Wie am besten jemandem mit "Burn Out" Syndrom helfen?

  • Hallo,


    vorerst: Ich weiss, es wird nicht "die ultimative Antwort" geben und ein Forum ersetzt keinen Arzt. Aber dennoch möchte ich die Frage gerne zur Diskussion stellen:


    Mein Vater arbeitet bei einer großen international agierenden Firma im Außendienst für eine bestimmte Region in Deutschland. Er ist dafür Zuständig, im Nährmittelbereich Neuerungen den Geschäften vorzustellen, entsprechende Plazierungen im Regal und an den Kassen zu schaffen und viele weitere Aufgaben, die damit zusammen hängen.
    Alles in allem kein langweiliger, aber wiederum auch kein all zu komplizierter Job.


    Nun ist ihm sein ganzer Job bereits einma über den Kopf gewachsen. Das war vor ziemlich genau 10 jahren. Damals war er für ca. ein viertel Jahr Krank geschrieben und für einige Wochen stationär (nicht Geschlossene) in einer Klinik behandelt worden.
    Die Firma hat sich in der ganzen Zeit äußerst sozial gezeigt und ihn in jeder Form unterstützt. Er hat ein kleineres Gebiet bekommen, weniger Mitarbeiter, die er führen muss, und und und.
    Nach der Behandlung ging es wieder Berg auf und die letzten 10 Jahre hatte er die üblichen Hoch und Tiefs, die es in jedem Beruf gibt, aber durchaus im Rahmen.


    Die letzten Wochen hat "es" aber leider wieder Angefangen: Die Arbeit ist ihm über den Kopf gewachsen und je mehr es wurde, desto mehr hat er liegen lassen. Statt 5-8 Kundenbesuchen hat er maximal 2 geschafft und stand teilweise in den Märkten so sehr neben sich, dass er nicht wusste, was er eigentlich dort machen soll.


    Er ist generell kein offener Mensch, hat sich heute mir dann aber doch geöffnet, da er nicht mehr weiter wusste. Morgen geht er erst einmal zum Hausarzt, lässt sich krank schreiben und zu einem Psychater (oder ist es ein Psychologe?) überweisen. Das war immerhin auch sein eigener Wunsch, so dass er seine missliche Lage einsieht und auch etwas dagegen tun möchte.


    Meine Mutter ist ihm wohl keine sehr große Hilfe, da sie selber nicht wirklich mit der Situation klar kommt.


    Man muss noch sagen, dass er seit über 25 Jahren bei der Firma tätig ist und in 8 Jahren in Rente geht. Es gibt absolut keine Anzeichen dafür, dass man ihn loswerden möchte oder sein Job aus anderen Gründen unsicher ist.
    Die Gedanken macht er sich selbst, da er halt mittlerweile zu der älteren Generation in dem Laden zählt und das Arbeitspensum in den letzten Jahren auf die jüngere Generation angepasst wurde, also alles etwas schneller uns straffer als "in den guten alten Zeiten."


    Als Sohn ist dies auch keine einfache Situation ein Teil seiner Familie in diesem Tal zu erleben. Wie geht man am besten mit dieser Situation um? Ich will gerne helfen und unterstützen, brauch aber zeitgleich auch den gewissen Abstand, um mich im Alltag/Job von dieser Situation nicht auffressen zu lassen.


    SiemensmasterXXX

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  • Gibt dazu einschlägige Fachforen, bei denen Du Dich mal einlesen kannst:


    http://www.hilfe-bei-burnout.de/


    http://www.burn-out-forum.de/hilfe-behandlung


    Ansonsten hast Du ja schon selber festgestellt, dass man da pauschal keine Aussage zu treffen kann, dazu sind die Hintergründe und Auslöser viel zu individuell.


    Es ist Dein Vater, Du solltest am besten wissen womit Du ihn unterstützen kannst und bei welchen Methoden Du eher auf Granit beißt. Das er selbst bereits erkannt hat das ein Problem vorliegt ist doch schon mal super, auch dass er sich professionelle Hilfe holen will.


    Ansonsten solltet ihr da einfach offen drüber sprechen und für euch herausfinden was die beste Lösung/Hilfe ist. Ggf. kann man im Rahmen der Therapie ja auch die Familie mit einbeziehen, dass wird dann aber der Fachmann für solche Angelegenheiten entsprechend organisieren sofern es gewünscht ist.

