Sommerurlaub '04 - Nach dem Abi 6 Wochen mit dem VW-Bus durch Europa - Erfahrungen?

  • Hallo,
    ich finde das klingt doch super. Würde halt noch ne ADAC Plus Mitgliedschaft abschließen. Dann kanns auch egal sein wenn der Bus mal streikt. Ich würd sowas auf jeden Fall mal machen.
    Wohin in Nizza und Bordeaux wollt Ihr denn?


    Viel Spass


    Janbs

  • Wieso kann es dann egal sein wenn der Bus streikt? Die Kosten für Ersatzteile etc. müssen doch trotzdem übernommen werden, ausserdem wage ich zu bezweifeln, daß eine ADAC-Plus-Mitgliedschaft auf einer Landstraße in Estland mit einem defekten Fahrzeug glücklich macht ;)

  • Hi,


    nachdem der letzte Beitrag hier ja nun schon über ein Jahr her ist, muss langsam mal ein Bericht her. ;-) Hab mir grade beim Eiswegbrechen auf dem Gehweg draußen schön warme Gedanken gemacht und bin unseren Urlaub nochmal durchgegangen - hier ist ein Kleiner (? - mal sehen, wie lang er wird ;-)) Bericht. An echten Smileys werde ich sparen, weil die als Bilder angerechnet werden - sowas: ;-) ist also das höchste der Gefühle.


    Hier könnt Ihr sehen, was wir gefahren sind.



    Start- und Zielort war München (genauer gesagt: Zwischen Dachau und München). Mein bester Kumpel und ich hatten schon einige Wochen vorher die Nase voll von dem damals echt miesen Wetter hier und sind für eine Woche nach Rhodos geflogen. [Fortbewegungsmittel auf Rhodos - Griechenlands Sieg im EM-Finale ]
    Weil dieser Kumpel aber eben auch inmitten unserer geplanten Reise als Firmpate eingeteilt war (oder so - keine Ahnung von katholischen Bräuchen .. ), wir beide Paris aber auch schon kannten und an Holland wenig Interesse hatten, haben wir uns in der Mitte der Reise getrennt. Das zeigt die Farbe auf der Karte oben: Das rote bin ich persönlich tatsächlich gefahren (natürlich jeweils noch mit der Strecke Lloret - München und München - Hamburg), das grüne sind die anderen beiden gefahren.
    Gestartet sind wir mit zwei Autos (Vectra meiner Eltern sowie Astra einer Freundin, die auch dabei war) sowie 4 Leuten: 3 Jungs, ein Mädel. Die erste Etappe dauerte ~13 Tage, danach hatten wir ~10 Tage Pause und sind dann zu dritt - eine andere Freundin hatte noch Schule und konnte deshalb erst dann - nach HH, um uns dort wieder zu treffen. Danach gings dann nach Skandinavien, was auch noch mal ein paar Wochen gedauert hat.


    Das war die Kurzzusammenfassung. ;-)


    München -> Italien


    Ich hoffe, ich gekomme noch alle geographischen Details zusammen - die zeitlichen vermutlich eh nicht mehr. *g
    Los gings hier in München. Ab über die Garmischer Autobahn in Richtung Walchensee. Oh wie schön - das Auto zum letzten Mal für einige Wochen auf V-Max scheuchen (dachten wir). Der Walchensee war richtig malerisch, aber da waren wir ja erst 90 Minuten unterwegs. Also weiter, nach Innsbruck und unterm Brenner entlang - Geld sparen. Abgesehen davon war das wirklich eine schöne Fahrerei, auch wenn die Autos beide keine Fahrmaschinen waren.
    Gelandet sind wir an dem Abend am Gardasee, wo wir uns beim Anfahren erstmal in den allgemeine Touristen-Wohnmobil-Stau eingereiht haben. Sehr individuell. *g
    Die Preise dort waren räuberisch, zumindest verglichen mit dem, was wir uns so gedacht hatten. Mein Kumpel, dessen Schwester kurz vorher in der Gegend gewesen war, hatte von ihr mitbekommen, dass ihr rel. günstiger Campingplatz "Camping Municipale" hieß. Blöd natürlich, dass das nicht mehr als städtischer Campingplatz heißt und das auf mehr als nur einen zutraf .. ;-)


    Nuja, also zum ersten Mal auf der ganzen Reise Zelte aufgebaut, ausgepackt und natürlich auch erste Unzulänglichkeiten festgestellt. "Fuck - wieso liegt der Campingtisch ganz unten im Auto?" "Scheisse, vielleicht hätten wir doch nicht den Pavillon für 14.99 nehmen sollen" (das Ding war mal richtiger Müll).
    So sahs dann aus, so hats geschmeckt und so stellte sich der dritte männliche Zeltaufbauer seinen Tag vor.


    Verona


    Am nächsten Tag sind wir dann doch recht früh los und haben uns Verona angeschaut. "Mein" Vectra musste eigentlich immer als Auto für alle herhalten, wenn wir Ausflüge gemacht haben - was mir aber durchaus recht war, denn zum einen fahre ich lieber selber als gefahren zu werden und zum anderen hatte mein Wagen Klimaanlage. In den engen Straßen Veronas, die wir mangels Ortskenntnis bis in die engsten Passagen auskosten konnten, hab ich mehr als einmal erst mit Rücksetzen um die Kurve gepasst. Wir haben das Auto dann auch, sobald wir einmal halbwegs in der Stadt waren, stehenlassen und sind zu Fuß weiter.
    Ich ganz persönlich halte ja von Stadtbegehungen à la "das muss man gesehen haben, da will ich noch hin etc." recht wenig. Ich will die Atmosphäre einer Stadt kennenlernen, und das gelingt mir am besten, wenn ich nur so rumlaufe, ein paar Läden anschaue, irgendwo was trinke, mich in einen Park flagge - mit der Einstellung passiert dann eigentlich auch meistens was, man lernt Leute kennen, sieht Bands, kurzum, weil man kein Touri ist, bekommt man mehr mit.
    Da das zumindest den beiden Astrafahrern (mein Kumpel, mit dem ich auch auf Rhodos war, denkt da ähnlich und ist eigentlich noch eine ganze Ecke verträumter und planloser) nicht so ging, haben wir dann doch das Touri-Programm durchgezogen.
    Die Oper war wirklich beeindruckend, auch wenn sie leider teilweise verhüllt war. Madame musste sich Brad Pitts Wadendouble anlachen, wir haben dafür lieber cool posiert.
    Die Innenstadt war eine sehr interessante Mischung aus alt und modern - alte Häuser mit sehr modernen (und teuren) Boutiquen drin. Das Haus von Romeo und Julia war eine Riesenenttäuschung - mehr Japaner als am Marienplatz und eine wirklich leckere Wand. Ich fand Verona allgemein zu voll mit Touristen - aber das haben die natürlich auch alle gedacht ..
    Am Campingplatz (so um fünf) waren wir dann noch baden und anschließend ein sündhaft teures Dreher trinken sowie die örtliche Ruf-Disco betrachten (Hammer, das wir so was vor 5 Jahren selber mal den Gipfel aller Parties fanden .. *g).


