Streiks - veraltetes Modell?

  • Zitat

    Original geschrieben von mumpel
    Die Aktie der Bahn würde ich nie kaufen solange die Bahn immer mehr zerschlagen wird. Jedes Einzelunternehmen kämpft für sich allein. Interne Geldverschieberei (die Gesellschaften bezahlen sich intern gegenseitig. M.E. eine Geldvernichtungsmaschine). Keine gemeinsamen Ziele mehr. Würde die Bahn die Zerschlagung rückgängig machen, nach dem Motto "nur gemeinsam sind wir stark" könnte das m.E. mit der Aktie etwas werden.


    Das sehe ich etwas differenzierter: Mindestens die DB Energie sollte ein komplett unabhängiges Unternehmen sein. Solange die DB Töchter deutlich geringere Bahnstrompreise als jede Privatbahn erhalten und gleichzeitig die DB Energie der einzig mögliche Stromanbieter ist, können Konkurrenten nur noch an Technik und Personalkosten sparen. Ähnlich sieht es ja auch bei den Trassenpreisen aus.
    Infrastruktur kann meines Erachtens niemals gewinnbringend und flächendeckend funktionieren.


    Ideal fände ich diese Situation: DB Netz als "echtes" Staatsunternehmen (ohne den AG-Schwachsinn der DB AG und mit Verbeamtung), statt einer DB Energie einen normalen Strommarkt, die restlichen DB Töchter in Privathand. Das würde die Infrastruktur sicherstellen, gleichzeitig aber auch einen halbwegs normalen Markt zulassen.


    Spätestens dann würde auch ein Streik bei der DB durch Konkurrenten abgefedert werden können.


    Edit: Inzwischen wurde zumindest bei den Strompreisen interveniert Link

  • Zitat

    Original geschrieben von Ma-Dai
    [...] DB Netz als "echtes" Staatsunternehmen (ohne den AG-Schwachsinn der DB AG und mit Verbeamtung) [...]


    Das wird ja schon lange gewünscht, auch in Regierungskreisen. Aber einer schwimmt immer dagegen.

    Wenn die Kuh schon im Brunnen liegt, ist es unsinnig noch einen Deckel draufzumachen.


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  • IWF-Experten: Schwäche der Gewerkschaften verschärft Ungleichheit


    Aktualisiert 5. März 2015 21:34 Uhr


    Washington (AFP) Der sinkenden Einfluss der Gewerkschaften in den Industrieländern verschärft nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die soziale Ungleichheit.
    Die Kluft zwischen Normal- und Topverdienern sei dadurch gewachsen, heißt es in einer aktuellen Studie des IWF.
    Aufgabe der Gewerkschaften sei es, für eine "gerechtere" Lohnverteilung zu sorgen, schrieben die Ökonominnen Florence Jaumotte und Carolina Osorio Buitron.
    Gehe ihr Einfluss zurück, schwäche dies die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer in den Lohnverhandlungen.


    http://www.zeit.de/news/2015-0…rft-ungleichheit-05213406

  • Und was ist, wenn die Gewerkschaften zwar großen Einfluss haben, diesen aber eben nicht dazu verwenden, Lohngerechtigkeit herzustellen, wie das hierzulande der Fall ist?

  • Auch hierzulande gibt es keine Lohngerichtigkeit. Man kann ja einen AG schlecht zwingen einer Tarifgemeinschaft beizutreten. Wäre der AG dazu gezwungen gäbe es z.B. vielleicht keinen Wettbewerb auf der Schiene, da dann alle Bahngesellschaften nach Tarif zahlen müssten und damit ihre knallharten Kalkulationen nicht mehr aufgehen würden. Die Schaffung von Lohngerechtigkeit ist m.E. nicht nur Aufgabe der Gewerkschaften, sondern auch Aufgabe der Regierung. Mal abgesehen davon dass viele Firmen ja gerade aufgrund der Lohnkosten ins Ausland abwandern oder sich Billigkräfte aus dem Ausland holen (über Subunternehmer für die das Mindestlohngesetz nicht gilt).

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  • Die Frage ist doch eher, was man unter Gerechtigkeit versteht.


    Ich verstehe darunter, dass man gleichen Lohn für gleiche Arbeitsleistung erhält.


    Doch da nicht jeder Mensch gleichermaßen leistungsfähig ist, kann man auch nicht jeden Menschen nach demselben Tarif bezahlen. Verschärfend kommt noch hinzu, dass die meisten Tarifverträge ja überhaupt nicht die Leistung als Maß nehmen, sondern nur die Anwesenheit.


    Ein Sachbearbeiter, der pro Tag 10 Fälle bearbeitet, bekommt das gleiche Gehalt wie ein Sachbearbeiter, der nur 8 schafft (vorausgesetzt, jeder Fall ist gleich aufwändig). Und noch viel schlimmer: Macht letzterer noch Überstunden, um auf die 10 zu kommen, dann bekommt er für seine geringere Leistung u.U. sogar noch mehr Geld, wenn er die Überstunden bezahlt bekommt.


    Solche Tarifkonstrukte verprellen leistungsfähige und engagierte Angestellte und schützt diejenigen, die sich darauf ausruhen.


    Bei Ford in Köln, wo die Arbeitsleistung durch den Takt des Fließbandes vorgegeben wird, kannst du jeden gleich bezahlen. Für Lokführer, usw. gilt das gleiche.
    Aber überall dort, wo der Arbeiter seinen Takt selbst bestimmen kann, ist ein pauschalisierter Lohn ungerecht.


    Es ist in vielen Bereichen kompliziert, einen wirklich gerechten Lohn zu zahlen. Aber beurteilen können dies nur der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, nicht aber die Gewerkschaften, die alle über einen Kamm scheren wollen.


