Europäische Schuldenunion - ist der Politik überhaupt noch zu trauen?

  • Also rein rechnerisch werden mit der voraussichtlich neuen Lösung
    sogar 15 Mrd. Euro eingespart. :D


    Ursprünglich geplant: Für 6 Monate gibt es 15 Mrd. € -> Macht für 36 Monate = 90 Mrd. €


    Jetzt wahrscheinlich: Für 36 Monate gibt es 75 Mrd. € -> Macht für 36 Monate = 75 Mrd. €


    Ergo 15 Mrd. gespart und im Optimalfall 3 Jahre Ruhe "im Puff" und bis nach der nächsten Bundestagswahl. :rolleyes:



    Was mir viel mehr Unbehagen bereitet, ist das aktuelle Verhalten der Franzosen.
    Braut sich da in Frankreich etwas (unheiliges) zusammen - Stichwort: "bad moon rising" - (CCR-Fans seid gegrüßt)
    oder hör ich mittlerweile schon die Flöhe husten? :confused:

  • Zitat

    Original geschrieben von Boomer64
    Also rein rechnerisch werden mit der voraussichtlich neuen Lösung
    sogar 15 Mrd. Euro eingespart. :D


    Ursprünglich geplant: Für 6 Monate gibt es 15 Mrd. € -> Macht für 36 Monate = 90 Mrd. €
    ...


    Schon hier m.E. liegt der Denkfehler.


    Denn: Für 6 Monate gibt es 15 Mrd. € -> Macht für 36 Monate = 15 Mrd. €.


    Nach Ablauf der 6 Monate (also zum Jahresende) wäre das alte Programm spätestens und endgültig ausgelaufen. Hätte die gr. Gerierung bis dahin rein gar nichts vorzuweisen gehabt, wäre "Schluss mit lustig" gewesen.


    Meine Rechnung:


    1. Ursprünglich geplant: Für 6 Monate gibt es 15 Mrd. € zzgl. Kosten für den Grexit.


    2. Die sich bis gestern abzeichnende Lösung: Nur Kosten für den Grexit


    3. Jetzt wahrscheinlich: Für 36 Monate gibt es 75 Mrd. € -> Macht für 36 Monate = 75 Mrd. € zzgl. Kosten für den Grexit.



    Ergo: Mehrkosten i.H.v. 75 Mrd. € zzgl. ggf. weiterer Alimentationsleistungen, die uns der griechische Hütchenspieler vor Eintritt des Unausweichlichen noch aus der Tasche leiert. ;)



    Oder glaubt hier auch nur ein Einziger daran, dass das "Euro-Problem Griechenland" mit Zahlung dieser 75 Mrd. € abgewendet ist?



    Edit:
    4. Variante (von mir oben mal angesprochen):
    Tsipras verspricht uns das Blaue vom Himmel, erhält zunächst eine Brückenfinanzierung und hält die Eurogruppe mit Zusatz-Verhandlungen so lange hin, wie es eben geht. Bis dahin fließen Überbrückungsleistungen. Kurz vor der endgültigen Entscheidung erinnert sich Tsipras dann an das Referendum ... wonach er das alles ja gar nicht darf. :D


    Variante 4 halte ich noch für die Wahrscheinlichste.

  • Zitat

    Original geschrieben von Boomer64 Jetzt wahrscheinlich: Für 36 Monate gibt es 75 Mrd. € -> Macht für 36 Monate = 75 Mrd. €


    Man muss auch sehen, dass das Geld nicht komplett ein neuer Kredit ist, sondern zum größten Teil eine Ablösung früherer Kredite (also eine Umschuldung, mit dem neuen Geld werden Raten alter Kredite bedient).


    Ich sehe das größte Problem in der griechischen Mentalität:
    Die Griechen sind zu einem sehr großen Teil gewerbsmäßige Betrüger. Ich erinnere an das Abgreifen von EU- Subventionen für eine Oliven- Anbaufläche, die größer als die Fläche Griechenlands ist. Dazu kommen die massenweisen Rentenzahlungen für Tote und angeblich Blinde, die Schwarzgeld/Steuerhinterziehungs- Thematik etc.


