Zitat
Original geschrieben von Aronia
Und noch etwas: Ist es nicht bei 10% Arbeitslosigkeit absolut widersinnig, die Arbeitszeit der Arbeitenden zu erhöhen? Sollte es nicht eher andersrum sein, damit die benötigte Arbeitsleistung gerechter verteilt wird?
Diese Betrachtung lässt die Tatsache ausser Acht, dass mit jedem zusätzlichen Mitarbeiter, den man an Bord hat, der Aufwand für Administration und Repräsentation etc. steigt - teilweise sogar überproportional.
Zudem sind die Lohnnebenkosten pro Kopf in D ohnehin sehr hoch. Je länger dieser eine Kopf arbeitet und zur Wertschöpfung beiträgt, umso eher wird hier der Amortisationspunkt erreicht bzw. überschritten.
Die naive Formel "Weniger Wochenarbeitszeit pro Kopf = mehr Jobs" ist schlichtweg falsch, weil dermaßen unvollständig in der Betrachtung.
Eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit ist aber durchaus geeignet, bereits bestehende Jobs zu sichern, dazu gibt es in der Vergangenheit der BRD einige empirische Evidenz. Man denke nur an den VW-Tarifvertrag Mitte der 90er, der die Absenkung der Wochenarbeitszeit von 36 auf 30 Stunden vorsah - ohne Lohnausgleich! Damit konnten damals schlappe 25.000 Jobs auf einen Streich gerettet werden. Zu dieser Thematik siehe den u.g. Text 3.
[small][Hier zieht das o.a. Argument der hohen Lohnnebenkosten übrigens deswegen nicht, da diese Mitarbeiter ja bereits vor dem Inkrafttreten des neuen Tarifvertrags bei VW beschäftigt waren und die Lohnneben- und Verwaltungskosten durch die Reduktion der Arbeitszeiten in der Summe zumindest nicht stiegen.][/small]
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Übrigens: Wer sich in die ganze Thematik rund um Deregulierung und Flexibilisierung der Arbeitsbeziehungen einlesen möchte, der werfe in folgende Texte einen Blick:
Als Einleitung in die Begrifflichkeiten und das deutsche System:
Jacobi, Otto; Keller, Berndt und Müller-Jentsch, Walther (1998): Germany: Facing New Challenges. S. 190 - 238 in: Ferner, Anthony und Hyman, Richard (Hrsg.): Changin Industrial Relations in Europe. Second Edition. Oxford: Blackwell
Zur Flexibilisierung und Deregulierung:
Bispinck, Reinhard (1997): Deregulierung, Differenzierung und Dezetralisierung des Flächentarifvertrags. S. 551 - 561 in: WSI-Mitteilungen Nr. 8
Zur beschäftigungssichernden Arbeitszeitverkürzung:
Rosdücher, Jörg (1997): Arbeitsplatzsicherheit durch Tarifvertrag. München und Mering: Hampp. Darau: Kap III: Beschäftigungssichernde Arbeitszeitverkürzungen. S. 37-72.