Ukraine / Krimkrise

  • Vermutlich wird es auch nicht besonders schwer sein nachzuweisen, dass Putin schon seit längerem nicht unbeträchtlich mit rechtem Gedankengut operiert ('infiziert' scheint mir als Begriff in diesem Zusammenhang etwas sehr biologistisch zu sein). Dafür genügt eigentlich schon ein matter Blick auf seine Äußerungen in den vergangenen zwei Wochen.

  • Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker



    ... bis dann endlich der Mininichtstaat Transniestrien von einem schlechten Witz zur russischen Außengrenze transformiert wird. ...


    Warum dann nicht auch einen Korridor für den russischen Teil Ostpreußens durch Polen und Weißrussland?
    Moldawien - von dem Transnistrien sich trennte, sollte da eher an Rumänien angeschlossen werden, da rumänisch Staatssprache ist und an Rumänien grenzt.
    Aber die Bevölkerung wird ja nicht gefragt, wie in Bosnien-Herzegowina.
    Da grenzt die "Republik Srbska" größtenteils an Serbien, aber da dürfen die Serben nicht Teil Serbiens werden.

  • Wenn wir wieder damit anfangen, nationale Grenzen an - oft eher imaginierten als tatsächlichen und ohnehin sehr leicht manipulierbaren - ethnischen Grenzen auszurichten, dann herzlich willkommen in einem neuen Zeitalter von Vertreibung, Bürgerkrieg, Ghettoisierung, nationaler/ethnischer Vorurteile.

  • Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    .... Aber es wäre für einen Allesversteher wahrscheinlich auch hinnehmbar, wenn in Marxloh sowohl die größte Immigrantengruppe und die dortigen Deutschen mit selbigem Migrationshintergrund die Stadtverwaltung besetzen, die Polizei angreifen ...


    Wenn Du meine Beiträge richtig gelesen hättest, wüsstest Du, dass ich solche Gewalt gegen staatliche Institutionen von Beginn an (also schon auf dem Maidan) uneingschränkt verurteilt hatte ... als Einer von wenigen. Schon damals hatte ich genau das befürchtet, was nun eingetreten ist.


    Für den Versuch, die gewaltsamen Aufstände mit Polizeigewalt zu beenden, hat das gegenwärtige De-facto-Regime für den Staatspräsidenten inzwischen sogar der Zuständigkeit des Internationalen Strafferichtshofs zugestimmt. Das ist sogar noch einmal die Perversion dessen, was Du mir unterstellst!


    Wenn Du mir unterstellst, gewaltsame Aufstände gutzuheißen, triffst Du damit genau Einen der (wenigen) Falschen ... aber so was von.



    Edit:
    Im übrigen hatte auch der "böse Russe" diese Aufstände verurteilt, während politisch Verantwortliche der EU ihre Jubelperser auf den Plan gerufen haben.


    Du verdrehst einfach nur die Fakten ... wie im Übrigen auch auch Ursache und Wirkung. :rolleyes:

  • Wegen der "EU-Jubelperser" kann ja nur der Umsturz in Kiew gemeint sein. Klar ist der namentlich bekannte, böse Russe dagegen gewesen, denn es ging ja um das befreunde Nachbarregime. Da das ja erst kürzlich war erinnern wir uns aber wohl alle, daß da riesige Menschenmassen bei den Demonstrationen unterwegs waren. In der Ostukraine kann man aber nichtmal von einem Volksaufstand sprechen. Nichtmal der Großteil des russischsprachigen Bevölkerungsanteils nimmt daran teil. Schon nichtmal zweistellige Ansammlungen von Russen werden in den Mittelpunkt der heutzutage bildorientierten Berichterstattung gestellt und selbst die meines Wissens größten Demonstrationen in der Ostukraine umfassten gerademal ein paar tausend Beteiligte.


