Das Problem "Sitzen bleiben" kann nicht unabhängig der ganzen anderen Probleme im Schulsystem diskutiert werden.
Vorne weg, Ja, ich bin dafür das "Sitzen bleiben" abzuschaffen.
Aber auch dafür, die Gliederung in Grund-, Haupt, Realschule sowie Gymnasium aufzugeben.
Die ersten vier Jahre sollte gänzlich im Klassenverbund unterrichtet werden, zumindest morgens, bei Bedarf Nachmittags ein Angebot geschaffen werden, indem Defizite einzelner, ggf auch spielerisch, aufgearbeitet werden. Hat jemand Probleme in Mathe,geht er in den Kochkurs und lernt Eier mit praxisbezug abzuzählen. Kinder die ein sprachliches Defizit haben nehmen an einer "Märchenstunde"(nicht wörtlich nehmen) teil.
Ab Klasse fünf wird nur noch ein Rahmen im Klassenverbund Unterrichtet. Sport, Religion/Ethik, Sozialkunde / Gesellschafts- und Arbeitslehre. Zuzüglich min. 4 Stunden (Zeitstunden) die die Klasse mit Ihrem Klassenlehrer an frei zuwählenden Projekten arbeitet. Kernfächer wie Mathe, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften werden in Leistungskurse aufgeteilt. Und da kann es dann auch mal vorkommen, dass ein wenig begabter 9. Klässler neben einem hochbegabten 7. Klässler sitzt. Ein dritter Block müßten freie Angebote wie weitere Sprachen usw darstellen.
Zugegeben, die Blockgestaltung kommt teilweise aus dem Land der unbegrenten Möglichkeiten. Vielleicht ist ja doch nicht alles schlecht dadrüben.
Das Problem ist nur, ist die Politik müßte bereit sein diese Umgestaltung zu fördern, die gehobene Gesellschaft die Elite mit einzubringen, und die Lehrerschaft dazu nicht mehr in bequemen Klassenverbänden sondern wesentlich flexibler am Lehrinhalt zu arbeiten (wesentlich aufwändigere Organisation) !
So kann jeder Einzelne innerhalb einer Gesellschaftsform (der Klasse) seine eigenen Talente für sich am besten fördern, ohne der Gesellchaft eine Last zu sein, sondern diese bereichern.
Eigentlich müßte ich ja für das "Sitzen bleiben" sein. Ich oute mich mal als Sitzenbleiber, und geschadet hat es mir wahrscheinlich auch nicht sehr.
Zitat" Von euch sehe ich am Ende dieser Schule noch die Hälfte in meiner Klasse", könnte jedoch ein Indiez für ein Quotensitzenbleiber darstellen. Nach meiner Ehrenrunde wurde zumindest die Note 1+* teilweise in manchen Fächern von meinem neuen Klassenleher eingeführt. Um den Notendurchschnitt durch Herausnahme einzelner Leistungen etwas gefälliger gestalten zu können. Und dennoch bin ich für ein Blockunterricht. Denn dann wäre ich mit meiner alten Klasse rahmentlich zusammengeblieben sowie soziale Strukturen erhalten geblieben. Aber Mr. "von euch sehe ich am Ende dieser Schule noch die Hälfte in meiner Klasse" hätte ich wo es nur geht gemieden.
Anderes Beispiel: " Meine Grundschullehrerin hatte Ihr Handwerk wohl zwischen 1939 und 1945 gelernt. Zusätzlich mit einer konservativen kirchlichen Ausbildung." Ihre Hauptaufgabe bestand darin für eine nahegelegene Förderschule Schüler und Schülerinnen zu rekrutieren. Ihr bestes Klientel waren Kinder aus sozial schwachen Familien, meist mit mehr als 3 Kinder. Heute wären es wohl Kinder mit Migrationshintergrund. Diese Kinder, die eine Förderung dringend notwenig gehabt hättem, hatten praktisch keine Chance. Dafür wurden "Ihre Lieblinge" aus gesitteten Umfeld umso mehr gefördert, und waren sie noch so "untalentiert", denn sie hatten das Glück in ihrer Flötengruppe spielen zu dürfen. Gott habe sie seelig, auch wenn sie wahrscheinlich unzählige Biographien auf ihrem Gewissen hat.
Was ich damit sagen will. es kommt nicht nur auf die Schüler an, sondern auch auf die Lehrer bzw. dem System und Stil. Wobei ich auch verstehen kann, dass die Lehrer bei politischen Unwillen schnell mal verzweifeln können.
Siemensanier