    Der nächste Morgen kam - und wir hatten einiges einzuräumen. Klar, auch hier wieder Erstaunen "Wieso ging das denn vorgestern so??", letztendlich ging aber alles glatt. An dieser Stelle tatsächlich mal ein Lob an Opel: Mit umgeklappter Rücksitzbank geht in so einen Vectra (nebenbei: 1.6 16V Stufenheck, wunderschönes Auto - ging nach dem Urlaub für 3500 nach Mazedonien.) wirklich einiges rein, auch der Astra schluckt so einiges.


    Milano


    Trotz der wirklich miesen italienischen Beschilderung (Hinweise auf Orte, in denen man sich bereits befindet, im Ortskern? Hä? Nullkommagarkeine Entfernungsangaben zu irgendwas auf allen Straßen? Baustellenumleitungen, die im Kreis führen?) und haarsträubenden Beschleunigungsorgien ("den LKW pack ich vorm nächsten Kreisverkehr" - in 800m Entfernung) haben wir Mailand gefunden. Wir wussten ja, dass Mailand als die Modestadt überhaupt gilt, aber da waren wir wirklich platt: Ich habe wirklich in meinem ganzen Leben noch nicht dermaßen viele gut angezogene Menschen gesehen. Alle im Anzug, Kostüm(chen) oder zumindest irgendwelchen Designerteilen - und wir in Shorts, T-Shirt und Flip-Flops.
    Teilweise war uns das wirklich unangenehm, man gewöhnte sich aber auch dran.
    Mailand war als erstes vor allem eines: Groß. Als wir uns dann aber ins Zentrum vorgearbeitet hatten, war es auch noch beeindruckend. Ich bin kein großer Fan von Kirchen, mich interessiert daran eigentlich lediglich die schiere Größe, das ganze Klimbim innendrin sowie der Größenwahn, der dahintersteckt. Der Mailänder Dom war in jeder dieser Hinsichten beeindruckend.
    Unsere holde Weiblichkeit trug ihre Schultern für die polizeilichen Hüter der Ordnung und Sittsamkeit zu frei und durfte nicht rein, deshalb musste sie sich ein Stück Stoff von einer anderen Touristin ausleihen. Das lustige daran war, dass dieses Stück Stoff ein schwarzer Netzfetzen war und mehr zeigte als er verhüllte - den Kirchenhütern wars gut genug.
    Noch kurz die Passage nebenan bestaunt und über die Preise sowie das miese McD-Klo geflucht und die wieder mal verhüllte Oper (oder wars ein Theater?) betrachtet, sich über Maserati Quattroportes in verschiedenen Altersklassen sowie Stefans feuchten Traum, einen Lancia Thesis gefreut und dann ab zurück zum Auto.
    Das war eine gute Entscheidung, denn kaum saßen wir im Auto, regnete es auch schon wie Sau. Hab ich schon die miese Beschilderung erwähnt? Man denke sich jetzt noch die Mailänder Rush Hour hinzu - wirklich klasse. Dann noch eine Auffahrt falsch genommen und für 200m Autobahn in der falschen Richtung knapp 4 Euro bezahlt. Dafür aber auch eine Viper beobachtet, der Scheibenwischer sich verhakt hatten - das der Fahrer aber mit Telefonieren beschäftigt war, ist er eben auf der Standspur am Stau vorbei gerollt.


    Irgendwie haben wirs an dem Abend dann noch an einen See an der Grenze zur Schweiz geschafft - wenn ich mich recht erinnere, der Lago di Como.
    Da war es dann aber auch schon dunkel und wir sind ins Bett gefallen. Jetzt ist mir auch klar, warum Flüge nach Mailand so billig sein können - so weit draußen, wie der Flughafen liegt ..
    So richtig toll zum Schwimmen geeignet war der Campingplatz nicht, wir sind dann auch so schnell wie möglich dort weg. Da wir von Landstraßen genug hatten haben wir in den sauren Apfel gebissen und die mautpflichtige Autobahn benutzt. Das war eine ganz neue Erfahrung: So kurvige Autobahnen habe ich noch nie erlebt - vor allem keine, bei denen dann bei 140 trotzdem noch die Alfas von hinten drängeln. Dafür war die Aussicht von der AB teilweise wirklich herrlich: Grüne Hänge, blauer Himmel, später dann auch blaues Meer - einmalig.


    Genua sehen - und nix wie weg ..


