Beiträge von Erik Meijer

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    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Ein anderer fällt mir nicht ein. Das Problem liegt in der Methodik, die in der Branche üblich ist - hier geht es knallhart um Profit, alles andere ist längst egal. Das ist sicher, zum Teil, legitim, aber nicht in dieser perversen Form.


    volle Zustimmung. Einen Königsweg habe ich auch nicht. Aber mit der Beweislastumkehr löst Du kein einziges Problem von denen, die in Deinen verlinkten Artikeln stehen. Nur wegen der Beweislastumkehr werden die Berater nicht auf einmal weniger unter Druck gesetzt, müssen weniger Zahlenvorgaben erfüllen etc. pp.


    Und man muß sich auch mal klarmachen, dass es diese Fälle natürlich gibt, keine Frage. Ich kenne die auch hausintern und Chefs unter denen ich lieber nicht arbeiten würde. Aber ich kenne eben auch gegenteilige Kollegen. Ich habe das Glück, dass mein Chef z.B. ein solcher ist, unter dem das Arbeiten eben keine Qual ist, der einen nicht zum Rapport einbestellt, der einen nicht fertig macht, wenn mal etwas schlechter gelaufen ist als die Vorgaben waren, sondern wo dann gemeinsam sachlich überlegt wird, was man tun kann, woran es gelegen hat etc. - die Medien suggerieren natürlich, es gebe nur das böse schlechte. Das stimmt aber einfach nicht. Es lässt sich nur besser verkaufen (!) - auch Medien müssen Geld verdienen... Wen interessiert schon, wenn es irgendwo normal läuft. Das liest kein Mensch. Das soll die anderen Zustände nicht schönreden, die gibt es leider auch und viel zu oft und sind ein Teil des Problemes, ja. Aber s.o. - das änderst Du nicht durch Beweislastumkehr.


    Mit der ich nach wie vor aus prinzipiellen Gründen ein großes Problem habe. Aus gutem Grund herrscht in Deutschland das Prinzip der Unschuldsvermutung. So wie es natürlich immer wieder Straftäter geben wird, die aus Mangel an Beweisen nicht verurteilt werden, obwohl man im Prinzip genau weiß, dass sie es waren, so sage ich offen gestanden, dass man das auch im Bankwesen in Kauf nehmen muß. Ja, es ist zum Kotzen, wenn so etwas vorkommt, keine Frage. Aber die Beweislast umzukehren bedeutet, die Unschuldsvermutung aufzuheben und alle unter Generalverdacht zu stellen. Ich kenne einen Fall, in dem ein Bekannter der Pädophilie bezichtigt wurde. Da war nichts, aber auch gar nichts dran. Und trotzdem blieb etwas an ihm hängen. Wenn ich die Unschuldsvermutung und Beweislast umkehre, dann fordere ich doch geradezu das Denunziantentum und wilde Beschuldigen heraus. Nein, das kann nicht die Lösung sein. Beraterhaftung hingegen kann ich mir sehr gut vorstellen. Falschberatung muß Konsequenzen haben können.


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    Der Kunde wird oft nicht verstehen was da getan wird bzw. protokolliert wurde, speziell die AD-Kunden. Deshalb ändert ein Protokoll wenig. Eine Videoaufnahme der gesamten Beratung wäre etwas anderes... :)


    Das witzige ist - den Begriff "AD-Kunden" habe ich erst durch die Medien nach 13 Jahren Bank das erste Mal gehört...soviel dazu...und wenn ich etwas nicht verstehe, sorry, da muß ich dann auch an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren, dann unterschreibe ich etwas auch nicht. Auch der Kunde steht in der Verantwortung.


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    Beidem stimme ich zu. Nur: Auch mit solchen Anreizmodellen wird es weiter grade internationalen Druck geben. Druck, weiter zu wachsen und Umsatz als auch Gewinn zu pushen (wie oben gesagt - zum Teil legitim). Die Dividenden müssen ja steigen und Fusionen finanziert werden (und ja, ich weiß wie sich das jetzt anhört, aber falsch ist es deswegen nicht ;) ).


    Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Einzelne, nationale Lösungen werden die Probleme zukünftig nicht verhindern können.


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    Ohne Reglementierung i.F.v. Höchstgrenzen wird es sicher weiter Lücken geben


    Absolute Zustimmung. Wenn die Produktivität nur deswegen sinkt, weil ich nicht grenzenlos exorbitant verdienen kann, dann sollte ich mal gepflegt meine eigene Einstellung zum Thema Arbeit überprüfen. Boni ja, gute Leistung soll belohnt werden, es braucht Anreize. Aber grenzenlos? Nein.

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    Original geschrieben von oleR
    Da blieb "alles friedlich" (O-Ton Polizei).


    Dann versteh ich das Vorgehen der Sicherheitskräfte in der Tat nicht. Wären die Studenten bei mir aufgekreuzt hätte ich sie mit Hinweis auf das Hausrecht vermutlich nach einiger Zeit vor die Tür gebeten, aber im Zweifel auch gewähren lassen, solange nichts beschädigt wird.


