Ukraine / Krimkrise

  • Nun gut ... stellt jemand fest, dass seine Bemühungen erwartungsgemäß vollkommen unnütz sind, ist es nachvollziehbar, wenn er dann den Weg beschreitet, der von Beginn an erfolgversprechend gewesen wäre.


    Ein Problem gibt es aber:
    Ob der ursprüngliche erfolgversprechende Weg jetzt überhaupt noch offen ist, wage ich zu bezweifeln. Zwischenzeitlich wurde ein dermaßen breiter Graben zwischen den Konfliktparteien aufgerissen, dass eine kurzfristige Einigung kaum noch möglich ist.


    Zudem haben sich beide Parteien inzwischen auf Maximalforderungen versteift und könnten aufgrund der jeweiliger hoher Verluste in eigenen Reihen geneigt sein, schon aus Prinzip zu gegenseitigen Zugeständnissen nicht bereit sein.


    Zumal sie ohnehin bis dato ihre Sturheit bewiesen haben. Solange der Westen dem Poroschenko-Clan das Gefühl gibt, im Recht zu sein, halte ich die Chancen für ein (erforderliches) Einlenken auch dieser Seite nahe Null.



    Die gegenwärtigen Vermittlungsbemühungen dürften am Ehesten wohl Ausfluss einer allgemeinen Ratlosigkeit sein.



    Edit:
    Der Boden für eine Einigung könnte sich vielleicht dann bereiten, wenn Poroschenko die von ihm gegründete Teilrepublik gegen die Wand gefahren hat, um den Weg für eine konsensfähige gemeinsame Regierung der UA freizumachen. Gewiss ist aber auch das nicht (mehr).

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Ein Problem gibt es aber:
    Ob der ursprüngliche erfolgversprechende Weg jetzt überhaupt noch offen ist, wage ich zu bezweifeln. Zwischenzeitlich wurde ein dermaßen breiter Graben zwischen den Konfliktparteien aufgerissen, dass eine kurzfristige Einigung kaum noch möglich ist.

    Leider unbestreitbar :rolleyes:
    Die Konfliktparteien folgen derzeit nur noch taktischen Sachzwängen:


    Die Ostukrainer rechnen mit der kommenden Mobilmachung und Aufrüstung der Kiewer Truppen. Nach militärischer Logik müssen sie also jetzt Positionen erreichen, die sie später sicher und verlustarm halten können.


    Die Kiewer Regierung muss dagegen alles tun, um sich weitere Unterstützung zu sichern, da sie sonst nicht überlebensfähig wäre. Also muss der Krieg als Begründung dafür forciert werden.


    klassische Zwickmühle :mad:
    ....lösbar eigentlich nur zwischen den Supermächten Russland <--> USA

  • Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    ....lösbar eigentlich nur zwischen den Supermächten Russland <--> USA


    Das wäre jedenfalls der einzige Weg, der ein kurz- bis mittelfristiges Ergebnis garantiert.


    Kappen nämlich beide "Sugardaddys" (incl. EU) ihren Tropf mit der Ankündigung, ihn erst nach einer Einigung oder zumindest einer tatsächlich auch vollzogenen Waffenruhe wieder zu öffnen, hätten beide Parteien gar keine andere Möglichkeit. Russland müsste in diesem Fall die Grenze zur Ukraine weitgehend "abdichten" und nur noch nachweislich humanitäre Hilfe passieren lassen.


    Aber auch dafür ist es längst zu spät - auch hier müsste ein binnen Monaten aufgerissener Graben erst in jahrelanger Kleinarbeit wieder geschlossen werden. Auch in diesem Verhältnis ist schon zuviel Porzellan zerschlagen worden, um zur Tagesordnung übergehen zu können. Aber daran haben USA und EU ohnehin kein Interesse und holen lieber die Schaufeln wieder aus dem Schuppen.