    In Rekorzeit gings nach Genua. Genua kannte ich von mehreren Fahrten mit der Fähre nach Korsika - meine Erinnerung wurde bestätigt: Eine außerordentlich hässliche Stadt mit extrem schlechter Luft.
    Nix wie weg - und wieder auf die Autobahn, Richtung Nizza. Hier kam zum ersten Mal richtiges Roadmovie-Feeling auf: Vollkommen egal wo wir hinfahren, geiles Wetter, geile Leute, Abi in der Tasche - Glücksgefühle pur!
    Durch Nizza sind wir erstmal nur durchgefahren, natürlich direkt entlang des Strandes auf der Palmenallee. Hinter Nizza haben wir uns einen Campingplatz gesucht und auch gefunden. Direkt hinter der Straße am Strand, Zugang zum solchen unter einer Brücke durch. Leider Kiesstrand, dafür aber Grillen ausdrücklich erlaubt. Der Hammer: Am Abend konnte man keine 100m weiter sehen, weil ganz Südfrankreich am Strand war und gegrillt hat! Selber waren wir abends aber essen, in Antibes. Wir haben ein wirklich nettes kleines Restaurant gefunden, dass noch dazu sehr gute Preise hatte. Irgendwas um die 10 Euro für drei Gänge ist mehr als okay.
    Es gab vier Hauptgänge zur Auswahl, meinen Freund und mich sprachen aber weder Lasagne noch Hähnchen so richtig an - dafür waren wir schließlich nicht nach Frankreich gefahren..
    Die Frage, was die anderen beiden Gerichte (Andouillettes und Tripes) denn seien (interessant übrigens, wieviel Französisch man doch noch zusammenkratzen kann, wenn man nur will!) beantwortete der Wirt mit Zeichen auf seinen Bauch - ah ja, wird also Lende oder Filet sein, dachten wir uns.
    Die Vorspeise war wirklich lecker, dann kam das Hauptgericht. Meins sah aus wie eine Roulade, das meines Freundes wie Gulasch. Das Gulasch entpuppte sich dann als Stückchen mit wabenartiger Konsistenz - Kutteln halt. Und auch meine Roulade enthielt einiges an Innereien.
    Wir habens tapfer gegessen, so richtig lecker wars nicht, manchmal hatte man doch so einigen Würgereiz, aber eine Erfahrung war es auf jeden Fall wert. Nebenbei auch wirklich gut zubereitet, am Restaurant an sich gabs nichts zu meckern. Hier sieht man hinten rechts das "Gulasch" sowie meine Roulade - der Brotkorb war übrigens ratzfatz leer.


    Am Tag drauf stand Monaco auf dem Programm. Monaco war eigentlich genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte, keine Überraschungen an dieser Stelle. Teilweise extremer Überfluss, interessantes gegenseitiges Übertrumpfen der Häuselbauer in ihrem Drang, auch ja ein Zipfelchen Meer zu sehen und natürlich der überquellende Yachthafen. Ganz ehrlich, auch mit Geld würde es mich nicht nach Monace ziehen, dafür fand ich es schlicht und einfach zu langweilig, gleichzeitig aber zu voll und einfach überfrachtet.
    Ein Paradies war Carrefour, wo wir uns für das Grillen am Abend eingedeckt haben. Auf dem Rückweg haben wir uns in Nizza an dern Strand gelegt und schön in der Sonne gebrutzelt, leckere Mädels beobachtet und uns einen Sonnenbrand geholt.
    Abends gabs dann das ganze leckere Grillprogramm mit Fleisch, Zucchini, Auberginen, Pilzen etc. - dazu wassergekühltes Pils (1604) und bekiffte Franzosen, die nach einem Glas Wasser gefragt haben. Lektion des Abends: Beim Nacktbadengehen im Dunkeln keine Fackel mitnehmen, wenn Aufmerksamkeit nicht gewünscht ist.


    In Italien war Tanken ja noch recht nett gewesen, in Frankreich war es erstmal eine Katastrophe. Was zum Teufel heißt die 98 bei Bleifrei (Sans Plombe), was die 95, wieso gibt es Super, aber kein Super Plus? Und wieso passt der Tankstutzen von Super nicht in meinen Tank?
    Nachdem wir den Plastikeinsatz, der den Super-Stutzen abhielt erfolgreich demoliert hatten, haben wir erstmal vollgetankt und uns über den hohen Spritpreis gewundert.
    Der Tankwart sprach weniger Französisch als wir, konnte aber letztendlich doch noch kommunizieren, dass Super hier Super Plus war, unser heimisches Super aber SP98.
    Wieder was gelernt.


    Cannes war wenig beeindruckend, aber recht nett. In Marseille haben wir auf dem Autodach gefrühstückt - sehr lecker, auch wenn ich mich nicht erinnere, was wir gegessen haben.
    Dieses Hochzeitspärchen hatte sich wirklich eine schöne Stelle ausgesucht, sehr schöne Aussicht, auch wenn mir persönlcih Marseille ansonsten nicht so gefallen hat - allerdings sind wir ja auch nur einmal durchgefahren.
    Am Abend sind wir bei Narbonne-sur-Plage von der Autobahn weg und durch die sehr malerische Landschaft an den Strand. Die Fotos hierzu geben die Stimmung leider nur schlecht wieder ..
    Der Strand selbst (an den Ferienhäusern klebten Schilder einer deutschen Baufinanzierung *rolleyes*) erinnerte, auch wegen des Wetters, eher an die Nordsee. Sehr viel rauher, aber auch interessanter als in Antibes. Der Campingplatz bestand ganz aus Sand, dementsprechend unterhaltsam war das Befestigen der Heringe.


    Trennung die Erste


    Der nächste Morgen brachte eine Trennung: Die anderen beiden wollten nach Lloret der Mar, wohin es uns so gar nicht zog. Zudem wollten wir ja sowieso in den nächsten Tagen nach Hause und vorher noch Barcelona sehen. Also ab nach Barcelona. Auf dem Weg noch supergünstigen Rotwein im 5-Liter Kanister gekauft sowie Muskat als Mitbringsel.
    Die spanischen Autobahnen entpuppten sich als Rennstrecke: Kein Schwein da, und wenn doch, dann schneller als wir.
    Barcelona fand ich persönlich recht schön. Zwar auch sehr groß und überlaufen, aber die viele Straßen am Hang zwischen mittelhohen Häusern und Bäumen) haben es mir angetan. Gaudi's Bauwerk war extrem beeindruckend, auch wenn die Hälfte fehlt. Inzwischen hab ich Simulationen der fertigen Kirche gesehen - ein wahres Großprojekt!