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    Sorry, aber um mal ehrlich zu sein: Meinst du, man sollte ernsthaft solche Menschen weiter in einer Bank arbeiten lassen?


    Ja.


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    Sie bekommen Angstzustände, wenn 10-50 Studenten in "Bildungsstreik"-T-Shirts mit einer Wasserpistole in ihre Filiale kommen und politische Forderungen skandieren. Vielleicht noch Zettel an die anwesenden Kunden verteilen. Nachdem das Tage vorher angekündigt war und die Polizei sicherlich auch in Berlin schon im Vorfeld mehrere Hundertschaften auf Trab brachte, die die Banken vor etwa gleichviel Studenten schützen sollten. Verstehe ich das richtig? Eine Situation, die wohl nur entfernt mit dem erlebten Überfall zu tun hat.


    Ich weiß eben nicht, WIE sie reagieren. Aber man muss es ja auch nicht herausfordern. Ich weiß nur, wie ich reagiert habe, als ein sog. "Spaßvogel" mal die Tür aufgerissen hat, "Hände hoch Überfall" gebrüllt hat und dann weitergelaufen ist. Der hatte keine Wasserpistole, der war noch nicht mal IN der Filiale und mir ging trotzdem der Arsch auf Grundeis. Im Nachhinein ärger ich mich, dass ich den Alarmknopf nicht durchgedrückt hatte, der Finger war dran...ich hab selten einen Menschen so zusammengestaucht wie den...(bin ihm nachgesetzt). Passiert war aber doch eigentlich nichts...


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    Was machen sie, wenn sie ein zweites Mal "richtig" überfallen werden? Ohne Ankündigung, ohne Massen an Polizei in der Nähe, mit Gewalt. Ist das nicht ein regelrechtes "Verheizen" dieser Mitarbeiter?


    Vielleicht reagieren Sie souveräner, vielleicht aber eben auch nicht. Ich finde nur, man muß es nicht unnötig herausfordern udn sich schlicht mal Gedanken um das machen, was man da tut. Reinkommen, Flugblätter verteilen etc. - kein Ding. Aber Sturmhauben, Wasserpistolen etc. gehen zu weit - und wie ich von Kollegen informiert bin, sind da auch welche vermummt in eine Bank...grandios...

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    Original geschrieben von polli
    Zum Thema "Beweislast" @ Erik Meijer:
    ich versuche seit geraumer Zeit jemanden zu finden der mich seriös in Sachen Altersvorsorge und Geldanlagen berät - ich finde niemanden! Beispiel: Meine Hausbank wollte mir im Beratungsgespräch meine "Versorgungslücke" aufzeigen und hantiert jedesmal mit abstrußen Zahlen (oder sehe ich das falsch das es keinen Sinn mach als Grundlage der Versorgungslücke mein derzeitiges Nettoeinkommen zu verwenden wenn von diesem größere Beträge in Richtung Altervorsorge abgehen? - Ich habe das Geld jetzt nicht zur Verfügung da ich es sparen möchte, weshalb soll es mir fehlen wenn ich in Rente gehe?)


    ich weiß zwar nicht, was das mit Beweislast zu tun hat, aber bitte...Du wirst im Alter im Normalfall nicht Dein jetziges Netto zur Verfügung haben, sondern deutlich weniger. Da ist die erste Lücke...und davon gehört dann natürlich abgezogen, was Du bereits fürs Alter macht, d.h. die Lücke wird kleiner, klar, das darf nicht unter den Tisch fallen. Aber man kann durchaus mal erst vom Netto ausgehen und klarmachen, was man wohl im Alter netto hat (ohne eigenes dazutun). Das ist der Ausgangspunkt. Was daran ist falsch?


    autares: nachhaltig ja. Flexibel ja, wenn es bedeutet, dass eine Partizipation in guten wie in schlechten Jahren möglich ist. Aber warum ohne Begrenzung?

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    Original geschrieben von oleR
    Aber doch bitte nicht mit einem Banküberfall.


    Schwer bewaffnet mit einer Wasserpistole drangen sie in die Bank ein. Über 10 Minuten blockierten sie die Filiale und nahmen die draußen wartenden Kunden als Geiseln. Die konnten ihre Überweisungsträger nicht einwerfen und auch der Geldautomat war nicht zugänglich. Vom Filialleiter wollten die Studenten unter vorgehaltener Wasserpistole eine Unterschrift unter ein Bildungs-Rettungspaket. Was erdreisteten die sich. Gottseidank rückte umgehend die Polizei mit mehreren Mannschaftswagen an und räumte unter Einsatz von etwas Pfefferspray die Bank. Diesen Gewalttätern haben sie es gezeigt.