    Dann machen die Griechen lieber nix, als zu arbeiten. Das sah man z.B. in den Touristen- Hotel- Kolossen, wo die Griechen massig Gastarbeiter beschäftigt haben, bei gleichzeitig hoher eigener Arbeitslosigkeit. Zum Beispiel haben die Türken in der Türkei eine ganz andere Mentalität (die arbeiten selber).


    Die Griechen erdreisten sich sogar, auf Ministerebene die Geldgeber als (habe das Wort vergessen, irgendwas mit Gauner oder Betrüger) zu bezeichnen.


    Rein emotional betrachtet müssten die Griechen hochkant aus der EU fliegen. Mit solchen Betrügern macht man keine Geschäfte.
    Nur hängt hier leider etwas mehr dran: Griechenland ist ein Test für den Umgang der Eurozone mit Problemen, und ein Signal nach außen. Deshalb muss das Problem gelöst werden. Griechenland wird definitiv in der EU und im Euro bleiben.
    Nach den dreisten Forderungen der Griechen in den letzten Monaten hat die Rest-EU die Griechen jetzt bei den Eiern, und drückt langsam zu: Griechenland ist pleite, und kann keine Forderungen mehr stellen. Wenn der Rest-EU irgendwas nicht passt, gibt es monatelang keine Einigung, und währenddessen gibt es weder Bargeld noch Beamten- Gehälter noch Renten in Griechenland.


    Finanziell spielen die Milliarden-Hilfen keine Rolle: Das Geld wird von der EZB geschöpft, und die derzeit geringe Inflationsrate wird minimal angeheizt (es werden jährlich z.B. 30Mrd€, denen kein Gegenwert gegenüber steht, EU-weit geschöpft, was auf die Volkswirtschaften nahezu 0 Auswirkungen hat). Abgesehen davon dass von den großen Beträgen ein Teil lediglich Umschuldung ist.

  • Zitat

    Original geschrieben von Goyale
    ...
    Rein emotional betrachtet müssten die Griechen hochkant aus der EU fliegen. ...


    Weniger emotional als rational (jedenfalls bezogen auf den Euro).


    Welcher Gläubiger würde einem Kreditnehmer wie der Regierung Tsipras auch nur noch einen einzigen Cent Kredit gewähren? Man darf doch das Schuldnerverhalten der Vergangenheit nicht völlig unberücksichtigt lassen. Da wirft man dem schlechten Geld doch nur noch mehr gutes hinterher.


    Ein derartiges Kreditausfallrisiko wäre aus rational-ökonomischer Sicht überhaupt nicht zu verantworten.


    Wir dürfen nicht vergessen, dass bereits Tsipras erste Amtshandlung ein Vertragsbruch war ... der dazu führte, dass die letzte Rate des EFSF-Programms nicht ausgezahlt wurde. Warum sollte er sich an eine neue Vereinbarung halten, wenn er die Erfüllung von Verträgen ganz allgemein als fakultativ ansieht.

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Weniger emotional als rational (jedenfalls bezogen auf den Euro).


    Welcher Gläubiger würde einem Kreditnehmer wie der Regierung Tsipras auch nur noch einen einzigen Cent Kredit gewähren? Man darf doch das Schuldnerverhalten der Vergangenheit nicht völlig unberücksichtigt lassen. Da wirft man dem schlechten Geld doch nur noch mehr gutes hinterher.


    Ein derartiges Kreditausfallrisiko wäre aus rational-ökonomischer Sicht überhaupt nicht zu verantworten.


    Wie schon geschrieben spielt es nahezu keine ökonomische Rolle, wenn EU- weit im Jahr 30Mrd€ ohne dahinter stehende Werte in den Geldkreislauf gepumpt werden. Es gibt eh zur Zeit kaum Inflation.


    Jedoch würden sich die Russen und Amis und alle Asiaten totlachen und die EU nicht mehr ernst nehmen, wenn die EU dieses ökonomisch kleine Problem nicht in den Griff bekommt.


    Eine Lösung könnte sein, den Griechen immer nur dann wieder Geld zu geben, wenn bestimmte nachweisbare Ziele erreicht wurden. Ansonsten gibt es nur Care- Pakete, damit niemand verhungert.