    Anschließend haben wir uns an den Hafen vorgetastet und sind mit der Seilbahn über selbigen gefahren und über diverse Flohmärkte (wer montiert eigentlich die ganzen Straßenlampen ab? *g) zurückgelaufen. Wir haben ganz sicher nicht alle touristischen Höhepunkte gesehen, dafür hatte ich aber eher ein Gefühl für die Stadt bekommen als bspw. in Verona..
    Eigentlich hatten wir uns ja Andorra vorgenommen, das schien aber in eine endlose Fahrerei auszuarten und ein Groschengrab zu sein.


    Oh roter Wein ..


    Was macht man mit 5L Rotwein im Kofferraum, Lust auf Strand, Sonne & Party und No Place To Go? Richtig, man sucht seine Freunde in Lloret.
    Wir haben unser Auto irgendwo abgestellt und uns mit einer Decke, zwei Bechern und Rotwein an den menschenverlassenen Strand (~9 Uhr abends) gemacht. Nebenbei die anderen angerufen und einen Treffpunkt abgemacht.
    Dann ab ins Wasser und anschließend ein bisschen was getrunken. Beim Aufstehen fielen uns zwei Sachen leer: Erstens, der Kanister war extrem leicht und zweitens, wir fühlten uns extrem leicht. Der Abend ist tatsächlich etwas ausgeartet, emotionsmäßig war von Wut bis Heulen bis zu einer kleineren Schlägerei alles dabei - definitv einer der Tiefpunkte der Reise.
    Am nächsten Morgen bin ich im Fahrersitz meines Autos aufgewacht (ach so: das Auto habe ich nicht bewegt, nur da geschlafen .. ), mein Freund, mit dem ich mich ja eigentlich am Abend zuvor noch angebrüllt und geschlagen hatte, neben mir.
    Wir haben es geschafft, uns mit maximal drei Worten zu verständigen, unseren Rausch am Strand auszuschlafen. Weil wir nicht so richtig viel zu essen hatten, haben wir uns bei 30°C am Strand eine Spargelcremesuppe gemacht und mit Strohhalmen vom McD geschlürft - die beste Suppe meines Lebens! Gruppenbild mit Topf.


    Nebenbei erzähle ich das grade nicht, weil ich so stolz drauf wäre - es wurde ja aber im Thread auch angesprochen, dass Freundschaften bei so einer Reise drauf gehen könnten - unsere tat es trotz aller Streitereien nicht.


    Nachdem wir uns dann also alle zusammen am Strand eingefunden hatten, die Frage: Was machen? Denn nur in der Sonne braten zwischen irgendwelchen Engländern war nicht so richtig ideal. Die Antwort lieferte das Meer in Form von riesigen (okay, im Verhältnis gesehen) Wellen. Ein absolutes Paradies - Sommer, Sonne, Strand und Meer. Die Wellen waren extrem stark und haben uns so durch die Luft gewirbelt, dass wir nicht mehr wussten, wo unten und wo oben war. Der Sand war etwas gröber und teilweise wie Scheuerpapier, aber das konnte niemanden abhalten. Sehr geil war auch, als die erste Reihe - sprich all diejenigen, die sich unbedingt noch ganz vorne ans Wasser quetschen mussten - vollständig überflutet wurde.


    Da wir nicht unbedingt wieder im Auto übernachten wollten, haben wir uns auch ein Zimmer gesucht. 14 Euro gezahlt, entsprechendes Zimmer bekommen. Egal, das Bett war sauber, das war das wichtigste.
    Am Abend haben wir uns das Nachtleben Llorets angesehen - und waren ehrlich gesagt enttäuscht. Überall Lockvögel, die einem Flyer ihrer Discos in die Hand drücken, denn damit bekommt man ja so und so viel Free Shots - nachdem wir festgestellt habe, dass Sex on the Beach, Tequila Sunrise & Co alle aus derselben Karraffe kamen, sind wir schleunigst auf Flaschenbier umgestiegen.
    Im Grunde waren wir des gesamten Abend unterwegs und sind von einer Disco zur nächsten gezogen, immer gelockt von Freigetränken und der Hoffnung auf endlich mal eine gute Disco mit mehr Leuten und tollerer Musik.
    Enttäuschend - und eigentlich auch viel zu teuer. In meinen Augen kann Lloret geil sein, wenn man mit einer großen Gruppe dort ist - tatsächlich ist es aber dann doch eher das Mekka der Ruf-Jugendreisen, wir waren wohl doch schon zu alt.


    Unseren letzten Tag in Lloret haben wir in einem absolut geilen Wasserpark verbracht. Ich kannte solche Parks schon aus anderen Ländern, insbesondere aus der Türkei und war von daher eigentlich schlecht verarbeitete Rutschen und sehr laxe Sicherheitsvorkehrungen gewöhnt.
    Nix war - die Rutschen war 1A gebaut, keine Spuren am Rücken zu sehen. An jeder Rutsche ein Aufpasser, der einem sagte, wann man rutschen durfte - und das war genau dann, wenn der Vorgänger unten aus dem becken geklettert war. Die entstehenden Schlangen kann sich jeder selbst ausrechnen - da haben sie es eindeutig übertrieben. Dennoch, sehr lustig. hier sieht man zwar den Hang, aber die einzelnen Rutschen leider nicht.


    Abends gabs eine Riesenpfanne Paella, die sehr gut geschmeckt hat, auch wenn wir in dem Moment etwas genervt waren.