  • Zur Abwechslung mal was neues:


    Zitat:
    "Präsident Petro Poroschenko verlangt, dass ein im September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarter Friedensplan umgesetzt wird. Schritte wären demnach eine Feuerpause, der Abzug schwerer Waffen und die Schaffung einer entmilitarisierten Zone. Die Ukraine will zudem erreichen, dass die Grenze mit Russland kontrolliert wird, damit keine Waffen oder Kämpfer in das Kriegsgebiet gelangen können. Poroschenko sicherte bei einem Treffen mit US-Außenminister John Kerry in Kiew zu, der Region eine zeitweise Autonomie zu gewähren. Eine angekündigte Verfassungsreform soll den Landesteilen mehr Unabhängigkeit von der Zentralregierung geben."


    Zum ersten mal (diesmal hoffentlich ernst gemeinte) deeskalierende Vorschläge der Regierung in Kiew. Das wäre aus meiner Sicht eine vorzügliche Lösung. Könnte man zusätzlich (zunächst für die entmilitarisierte Zone) Blauhelme gewinnen, um ein weiteres Transnistrien möglichst zu vermeiden, blieben doch keine Wünsche offen.


    Oder sehe ich das falsch?

  • ...und was ist daran neu :confused:
    DIe Kiewer Regierung hätte das schon längst umsetzen können aber schon beim Sonderstatus hatte die Rada dagegen gestimmt.
    ...damals hatten sie allerdings gerade mal wieder an den 'Endsieg' geglaubt :rolleyes:


    Frieden machen die nur, wenn sie dazu gezwungen werden :mad:

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Zum ersten mal (diesmal hoffentlich ernst gemeinte) deeskalierende Vorschläge der Regierung in Kiew.

    Ernst gemeint :confused:
    Die Gespräche werden nur das nachträgliche Alibi dafür liefern, dass US-Waffenlieferungen 'alternativlos' seien :flop:
    US-Waffen sind längst in Donezk im Einsatz

  • Neu ist aus meiner Sicht, dass es sich diesmal um ein ernst gemeintes Angebot handeln könnte. Selbst der letzte Poroschenko dürfte inzwischen wittern, dass die geheuchelte vorbehaltlose Unterstützung der EU für das Regime in Kiew nicht viel mehr ist, als die übliche Luftnummer, die es auch zur Orangenen Revolution gab.


    Denn:
    Gilt es, großzügige finanzielle Versprechen einzulösen, wird zunächst der IWF vorgeschoben, der die "dicken Fische" an Bedingungen knüpft, die die Regierung nicht erfüllen kann oder nicht zu erfüllen bereit ist. Wer mächtig aufrüsten will, kann nicht seinen Militäretat auf Spargröße schrumpfen. Finanzielle Mittel in "Alibi-Höhe" kleckern zwar, stopfen aber nicht einmal die allergrößten Löcher.


    Die militärische Unterstützung, die Poroschenko durch die Folgen seiner aggressiven Eskalationspolitik im Namen einer geschundenen Nation erschleichen wollte, wird es auch nicht geben - jedenfalls nicht, so lange er den Laden noch vor dem Zusammenbruch bewahren kann. Poroschenkos Behauptung in einem NNZ-Interview, die ukrainische Armee habe aus den USA bereits 1.000 Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge erhalten, könnte aus meiner Sicht auch wieder eine seiner Provokationen gewesen sein.



    Nehmen wir meine hier irgendwann gepostete Zeitschiene, sind es nur noch Wochen oder bestenfalls wenige Monate, bis der ukrainische Karren vor die Wand fährt. Poroschenko steht aus meiner Sicht mit dem Rücken zur Wand und kann es sich überhaupt gar nicht mehr leisten, auf Zeit zu spielen.


    Gibt es jetzt keine stabile Waffenruhe, dürfte das Gebilde Poroschenko alsbald ökonomisch in sich zusammenkrachen und das Land führerlos in einem tiefen Bürgerkrieg versinken. Erhält die staatliche Armee gar keinen Sold mehr, wir sie sich auch Weisungen aus dieser Richtung nicht mehr unterwerfen. Die Hälfte der Truppe wird das Weite suchen und das restliche Militär wird (in Splittergruppen zerteilt) machen, was ihm gerade in den Sinn kommt. Der Lebensunterhalt wird in solchen Phasen erfahrungsgemäß durch Plünderungen finanziert.



