Zitat
Original geschrieben von Butterfly
Was ich nicht verstehe:
Warum sind viele Ausländer, die in Deutschland wohnen und leben, offensichtlich nicht bereit, die deutsche Sprache zu lernen?
Weil es, so absurd sich das Ganze anhört, in vielen Fällen "nicht nötig" ist.
Durch die hier schon teilweise angesprochene Ghetto-Bildung (ein Stadtbezirk mit steigendem Ausländer-Anteil wird von immer mehr Deutschen verlassen, was dazu führt, daß nahezu der gesamte Bezirk nach einer gewissen Zeit nur noch von "Nicht-Deutschen" bewohnt wird) bilden sich praktisch vollständige ausländische Gesellschaftsstrukturen. Mit anderen Worten (um das Ganze mal am Beispiel der Türken zu veranschaulichen): Es bildet sich sozusagen eine kleine türkische Gesellschaft, die sich gegenüber der sie umgebenden deutschen Gesellschaft nahezu komplett abschottet. Hier gibt es dann türkische Fahrschulen, türkische Kindertagesstätten, und auch sonst praktisch alles, was man für das tägliche Leben so braucht. Sollte man dann doch mal in die Verlegenheit geraten, seinen Bezirk verlassen und mit Deutschen in Kontakt treten zu müssen, wie es beispielsweise bei dem Besuch von Ämtern der Fall ist, werden meist Deutsch sprechende Türken als Begleitung herangezogen, die als Dolmetscher fungieren. Man kann also als Erwachsener ohne größere Probleme in Deutschland leben, ohne jemals ein Wort Deutsch sprechen zu müssen - wenn man in den "richtigen" Bezirk zieht.
Das hat dann natürlich mit der viel beschworenen Integration nicht mehr das Geringste zu tun, stellt aber für diese Menschen eigentlich kein Problem dar - bis deren Kinder in die Schule müssen, wo sie zwangsläufig zu ersten Mal in ihrem Leben mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen. Das führt zu einer Art Kettenreaktion, denn diese Kinder haben natürlich in der Schule keine Chance, was bedeutet, daß sie extrem schlechte Aussichten haben, überhaupt einen Abschluß zu erreichen. Sprachkurse werden zwar häufig angeboten, von vielen Familien aber abgelehnt, da sie nicht selten für unnötig gehalten werden (schließlich haben sie in ihrem Viertel Zugriff auf vielerlei türkische Einrichtungen); und dies führt dann dazu, daß diese Kinder praktisch von der Geburt an alleine aufgrund der sie umgebenden Gesellschaft zur Sozialhilfe verdammt sind.
Um es kurz zusammen zu fassen: Menschen sind einfach sehr bequeme Lebewesen, und wenn es für das tägliche Leben nicht nötig ist, sieht man eben nicht unbedingt die Notwendigkeit, die Sprache des Landes zu lernen, in dem man lebt.