Europäische Schuldenunion - ist der Politik überhaupt noch zu trauen?

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    So eine Währungsunion würde ökonomisch vermutlich relativ viel Sinn gehabt haben, zumal Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten eine ähnliche Wirtschaftsstruktur haben - und, nebenbei, über funktionierende Institutionen verfügen. Aber es wäre innerhalb der EU politisch kaum machbar gewesen.


    Wieso nicht? Im Prinzip wurde es doch so gemacht:
    Nicht alle EU-Länder führen den EURO ein - sondern nur eine Teilmenge der EU-Länder wurde gemäss gewissen Konvergenzkriterien aufgenommen. Und der Prozess passiert immer noch.
    Manche Länder dagegen haben freiwillig verzichtet.


    Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Aber es wäre auch in dieser Form nicht nötig gewesen, denn abseits von Griechenland funktioniert die Währungsunion ja einigermaßen.


    Einigermassen.
    Griechenland wurde mit ins Boot genommen, obwohl sie im EURO nichts zu suchen hatten und haben.
    Die Stabilitätskriterien wurden aufgeweicht (Frankreich, Deutschland).
    Die Maastricht-Verträge sind in vielerlei Hinsicht das Papier nicht mehr wert (No-Bailout-Klausel).
    Und es sind gerade erst 20 Jahre vergangen.
    Von "gut" oder gar "glaubhaft" funktionieren kann m.E. keine Rede sein.


    Zitat

    Original geschrieben von Timba69
    Kolumne aus dem Spiegel:
    Varoufakis sagt die Wahrheit, die eben auch wehtut:
    http://www.spiegel.de/wirtscha…denschnitt-a-1038814.html


    "Die eine Wahrheit ist, dass die Währungsunion zerbricht oder eine Fiskalunion erzwingt. Die andere Wahrheit ist, dass die Griechen pleite sind. Und eine dritte Wahrheit ist, dass der Schuldenschnitt kommt, so oder so."
    Die vierte Wahrheit: Griechenland gehört nicht in diese Währungsunion.

  • Wenn es nach mir ginge, würde weltweit nur eine einzige Währung existieren - etwa entsprechend den "Sonderziehungsrechten" (des IWF).


    Nationale Währungen machen in meinen Augen keinen Sinn ... ein Pfund Butter ist halt ein Pfund Butter ... und das überall auf der Welt. Nur verschieden teuer kann die Butter sein. Aber auch das ließe sich mit einer einzigen Währung (meinetwegen inspiriert von Tauschpunkten) abbilden.


    Die einzige Klientel, der unterschiedliche Währungen Vorteile bringen, sind Spekulanten. Das war schon im Mittelalter (etwa zur Zeit der Fugger) so.

  • Dafür bin ich schon lange, aber bevor das kommt verschwindet Geld als solches.
    Geld sollte wieder ein reines Zahlungsmittel werden um Produkte zu kaufen und kein Produkt das man mit anderem Geld kaufen kann.

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Die Veranstaltung der nächsten Tage


    Varufarix und Leck-mich-Ciprix ziehen gegen Rom Brüssel


    finde ich nicht mehr wirklich lustig.


    Ich weiß nicht, ob die Beiden erkennen, dass sie gegenwärtig auch noch die letzten ausländischen Sympathisanten zu vergraulen drohen. Eine sture Verweigerungshaltung, wie sie gegenwärtig offen demonstriert wird, kann nur kontraproduktiv sein.


    Das Allerwenigste, was man wohl erwarten darf, ist aus meiner Sicht ein gewisses Maß an gutem Willen.

  • Gerade fünf Minuten alt, im Newsblog auf Spiegel Online:


    Spitzenpolitiker der Union werfen der griechischen Regierung vor, in den Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern gegen das Interesse der eigenen Bevölkerung zu handeln. "Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die griechische Regierung wirklich Schaden von ihrem Volk abhält", sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU).(...) Auch die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, übte massive Kritik. "Die griechische Regierung handelt in höchstem Maß verantwortungslos gegenüber dem eigenen Land und gegenüber der eigenen Bevölkerung", sagte die CSU-Politikerin.