    Nur so ist für mich auch der plötzliche Aktionismus von Merkel und Hollande zu erklären. Denn eine Frage wird sie kaum noch schlafen lassen:


    Was machen wir, wenn die Ukraine tatsächlich einen wirtschaftlichen Kollaps erleidet und das Land im Bürgerkrieg versinkt - was uns aber nicht viel kostet? Mit Tsipras und Varoufakis im Gepäck kann es nicht nur keine Luxustransfers in Richtung Ukraine geben ... man wird sie Poroschenko nicht einmal mehr (wider besseres Wissen) versprechen können.


    Hier jemand eine Idee?



    Edit:
    Auch die USA dürften kein Interesse daran haben, den ukrainischen Staatsbetrieb mit einem höheren zweistelligen Milliardenzuschuss im Jahr am Leben zu erhalten. Das sollte die EU machen ... der jetzt aber wegen der neuen griechischen Regierung die Hände gebunden sind.


    Ein Herr im Kreml wird sich längst die Hände reiben - anstatt vor Gram schlaflose Nächte zu schieben, wie es und zu vermitteln versucht wird. Der Sekt steht sicher schon kalt ...


    Der öffentlich rechtliche Rundfunk der Schweiz (SRF von heute) hat im Übrigen eine ganz andere Wahrnehmung der globalen Stärkeverhältnisse im Ukraine-Konflikt als der Unsrige.

  • Es ist kaum zu glauben:


    Auf allen Kanälen wird ein amerikanischer Greis gezeigt, der unsere Kanzlerin beleidigt. :mad:


    Hätte man dem Zuschauer das nicht ersparen können?


    Wollen wir nur hoffen, dass den keiner ernst nimmt ...



    Edit:
    Den muss man wohl ernst nehmen. Bei der Überalterung unserer westlichen Gesellschaften wird man sich langsam die Frage stellen müssen, wie mit Amtsinhabern zu verfahren ist, deren Amtsgeschäfte unter altersbedingten kognitiven Einschränkungen leiden ... wir sollten darüber nachzudenken beginnen, bevor durch ihr Wirken sogar der Weltfrieden in Gefahr geraten kann. :eek:

  • Der Greis, US-Senator John McCain ist immerhin Vorsitzender des Streitkräfteausschusses.
    Soweit ich McCain in US-Medien verfolgen konnte, ist er noch bei "Verstand", was man von weit jüngeren Politikern nicht immer behaupten kann.
    Die jahrelange vietnamesische Gefangenschaft dürfte die Abneigung gegen Kommunisten geprägt haben.
    Waren die heutigen Führer Russlands nicht Mitglieder der Kommunistischen Partei der Sowjetunion?
    Bei Merkels Zickzackkurs hat er Recht. Da sehe ich keine Beleidigung.
    Erst Boykott Russlands, jetzt Friedensgespräche.

  • Ist es nicht furchtbar, wenn so jemand ungefragt pöbelnd in den Medien auftreten und führende Politiker beleidigen kann?


    Aber gut ... das ist halt die Meinungsfreiheit ... aber nicht jede Meinung muss man doch in großem Rahmen veröffentlichen. :mad:


    Es würde doch reichen, ihn still und unbemerkt aus dem Verkehr zu ziehen, bevor er nennenswerten Schaden anrichten kann ... es ist doch überaus peinlich für ein Volk, wenn einer der Volksvertreter in solcher Weise auffällig wird.

  • McCain hat kein Regierungsamt, daher kann er "undiplomatisch" agieren.
    Wenn man sieht, was Obama alles versprochen hat, und nicht gehalten hat, ist mir ein poltender McCain lieber. Den braucht man nicht aus dem Verkehr ziehen.
    ---
    Edit:
    Frau Dr. Merkel sprach auch nicht immer Politiker-Deutsch:
    "Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen geragt wird, auch wirklich nach Wahlen gilt."
    Quelle: http://paulinchen-ist-allein-z…rw-wahlen-oder-nicht.html

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