Vivendi hat jetzt erstmal die Telekom in den USA verklagt. Das hat aber auf die Anteile keinen direkten Einfluss, da ein amerikanisches Gericht nicht das polnische Handelsregister ändern kann.
Die ursprüngliche Sache liegt zur Zeit beim obersten Gerichtshof Polens. Nach dessen Entscheidung wissen wir mehr.
Hintergrund des ganzen Theaters ist auch, dass erst seit 01.01.2001 ein ausländisches Unternehmen die Mehrheit an einem polnischen Telekommunikationsanbieter halten darf.
Vivendi und Telekom haben jeweils mit unterschiedlichen Tricks versucht, das zu umgehen.
Elektrim hatte die Telekom auch mal wegen Verletzung des Vorkaufsrechts verklagt, ist damit aber eingegangen, weil es Telekom cleverer angestellt hat. Telekom hat einfach die Firma gekauft, die die Anteile hält (MediaOne B.V.) während Elektrim die Anteile auf eine Tochter übertragen hat und Anteile an dieser dann veräussert hat. Hätte Vivendi Anteile direkt an Elektrim erworben, hätte die Telekom nichts machen können.
Jetzt versuchen die Franzosen eben diesen Fehler wieder auszubügeln. Damals hatten sie mit Elektrim eine Vereinbarung, dass Elketrim alle Schäden übernimmt, wenn der Anteilserwerb durch die gemeinsame Tochter von Elektrim und Vivendi nicht klappt. Aber dieser Anspruch nutzt nichts, da Elektrim insolvent ist.
In den USA wird Vivendi wohl eher auf die Nase fallen. Aber die Telekom hat einen befreundeten polnischen Geschäftsmann die Drecksarbeit machen lassen: Der versilbert alles Werthaltige und lässt Elektrim dann insolvent werden. Das könnte für die Telekom ins Auge gehen, da es auch nach polnischem Konkursrecht nicht zulässig ist, einen Gläubiger zu bevorzugen. Im Falle einer Insolvenz stehen sich eben die Investitionsrückzahlungsforderung von Vivendi und der Anspruch der Telekom auf die Anteile aus dem Vorkaufsrecht gleichrangig gegenüber. Deshalb wird Telekom die Anteile auch nicht zum Buchwert bekommen (ca. 600 Mio. Euro), sondern sie werden den Marktwert bezahlen müssen, bzw. mindestens so viel, dass alle Gläubiger von Elektrim befriedigt werden. Das kann leicht 3,2 Milliarden Euro erreichen - aber es geht ja gar nicht ums Geld, es geht um die Anteile, da Era GSM ziemlich brummt. Hätte Telekom damals einfach statt 1,3 Mill. Euro 2 Mill. Euro auf den Tisch des Hauses gelegt, dann wäre das Theater längst vorbei.