Zitat
Solches "Störfeuer" in Diskussionen einzubringen, scheint mir wichtiger Teil der psychologischen Schulung von Polizeibeamten zu sein. Deren Pech im TT ist es dann aber, an Diskussionsteilnehmer zu geraten, die diese Taktik durchschauen und offenlegen.
Ja ne ist klar... Jeder der also nicht beim fröhlichen "S21 ist doof" Bashing mitmacht ist automatisch also entweder Polizist, bei der Bahn oder wird von de Maizière direkt bezahlt oder wie? In diesem Fall kann das Wörterbuch auch weiterhelfen und zwar unter den Begriffen Totschlagargument und ggf. auch Paranoia.
Alles schreit nach einer sachlichen Diskussion, dabei wird unter dem Tisch kräftig nach sämtlich verfügbaren Schienenbeinen getreten und wild ausgeteilt, alles dabei aber ganz sachlich.
Wenn hier unbelegte Contra-Behauptungen einfach so als absolute Wahrheit in den Raum gestellt werden ist das selbstredend vollkommen in Ordnung, aber alles das was etwaige Befürworter anbringen ist dabei grundlegend schon mal als unseriös abzulehnen. Dabei spielt es auch keine Rolle ob irgendwelche Zahlen oder "Argumente" als eigene Meinung dargestellt werden - denn schließlich hat "man" ja irgendwo gelesen.
Und hier ist auch schon das Kernproblem: Es wird schon längst nicht mehr auf der Sachebene diskutiert sondern es ist längst auf einen emotionalen Grabenkampf abgerutscht. Egal was irgendjemand jetzt gerade tut oder nicht - alles wird sofort negativ ausgelegt und/oder schlecht geredet.
Diese ist wiederum aber auch nicht übermäßig verwunderlich, denn wie viele Ingenieure, Stadtplaner, Verkehrsexperten und Architekten die einen wirklichen Überblick (und nicht nur irgendwelche Zahlen aus Medienberichten) sind denn hier bei TT verteten um die so vehement geforderte sachliche Diskussion zu führen? Wer von den Usern kann mit Bestimmtheit sagen, dass der geplante Durchgangsbahnhof tatsächlich den gewünschten Vorteil bringt oder wer kann belegen, dass dies nicht der Fall sein wird? Im Endeffekt keiner.
Ist in etwa vergleichbar mit den Jury-Urteilen in den USA: Da sitzen Leute in der Jury die von dem Thema und Jura im Prinzip null Ahnung haben. Dann werden sie eine zeitlang von den jeweiligen Anwälten und Staatsanwälten "bearbeitet" und dann sollen sie eine Entscheidung über Schuld oder Unschuld des Angeklagten treffen. Sofern keine eindeutigen Beweise vorliegen (und wie man bei OJ gesehen hat - was ist schon eindeutig) sind diese Personen also darauf angewiesen eine weitreichende Entscheidung zu treffen ohne wirklich den Gesamtzusammenhang zu verstehen, also entscheidet man sich (was nur menschlich ist) für die Seite die einem mehr zusagt, bzw. von der man sich hat besser bequatschen lassen und anhand der bis dahin vorliegenden "Fakten". Urteil: Schuldig - Todesstrafe
Blöd nur dass in mehr als nur einem Fall die Vergangenheit (durch neue DNA Gutachten etc.) gezeigt hat, dass solche Urteile durchaus fehlerhaft sein können. Da hat man jemanden aufgrund einer (emotionalen) Entscheidung für 10 Jahre in die Todeszelle gesteckt und hinterher stellt sich raus, dass obwohl das Urteil im Namen des Volkes ergangen ist das alles ganz großer Mist gewesen ist.
Und ganz ähnlich verhält es sich auch hier: Man sucht sich die "Seite" raus die einen von den "Argumenten" her mehr überzeugt, vielfach ohne wirklich einen kompletten Überblick über das eigentliche Thema zu haben. Da man also sachlich nicht viel beitragen kann wird die Diskussion dann eben auf die emotionale Ebene verlagert.
Ich selbst halte von S21 nichts (aber auch das wird der gute Frank mit seiner Glaskugel ja bereits gewusst haben), als ich vor knapp 10 Jahren bei einem Besuch in Stuttgart erstmals mehr von der ganze Geschichte gehört habe, dachte ich nur "Was für ein Quatsch..., Bäume fällen, alte Gebäuder abreißen - tut das wirklich Not?"
Diese Einschätzung basiert aber ausschließlich auf meinem persönlichen Bauchgefühl und ist entsprechend nicht durch irgendwelche "Fakten" (s.o.) belegt. Nun hat man auch beiden Seiten "Experten", Gutachter und weiß der Geier noch wen sitzen die einen mit Informationen zuschmeißen. Aber selbst wenn man versuchen würde alles zu lesen (und zu verstehen) was zu diesem Thema so in die Welt gesetzt wird - viel schlauer ist man deswegen noch lange nicht.
Hier sind es z.B. 4 Mrd. dort wird von 12 Mrd. gesprochen, allerdings wirklich "beweisen" kann keine Seite ihre Behauptungen (und was solche Beweise wert sein können siehe das Jury Beispiel). Ebenso gibt es Analysen zum Nutzen der neuen Gleisführung - nicht jedoch ohne das passende Gegengutachten was etwas völlig anderes behauptet.
Die Warheit wird - wie so oft - irgendwo in der Mitte liegen. Aber schon früh hat mein Großvater immer so schön gesagt: "Nur weil jemand am lautesten schreit hat er deswegen noch lange nicht recht...".
Insofern kann ich mir daher also gar kein abschließendes Urteil darüber erlauben ob S21 jetzt mal Segen oder Fluch sein wird. Ich bin kein Experte in den fraglichen Sachgebieten und werde aus auch nicht durch das intensive Studium von Stern, Spiegel der FTD und Welt werden, denn auch hier bekommt man immer (egal ob bewusst oder unbewusst) "vorgefilterte" Informationen und Meinungen von Dritten Journalisten präsentiert.
Entsprechend halte ich mich mit diesbezüglichen Aussagen einfach mal zurück, ganz im Sinne von Hr. Nuhr "Man kann zu allem eine Meinung haben - man muss es aber nicht...". Und wenn man mal kurz in der Lage ist die ganzen hochgekochten Emotionen für 5 Minuten beiseite zu lassen müssten eigentlich viele - wenn sie denn ehrlich mit sich selbst sind - zugeben dass es ihnen eigentlich nicht wirklich anders geht.
Also weg von "DEM Ereignis" hin zur "SACHE".