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Original geschrieben von Printus
Ich will damit nicht angeben, es geht nur darum klar zu machen dass es funktioniert, nur setzt das eben voraus dass man den Kunden als Partner sieht, der genau wie man selber ein faires Geschäft machen möchte. Wenn man den Leuten natürlich möglichst umsatzstarke Produkte aufschwatzt, funktioniert das nicht weil es auf die Dauer genauso bemerkt wird wie sich langfristig besonders guter Service eben auch herum spricht.
Da befinden wir uns absolut auf einer Wellenlänge.
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Sicher kann man jetzt sagen "Wer so blöd ist dass er etwas unterschreibt, das er nicht verstanden hat, ist selber schuld." Nur: wer hat Zeit und macht es wirklich, dass er seitenlange juristische Texte und AGB's und Fußnoten erstmal durchliest und versteht? Was machst du wenn dir Klauseln nicht gefallen - unvermeidlich bei seitenlangen Texten? So käme man nie zu einem Vertrag.
Und vor allem: Wer als auf Kunden angewiesener Dienstleister die Einstellung hat "Dann ist der Kunde selber schuld" hat etwas Wesentliches nicht begriffen: dass es völlig wurscht ist wer "schuld ist", entscheidend ist dass man einen unzufriedenen Kunden verliert und selber darunter leidet, denn dieser Kunde wird die Schuld immer beim Anbieter suchen, nicht bei sich selbst. Insofern muss mein Interesse als Anbieter sein nicht die Schuldfrage zu klären, sondern für einen zufriedenen Kunden zu sorgen.
Im Bankgewerbe hast Du des öfteren auch die Schuldfrage zu klären, insbesondere, wenn die Kurse fallen. Wenn es steigt, ist immer alles schön, wenn Kurse fallen, dann sind auf einmal die Kunden alle nicht aufgeklärt worden und keiner will je das Wort Risiko gehört haben. Mir geht es nicht darum, dem Kunden alle Schuld zuzuschieben. Mir ist auch eher das Wort "Verantwortung" lieber. Natürlich muss ich für zufriedende Kunden sorgen und mit einer Sternchen-Politik wird mir das schwerfallen. Ich bin heilfroh, dass in unserer Bank Sternchen so gut wie keine Rolle spielen im Vergleich mit anderen, auch wenn das dazu führt, dass wir nicht immer vorne in Vergleichslisten stehen. Dennoch: auch ein Kunde hat Verantwortung. Niemand wird zu etwas gezwungen. Ich habe heute noch wieder eine Kundin gehabt, die einen Bauparvertrag abgeschlossen hat. Die hat nicht mal geguckt, ob ihre persönlichen Daten stimmen. Die hat nur gefragt, wo sie unterschreiben muss. Da hätte ich auch eine Unfallversicherung, einen Wäschetrocknerkaufvertrag oder einen beleidigenden Brief an die Bundeskanzlerin hinlegen können. Ich gestehe, ich lese auch nicht immer alle AGB. Aber wenn dann da was drin ist, was ich verpennt habe: ich hatte die Chance, sie zu lesen...für unser Geschäft ist das schön, wenn die Leute uns so vertrauen, aber ich bin schon manchmal erschrocken, wie schnell da Verträge unterschrieben werden. Bedienungsanleitungen vom Videorecorder werden wochenlang studiert. Finanzangelegenheiten regelt man manchmal in drei Minuten. Nein, frei von Verantwortung ist ein Kunde nicht.
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Ich sage ja nicht dass Kunden keine Marktmacht hätten. Aber das bezieht sich eher auf das große Ganze, das Gesamtsystem. Da regulieren Angebot und Nachfrage, also Kunden und Anbieter, zusammen das Geschehen am Markt.
Im Kleinen, als Einzelner, muss ich aber das vorhandene Angebot nutzen und kann mit meiner persönlichen Nachfrage nicht ad hoc das umsetzen, was ich im Moment gerade haben will.
Oder Du musst erstmal verzichten, wenn es nicht das gibt, was ich haben will. Ich suche auch ein gebrauchtes Auto mit bestimmter Ausstattung, was ich aber derzeit in keinem der Internetportale finde bzw. nicht zu einem Preis, den ich bezahlen möchte. Deswegen kaufe ich aber nicht irgendein anderes.
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Wenn Mobilfunkbetreiber sich ebenso alle gleich aufführen und mit diversen Fußnoten arbeiten - weil sie selber davon mehr profitieren als würden sie einfach verständliche Tarife anbieten - können Kunden kaum etwas dagegen ausrichten weil es keine bessere Alternative gibt.
Ich glaube, die Einführung von Dingen wie Base und co. ist schon eine Reaktion darauf, dass der Kunde einfachere, verständlichere Tarife will. Da tut sich durchaus was.