  • Wie man es am Besten anstellt kann ich dir natürlich auch nicht sagen. Aber ich denke dass es im Idealfall zweigleisig läuft: zum einen braucht er natürlich konkrete Hilfe in der momentanen Situation. Da seid ihr aber offenbar auf dem richtigen Weg - es ist schon mal seeeeehr gut dass dein Vater "Krankheitseinsicht" zeigt und nicht negiert dass er Schwierigkeiten hat. Das ist die Grundlage für jedes weitere konstruktive Vorgehen.


    Da es einen Termin beim Hausarzt gibt und auch schon Erfahrung mit einer Klinik vorhanden ist, sehe ich euch da schon mal auf einem guten Weg. Ich hoffe - und wünsche - ihm dass man ihn stabilisieren kann, aber es hört sich ja ganz gut an, vor Jahren hat es funktioniert und er ist jetzt bereit sich erneut helfen zu lassen - also sollte es in dieser Hinsicht laufen.


    Das andere sind die - sehr verständlichen - Existenzängste. Super dass der Arbeitgeber bisher so verständnisvoll und konstruktiv reagiert hat. Das lässt hoffen dass er sich weiterhin so verhält.
    Ein AG - wenn er nicht ganz blöd ist und sich nicht abgesichert hat - bekommt das Gehalt eines kranken AN's meistens von der Krankenkasse erstattet, zumindest teilweise. Abgesehen davon dass andere die Arbeit übernehmen müssen ist es also kein Weltuntergang für ein Unternehmen. Warum sollten die deinen Dad jetzt fallen lassen, wenn sie es bisher nicht gemacht haben?
    Wenn das ein "hire and fire"-Unternehmen wäre, wäre er längst nicht mehr da. Ich denke also dass der AG weiter zu ihm steht. Vielleicht kann man ja schauen ob es nach der Behandlung wieder besser läuft, oder ob es ansonsten auf längere Sicht eine Versetzung in eine andere Abteilung, zu einer anderen Tätigkeit geben kann. Müsste man mal mit dem AG thematisieren...


    Vielleicht kann das sogar aus einer Therapie heraus geschehen, d. h. dein Vater (oder ihr oder der Therapeut...) wendet sich an seinen AG, fragt sozusagen mit professionellem Beistand mal an, so unter dem Aufhänger "wir erarbeiten mit dem Herrn SiemensmasterXXX-Senior gerade seine weitere Zukunftsperspektive und möchten daher gerne seine Chancen im Berufsleben durchsprechen, damit sowohl er wie auch sein AG zukünftig wieder größtmöglichen Nutzen haben." Wäre mal so eine Idee...


    Jedenfalls alles Gute!

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Dein Vater sollte erst einmal per Krankschreibung eine Weile "aus dem Verkehr ziehen" lassen und dann mit entsprechender therapeutischer Hilfe entdecken, was ihn interessiert, welche Perspektiven er entwickeln möchte etc. Hier ist auch ein ehrliches Bilanz-ziehen angesagt!


    Helfen kannst du ihm, wenn du es aushältst, dass er sich offen aussprechen darf, wie es ihm geht, was er fühlt, was er anders haben möchte. Burn-out entsteht vor allem daher, dass die Betreffenden zu lange "gute Miene zum Bösen Spiel" machen und ihre Sorgen für sich behalten, um offiziell andere nicht zu belasten, in Wirklichkeit aber, um das alles nicht wahrhaben zu müssen. Offenheit und Ehrlichkeit ist angesagt!


    Ich wünsche dir, dass du die Kraft hast, das alles hin zu bekommen!


    Übrigens ist der Psychiater ein Arzt, der Psychologe nicht (er ist Psychologe). Der Arzt darf Medikamente verschreiben und krank schreiben, die anderen nicht. Und dann gibt es noch Psychotherapeuten, die Ärzte sein können (Ärztliche PT) oder Psychologen (Psychologische PT). Die dürfen mit den Krankenkassen PT abrechnen, die anderen nicht. Alles klar? ;)


    Edit nach Hinweisen eines fitteren Users! ;)

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