Finanzkrise - Auswirkungen bei Euch (Job, Konsum, etc.)?

  • Zitat

    Original geschrieben von tkjever
    Ich finds herrlich dass man auf TT so viel Müll zu lesen bekommt :D
    Und das beziehe ich nichtmal auf einen bestimmten Beitrag.
    Bitte macht alle weiter so! :top:


    Herzlichen Dank für Deinen äußerst durchdachten Beitrag. Derart konstruktive Kritik liest man hier in der Tat selten.

  • Zitat

    Original geschrieben von DUSA
    Wurde die Gewährträgerhaftung (auch aufgrund von massiver Lobbyarbeit der privaten Finanzbranche) nicht vor paar Jahren abgeschafft? Irgendwas war da doch... ;)


    2005 wurde sie mit einer langen langen Übergangsfrist abgeschafft. Für Verbindlichkeiten, die bis 2015 fällig werden (und zum Zeitpunkt des "Wegfalls" schon bestanden) gilt die Gewährträgerhaftung nach wie vor. Für neue Verbindlichkeiten gilt sie in der Tat nicht mehr. Mit gleichen Waffen wurde da jahrelang nicht gekämpft, allmählich gleicht es sich an.


    Siemensianer: jedes Land hätte auf seiner Ebene etwas tun können. Und wenn man es wirklich (!) gewollt hätte, dann wäre auch auf G8 Treffen und in der UN-Vollversammlung möglich gewesen, zumindest einen Veränderungsprozeß einzuleiten. Aber im Grunde machen doch alle weiter wie bisher. Und leider gilt das nicht nur für Politiker, sondern auch für Vorstände, Investmentbanker usw usf

    Auch ein Traumjob berechtigt nicht zum Schlaf am Arbeitsplatz.

  • Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Ich werfe der Politik, global, versagen vor, denn man kann hier regulieren, und zwar massiv - wenn man den wollte. Ein Casino wird auch dicht gemacht wenn zu viel illegale Zockerei betrieben wird. Aber davon wollen v.a. die US- und die englische Regierung nichts wissen.


    Das dann Vorstände und Aufsichtsräte in den Finanzkonzernen munter zuschauen ist dann nur noch der Tropfen der das Fass zum überlaufen bringt.


    Es ist ein Komplettversagen der gesellschaftlichen Eliten. Politiker, Wirtschaftsbosse und Finanzjongleure arbeiten ausschließlich für das eigene Wohl und leben nicht mehr in derselben Welt wie die Masse der "normalen Menschen".


    Untersuchungen belegen ja auch, dass man sich in den oberen Zirkeln immer stärker gegenseitig unterstützt und es immer schwerer wird, in diese Kreise aufzusteigen oder heraus zu fallen. Da separiert sich eine Bevölkerungsgruppe vom normalen Volk. Wie anders soll man sich erklären, dass...


    ... Schröder, der "Genosse der Bosse", ganz schnell bei einem russischen Gas-Konzern in Diensten war
    ... Clement als ehemaliger Wirtschaftsminister einer Regierung, die Hartz IV eingeführt hat, Lobbyist der Energiewirtschaft wurde und maßgeblich in einem Zeitarbeitsunternehmen agiert
    ... Matthias Wissmann, ehemaliger Verkehrsminister, inzwischen oberster Repräsentant der Automobil-Industrie ist
    ... Bernd Rürup, ehemaliger Wirtschaftsweise und Erfinder der Rürup-Rente, jetzt beim Finanzdienstleister AWD die Renten verkauft, die er als Regierungsberater geschaffen hat?


    Oder wie kann es sein, dass die Politik in der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten mit dem Versprechen von Steuersenkungen im Wahlkampf ist? Deutschland war schon vor der Krise extrem verschuldet, dann wurden ganz schnell weitere Milliarden zur Rettung von Banken, Abwrackprämie, Konjunkturprogramme usw. locker gemacht - und obendrein diskutiert man über Steuersenkungen. Was geht in den Köpfen von Politikern vor, die die Chuzpe besitzen einen Wahlkampf zu führen, den jeder Fünfjährige als völlige Luftnummer erkennt?


    Welches Wahrnehmung der Realitäten steckt dahinter, wenn eine Ministerin ihren Dienstwagen über 2400 km anrollen lässt, um dann 72 dienstliche Kilometer damit zu fahren? Auch wenn man das rechtlich sauber hingedreht hat - es sagt ja etwas über das Verhältnis von Frau Schmidt zum Geld der Steuerzahler aus. Sie streicht Rentnern, die von sozialer Grundsicherung leben müssen, die Erstattung der Taxikosten wenn ein Arztbesuch nötig ist, und saust selber mit dem Dienstwagen durch den Urlaub... spürt die Frau eigentlich noch, was die Bevölkerung darüber - jenseits rechtlicher Korrektheit - denkt?


