Ukraine / Krimkrise

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Mal abgesehen von der technischen Seite, welchen Sinn macht es für die Ukraine in der heutigen Situation, Gas, das für Westeuropa bestimmt ist, abzuzweigen?

    Geld?
    Dei EU kann von ihrem "ich hab dich ganz doll lieb" Kurs eh nicht mehr ab.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    ohne dass das Gas den Umweg über Deutschland nimmt.

    Die haben an den Russen schon nicht den Freundschaftspreis bezahlt, wie sollen die dann den normalen Preis bezahlen welchen Deutschland verlangen müsste?

  • Ich verstehe inzwischen weder Franks noch Murmelchens Aussage. Insofern mache ich es mal kurz: imho macht es für die Ukraine keinen Sinn, Gas abzuzweigen, weil sie dann ihren einzigen Verbündeten verlieren würden. Sie würden schließlich Diebstahl betreiben und vor allem in Richtung Winter würde sich dann die Wortwahl des Westens deutlich ändern.


    Zu den Voraussetzungen und den Sinn einer Umkehr des Flows, schweige ich mal besser.

  • ich bin mir nicht sicher ob ein "abzweigen" der ukraine von der EU nicht einfach toleriert werden würde nach dem motto "die armen ukrainer müssten sonst ja frieren".
    so könnte man der ukraine hintenrum kohle zustecken ohne dass die bevölkerung zu sehr aufschreit.

  • "die EU" existiert in diesem Fall aber eben nur zu einem sehr, sehr kleinen Teil. Die Lieferverträge bestehen nicht zwischen Gaszprom und den Regierungen, sondern zwischen Gasprom und Unternehmen.


    Und wenn es zu "geduldeten" Abzweigungen kommt, ist diese ganze Diskussion eh hinfällig. Fragt sich nur, woher der Westen im Notfall dann sein Gas beziehen sollte.


    Edit:
    Oder um es mal so zu sagen: wird die EON akzeptierten, wenn sie statt xxMW nur xMW geliefert bekommt?

  • Wenn ich das verstanden habe, hatte das RWE schon (Vor-)Verträge über Gaslieferungen an die Ukraine für den Fall abgeschlossen, dass Russland die Gasversorgung einstellen sollte.


    Dann stellte sich die Frage nach einem Diebstahl und dessen möglicher Duldung gar nicht erst. Lediglich die technische Abwicklung der Belieferung der Ukraine würde (soweit technisch umsetzbar) auf pragmatische Weise gelöst.


    Es war immer klar, dass der Gasverbrauch der Ukraine fremdfinanziert werden muss. Richtet sich die Ukraine nach Westen aus und nimmt man sie mit offenen Armen auf, wird die EU an die Stelle Russlands als Finanzier treten müssen. Entsprechende finanzielle Hilfen waren zugesagt und müssen nun eingelöst werden. Einen "Diebstahl" sehe ich vor diesem Hintergrund eher nicht. Nur müsste umgehend geklärt werden, welche Mengen die Ukraine auf unsere Kosten (legal) entnehmen darf.


    Die EU hatte stets mit stolzgeschwellter Brust auf ihre Eingkeit im Ukraine-Konflikt verwiesen, wobei alle wussten, dass es teuer werden wird. Das war ja einer der Gründe, warum ich das Vorgehen der der EU skeptisch gesehen habe. Die Ukraine entgegen (m.E. verbindlicher) Zusagen nun hängen zu lassen, ginge aber gar nicht.

  • Ja, aber diese Menge wird nie ausreichen, die Ukraine zu versorgen. Schon gar nicht in einem kalten Winter.


    In einem kalten Winter sind die Lager auch so so gut wie leer.

  • wahrscheinlich blöde frage: aber gibts in der ukraine keine gaszähler, so dass die verbraucher dafür zahlen müssen? wird das gas dort kostenlos verteilt oder wird das geld anderweitig verbraten? vielleicht wäre das für die EU eine bessere investition, da ein paar gaszähler zu spendieren...

  • Zitat

    Original geschrieben von stanglwirt
    wahrscheinlich blöde frage: aber gibts in der ukraine keine gaszähler, so dass die verbraucher dafür zahlen müssen? ... oder wird das geld anderweitig verbraten? ...


    Ob Gaszähler existieren weiß ich nicht, die Bürger der Ukraine leisten jedoch (monatliche) Zahlungen an den nationalen Gasversorger. Nicht einmal diese eingenommenen (allerdings nicht kostendeckenden) Beträge wurden an Gazprom weitergeleitet, worüber Gazprom natürlich verärgert ist.



    Der frühere "Deal" mit Russland führte dazu, dass die Ukraine die Bevölkerung (weiterhin) mit Gas zu einem Preis versorgen konnte, der noch unterhalb des seinerzeitigen von Russland rabattierten Kurses lag. Tendiert die Ukraine gen Westen, wird man den Bürgern Marktpreise berechnen müssen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung das zulässt.


    Würden plötzlich Marktpreise berechnet, stünde wahrscheinlich der nächste landesweite Tumult an. Jedenfalls rechneten frühere Regierungen (auch schon vor Janukowitsch) mit einem solchen Szenario, welhalb die starke Subventionierung des Gaspreises durch den ukrainischen Staat stets beibehalten wurde.

  • Frank erklärt die Welt. Allerdings erklärt er sie falsch. "Weitergeleitet" werden muss erstmal gar nichts. Gazprom hat Verträge mit nationalen Versorgern. In den meisten Fällen sind dieses Öl-indizierte Verträge oder aber, und soweit ich weiß ist es so mit der UA, take-or-Pay Verträge. Ob ein nationaler Versorger damit Gewinn oder Verlust macht, geht Gazprom gar nichts an. Hier liegt der Unterschied zwischen Großhandelspreis und Endverbraucherpreis.


    Ich weiß nicht, wie die Versorger in der UA mit ihren Endkunden abrechnen, würde aber annehmen, dass dies auf ähnliche Weise wie in Deutschland passiert.

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Frank ...


    Wollten wir das nicht lassen?


    Im übrigen ist mir nicht klar, worauf Du hinauswillst, und wo Deine Ausführungen zu meinen in Widerspruch stehen. Was Du schreibst ist schließlich nichts neues.


    Nur ist das in der Ukraine beriebene Geschäftsmodell, bei dem der Endkundenpreis unter dem Einkaufspreis liegt, kein besonders lukratives. Aber gut ... selbstverständlich steht es dem Versorger (dort) frei, so zu kalkulieren.

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