    Trennung die Zweite


    Der nächste Morgen stand dann wirklich für Abschied - die anderen beiden nach Barcelona, wir nach Hause. Ich hab mir von meinen Eltern eine Routenbeschreibung aufs Handy schicken lassen und los gings. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen haben wir von da an gelinde ignoriert.
    Immer wechselweise geschlafen und gefahren - so eine gewisse Fernfahrromantik war zu spüren, auch wenn es natürlich schöneres gibt.
    Überholt hat uns niemand, außer anderen Deutschen. Irgendwann gegen 11 Uhr abends waren wir in Freiburg. Ich hatte so gar keine Lust, jetzt nochmal das Zelt aufzubauen, also weiter. Die Landstraßen von Freiburg nach Ulm waren schön frei, stressig war es im Dunkeln dann doch.
    Absolutes Unverständnis habe ich für einen Traktor, der im Dunkeln mit einer einzelnen Rückleuchte auf der Landstraße vor sich hin schlich mit einem Anhänger hinten dran, auf dem Leute ein Schild mit "Langsam Fahren! Leben Retten!" hochielten. Hallo? Nachts, schlecht beleuchtet? Da frag ich mich doch, wer hier das Risiko darstellt ..


    Gegen drei Uhr nachts waren wir dann zuhause - so ein eigenes Bett hat schon was! ;)

    Walking on water and developing software from a specification are easy if both are frozen.
    – Edward V Berard

  • Weiter gehts mit dem zweiten Teil. Wir haben ca. 11 Tage daheim verbracht - und sind in dieser Zeit eigentlich trotzdem meistens zusammen gehangen, war, also nicht so, dass wir uns nicht mehr sehen konnten..


    Da wir jetzt unser zweites Mädel, die ja vorher noch Schule gehabt hatte, auch mitnehmen wollten, musste die Dachbox aufs Auto. Schade - Schluss mit Autobahnspaß, rauf mit dem Verbrauch. Ohne wäre es aber wirklich nicht gegangen, schließlich hatten wir doch ne ganze Menge Zeug dabei.


    Hansestadt Reeperbahn


    Die anderen beiden hatten in der Zeit Madrid gesehen, Paris besucht, die Benelux Staaten angesehen (auch wenn ich nie kapiert habe, mit welcher Route genau), waren in Amsterdam "Kaffee Trinken". Wir trafen uns in Hamburg, wo wir in der JH Zimmer fanden. Leider existieren von diesem ersten Teil keine Bilder, die gibts erst ab Dänemark wieder.
    Hier kam uns unser Ausflug nach Rhodos zugute, wo wir einen Hamburger kennengelernt hatten (Hallo Richie! ;)). Der Kerl war zwar über 10 Jahre älter als wir, aber kindisch wie am ersten Tag. Er hat uns 5 dann in seinen A3 gesteckt und HH gezeigt - bei Nacht. Es war wirklich klasse, einen Führer zu haben, der dort wohnt, ganz persönliche Ansichten hat und sich gut auskennt. Nebenbei hatten wir auch einfach richtig Spaß: "Shit, die Bullen" - und mit quietschenden Reifen wieder hinter die rote Ampel zurück. Allerdings waren wir alle sehr fertig vom Autofahren und waren dann auch um eins im Bett. Am nächsten Tag haben wir uns HH angesehen, eine dröge von Tourifalle zu Tourifalle Schlepperei, gar nicht mein Geschmack. Geil fand ich die Fahrt mit einer Hafenbarkasse, Häfen sind einfach sehr beeindruckend.


    Abends haben wir uns wieder mit R. getroffen und sind mit ihm, seiner Frau und einem Kumpel losgezogen. Wenn ich mich recht erinnere an die Landungsbrücken - eine Bar neben der anderen mit aufgeschüttetem Sand direkt am Elb-Ufer.
    Irgendwie hat an dem Abend alles geklappt, wir hatten richtig guten Spaß. Später sind wir weitergezogen - klar, an die Reeperbahn. Erstmal natürlich das große Staunen, persönlich hätte ich ja nie gedacht, dass die Prostituierten so menschlich sind - das waren ganz normale, meistens sogar sehr hübsche Mädels, mit denen man teilweise sogar ganz normal plaudern konnte.
    Jedenfalls erstmal keine Spur von Rotlicht, Lack & Leder, dem bösen Zuhälter etc. Das gabs dann aber spätestens in der Herbertstraße. Unsere Mädels haben die Schilder ignoriert und sind mit durch, taub gegenüber "F*tze! Schlampe!". Abseits der Hauptstraße sah es dann auch etwas anders aus, hier war mehr vom Halbseidenen zu spüren.
    R.'s Kumpel hat dann noch zum Spaß mit ein paar der Mädels verhandelt, die Preise lagen durchaus unter dem Preis-Niveau, dass man bei normalen Dates für Cocktails rechnen kann ;) - trotzdem haben wir uns natürlich zurückgehalten, so nötig hatten wir es dann doch nicht.
    Am Ende waren R., mein Kumpel und ich übrig und haben Automaten gezockt, bevor wir dann zu R. gewankt sind und uns als Reminessenz an Rhodos Melonenshakes gemacht haben.


    Ferienparadies Langeland


    Eine weitere Glanztat Richis war, dass er uns eine Ferienhütte auf Langeland in Dänemark zum Superpreis verschaffen konnte. Außer "Richtung Norden" hatten wir ab HH eigentlich nicht viel im Kopf, da kam uns sowas gerade richtig. Also ab nach Dänemark und über die Inseln nach Langeland, die kleine Insel über dem "o" von "Lolland".



    Unser Ferienhaus war wirklich süß und wäre wohl eigentlich eine ganze Ecke teurer gewesen. Zwei Schlafzimmer, vollwertige Kochecke, Fernseher, Stereoanlage, große Terasse, großer Garten, 5 Minuten zum Strand, Hängematte - wirklich schön.
    Wir hatten auch das Glück, dass das Wetter hier echt noch herrlich war und haben dementsprechend die Seele baumeln lassen.