    Ich hoffe am Ende den Verstehern meinen vollständigen Irrtum einräumen zu dürfen. Das Gegenteil halte ich zwar nicht für akut und unausweichlich, aber immerhin für gut möglich. Ich denke, daß dies der gefährlichste Ostwestkonflikt seit den 80er Jahren ist. Es besteht keinerlei Anlass mehr zu Optimismus und es ist auch kein Ausweg in Sicht. Es geht hier ja auch nicht verdörrtes bis verwüstetes Land mit geringer Bevölkerungsdichte und geschichtlich, sozial und wirtschaftlich ganz anderer Bevölkerung, sondern es geht um das Land der EM 2012.

    Je suis Charlie

  • Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    ... Ich denke, daß dies der gefährlichste Ostwestkonflikt seit den 80er Jahren ist. Es besteht keinerlei Anlass mehr zu Optimismus und ...


    Darin stimme ich Dir voll zu.


    Es hätte ausreichende Möglichkeiten gegeben, eine Eskalation im gegenwärtigen Ausmaß zu verhindern. Aber wenn sich USA und EU erst in einen inneren Konflikt der Ukraine einmischen und sich dann noch mit Russland anlegen, muss das natürlich in einem Desaster enden, weil dem dummen Geschwätz natürlich (außer lächerleichen Sanktionen) keine Taten folgen können, wenn man keinen WW III riskieren will (und das wollen selbst die USA nicht).


    Folge:
    Nachdem USA und EU in der Ukraine den Aufständischen des Maidan bei der Brandstiftung behilflich waren, stehen sie nun ziemlich belämmert da, weil sie den inzwischen lodernden Flächenbrand selbst nicht löschen können (was sie zuvor wussten) und es Russland nicht gönnen, die Rolle der Feuerwehr zu übernehmen.



    Alle Aktivitäten, die die EU nun hektisch unternimmt, dienen allein dazu das hier:

    Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    ... und es ist auch kein Ausweg in Sicht. ...


    in den Hintergrund zu drängen und die Verantwortung für den von ihnen verursachten Schlamassel Anderen in die Schuhe zu schieben.



    Fakt ist:
    Ohne den von USA und EU unterstützten gewaltsamen Umsturz in Kiev hätte die gegenwärtige bedrohliche Situation niemals eintreten können


    Das ist aus meiner Sicht die zentrale Feststellung, die niemand wegdiskutieren kann ... beim besten Willen nicht! Und damit sind dann auch die Verantwortlichen der Misere zweifelsfrei bestimmbar.

  • Frank, auch wenn Du das vermutlich nicht tun möchtest, Du solltest vielleicht dennoch mal die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass vorliegend nicht die EU und die USA die Oberbösen sind - auch wenn diese Sichtweise nicht so gut zu einem wohl gezimmerten Gebäude von gerade im liberalen Westen verbreiteten Vorurteilen passt.


    Wenn ich mir das Bild der Medienberichterstattung im Westen ansehe, in dem es - anderen Gerüchten zum Trotz - doch noch relativ frei und unzensiert zugeht und dessen Leitmedien gar nicht so abgeneigt sind, 'nostra culpa' zu rufen (unabhängig wie berechtigt das sein mag, oft ist es das), und es mit dem Bild der Berichterstattung im vielleicht doch nicht ganz so offenen und liberalen Russland vergleiche, dann kann man nachdenklich werden. Wobei es natürlich schon sein kann, dass sich so gut wie alle diejenigen, die sich professionell dazu äußern, irren und nur Frau Krone-Schmalz recht behält, die in ihrer Zunft schon seit langer Zeit als Putin-Fan bekannt ist.


    Und auch das sine qua non-Argument kann nicht so richtig einleuchten, nicht nur, weil es voraussetzt, dass Russland so handeln musste, wie es handelte, was als Annahme an sich merkwürdig ist. Es lässt auch außer Acht, dass die Kiewer Proteste eine Vorgeschichte haben, an der Russland nicht ganz unbeteiligt war.


    Wurde hier nicht aus des Wedauers Mund gefordert, die Komplexität der Situation zu berücksichtigen?

  • Nach dem juristischen Grundsatz der "conditio sine qua non" sind die (gewalttätigen) Aufständischen in Kiev und ihre Gehilfen (USA und EU) aber nun einmal die Oberbösen.


