir sozusagen alle live dabei, sehr viele haben den Einschlag des 2. Flugzeugs tatsächlich live im Fernsehen gesehen, alle anderen sahen es zumindest in den Nachrichtensendungen und seitdem unzählige Male. Das ist anders als wenn man in der Zeitung liest daß sich in Rwanda Hutus und Tutzis die Köppe einschlagen mit 100.000 Toten.


    Hier empfinden wir einfach einen viel näheren Bezug, ob man das nun zynisch findet oder nicht, aber die Wahrscheinlichkeit in irgendeinem Hochhaus zu sein, in irgendeinem Zug in London, Madrid oder zwischen Köln und Koblenz zu sitzen ist einfach um ein Vielfaches höher und unserer Lebensrealität viel näher als ein Rassenkonflikt in Afrika, Dafur oder sonstwo.


    Es ist ja keine Wertung damit verbunden daß das eine Leben mehr zählt als das andere, aber die Auswirkungen von 11/9 auf mich sind in vielen Bereichen viel deutlicher als diverse andere Konflikte irgendwo auf der Welt.


    Das mag jetzt etwas sehr blauäugig und naiv klingen, aber ich bin 34 und habe in meiner Kindheit noch dunkle Erinnerungen an den "kalten Krieg": hier die bösen Russen, die schlimme DDR, da der gute Ami und der Westen. Umweltverschmutzung, Ölkrise, RAF, Waldsterben...


    Dann zerbröckelte die UDSSR, die DDR verschwand, selbst in Israel/Palästina bewegte sich leicht etwas, die RAF verschwand, Umweltschutz wurde ernst genommen. Das ging damit einher daß ich erwachsener wurde, viele Probleme der Kindheit verflogen weil der Bewegungs- und Entscheidungsspielraum eines Jugendlichen größer wird, und irgendwie war die Welt in Ordnung, wenn man so will. So habe ich das jedenfalls wahrgenommen.


    Seit 9/11 hat sich das irgendwie schleichend verändert. Plötzlich sind die Islamisten und der arabische Terror ein allgegenwärtiges Thema, es beeinflußt unsere Politik, unser Sicherheitsgefühl - ich bin erst letzte Woche mit dem Zug von Köln nach Bremen gefahren und fühlte mich nicht unsicher, aber man steigt weniger unbefangen in den Zug als vor dem zum Glück misslungenen Anschlag. Es gibt die Vogelseuche, Rinderwahnsinn, Arbeitslosigkeit, wenig Geld, Gedanken über die Rente, die Gesundheitsreform, allgemein die Zukunft.


    Die "Unbefangenheit", die zumindest ich zwischendrin mal empfunden habe, ist einfach weg inzwischen. Und ich glaube daß es vielen so geht, insofern hat der 9.11 sehr viel verändert.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von ruag
    Es ist schon eine große Wunde im amerikanischen (oder der gesamten "westlichen" Welt) Sicherheitsgefühl, meines Erachtens noch größer als während des kalten Krieges.
    Da hat meinen Gegner wenigstens gekannt und konnte einigermaßen absehen was der Gegner veranstaltet.


    Das ist eine grobe Fehleinschätzung deinerseits. Zu Zeiten des kalten Krieges waren auf beiden Seiten hunderte Nuklearwaffen vorhanden. Zu dem Zeitpunkt wurde der Ausdruck "Megadeath" geprägt für Millionen Tote, die man erwartete, wenn es zum Ausbruch eines Krieges gekommen wäre. Und nicht nur die Kuba-Krise hat gezeigt, wie realistisch die Befürchtung eines solchen Ausbruchs tatsächlich war.
    Dem gegenüber stehen heute Terroristen bestenfalls mit "ein bißchen Sprengstoff" gegenüber. Aber genau da ist ja auch die Definition des Terrors. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier hat es am treffendsten ausgedrückt:


    Zitat

    The point of terrorism is to cause terror, sometimes to further a political goal and sometimes out of sheer hatred. The people terrorists kill are not the targets; they are collateral damage. And blowing up planes, trains, markets or buses is not the goal; those are just tactics. The real targets of terrorism are the rest of us: the billions of us who are not killed but are terrorized because of the killing. The real point of terrorism is not the act itself, but our reaction to the act.


    And we're doing exactly what the terrorists want.


    Quelle: http://www.wired.com/news/columns/0,71642-0.html


    Wer es immer noch nicht kennt, sollte sich die dreiteilige BBC Dokumentation "Power of Nightmares anschauen":
    http://www.archive.org/details/ThePowerOfNightmares (oder Google-Video)
    http://en.wikipedia.org/wiki/The_Power_of_Nightmares (u.a. Ansätze für Kritik)

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Zitat

    Original geschrieben von Sencer
    The point of terrorism is to cause terror, sometimes to further a political goal and sometimes out of sheer hatred. The people terrorists kill are not the targets; they are collateral damage. And blowing up planes, trains, markets or buses is not the goal; those are just tactics. The real targets of terrorism are the rest of us: the billions of us who are not killed but are terrorized because of the killing. The real point of terrorism is not the act itself, but our reaction to the act.