    Mir fällt grade ein, dass ich ja allgemein noch nichts zum Essen gesagt habe. Es war, kurz und knapp, klasse! Wir haben immer mehr als genug gehabt, und immer gute Sachen. Nudeln mit div. Soßen, immer einen Salat dazu, chinesisches Essen, Grillfleisch, Gemüse, Nachtisch - der Hammer, was man auf einem Campinggrill alles machen kann, wenn man will.
    Die meiste Zeit haben wir opulenter gegessen als das durchschnittliche Gericht zuhause. Selber bin ich nicht der großartige Koch, deswegen hab ich so einiges abgewaschen, letztendlich war es aber sehr fair verteilt und wir haben gegessen wie die Könige:



    Auf Langeland ging das natürlich noch besser: Wir hatten Pfannkuchen, einen Grillabend, frischen Lachs (am Handy Mama angerufen, Mama denkt es ist sonstwas passiert, "Mama, wie macht man Lachs?" ;)) - sehr geil!


    In den Tagen hatte ich endlich mal wieder Zeit, in Ruhe zu lesen. Trotzdem haben wir viel von der Insel gesehen (was es dort halt so zu sehen gab ..). Windmühlen, Kunst (Kunst 2, Kunst 3), Pferde, wir viel zu leicht bekleidet - und natürlich frischen Hering mit Joghurt und Apfel direkt am Hafen:


    .


    Sehr beeindruckend fand ich die abendliche Aussicht.


    Gehe Nach: Kopenhagen


    Aber auch diese Woche ging rum und es ging weiter. Auf Fähren gibt es einen Sondertarif für Motorräder - und der gilt auch für Smart-Cars. Ob DC da seine Finger mit drin hat? ;)
    Auf dem Weg nach Kopenhagen steckten wir in krassem Regen fest, ein wahrer Wolkenbruch. Die Landschaft war hier ganz anders als auf unserer Südrunde, aber ebenfalls sehr schön: Grüne, saftige, flache Wiesen, das Meer, der Wind, frische salzige Luft - klasse.


    20km vor Kopenhagen haben wir ein Apartment genommen, was sehr viel günstiger war als Kopenhagen selbst gewesen wäre. Von hier aus haben wir dann unsere Touren gestartet.
    Kopenhagen war ein ganz eigener Charakter von Stadt: Alles sehr sauber, eine gute Portion amerikanischer Glimmer, aber trotzdem europäisches Flair. Hat mir sehr gut gefallen. Wohnen könnte ich dort vermutlich nicht - ich würde meiner Freundin andauernd untreu werden müssen, die Mädels sind der Wahnsinn!
    Die selbsständige Kommune Kristiania war schön zu sehen, mir als Nicht-Kiffer fehlt aber die Faszination dabei. Beeindruckend war das Opernhaus - Zeichen einer neuzeitlichen Patriarchie.
    Die kleine Meerjungfrau war vor allem eines: Klein. Der Spaziergang rund um den ehemaligen Militärstützpunkt am Hafen war dennoch schön, dort entstand auch folgendes Interesse bekundendes Foto: Klick!.


    Die "längste Theke der Welt" (welche Stadt hat sowas nicht .. ) war teuer und Schickilacki, wie unser Hamburger es ausgedrückt hätte. Das Tivoli war eine reine Enttäuschung: Hohe Eintrittspreise, dafür aber dennoch Fahrtpreise an jeder Attraktion sowie lange schlangen vor den eher langweiligen Achterbahnen - Nö.


    Förhyrda platser


    Von Kopenhagen ging es weiter über die Europabrücke nach Schweden und dort weiter nach Göteborg. Vor Göteborg haben wir den billigsten Campingplatz ever gefunden: 15 Euro pro Nacht - für alle. Gut, die Alternative lautet ja auch Wildcampen,vielleicht ist es deswegen so billig ..
    Wir haben Burger gemacht, die absolut herrlich waren - leider stand ich mit einem Asthmaanfall kurz vor dem Abkratzen, da hatte ich richtig Angst.
    Göteborg war irgendwie seltsam, man konnte nie herausfinden, was die Stadt eigentlich war: Groß oder klein, Tourismus oder nicht, arm oder reich. Der Botanische Garten war sehr schön angelegt - und ein solches Bild war die Lauferei doch wert. ;-)
    Außerdem fanden sich in Göteborg diverse Kirchen, eine Oper im Stil einer Jugendherberge und ein Museum, in dem wir uns den Rest des Nachmittages aufhielten. Darin wurde der Weg eines Flusses mitsamt seiner Vegetation von den Bergen bis ins Meer dargestellt, auf verschiedenen Ebenen und alles sehr ansprechend gestaltet - einfach schön anzusehen.


    "Förhyrda platser" haben wir als "Vorwärts Einparken" interpretiert - und uns über die freien Parkplätze gefreut. Leider hieß es dann aber doch "Reserviert", und wir hatten einen Strafzettel über ~60 Euro an der Scheibe. Da wir ja aber eh nicht mehr lange in Schweden bleiben wollten und das Auto und damit das Kennzeichen nach dem Urlaub verkauft wurde, ist das Ding in Ablage P gewandert und wir haben bis heute nichts mehr davon gehört.


    Romantika Rustika


    Der Nachbar meines Kumpels hatte Verwandte in Schweden nahe Stockholm - und die haben wir angerufen. Die beiden waren sehr erfreut und haben uns 5 Mann hoch in ihr Ferienhaus eingeladen. Sie selbst waren knapp unter 60 und leben das ganze Jahr in diesem Ferienhaus, mitten in der schwedischen Seenplatte, gute 100km von Stockholm. Ihre eigene Tochter war schon einige Jahre ausgezogen, daher waren sie wirklich froh über unsere Gesellschaft.


    Das Haus war Romantik pur: Schwedenrot, aus Holz gebaut, sehr warm und persönlich, wirklich schön. Das einzige Bild, auf dem das ganze Haus drauf ist, ist leider nicht richtig toll.
    Wir wurden essenstechnisch richtig verwöhnt, waren Angeln und konnten waschen (lassen).
    Von dort aus haben wir Ausflüge nach Uppsala und Stockholm gemacht. Uppsala war einfach eine nette Studenenstadt mit Kanonenstimmung.