    :rolleyes:

  • So geht es sicher vielen. Aber man kann auch nicht ein Land oder eine Währung gegen die Wand fahren, weil man genervt ist. Es hilft alles nichts, die Troika und Griechenland werden sich bis Ende des Monats irgendwie einigen müssen, und das wird auch gelingen, vermute ich.


    Es kann allerdings sein, dass die Einigung einigen Regierungschefs das Amt wegnehmen wird, die Wiederwahl vermasselt oder die Seiten im Geschichtsbuch ein bisschen verunstaltet. Es hilft ja nichts.


  • Nun, wenn man die Handlungen der deutschen Regierungen der letzten 15-20 Jahre als Handlungen "Pro Volk" definiert, dann hoffe ich das andere Regierungen gegen ihr Volk regieren. ;):rolleyes:

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Aber man kann auch nicht ein Land oder eine Währung gegen die Wand fahren, weil man genervt ist.


    Nicht weil man genervt ist.
    Aber man kann es, nein um glaubwürdig zu bleiben.
    Und um anderen keine Blaupause zu liefern.


    Im übrigen denke ich auch, dass die Griechen genau das brauchen: Dass der Karren gegen die Wand fährt, dass sie pleite gehen und aus dem EURO ausscheiden.


    Ja, das wird fünf harte Jahre für Griechenland nach sich ziehen.
    Ja, da kann die EU von mir aus gerne humanitär unterstützen.


    Aber ich denke, ohne dieses "reinigende Gewitter" wird dieses offensichtlich (zumindest im EURO) dysfunktionale Land nie die nötigen Schritte und Reformen einleiten.


    Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Es hilft alles nichts, die Troika und Griechenland werden sich bis Ende des Monats irgendwie einigen müssen, und das wird auch gelingen, vermute ich.


    Ein Gelingen auf dem Papier ist noch kein Gelingen in der Wirklichkeit und Zukunft.
    Meines Erachtens wird gar nicht verhandelt über einen entscheidenden Punkt:
    Den Austritt Griechenlands aus dem EUR.


    - Griechenland hat sich nun jahrelang "im Windschatten des EUROs" günstig refinanziert.
    - Und diese Schulden können/wollen/müssen sie (jetzt) nicht einmal zurückzahlen.


    Solange sich daran nichts ändert, solange andere implizit die Haftung die übernehmen, wird Griechenland auch nicht zu vernünftiger und verlässlicher (!) Fiskalpolitik gezwungen.


    Darum würde ich fordern:


    1. Schuldenschnitt/Schuldenerlass oder Bankrott!
    2. Raus aus dem EURO!
    3. Folgen der Pleite begrenzen, falls gewünscht dem Land beratend in den nächsten Jahren zur Seite stehen


    Punkt 1 können die Regierungen der grossen, mächtigen EU-Staaten (allen voran Deutschland) und die EU selbst ihren Bürgern nicht verkaufen, da sie ihre eigenen milliardenschweren Fehler eingestehen müssten. Und Punkt 2 wollen sie nicht, da das visionäre Projekt EURO ja bisher alle Mittel heiligte...

  • Ein Problem, dem sich die EU wird stellen müssen, liegt darin begründet, dass der "große Bruder" auf der anderen Seite des Teichs einen Verbleib Griechenlands im Euro verlangt ... ganz abgesehen von guten Gründen, die auch aus meiner Sicht dafür sprechen.


    Gerade die baltischen Staaten sehe ich in der Gefahr, im Wege vorauseilenden Gehorsams schon eine mögliche Drohkulisse gar nicht erst entstehen zu lassen.


    Wie ich weiter oben bereits vorausgesehen hatte: Die eindeutige Aussage Obamas auf dem G7-Gipfel hat Griechenlands Regierung in ihrer brüskierenden Haltung bestärkt. Varoufarix und Ciprix halten sich mit dem Supertrank aus Übersee momentan für unbesiegbar. :mad:

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