Wer leidet auch an zu wenig Zahnfleisch?

  • Hallo.


    Ein etwas komisches Thema, wie ich zugeben muss, aber vielleicht findet sich hier ein Leidensgenosse.


    Seit einiger Zeit leide ich an Zahnschmerzen, welche durch Überempfindlichkeit verursacht werden. Zuerst äusserte es sich nur beim Trinken von sehr kalten Dingen oder beim Essen von Eis. Nun ist es aber schon soweit, dass mir die derzeitige kalte Luft im Winter schmerzen bereitet.
    Das ganze Übel wird durch zu wenig Zahnfleisch verursacht. Leider bin ich z.T. selbst daran schuld. Laut meinem Zahnarzt habe ich über Jahre zu fest und falsch geputzt und zu harte Bürsten verwendet.


    Nun gibt es die Möglichkeit, dass man etwas eigenes Gewebe transplantiert. Es wird wohl ein Stück aus dem Gaumen geschnitten und ans Zahnfleisch "geklebt". Da sich das für mich aber sehr Schmerzhaft anhört und auch keine 100%ige Heilung garantiert, wollte ich mal fragen, ob das hier schonmal jemand hat machen lassen und wie ggf. das Ergebnis ist.


    Oder vielleicht hatte hier jemand das gleiche Problem wie ich und ist es auf andere Weise los geworden.


    Laut meinem Zahnarzt (und Google) hält die Schulmedizin leider keine alternative Lösung parat.


    Vielen Dank & Grüße SpeedTriple

  • Ja , da muss ich Dir recht geben, dass ist eine ziemlich unangenehme Geschichte.
    Durch Traumatisierung des Zahnfleisches (Gingiva) zieht sich das Zahnfleisch langsam zurück, und der schmerzempfindliche Zahnhals mit dem ungeschützen Dentin liegt frei.
    Ursache kann tatsächlich falsche Putztechnik mit zu harten Bürsten sein.
    Als Therapie ist ein freies Gingivatransplantat, so wie von Dir beschrieben, denkbar. Aber die Erfolgsaussichten sind eher schlecht. Mit ziemlicher Sicherheit wird das Transplantat nach kurzer Zeit wieder vom Körper abgebaut, und das Problem ist wieder da. Nächstes Problem, die (gesetzliche) Kasse wird nicht zahlen.


    Alternativen:
    - Fluoridierung; Wirkung hält etwa 3- 6 Monate an.


    - Desensibilisierung mittels Dentinhaftvermittler; Wirkung 6 Monate bis ein Jahr, insgesamt gute Ergebnisse.


    - Zahnhalsfüllung mit Compositen (Kunststoffen), nur empfehlenswert wenn schon Defekte in die Zähne geputzt wurden. Hät, je nach Putztechnik dann evt. mehrere Jahre.


    Hoffe geholfen zu haben.


  • Vielen Dank. Da hat der Profi gesprochen :top:


    Angefangen hat das zurück ziehen des Zahnfleisches nach einer festen Spange. Ist zwar schon etliche Jahre her :rolleyes: , aber es war nie so dramatisch. Wahrscheinlich hat die falsche Putztechnik die Sache verschlimmert.
    Ich werde Deine Lösungen mal meiner Zahnärztin vorschlagen.
    Schön zu hören, dass Hoffnung besteht.


    Grüße SpeedTriple

  • Zitat

    Original geschrieben von Dent-Man
    ...


    - Desensibilisierung mittels Dentinhaftvermittler; Wirkung 6 Monate bis ein Jahr, insgesamt gute Ergebnisse.
    ...

    Könntest Du dazu noch was genauer sagen? Was wird denn da gemacht? Und vor allem: wie schmerzhaft ist das? ;)




    Kosten sind imho nicht so wichtig: je länger die eigenen Zähne in der Gosche bleiben können, desto besser. Und Zahnersatz wird dann ja soweit ich weiß erst richtig teuer, und wenn die dann erstmal im Alter anfangen Zicken zu machen...


    Evolutionstechnisch ziehe ich jedenfalls das Fazit, dass sich die Evolution mit den Zähnen dringendst was neues einfallen lassen sollte - die Dinger sind den heutigen Essgewohnheiten einfach nicht mehr gewachsen :rolleyes: :(

    Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
    Bond: And the second?
    Q: Always have an escape plan...

  • Zu den Kosten einer Desensibilisierung kann ich schlecht was sagen.
    Eine solche Desensibilisierung kommt in der BEMA (Bundeseinheitlicher Bewertungsmasstab / Kassenpatienten) bzw. in der GOZ (Gebührenordnung für Zahnärzte / Privatpatienten) nicht vor.
    Die Berechnung einer ÜZ (Überempfindlicher Zahnhälse mit Fluoriden) deckt den Aufwand nicht ab.


    Die Schmerzen an den Zahnhälsen entstehen dadurch, dass sich das Zahnfleisch durch entzündliche Prozesse, oder traumatisch unter die Schmelzgrenze zurückzieht, und so das Dentin, und damit auch die so genannten Dentin-Tubuli freiliegen, in denen Zellfortsätze der Zellen des Zahnnerven liegen.


    Beim Desensibilisieren wird, vereinfacht dargestellt, (unter lokaler Anästhesie) der Bereich mit verdünnter Phosphorsäure angeätzt. Auf das dann freiliegende Kollagen wird eine Phase des Haftvermittlers aufgebracht, der chemisch am Kollagen bindet, darauf kommt ein dünne Schicht lichthärtender Kunststoff, der die Dentintubuli verschließt.



    Das primäre Problem ist jedoch der Zahnfleischschwund, der in der Regel durch schlechte Mundhygiene oder auch durch aggresive Putztechnik, oder eben auch durch forcierte Zahnbewegung in der Kiefer-Orthopädie verursacht wird.


    Vermeidung?
    Gründliche regelmäßige häusliche Mundhygiene.
    Dazu gehört eine suffiziente Putztechnik, wie die modifizierte Bass--Technik. Einfach mal den Zahnarzt fragen. ;)

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