    And we're doing exactly what the terrorists want.


    Danke, das bringt es genau auf den Punkt.

    <Telefonmann> meine tochter neulich im zoo in der arktisabteilung: guck mal papi - da sind linuxe :D | Suche HCH-21

  • Zitat

    Original geschrieben von Sencer
    Das ist eine grobe Fehleinschätzung deinerseits. Zu Zeiten des kalten Krieges waren auf beiden Seiten hunderte Nuklearwaffen vorhanden. Zu dem Zeitpunkt wurde der Ausdruck "Megadeath" geprägt für Millionen Tote, die man erwartete, wenn es zum Ausbruch eines Krieges gekommen wäre. Und nicht nur die Kuba-Krise hat gezeigt, wie realistisch die Befürchtung eines solchen Ausbruchs tatsächlich war.
    Dem gegenüber stehen heute Terroristen bestenfalls mit "ein bißchen Sprengstoff" gegenüber. Aber genau da ist ja auch die Definition des Terrors. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier hat es am treffendsten ausgedrückt...


    Und genau diese Art von Reaktion (verschärfte Sicherheitskontrollen, Diskussion über Einschränkung persönlicher Freiheit aka Big Brother, andauernde Warnungen der Geheimdienste über kurz bevorstehende Anschläge, vor allem die Unberechenbarkeit des Gegners wann, wo und auf welche Art es zum Anschlag kommt) lässt dem kleinen Bürger, der die Auswirkungen direkt und am eigenen Leib erfährt, die Gefahr präsenter erscheinen als eine mögliche Vernichtung durch den atomaren overkill.


    Situationen wie die Kuba Krise, den U2 Abschuß, Berlin Krise usw. sind auch absolute Spitzen des kalten Krieges gewesen, analog zu den Terroranschlägen in New York, Washington, Madrid, London, Bali und den kürzlich verhinderten Sprengungen der Flugzeuge von London aus, die Spitzen im "Krieg der Kulturen" gewesen sind.


    Der feine Unterschied ist die permanente Erinnerung an die mögliche Gefahr dass es jederzeit und überall zu erneuten unberechenbaren Anschlägen kommen kann.


    Der Gegner war damals greifbar, bekannt, halbwegs berechenbar und sofort als solcher zu erkennen, ein möglicher "Schläfer" in der direkten Nachbarschaft lässt einen eben unruhiger schlafen als der böse Russe hinter dem eisernen Vorhang.

    Ohne Multitouch würde kein Windows laufen.


    Wie soll man sonst Strg+Alt+Enf drücken?

  • Zitat

    Original geschrieben von Sencer
    Das ist eine grobe Fehleinschätzung deinerseits. Zu Zeiten des kalten Krieges waren auf beiden Seiten hunderte Nuklearwaffen vorhanden. Zu dem Zeitpunkt wurde der Ausdruck "Megadeath" geprägt für Millionen Tote, die man erwartete, wenn es zum Ausbruch eines Krieges gekommen wäre. Und nicht nur die Kuba-Krise hat gezeigt, wie realistisch die Befürchtung eines solchen Ausbruchs tatsächlich war.
    Dem gegenüber stehen heute Terroristen bestenfalls mit "ein bißchen Sprengstoff" gegenüber. Aber genau da ist ja auch die Definition des Terrors. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier hat es am treffendsten ausgedrückt:


    Aber es sind ja nicht nur die Terroristen selber, die in dem ganzen heutigen Konflikt eine Rolle spielen. Iran bastelt an der Atombombe und Israel hat sie bereits. Ich habe vor ein paar Wochen einen Vortrag eines berühmten jüdischen Informatikers gehört, das war gerade am Beginn des Libanonkrieges. Er fragte sich während des Vortrages mehrmals, wieso die Zuschauer so ruhig bleiben könnten, wo es doch sein könnte, dass man den nächsten Samstag nicht mehr erlebt. Ich halte das zwar für etwas übertrieben, aber die Bedrohung ist durchaus da (und wird durch das Verhalten der USA und auch Europas nicht gerade verringert).


    Ansonsten fand ich den Vergleich mit dem Anschlag von ~99 sehr gut. Ich erinnere mich nicht daran, aber heutzutage wäre das garantiert wochenlang ein Thema gewesen. Genauso die angeblich vereitelten Anschläge in London: Ich will nichts unterstellen, aber angenommen, die Geheimdienste hätten nur einen sehr vagen Verdacht, nehmen aufgrund dessen aber ein paar Leute fest. Könnte es nicht gut sein, dass genau die Hysterie rauskommt, die in London passiert ist? Meiner Meinung nach wird das alles aus anderen politischen Gründen sehr aufgebauscht, etwas mehr Besonnenheit tät uns gut.

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