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau Wir dürfen nicht vergessen, dass bereits Tsipras erste Amtshandlung ein Vertragsbruch war ... der dazu führte, dass die letzte Rate des EFSF-Programms nicht ausgezahlt wurde. Warum sollte er sich an eine neue Vereinbarung halten, wenn er die Erfüllung von Verträgen ganz allgemein als fakultativ ansieht.


    Wie schon geschrieben ist das griechische Volk insgesamt zum großen Teil ein Volk von Betrügern. Außerdem hat das Volk mehrheitlich sogar das EU- Rettungsprogramm abgelehnt. Und sie haben ja sogar per Referendum zum Ausdruck gebracht, dass sie die EU- Hilfen nicht wollen. Wie dummdreist die Griechen sind, zeigt sich auch jetzt nach der Ablehnung der Hilfen per Referendum, dass sie jetzt wo das Geld alle ist schnell genau die abgelehnten Hilfen wollen :( .


    Moralisch würde ich sagen: Grenzen abdichten, dann sollen die Betrüger sehen, wie sie alleine zurecht kommen. Oder Gott soll die Schöpfung ausschließlich in Griechenland bis zum 5. Tag (das war glaube ich der Tag, an dem er die Tiere erschaffen hat und noch keine Menschen da waren) zurückdrehen. Aber leider ist das alles nicht praktikabel.

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Wieso denkt ihr nur, dass das Ausscheiden aus dem Euroraum auch nur irgendjemandem etwas bringen würde? Das würde extrem teuer für die EU, sowohl finanziell als auch politisch, von den Folgen in Griechenland mal ganz zu schweigen.


    Der Punkt ist einfach, daß die Griechen innerhalb des Euroraumes niemals einen positiven Leistungsbilanzsaldo zustande bringen werden. Und das heißt rein saldenmechanisch, daß sie selbst nach einem Schuldenschnitt permanent auf neue Kredite oder - was auf lange Frist ja nichts anderes ist - Transfers angewiesen sein werden. Es stellt sich somit schlicht und einfach die Frage, welche Nation bereit ist, permanent derartige Transfers zu leisten. Das ist eine politische Entscheidung. Aber ich glaube, daß selbst in Deutschland keine Regierung eine derartige Daueralimentation langfristig überleben würde.

  • Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Es ist der einzige richtige Weg um Griechenland aus der Krise zu führen. Unser Geld ist sowieso weg, ob mit oder ohne Grexit. Damit in der Zukunft nicht noch mehr Geld verbrannt wird brauchen wir den Grexit. Siehe auch hier:


    http://www.deutschlandfunk.de/…ml?dram:article_id=324731


    Ich kann Dir nur voll und ganz zustimmen. Griechenland ist nicht in der Lage seine Schulden zu bedienen, geschweige denn zurückzuzahlen, und zwar weder im Euroraum noch nach einer Währungsreform. Man sollte den Griechen jetzt einen 100%igen Haircut als Gegenleistung für ihr Ausscheiden aus der Eurozone anbieten. Griechenland könnte dann "bei Null" anfangen und müßte sich daran gewöhnen, nur von dem zu leben, was es erwirtschaften kann. Das würde vermutlich über viele Jahre nicht hinten und nicht vorne reichen, so daß weiterhin Transferleistungen notwendig wären. Diese wären dann allerdings als humanitäre Hilfsleistungen direkt zu Gunsten der notleidenden Bevölkerung auszurichten und dürften keinesfalls im Haushalt eines ineffizienten und korrupten Staatswesens versickern.
    Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, daß Frau Merkel ihren Wählern dann erklären müßte, wo die 90 Mrd. geblieben sind, die sie bisher in Griechenland versenkt hat. Und genau das wird sie niemals zulassen. Deshalb werden weiterhin vorgeblich Griechenland, der Euro und der Frieden in Europa mit aberwitzigen Summen gerettet, für die künftige Generationen werden bluten müssen. Das einzige, was dadurch allerdings wirklich gerettet wird, ist Frau Merkels politisches Überleben; und das um jeden Preis.

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