Original geschrieben von schmidt3
Wie von amikaro80 ja bereits angemerkt, wird derartigen Fragestellungen tatsächlich eher in engstirnigen VWL-Vorlesungen nachgegangen. Das mit dem Praxisbezug ist natürlich immer so eine Sache. In engstirnigen Physik-Vorlesungen wird zum Beispiel häufig der folgende Zusammenhang diskutiert:
F=-g(M1*M2)/r^2
Das sieht auf den ersten Blick auch nicht so aus, als hätte es einen besonderen Praxisbezug. Spätestens aber, wenn es Dir einmal in den Sinn kommen sollte, vom Dach zu springen, wirst Du merken, daß dieser theoretische Zusammenhang auch in der Praxis ziemliche Relevanz besitzt und dabei auch vor Freidenkern wie Dir nicht halt macht. Es handelt sich nämlich um das Gravitationsgesetz.
Ganz ähnlich verhält es sich mit wirtschaftspolitischen Grundzusammenhängen. Die kann man auch ignorieren, sollte dann allerdings auch damit rechnen, daß es irgendwann ein unsanftes Erwachen gibt.
Was dieFrage betrifft, ob D mit dem schlimmen Rücken aus dem wirtschaftsprozeß herausgenommen werden sollte, so ist das keine ökonomische, sondern eher eine medizinische. Für den Ökonomen wäre dann eher wieder die Fragestellung interessant, wie man nach der Verrentung des D seinen Unterhalt finanziert.
Die 200€ des Golfklub kommen von außerhalb, aus der großen Stadt (dem Weltmarkt). Dahin verkauft G auch sein Getreide.
Wie die Golfspieler vor den verarmten Massen geschützt werden könnten ist ebenfalls kein ökonomisches Problem, sondern ein sicherheitstechnisches. Der Ökonom stellt sich eher die Frage, wie man das Wirtschaftssystem ausgestalten sollte um eben diese Verarmung effizient zu verhindern. Wie Du an meinem Beispiel erkennen konntest, sind Mindestlöhne eben kein effizientes Mittel um dieses Ziel zu erreichen.
Die bestehenden Besitzverhältnisse an den Produktionsfaktoren werden von Ökonomen in der Regel als gegeben angenommen. Allenfalls die Wirtschaftsgeschichte als Randdisziplin der Wirtschaftswissenschaften beschäftigt sich mit dieser Frage. Die Verteilung des Eigentums an Produktionsmitteln ist für Ökonomen insofern nicht allzu interessant, da man durch geeignte staatliche Maßnahmen auch ohne eine Umverteilung der Produktionsfaktoren fast jede beliebige sekundäre Einkommensverteilung erreichen kann. Daß dem in der Praxis dann allerdings häufig politische und juristische Widerstände entgegenstehen, bestreite ich durchaus nicht. Prinzipiell interessiert Ökonomen die Fragestellung, welche personelle Einkommensverteilung eine Gessellschaft anstrebt, überhaupt nicht, sondern es wird angenommen, daß diese Frage politisch entschieden wird. Der Ökonom fragt sich dann, wie diese politisch angestrebte Einkommensverteilung möglich effizient umgesetzt werden kann.
Ein "Gesetz von Angebot und Nachfrage" gibt es in den Wirtschaftswissenschaften nicht, das ist ein Ausdruck aus der Umgangssprache. Allerdings untersuchen Ökonomen die Fragestellung, wie sich im Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage auf einem Markt ein Preis bildet und welche Gütermengen zu diesem Preis gehandelt werden. Und sie untersuchen auch, welche Wirkungen es hat, wenn ein Preis etwa staatlicherseits über oder unter seinem markträumenden Niveau festgesetzt wird. Ich verrate wohl nicht zuviel, daß diese Wirkungen i.d.R. nicht besonders wünschenswert sind. Deshalb sträuben sich den meisten Ökonomen bei den Worten Mindest- oder Höchstpreise einfach die Nackenhaare. Das gilt für den Arbeitsmarkt genauso wie für jeden anderen Markt.
Was den Getreidepreis betrifft, so wird der nicht etwa von den Dorfbewohnern garantiert, sondern ich bin davon ausgegangen, daß er sich in der von mir beschriebenen Höhe am Weltmarkt gebildet hat und daß unser Dorf viel zu klein ist, um durch seine eigenen Produktionsentscheidungen auf diesen Weltmarktpreis Einfluß zu nehmen. In der Analyse "kleiner" offener Volkswirtschaften ist dies eine Standartannahme der Wirtschaftswissenschaften. Die Untersuchung "großer" Volkswirtschaften, die definitionsgemäß in der Lage sind, den Weltmarktpreis zu beeinflussen ist, ungleich komplexer und würde hier tatsächlich den Rahmen sprengen.