    Ich habe schon seit langem immer wieder gesagt und bleibe bei dieser Meinung: den Deutschen geht es noch zu gut, als dass sie wirklich auf die Barrikaden gehen. Es wird noch eine Weile dauern bis es hier so eskaliert, dass man wirklich Angst haben muss. Aber wir steuern langsam in die Richtung. Seit Jahren schwindelt man herum indem einfach qualifizierte Leute, für die es keine Jobs mehr gibt, in 1 EUR-Jobs, sinnlose Fortbildungen oder ABM-Maßnahmen gesteckt werden um die Arbeitslosenstatistik zu beschönigen. Andere arbeiten hart und verdienen zu wenig, um von dem Geld leben zu können, sie müssen trotz Vollzeitjob aufstocken um über die Runden zu kommen. Man lügt darüber hinweg, dass die Gruppe derer, die am Existenzminimum leben und sich nicht mehr selber finanzieren können, wesentlich größer ist als es dargestellt wird.


    Milliarden für Banken (alle "systemrelevant") werden ruckzuck aus dem Nichts gezaubert. Eine Aufstockung der Hartz-Bezüge oder ein Mindestlohn, der fast überall in Europa problemlos funktioniert, wird hier ewig und drei Tage diskutiert und nicht verabschiedet.


    Ich erkenne bisher nicht, dass die Politik, die Wirtschaft oder die Finanzwelt diese Entwicklungen wahrnehmen und gegensteuern. Ein Umdenken findet nicht statt. Es läuft nach wie vor unter dem - nicht ausgesprochenen, aber gedachten - Motto, dass man sich so viel Geld wie möglich in die Tasche scheffeln muss, solange es noch geht, um über alle Berge zu sein, wenn das Erdbeben kommt.
    Wenn die Eliten in Politik, Wirtschaft und Finanzwesen nicht irgendwann aufwachen und merken, dass das so nicht immer weiter gehen kann und ein Umdenken her muss, knallt es hier in einigen Jahren.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Ich finde es einmal mehr erstaunlich, wieviele Leute hier meinen Ahnung zu haben, was in einer IB wirklich abgeht. Ferner sollte man unterscheiden lernen zwischen a) zocken und b) betrügen. was die WestLBler gemacht haben, ist reiner Betrug. Dies ist nicht gleichzusetzen mit Zockerei. Auch ich zocke, bleibe aber in meinen Grenzen.


    Im Endeffekt war doch aber klar, dass die Banken horrende Gewinne machen dürften, wenn der Staat und sämtliche Unternehmen auf einmal anfangen, Anleihen herauszubringen. Die Banken machen momentan nur in diesem Bereich Gewinn. Zockerei kann man das nicht nennen.

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Es ist ein Komplettversagen der gesellschaftlichen Eliten. Politiker, Wirtschaftsbosse und Finanzjongleure arbeiten ausschließlich für das eigene Wohl und leben nicht mehr in derselben Welt wie die Masse der "normalen Menschen".


    Wisst ihr, was ich richtig geil fänd?
    Den Gedanken hatte ich bereits sehr oft und wenn das wirklich eintreten würde, würde ich wohl den ganzen Himmel (??) bzw. das Jenseits zusammenbrüllen vor lachen. Und zwar, dass nach dem Tod alle noch einmal leben, aber "spiegelverkehrt". Sprich, je weiter oben man in der Gesellschaft in diesem Leben steht, desto weiter unten steht man dann. Und den Menschen in der 3. Welt würds dann richtig gut gehen.


    Ich bin irgendwie begeistert von diesem Gedanken. :top:
    Mir persönlich würds dann wohl auch nicht sooo toll gehen, aber es würde schon passen, denke ich.



    Au revoir
    zufaul

    * Account opened: 01/2006
    + Account closed: 01/2010

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Ich finde es einmal mehr erstaunlich, wieviele Leute hier meinen Ahnung zu haben, was in einer IB wirklich abgeht.


    Auch wenn ich mich hier nicht angesprochen fühle:
    Das ist kein guter Stil. Das musst du schon genauer ausführen, sonst wirkt das überheblich.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von zufaul
    Mir persönlich würds dann wohl auch nicht sooo toll gehen, aber es würde schon passen, denke ich.


    Wirklich? Angenommen, Du stehst in Deutschland genau in der Mitte und man ginge davon aus, dass es ~1 Mrd Menschen mit ähnlichem Lebensstandard gibt (Europa, Nordamerika und Japan), dann stellt Dich das global gesehen unter die bestgestellten 7.7%.
    Ich bin mir nicht sicher, dass ich so leben möchte, wie die schlechgestelltesten 7.7% der Erde.


    Im Zweifelsfalle also mal der eigenen Situation im großen Bild etwas mehr Demut entgegenbringen.


    @registered:
    Diesen Stil hat autares seit Jahren in nahezu jeder Diskussion gezeigt, ginge es jetzt um Universitäten, Banken oder andere Themen - bislang hatten andere immer keine Ahnung, warum genau und wie es denn wirklich war schien aber weniger wichtig.

    Walking on water and developing software from a specification are easy if both are frozen.
    – Edward V Berard

  • xoduz
    Das ist natürlich schade.


    zufaul
    Wenn dich Gedankenexperimente interessieren, lies' mal bei John Rawls nach oder mach eine google-Suche zum Thema "veil of ignorance".
    Das passt gerade sehr gut und "Gerechtigkeit als Fairness" finde ich aktueller denn je.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

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