ZitatOriginal geschrieben von DJ Wisdom
Ein anderer fällt mir nicht ein. Das Problem liegt in der Methodik, die in der Branche üblich ist - hier geht es knallhart um Profit, alles andere ist längst egal. Das ist sicher, zum Teil, legitim, aber nicht in dieser perversen Form.
volle Zustimmung. Einen Königsweg habe ich auch nicht. Aber mit der Beweislastumkehr löst Du kein einziges Problem von denen, die in Deinen verlinkten Artikeln stehen. Nur wegen der Beweislastumkehr werden die Berater nicht auf einmal weniger unter Druck gesetzt, müssen weniger Zahlenvorgaben erfüllen etc. pp.
Und man muß sich auch mal klarmachen, dass es diese Fälle natürlich gibt, keine Frage. Ich kenne die auch hausintern und Chefs unter denen ich lieber nicht arbeiten würde. Aber ich kenne eben auch gegenteilige Kollegen. Ich habe das Glück, dass mein Chef z.B. ein solcher ist, unter dem das Arbeiten eben keine Qual ist, der einen nicht zum Rapport einbestellt, der einen nicht fertig macht, wenn mal etwas schlechter gelaufen ist als die Vorgaben waren, sondern wo dann gemeinsam sachlich überlegt wird, was man tun kann, woran es gelegen hat etc. - die Medien suggerieren natürlich, es gebe nur das böse schlechte. Das stimmt aber einfach nicht. Es lässt sich nur besser verkaufen (!) - auch Medien müssen Geld verdienen... Wen interessiert schon, wenn es irgendwo normal läuft. Das liest kein Mensch. Das soll die anderen Zustände nicht schönreden, die gibt es leider auch und viel zu oft und sind ein Teil des Problemes, ja. Aber s.o. - das änderst Du nicht durch Beweislastumkehr.
Mit der ich nach wie vor aus prinzipiellen Gründen ein großes Problem habe. Aus gutem Grund herrscht in Deutschland das Prinzip der Unschuldsvermutung. So wie es natürlich immer wieder Straftäter geben wird, die aus Mangel an Beweisen nicht verurteilt werden, obwohl man im Prinzip genau weiß, dass sie es waren, so sage ich offen gestanden, dass man das auch im Bankwesen in Kauf nehmen muß. Ja, es ist zum Kotzen, wenn so etwas vorkommt, keine Frage. Aber die Beweislast umzukehren bedeutet, die Unschuldsvermutung aufzuheben und alle unter Generalverdacht zu stellen. Ich kenne einen Fall, in dem ein Bekannter der Pädophilie bezichtigt wurde. Da war nichts, aber auch gar nichts dran. Und trotzdem blieb etwas an ihm hängen. Wenn ich die Unschuldsvermutung und Beweislast umkehre, dann fordere ich doch geradezu das Denunziantentum und wilde Beschuldigen heraus. Nein, das kann nicht die Lösung sein. Beraterhaftung hingegen kann ich mir sehr gut vorstellen. Falschberatung muß Konsequenzen haben können.
ZitatDer Kunde wird oft nicht verstehen was da getan wird bzw. protokolliert wurde, speziell die AD-Kunden. Deshalb ändert ein Protokoll wenig. Eine Videoaufnahme der gesamten Beratung wäre etwas anderes...
Das witzige ist - den Begriff "AD-Kunden" habe ich erst durch die Medien nach 13 Jahren Bank das erste Mal gehört...soviel dazu...und wenn ich etwas nicht verstehe, sorry, da muß ich dann auch an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren, dann unterschreibe ich etwas auch nicht. Auch der Kunde steht in der Verantwortung.
ZitatBeidem stimme ich zu. Nur: Auch mit solchen Anreizmodellen wird es weiter grade internationalen Druck geben. Druck, weiter zu wachsen und Umsatz als auch Gewinn zu pushen (wie oben gesagt - zum Teil legitim). Die Dividenden müssen ja steigen und Fusionen finanziert werden (und ja, ich weiß wie sich das jetzt anhört, aber falsch ist es deswegen nicht
).
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Einzelne, nationale Lösungen werden die Probleme zukünftig nicht verhindern können.
ZitatOhne Reglementierung i.F.v. Höchstgrenzen wird es sicher weiter Lücken geben
Absolute Zustimmung. Wenn die Produktivität nur deswegen sinkt, weil ich nicht grenzenlos exorbitant verdienen kann, dann sollte ich mal gepflegt meine eigene Einstellung zum Thema Arbeit überprüfen. Boni ja, gute Leistung soll belohnt werden, es braucht Anreize. Aber grenzenlos? Nein.