    Fordert eine Gewalttat in ihrem späteren Verlauf Menschenleben, ist die Verantwortung hierfür zunächst bei den Gewalttätern zu suchen und nicht bei denen, die sich dagegen gewehrt haben ... und zwar selbst dann, wenn die Opfer überreagieren und zu den Tötungsdelikten beigetragen haben (sich also selbst strafbar gemacht haben).


    Diese Sichtweise mag man mir nachsehen ... sie entspricht aber (nicht nur) meinem über Jahrzehnte ausgebildeten Selbstverständnis der Betrachtung von Straftaten.


    Gewalt führt zu Gegengewalt. Das ist ein hinlänglich bekannter Grundsatz, den schon der Gewalttäter bei erstmaliger Gewaltausübung berücksichtigen muss. Von daher bin ich nicht davon abzubringen, die Ursache allen Übels in den gealttätigen Ausschreitungen auf dem Maidan zu sehen und bin einfach nur entsetzt darüber, wenn derartiges (auch von userer Bundesregierung) unterstützt wird.


    Wenn man mir zubilligt, dass meine Abneigung gegen die Unterstützer auf diesem Umstand aufbaut, wird man möglicherweise auch die folgenden Beiträge besser einorden können.


    Ganz sicher bin ich kein Antiamerikaner (auch wenn ich gelegentlich frötzele) und schon gar kein Freund der Regierung Putin, die aber nun einmal existent ist. Man wir nicht umhin kommen, deren Befindlichkeiten zu respektieren, weil ein wirksames Kraut dagegen (noch) nicht gewachsen ist. :(

  • Zum aus meiner Sicht relativ dünnen sine qua non-Argument habe ich oben etwas geschrieben, es überzeugt übrigens auch in der Rechtswissenschaft oft nicht.


    Und bitte: Putin (und seine Regierung) als jemanden hinzustellen, der sich in der Ukraine-Krise nur gegen Gewalt gewehrt hat: Wenn ich so etwas lese, kann man schon eine sehr starke Neigung verspüren, die etwas zurückliegende Lektüre der Pathologie des Krieges von Thukydides aufzufrischen.

  • Es entspricht aber der weit überwiegenden Meinung, die auch ich teile.


    Auf jeden Fall ist sie nicht so abwegig, dass ich derart weit im Abseits stehe, wie ich das hier erlebe. Vielmehr halte ich das für sehr ungewöhnlich ... für so ungewöhnlich, dass ich eine logische Erklärung dafür nicht finden kann.


    Andererseits sehe ich eine "Propagandamaschine" in Gang gesetzt, die der Bevölkerung der EU die Mindermeinung als ganz selbstverständliches Maß der Dinge verkauft, ohne (berechtigte) Einwände auch nur im Geringsten zu berücksichtigen. Die Verantwortlichen tun so, als sei eine andere Sichtweise als die ihre nicht einmal existent.


    Diese Vorgehensweise halte ich für ein "No-go", das es in einer Demokratie überhaupt nicht geben dürfte. Wie sollen sich Bürger mit einer Sichtweise auseinandersetzen, die ihnen vorenthalten wird?


    Das Überraschende:
    Allein mit dem logischen Denkvermögen erkennen dies viele Bürger der Bundesrepublik und sind m.E. zu Recht verärgert darüber, dass ihnen die amerikanische Sichtweise so verkauft wird, als sei sie ein Naturgesetz. Wenn solche Vorgehensweise bei mündigen Bürgern ein tiefes Mißtrauen in die Außenpolitik der EU (und auch der USA) auslöst, wie es aus Umfragen deutlich wird, wundert mich das nicht.


    Allerdings auch nicht, das diese Skepsis mit den üblichen Mitteln des Populismus als "antiamerikanisch" disqualifiziert wird. Eine beliebte andere Masche ist, Kritiker einfach in die äußere rechte Ecke zu stellen, ohne dass auch nur der gerinste Anlass dazu besteht. Alles beliebte Wege, kritische Zeitgenossen "mundtot" zu machen. Aus diesen Schmuddelecken kommt man nur schwer wieder heraus.

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