    Ich weiß nicht genau, was in Hamburg gelaufen ist. In Berlin hat es Farbbeutelwürfe und andere Sachbeschädigungen gegeben. Und da ist dann definitiv eine Grenze überschritten. Was soll das bringen? Aufmerksamkeit? Damit erreichen Sie nur das Gegenteil, ebenso mit Rektoratsbesetzungen und diversen Sachbeschädigungen, leider sind die Proteste an einigen Ecken eben nicht friedlich gelaufen.


    Ebenso bei der Wasserpistole ist eine Grenze überschritten - so lächerlich es auf den ersten Blick klingen mag, wenn Du einmal einen Banküberfall durchgemacht hast, dann willst Du noch nicht mal mehr daran erinnert werden. Auch nicht so. Aber leider kommen bei solchen Aktionen die Erinnerungen direkt wieder hoch. Ich weiß, was hier los war (wir waren letztes Jahr Opfer eines "klassischen" Überfalls), als ich die Mail bekam, dass uns da möglicherweise etwas bevorstehen könnte. Ich bin heilfroh, dass meine Kassiererin, die am stärksten betroffen war, im Urlaub weilt...

    kann ich schwer bewerten, weil ich mich damit nicht beschäftigt habe. Wenn sie aber umgekehrt wird finde ich das dennoch nach wie vor bedenklich, nein falsch. ich verstehe den Hintergrund dafür voll und ganz. Und es sind in jeder Bank und Sparkasse Kunden falsch beraten worden. Kein Zweifel. Und es müssen Änderungen her. Aber die Unschuldsvermutung ist für mich in jedwedem Bereich ein ganz hehres Gut. So stellt man pauschal einen kompletten Berufsstand unter Verdacht. Ich werde damit automatisch kriminalisiert. Ja, auch ich persönlich. Ich muss nachweisen, dass ich alles richtig gemacht habe. Jeder kann mich anschwärzen, ob begründet oder nicht und ich kann dann sehen, wie ich aus der Nummer herauskomme. Ich bin so selbstbewusst und sage, dass ich das schaffe. Dennoch kann das nicht der richtige Weg sein.


    Verjährungsfrist finde ich durchaus wichtig. Auch Beratungsprotokolle. Die müssten m.E. von Seiten des Beraters und des Kunden unterschrieben werden. Vorher darf kein Geschäftsabschluss zu Stande kommen.


    Wenn man Falschberatungen verhindern will, dann muss man die Vergütungsmodelle verändern und zwar von ganz oben angefangen. Der Druck, der jeweils nach unten weitergegeben wird, muss geringer werden. Die Anreize, falsch zu beraten, müssen verschwinden. Das ist noch wichtiger als Protokolle und Beweislastumkehr. Beraterhaftung wäre ein Thema, was für mich ebenfalls zu diskutieren wäre.

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    Original geschrieben von DJ Wisdom
    - - Beweislast umkehren (Banken müssen beweisen das sie korrekt beraten haben, nicht umgekehrt)


    bei allen anderen Punkten volle Zustimmung. Hier nicht. Nicht, weil ich persönlich Angst davor hätte, nein, das nicht, da habe ich schon ein entsprechend "reines Gewissen". Sondern aus Prinzip. Denn damit wird die Unschuldsvermutung umgekehrt. Das kann und darf in einem Rechtsstaat niemals passieren. Egal bei welchem Thema.

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    Original geschrieben von aerox99
    Ich denke, dass die Flugüberwachung ausreichend ist und es Terroristen schwer fällt, eine Boing etc. in ein AKW zu fliegen.


    Mag sein, dass Hochhäuser einfacher zu treffen sind, aber ins Pentagon haben sie es ja auch geschafft...man muss sich einfach klar machen, dass es absolute Sicherheit schlichtweg nicht gibt. Man wird Terror nie ganz verhindern können. Wenn man allerdings die Aktivisten hätte verhindern wollen, hätte man das sicherlich geschafft.

    Fehler eingestehen, Änderungen an bestehenden Gesetzen vornehmen etc. pp. - einfach so weitermachen wie bisher kann nicht funktionieren. Aber das erschreckende is, genau danach sieht es aus...wenn ich damit nicht die radikalen Parteien links wie rechts stärken würde, würde ich mir den Gang zur Wahlurne dieses Jahr auch schenken. Es kotzt mich nur noch an.

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    Original geschrieben von laudanum
    Mir geht es speziell um einen Zeitungsartikel, ich werde heute Nachmittag mal die Reporterin anrufen und nachfragen, ob sie etwas darüber schreiben, in einer Kleinstadt ist das vielleicht schon wichtig genug für den Lokalteil.


    Ist ja nicht verboten. Das Ehepaar taucht nicht mit Namen in dem Artikel auf und es entspricht ja den Tatsachen. Ich geh aber davon aus, dass die Anzeige ohne Adresse war oder? Denn sonst würde sich der potentielle Täterkreis natürlich deutlich erweitern. Aber so klingt das recht eindeutig.