    Ich sehe die Aufgabe der Gewerkschaften überall dort, wo Not- und Zwangslagen ausgenutzt werden. Wobei auch hier eigentlich eher der Gesetzgeber gefragt ist, die Menschen in diesem Land von diesen Not- und Zwangslagen zu befreien.


    Und im aktuellen Fall ist es ja so, dass die GdL nicht etwa im Sinn hat, dass jeder Angestellter der Deutschen Bahn für dieselbe Tätigkeit denselben Lohn erhält, sondern arbeiten gezielt darauf hin, dass ausschließlich diejenigen, die bei ihnen eintreten, diesen Lohn erhalten. Sprich: Sie forcieren eine Zweiklassengesellschaft innerhalb eines Unternehmens. Das ist die Perversion des obigen Gedanken.

  • Als ungerecht empfinde ich dass Frauen und Männer trotz gleicher Arbeitsleistung unterschiedlich bezahlt werden.


    Die Frauenquote ist auch so ein Thema. Die ist nämlich auch teilweise ungerecht. Um die Frauenquote zu erfüllen müssen in manchen Firmen männliche Arbeitskräfte entlassen werden. Denn ein AG kann/möchte ja nur soviele AN beschäftigen wie er benötigt. Der Vorteil für den AG ist, sofern kein TV gilt und die Frauenquote Anwendung findet, dass er dadurch Lohnkosten sparen kann. Die Frauenquote verlagert also die Arbeitslosenzahlen nur vom weiblichen Anteil auf den männlichen Anteil und gibt den AG die Möglichkeit zur Einsparung von Lohnkosten.

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  • Zitat

    Original geschrieben von mumpel
    Als ungerecht empfinde ich dass Frauen und Männer trotz gleicher Arbeitsleistung unterschiedlich bezahlt werden.

    Das ist nur dort möglich, wo Gehälter frei verhandelt werden. Und da ist das dann die Sache zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sich auf ein Gehalt zu einigen.


    Und wenn statistisch gesehen Frauen sich eher unter Wert verkaufen als Männer, dann ist das eben so. Da können dann aber weder Männer noch die Arbeitgeber etwas dafür. Der Arbeitgeber zahlt nicht mehr, als er muss.


    Statistisch gesehen sind Raucher auch dümmer und ärmer als Nichtraucher. Auch eine Ungerechtigkeit? ;)


    Im Übrigen kostet im Schnitt ein weiblicher Angestellter mehr als ein männlicher. Da für den Arbeitgeber immer die Gesamtkosten eines Arbeitsplatzes relevant sind und nicht das Nettogehalt, dürften im Schnitt seine Aufwendungen gleich hoch sein wie für einen männlichen Angestellten. Bei den weiblichen kommt halt nur weniger "unten raus". Das wiederum ist nicht das Problem des Arbeitgebers. Also statt eine gesetzliche Quote durchzudrücken könnte der Gesetzgeber auch einfach diesen finanziellen Unterschied ausgleichen.


    Ich habe als Steuerzahler kein Problem damit, wenn von meinen Steuergeldern einem Arbeitgeber ein Zuschuss gezahlt wird, wenn eine weibliche Angestellte in Mutterschaft geht und das Unternehmen eben einen Ersatz benötigt, der natürlich aufgrund der Einarbeitungszeit Kosten verursacht.
    Gleiches gilt für Ausfallzeiten, wenn z.B. die Kinder krank sind und die Mutter sich um sie kümmern muss. Bislang zahlt das der Arbeitgeber.


    Es ist eine gesellschaftliche Pflicht, dass Mütter einen besonderen Schutz genießen -- und nicht die Pflicht der Wirtschaft.


    Zitat

    Die Frauenquote ist auch so ein Thema. Die ist nämlich auch teilweise ungerecht. Um die Frauenquote zu erfüllen müssen in manchen Firmen männliche Arbeitskräfte entlassen werden. Denn ein AG kann/möchte ja nur soviele AN beschäftigen wie er benötigt. Der Vorteil für den AG ist, sofern kein TV gilt und die Frauenquote Anwendung findet, dass er dadurch Lohnkosten sparen kann. Die Frauenquote verlagert also die Arbeitslosenzahlen nur vom weiblichen Anteil auf den männlichen Anteil und gibt den AG die Möglichkeit zur Einsparung von Lohnkosten.

    Uiuiui... Jetzt geht deine Phantasie aber ein wenig mit dir durch. Kosten sparen durch Einstellung von Frauen.


    Wenn das so wäre, dann würden die Arbeitgeber schon jetzt massenweise Frauen statt Männer einstellen.


    Nicht überall steckt eine große Verschwörung dahinter. ;)

  • So wie Du das verstanden hast war das nicht gemeint. ;)

    Wenn die Kuh schon im Brunnen liegt, ist es unsinnig noch einen Deckel draufzumachen.


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  • Zitat

    Original geschrieben von mumpel
    Die Frauenquote ist auch so ein Thema.

    was mich an der Quote stört das diese mal wieder nur für die besseren Positionen gilt.
    Keine Quote bei Möbelpackern, Müllfahrern und anderen schweren Berufen.

    Zitat

    Original geschrieben von mumpel
    Als ungerecht empfinde ich dass Frauen und Männer trotz gleicher Arbeitsleistung unterschiedlich bezahlt werden.


    Da Frauen für die gleiche Arbeitsleistung auch das gleich Geld wie die männlichen Kollegen bekommen sollten versteht sich aber von selbst.
    Bei uns bekommen die Frauen im Lager den gleichen Lohn wie die Männer, müssen aber nicht die gleiche Arbeit machen (z.B. keine Container per Hand entladen oder nur leichtere Produkte kommissionieren)

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