NAHVERKEHR
Bahn will Preise um vier Prozent erhöhen
Für Millionen Pendler und Reisende im Nahverkehr soll das Zugfahren nach Plänen der Deutschen Bahn teurer werden. Zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember will sie die Fahrpreise für Interregio-Express, Regionalexpress, Regional- und S-Bahn anheben. Auch für das Schönes-Wochenende-Ticket müssen Bahnkunden mehr bezahlen.
DPA
Pendler zahlen mehr: Bis 100 Kilometer Entfernung werden die Preise um 10 bis 70 Cent erhöht
Berlin - Grund für die Erhöhung nach zweijähriger Preisstabilität bei den Nahverkehrstarifen der Bahn seien gestiegene Personal- und Energiekosten, teilte die Deutsche Bahn (DB) am Donnerstag in Berlin mit. Die Anhebung sei beim Regierungspräsidium Darmstadt als zuständiger Genehmigungsbehörde eingereicht worden. Diese werde die Bundesländer als Besteller der Nahverkehre konsultieren, sagte DB-Regio-Chef Ulrich Homburg.
Nach Bahnangaben verteuern sich bei Genehmigung Einzelfahrscheine für den Nahverkehr bis zu 100 Kilometern entfernungsabhängig zwischen 10 und 70 Cent pro Fahrt. Der Preis für Kurzstrecken bis zu fünf Kilometern bleibt stabil. Zeitkarten des Berufsverkehrs (bis zu 400 Kilometer) und des Schülerverkehrs (bis zu 90 Kilometer) kosteten durchschnittlich 4,1 Prozent mehr. Zur Frage, warum Schülerfahrkarten im Sinne der Entlastung für Familien nicht ausgenommen wurden, sagte Homburg, die Entlastung der Familien sei eine "politische Forderung" und das Unternehmen Bahn deshalb nicht der Adressat dafür.
Die Bahn rechnet mit Mehreinnahmen von etwa 40 Millionen Euro im Jahr. Aus Fahrgeldern nehme sie im Schienennahverkehr 2,2 Milliarden Euro pro Jahr ein, sagte Homburg. Davon seien 54 Prozent Einnahmen aus Verkehrsverbünden, die nicht von der Erhöhung betroffen sind. Zur Kritik von Bahnverbänden, der Konzern wolle mit erhöhten Einnahmen im Nahverkehr Verluste im Fernverkehr ausgleichen, sagte Homburg, die Maßnahme sei der Entwicklung des Kosten-Erlös-Verhältnisses bei der DB Regio geschuldet. Die Fahrgastentwicklung im Nahverkehr nannte er "stabil". Sie liege mit einem "leichten Zuwachs" im geplanten Rahmen. Dies solle auch im nächsten Jahr so bleiben.
Verkehrsverbünde sind von Preiserhöhung ausgenommen
Die Tarifänderung gilt nach Bahnangaben nicht für InterCityExpress und InterCity. Ebenfalls nicht betroffen sind Fahrten in Verkehrsverbünden, in denen eigene Preise gelten. Das bedeute zum Beispiel, dass im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg die geplante Preisanhebung "nicht kumulativ" zu den seit August dort um gut drei Prozent erhöhten Preisen hinzukomme, sagte Homburg auf Anfrage. Auch gebe es keine Preiserhöhung bei der Berliner S-Bahn. Betroffen seien aber zum Beispiel Verbundgrenzen überschreitende Fahrten wie mit dem RegionalExpress zwischen Berlin und Rostock.
Ebenfalls zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember soll das "Schönes- Wochenende-Ticket" teurer werden, nachdem die Bahn diese Anhebung bisher nicht umgesetzt hatte. Die Länder hatten der Bahn gestattet, das Ticket am Schalter und im Reisebüro für 30 Euro zu verkaufen. Im Internet und am Automaten soll es beim Preis von 28 Euro bleiben. Mit dem Ticket können fünf Fahrgäste samstags und sonntags zum Pauschal- Preis durch Deutschland fahren - allerdings nicht in allen Zügen.
Zur Begründung der Preisanhebung betonte Homburg: "Wir können es uns wirtschaftlich einfach nicht leisten, zwei Jahre in Folge hinter den Erhöhungen der Verkehrsverbünde zurückzubleiben." Während diese ihre Tarife von 1993 bis heute im Durchschnitt um jährlich 3,7 Prozent erhöht hätten, stiegen die Nahverkehrstarife der Deutschen Bahn einschließlich der jetzt geplanten Anhebung im Schnitt nur um 1,9 Prozent pro Jahr. Im Fernverkehr gilt weiterhin das zum 1. August geänderte Preisangebot. (Quelle: Spiegel)