    Stockholm war eine Fülle von Eindrücken. Mit den Inseln eröffnen sich städtebaulich ganz neue Möglichkeiten und Probleme. Stockholm fand ich recht angenehm als Stadt, viel los aber auf eine lockere Art und Weise - so richtig viel im Gedächtnis geblieben ist mir aber nichts, zumindest nichts, was mich beeindruckt hätte.
    Abends haben wir uns noch das Schloss der Königsfamilie in einer einmaligen Sonne angesehen. Dass es *rschkalt war sieht man dem Bild nicht an.


    Unsere allzu fürsorglichen Gastgeber haben wir dann verlassen - versorgt mit Essen, frischer Wäsche und einer guten Portion Bemutterung.
    Den Preis als schönster Rastplatz gewinnt dieser auf dem Weg in Richtung Oslo, leider war es zu kalt zum Baden.


    Wildcampen - endlich ..


    Uns fiel auf, dass wir ja nun schon zwei Wochen in Skandinavien waren und noc nie wild gecampt hatten. Also haben wir uns einen Platz mit königlichem Ausblick über Oslo gesucht:
    Zeltplatz - Aussicht - Die Vier Freunde - Lesekönig, wohin schaust Du? - Oslo.
    Oslo war weniger toll, einfach nichts besonderes. Das Wikingerschiffmuseum war okay, interessant war, dass einige Wochen später Mitarbeiter dieses Museum mit einem diesem Schiff nachgebauten Schiff erfolgreich in See gestochen sind.
    Im Park standen sehr interessante Figuren - und wer die fotografieren will, muss sich noch mehr verbiegen als die Figuren selbst.
    Später haben wir noch das Rathaus sowie die Feste über dem Hafen angesehen, zur Skisprungschanze sind wir leider nicht mehr gekommen.


    Nach Oslo wurde es nochmal richtig abenteuerlich (naja, so abenteuerlich es mit Auto, VISA und Handy halt werden kann ;)). Wir sind der Landstraße in Richtung Norden gefolgt, in der Hardangervidda, einen Nationalpark.


    Zum Thema Auto nochmal: Nicht nur südlich, auch nördlich Deutschlands fährt man angenehmer. Die Straßen sind oft Landstraßen mit einem Seitenstreifen, der so breit wie eine zusätzliche Spur ist. Auf dieser fahren dann LKWs, bzw. PKW machen darauf Platz, wenn man vorbei will. Sehr partnerschaftliches fahren, auch LKW geben Lichtsignale, wann man sie überholen kann.
    Bei der Einfahrt nach Norwegen ärgert man sich erstmal über die allgemeine beschränkung auf 80km/h - aber ganz ehrlich, so richtig viel schneller konnte man wirklich nirgends fahren. Dafür waren die Straßen zu kurvig und schmal - was aber ein sehr geiles Fahren war, man hatte immer was zu tun.
    So oft habe ich den 2ten und 3ten vorher nie hochgedreht, der 5te war dagegen fast überflüssig.


    Jemand hier?


    Der Hardangervidda liegt nahezu komplett oberhalb der Baumgrenze, mehr als flache, karge Felslandschaft ist kaum zu sehen. Genau das sorgt aber für den Reiz und die eigenartige Stimmung. Wer Nerven und einen guten Neoprenanzug hat, geht Kitesurfen.
    Hier haben wir uns auch über die schlechteste Straße aller Zeiten gequält, die noch dazu eine Mautstraße war - und nur, weil mein lieber Beifahrer keine Ahnung vom Kartenlesen hat. Das übrigens nicht nur in Skandinavien, sondern auch schon vorher - ich hab mich mehr als einmal gleichzeitig als Kartenleser als auch als Fahrer betätigt. Letztendlich musste er dann imer öfter fahren, weil ich ihm sagen musste, wo es lang ging..
    Nach besagter Sackgasse - die Mautstraße ging nämlich genau nirgendwohin - fanden wir den gesuchten Wasserfall dann doch noch, ein sehr beeindruckendes Naturereignis, weil bei weitem nicht so kommerzialisiert wie die Niagarafälle. Im Tal dieses Flusses ging die Straße weiter, unterbrochen von vielen Fjorden, die dann jeweils mit der Fähre überquert werden wollten.


    Zum Wildcampen war es dann doch etwas kalt. Zum Glück gab es auf allen Campingplätzen auch kleine Hütten, die richtig komfortabel waren: Richtiges eigenes Bad samt Dusche, Kochnische, Kühlschrank, Balkon - kein Campflair, dafür aber auch keine Erfrierungen.
    Ein Teil von uns ist von solch einer Hütte aus nach Bergen gefahren, wir waren lieber auf einem Gletscher. Die Straße hoch war ein Erlebnis für sich und eine Orgie für den zweiten Gang.
    Oben gab es richtiges blaues Eis mitsamt einem Skilift (leider nicht in Betrieb).
    Weiter unten, wo das Schmelzwasser verwertet wurde, gab es dann eine Sägemühle, die tatsächlich noch in Betrieb war und nur von Wasserkraft lebte.


    Von Bergen aus ging es stetig heimwärts, was leichter klingt, als es war: Die Straßen waren doch sehr verwinkelt, zudem musste man immer wieder Fjorde bezwingen. Dazu gab es entweder Fähren oder aber Tunnels. Diese Tunnels gingen 3km geradeaus mit 8% Steigung nach unten und dann wieder 3km mit der selben Steigung nach oben - da kann man nur hoffen, ganz unten keine Probleme mit dem Auto zu haben.
    Schön waren die Rasten, zum Lesen kam man sonst nur noch auf dem Schiff.


    Ganz kurz waren wir auch in Stavanger, die Barzeile am Hafen war zwar sehr reizvoll, wir mussten aber leider weiter. Schon in Stockholm hatten wir unsere Fähre gebucht, die uns wieder nach Dänemark bringen sollte.
    Unser letzter Campingplatz lag kurz hinter den Dünen und wollte von uns nicht gefunden werden - so schien es. Hier herrschte Dauerregen - tatsächlich war das nur die Gischt des Meeres. Am Strand konnte man die Schemen von Öltankern sehen, ein ganz seltsames Gefühl von Fernweh.


