Ich bin einmal Nürnberg-Dresden mit dem Fixbus gefahren, einfach nur schrecklich.
Der Bus kam pünktlich aus München an, nach Fahrscheinkontrolle durfte man einsteigen. Obwohl sich 2D-Barcodes auf den Fahrscheinen befinden wurde nur augenscheinlich kontrolliert. Fälschungen sind da bestimmt leicht möglich. Der Bus setze sich pünktlich in Bewegung, je ein Bildschirm in der ersten Reihe und am hinteren Eingang zeigten per Ultraweitwinkelkamera die Straße vor uns. Hinter den letzten Sitzreihen befand sich etwas zerknülltes Papier und eine Menge Brösel, ansonsten war der Sauberkeitszustand in Ordnung. Die Beinfreiheit ist gering, unter dem Niveau von Nahverkehrszügen. Die putzigen Klapptischchen sind wohl auch eher als eine Halterung für winzige Getränkebecher als zur Verwendung als Tisch gedacht.
Das ganze ist so eng, dass man mit einem 14"-Notebook nicht richtig arbeiten kann da man den Deckel nicht weit genug aufklappen kann.
Der Bus fuhr über die Regensburger Straße auf die Autobahn. Begrüßungsdurchsagen oder ähnlich es gab es keine. Am Aral Autohof Schnaittach stoppte der Bus. Der Fahrer verschwand nach kurzer Zeit im Shop und es kam ein neuer. Dieser stellte sich in gebrochenem Deutsch mit Vornamen vor, sagte man könne "das Internet benutzen", begrüßte auf der Fahrt nach Dresden über Chemnitz und wünschte eine gute Fahrt. Außerdem kam nun der Hinweis auf die Anschnallpflicht.
Nun schalteten die Bildschirme auf eine Navigations-Übersicht um inkl. vsl. Ankunftszeit, Entfernung zum Ziel usw. Aus der letzten Reihe kann man auf den Bildschirmen jedenfalls nicht mehr viel erkennnen.
Grund genug mal das beworbene WLAN unter die Lupe zu nehmen. Man gelangt auf eine mit Rechtschreibfehlern gespickte Begrüßungsseite und muss eine E-Mail-Adresse eingeben (muss offenbar keine existierende sein...). Danach konnte ich mit sagenhaften 0,05 MBit/s online gehen, wenn das Netz nicht ganz überlastet war. FlixBus verwendet angeblich stinknormale SIM-Karten für jedermann die nach Aufbrauch eines bestimmten Datenvolumens gedrosselt werden. Ich vermute mal stark, dass sich die Karten in der Drosselung auf 64 kBit/s befanden. FlixBus sperrt außerdem bestimmte Adressen wie z.B. Youtube komplett. Ob man dies per VPN umgehen konnte, weiß ich nicht, es kam keine VPN-Verbindung zustande was aber auch an der geringen Bandbreite gelegen haben könnte.
In Höhe Münchberg kam es zu einem Stau wegen eines brennenden Autos. Auf der Navi-Karte war schon längere Zeit ein dickes Warndreieck sichtbar. Eine Information des Fahrers erfolgte jedoch nicht. Alle Reisenden blieben ruhig sitzen, kein Raunen, kein Stöhnen, nichts.
Chemnitz erreichten wir 11 Minuten zu spät, es wurde nur der Halt und eine kurze Pause angekündigt. Normalerweise sollte der Bus 5 min stehen bleiben, die Zeit wurde jedoch auf 12 min ausgedehnt. Es gab keine Information warum es länger dauerte, keine Entschuldigung, nichts.
Dresden erreichten wir 12 min verspätet, auch hier keinerlei Ansagen.
Das Publikum (etwa 25-30 Leute jeden Alters) dachte gar nicht daran sich zu beschweren. Ich bin sicher, bei der Bahn wäre das anders gelaufen! Ein Stau kann passieren, aber die Überschreitung der Haltezeit in Chemnitz lag im Einflussbereich von FlixBus.
Das einzige was bei Bus und Bahn gleich ist: Die Reisenden stehen 10 min vor Ankunft im Gang...
Auch bei den Fahrgastrechten sind Busreisende schlechter gestellt. Erst ab 1,5 h Verspätung erhält man kostenlos Getränke, um eine finanzielle Entschädigung zu erhalten müssen es sogar mehr als 2 h sein. Ein klarer Vorteil der Bahn.
Zum Preissystem: Als ich mich vor rund 4 Wochen für die Verbindung interessierte kostete die Fahrt 12 Euro, vor drei Wochen wurde auf 16 Euro erhöht was mich dann zur Buchung brachte ("Angst" vor weiteren Preiserhöhungen), da man ab 15 Euro über qipu.de 3 Euro zurückbekommt, war es für mich effektiv nur eine Steigerung um einen Euro. Doch der Preis stieg nicht sondern sank wieder auf 12 Euro, am Freitag wurden dazu noch Gutscheine über 5 Euro rausgehauen.
Man hätte also für 7 Euro fahren können. Eine Rückfahrt am Sonntag wäre schon deutlich teurer gewesen, ohne Gutscheine wären 23 bzw. 26 Euro fällig gewesen.
Bei der Bahn sind mit Preissenkungen bei Sparpreisen nicht bekannt, wer früh bucht bezahlt auch weniger.
Zum Thema Internetzugang: Der war für mich eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für den Bus, insbesondere da Autobahnen oft deutlich besser durch Mobilfunknetze versorgt sind als Bahnstrecken. Zwischen Dresden und Hof überraschte allerdings die Bahn, in weiten Teilen LTE im Telekom-Netz. Nur Hof-Schwandorf ist katastrophal was dies angeht; meist gar kein Netz.
Auf ein Feedback hin wiegelte man bezüglich des WLAN mit den Argumenten der Netzabdeckung und -auslastung ab. Zur Verspätung meinte man lapidar, die Fahrer benötigen "oftmals eine kurze Ruhepause" und die Verspätung sei "in Anbetracht der langen Strecke und Anfälligkeit für Verspätungen durchaus akzeptabel".
Verstehe... die Pläne sind anscheinend so eng gestrickt, dass man eine Verspätung ausbauen muss um die Ruhepausen einzuhalten und Verspätung ist halt einfach normal.
Ich war echt vor, den Rückweg mit der Bahn antreten zu können.
Achja: Die Fahrgastrechte sind auch geradezu lächerlich. Erst bei mindestens 120 Minuten Verspätung bekommt man überhaupt eine Entschädigung in Form einer Fahrpreiserstattung. Ab 90 Minuten bekommt man dann etwas zu Essen/Trinken, allerdings auch nur dann, wenn die geplante Fahrzeit über drei Stunden liegt. Bei der Eisenbahn ist man da doch deutlich besser aufgestellt. Ab 60 Minuten gibt es 25% des FAhrpreises zurück und Gratisgetränke, unabhängig von der geplanten Fahrzeit.