    Am nächsten Morgen brauchten wir dann doch noch die Hilfe des ADAC: Madame setzte Ihr Auto auf den einzigen Kanaldeckel weit und breit. Wir bauten und schaufelten eine Erhöhung für die Reifen - leider existiert kein Bild, das zeigt, wie die Reifen vor unserem Bauwerk in der Luft hingen.
    Der ADAC funktionierte tadellos und bald wurde der Wagen per Seilwinde befreit, Schaden war keiner enstanden.


    Das letzte Etappenziel im Ausland lag dann auch schon nahe dem Fährort (Kristianssand, IIRC). Dort haben wir uns ein Apartment in einem Apartmenthotel genommen - mit richtigen Zimmern und Wänden und Duschen und und und .. ;)
    Unterwegs hatten wir Krabben gekauft - fast ein ganzes Kilo für zwei! Festmahl pur.


    Am nächsten Tag wurden wir per Expressfähre zurück nach Dänemark verfrachtet - das Schiff war wirklich schnell, auch die Sitze erinnerten eher an einen Zug als an eine Schifffahrt. Nächster zwischenhalt war Hannover, wo wir über meinen Kumpel eine Schlafstätte bei Verwandten hatten.
    Madame Astra klagte aber auf der BAB über ein komisches Vibrieren. Also rausgefahren und erstmal eine Probefahrt auf dem Parkplatz veranstaltet. Irgendwas eierte da ganz gewaltig, der Luftdruck der Reifen stimmte aber. Also musste wieder der ADAC ran - zum 2ten Mal in drei Tagen.
    Der herr war zuerst etwas gereizt,als er das zugegebenermaßen stark beladene Auto sah, tippte auf die Stoßdämpfer und wollte ohne weiteren Kommentar wieder weg. Zur Probefahrt überredet, demontierte er dann doch einen Reifen und war anschließend sehr froh, dass wir nich einfach weitergefahren waren: Der Mantel hatte sich gelöst und der Reifen wäre demnächst geplatzt..


    Auf Reservereifen gings dann weiter nach Minden und am nächsten Tag nach Hause, wo wieder die eigenen Betten warteten.


    Letztendlich war das ganze absolut geil. Wir haben viel gesehen, viel gemacht, uns meistens gut vertragen, unsere Freundschaften sind alle noch intakt und besser als zuvor, in meinen Augen haben wir das beste aus der längsten freien Zeit des Lebens gemacht!


    Finanziell hielt sich das ganze in Grenzen, ich weiß jetzt zwar keine genauen zahlen mehr, schätze aber 500.- pro Woche - voll im Rahmen.


    Ich hoffe, ein paar haben das bis zum Ende duchgelesen und vielleicht konnte ich Euch auch Lust auf eine solche Tour machen. ;)

    Walking on water and developing software from a specification are easy if both are frozen.
    – Edward V Berard

  • Erstmal: Respekt, daß Ihr das durchgezogen habt und es so toll geklappt hat!
    Zweitens: Ihr seid zu beneiden!
    Es ist richtig, sowas dann durchzuziehen, wenn man es noch machen kann und man einfach noch anders drauf ist
    Drittens: ich wäre gerne nochmal sooo jung! :D
    Viertens: danke für den Bericht, der regelrecht Abentuerlust geweckt hat!


    :top:

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Zitat

    Original geschrieben von xoduz
    Ich hoffe, ein paar haben das bis zum Ende duchgelesen und vielleicht konnte ich Euch auch Lust auf eine solche Tour machen. ;)


    :top: Toller Bericht!


    Ich werde mit ein paar Freunden im Sommer 06 auch einen Bulli kaufen und wir wollen eine kleine Tour d´Europe machen um anschließend während der WM durch die deutschen Spielstädte zu touren. Da macht ein solcher Bericht gleich noch mehr Lust drauf! ;)

  • Wow klasse Bericht!
    Sowas ähnliches nur in etwas kleinerem Stil habe ich im MEGA Sommer 2003 mit zwei Freunden und nem alten Corsa A gemacht. War Gaudi pur. Wir sind nur nicht ganz soviel und nicht ganz so weit gefahren :)
    Sind nur durch Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und irgendwie wieder zurück ... Bis auf etwaige Navigationsprobleme hatten wir keine "größeren" Probleme :D
    Wird wohl ein unvergesslicher Urlaub bleiben, zumal es ganz spontan und ohne jegliche Planung war, da wir eigentlich mit einem Interrail-Ticket und Zug das ganze machen wollten. Nur nachdem dann reihenweise die Leute abgesprungen sind, haben wir uns für das etwas komfortablere Reisemittel Auto entschieden.

  • Toller Bericht, Oliver! Das Lesen hat richtig Spaß gemacht. :top:


    Erinnert auch mich an einige Touren, die ich vor vielen Jahren mit guten Freunden unternommen habe. Allerdings im wesentlich kleineren Stil - wir haben es nur bis nach Italien und Frankreich geschafft (was angesichts des Autos, das wir zur Verfügung hatten, schon ziemlich erstaunlich war).

  • Ich würde Südeuropa sausen lassen und lieber durch Skandinavien/Finnland ziehen. Wesentlich stressfreier, besonders mit einem vollen Buss. Das Jedermannsrecht ist ebenfalls sehr interessant da man wirklich fast überall halten kann.
    Der Hauptnachteil wären allerdings etwas höhere Lebenshaltungskosten.
    Dafür könnt ihr allerdings auch mal die Karre einfach stehen lassen ohne dass bei eurer Rückkehr alles ausgebaut wurde und habt noch klasse Sachen wie weisse Nächte wo die Sonne kaum untergeht.
    St. Petersburg würde ich sausen lassen, wäre mir zu stressig (ausser man hat immer genug 20-euro Scheine dabei für die Polizei, die alle 500 Meter was neues am Auto findet...)


    Wenn Ihr Tipps zu Finnland braucht, PN an mich.

  • Glückwunsch zu diesem sicherlich unvergesslichen Abenteuer und vielen Dank für den spannenden Bericht! Hat Spass gemacht alles zu lesen!

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!